Lkw rast in Berliner Weihnachtsmarkt

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Sonntag, 6. November 2016 7

Lkw rast in Berliner Weihnachtsmarkt

Auf dem Berliner Breitscheidtplatz ist ein Anschlag verübt worden. Es gibt mehrere Verletzte und Tote. Inzwischen ist der mutmaßliche Attentäter Anis Amri erschossen worden.

  • Mit Anteilnahme, Fassungslosigkeit und Besorgnis reagiert die Sportwelt auf den Anschlag von Berlin. Zum Gedenken an die Opfer ordnet die Deutsche Fußball Liga bei den Bundesligaspielen heute Abend und am morgigen Mittwoch eine Schweigeminute und Trauerflor an. «Damit möchten wir ein Zeichen der Verbundenheit mit den Betroffenen, aber auch mit den Bürgerinnen und Bürgern unserer Hauptstadt setzen», sagt Liga-Präsident Reinhard Rauball. «Wir alle sind erschüttert von dem, was sich am Montagabend auf einem friedlichen Weihnachtsmarkt ereignet hat.»

    Nach dem Anschlag müssen sich die Bundesliga-Clubs und ihre Fans auf zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen einstellen. «Die Vereine sind sensibilisiert und treffen in enger Abstimmung mit den lokalen Netzwerkpartnern und insbesondere der Polizei möglicherweise erforderliche Zusatzmaßnahmen», sagt Hendrik Große Lefert, der Sicherheitsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bundes, der Deutschen Presse-Agentur

  • Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, ruft nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt zur Besonnenheit auf. «Es wäre verheerend, wenn wir jetzt sagen: Aha, jetzt sehen wir es: Die Flüchtlinge sind schuld», mahnt er. Es sei unwahrscheinlich, dass Deutschland ohne Flüchtlinge vom Terrorismus verschont geblieben wäre. Die Antwort dürfe jetzt nicht Gewalt sein.

    Der Kardinal betont: «Wir dürfen diesen Terroristen nicht noch einen nachträglichen Erfolg verschaffen, indem wir gegeneinander lostreten, indem wir nicht zusammenhalten, indem wir unbesonnen und mit Hass im Herzen die Dinge angehen.» Ansonsten könne der mutmaßliche Terrorakt «natürlich auch für das Miteinander in unserer Gesellschaft verheerende Folgen haben».


    Foto: Marijan Murat, dpa/Archiv
  • Menschen stellen am Abend an der Gedächtniskirche Kerzen zum Gedenken an die Opfer auf.


    Foto: Jörg Carstensen, dpa
  • Um 18.00 Uhr soll in der Gedächtniskirche ein Trauergottesdienst beginnen. Erwartet wird neben dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller auch Bundespräsident Joachim Gauck


    Foto: Michael Kappeler, dpa
  • In der Kaiser-Wilhelms-Gedächtniskirche am Breitscheidplatz sind die Spitzen des Staates versammelt, aber auch viele Berliner Bürger und Besucher, um der Opfer zu gedenken. Unter den Trauergästen sind auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, Finanzminister Wolfgang Schäuble, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Bundespräsident Joachim Gauck.

  • Das Brandenburger Tor wird derzeit mit dem Wappen Berlins angestrahlt.


  • Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses Ralf Wieland, Bundesratspräsidentin Malu Dreyer und Bundesinnenminiser Thomas de Maiziere im Trauergottesdienst zum Gedenken an die Opfer des Anschlags. Foto: Michael Kappeler, dpa
  • Bis Mitternacht wird definitiv über einen Haftbefehl gegen den festgenommenen Verdächtigen von Berlin entschieden. «Um 24.00 Uhr ist für uns die Zeit abgelaufen», sagte Generalbundesanwalt Peter Frank. Zuletzt gab es große Zweifel, ob der Festgenommene der Fahrer des Sattelschleppers war.

  • Die Gemeinde in der Kaiser-Wilhelms-Gedächtniskirche versammelt sich nun in einer Schweigeminute.

  • Ihr seid nicht alleine. Wir teilen Euren Schmerz.

    Berlins Regierender Bürgermeister, Michael Müller, zu den Angehörigen und Freunden der Opfer des Attentats
  • Müller betont in seiner Ansprache, der Rechtsstaat werde nicht ruhen, bis «der oder die Täter bestraft worden sind».

  • Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin, Markus Dröge, sagte, man frage sich, wie man Menschenliebe und Offenheit bewahren könne. "Eine Antwort ist diese Kirche selbst. Sie ist ein Mahnmal, sie zeigt offen ihre Wunde und Berlin trägt diese Wunde." Und die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche stehe für etwas anderes: "Wir lassen uns nicht zur Unmenschlichkeit verführen."

  • Wir geben dem Terror nicht dadurch Recht, dass wir uns entzweien lassen, nur weil wir in verschiedenen Kulturen leben.

    Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.
  • EIL: Nach dem Lastwagen-Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz ist der zunächst festgenommene Verdächtige wieder frei. Es sei kein Haftbefehl erlassen worden, teilte die Bundesanwaltschaft am Dienstagabend in Karlsruhe mit.

  • Der wegen des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt am 19. Dezember 2016 vorläufig festgenommene Beschuldigte ist am Abend auf Anordnung der Bundesanwaltschaft auf freien Fuß gesetzt worden. Die bisherigen Ermittlungsergebnisse ergaben keinen dringenden Tatverdacht gegen den Beschuldigten. Dieser machte in einer polizeilichen Vernehmung umfangreiche Angaben, bestritt jedoch eine Tatbeteiligung. Eine lückenlose Verfolgung des LKW-Fahrers nach dem durchgeführten Anschlag ist durch Augenzeugen nicht erfolgt. Die durchgeführten kriminaltechnischen Untersuchungen konnten eine Anwesenheit des Beschuldigten während des Tatgeschehens im Führerhaus des LKW bislang nicht belegen.

    Der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof.
  • Trotz der Mitteilung des Generalbundesanwalts bleibt unklar, ob die kriminaltechnischen Untersuchungen des Führerhauses schon beendet worden sind und zweifelsfrei ergeben haben, dass der am Montagabend festgenommene Mann nicht am Steuer des Wagens gesessen haben kann. Insidern zufolge gibt es dort unzählige Fingerabdrücke und DNA-Spuren, die in der Kürze der Zeit nicht alle ausgewertet werden konnten.

  • Der Eintrag von Bundespräsident Joachim Gauck und seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt im Kondolenzbuch in der Gedächtniskirche in Berlin.

    (Foto: Michael Kappeler)
  • Unter den bislang elf getöteten Besuchern des Weihnachtsmarktes am Breitscheidplatz sind nach Angaben von Innenminister Thomas de Maizière keine Kinder, aber möglicherweise Jugendliche und auch Ausländer. Die Identifizierung der Toten sei zum Teil sehr kompliziert, bisher seien lediglich sechs von ihnen identifiziert worden, sagte de Maizière in einer ZDF-«Spezial»-Sendung. 14 Menschen ringen nach seinen Worten in Berliner Krankenhäusern nach wie vor mit dem Tod.

  • Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nimmt den Angriff auf den Weihnachtsmarkt in Berlin für sich in Anspruch. Das IS-Sprachrohr Amak meldet im Internet, ein IS-Kämpfer sei für den Angriff verantwortlich gewesen. Ob diese Behauptung der Wahrheit entspricht, ist nicht bestätigt.

  • Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat sich gegen eine voreilige politische Debatte über schärfere Sicherheitsmaßnahmen gewandt. «Es hat keine einzige Beerdigung stattgefunden. Wir kommen aus einem Gottesdienst, der im Fernsehen übertragen wurde, und da war das Thema Trauer und Gemeinsamkeit», sagte der CDU-Politiker im ZDF. «Und in dieser Lage und heute beteilige ich mich nicht an politischen Debatten» über die Sicherheitsarchitektur und die Flüchtlingspolitik. 

  • Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hat die Bürger der Stadt aufgerufen, sich nicht von dem Weihnachtsmarkt-Anschlag einschüchtern zu lassen. «Richtig ist: Die Augen offen zu halten, sich umzusehen, wachsam zu sein», sagte Müller in der ARD. Man könne sich aber in der Öffentlichkeit bewegen. «Es gibt keinen Grund für Angst oder sich zu Hause einzuschließen.» Die Weihnachtsmärkte in der Stadt würden zusätzlich gesichert, etwa durch Betonklötze, um Nachahmungstaten zu vermeiden

  • Nach der Inanspruchnahme des Anschlags auf einen Berliner Weihnachtsmarkt durch die IS-Terrormiliz hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière auf Besonnenheit gedrungen. «Diese angebliche Bekennung des sogenannten Islamischen Staates - das ist ja in Wahrheit eine Terrorbande - haben wir gerade erst bekommen», so der CDU-Politiker in der ARD.  Es gebe Ermittlungsansätze, die würden verfolgt. «Wir sollten die Sicherheitsbehörden ihre Arbeit machen lassen. Die arbeiten mit Hochdruck. Und niemand wird ruhen, bis nicht der Täter oder die Täter gefasst sind», erklärt der Minister.

  • Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan mit Bundeskanzlerin Angela Merkel telefoniert und ihr sein Beileid übermittelt. Erdogan habe Merkel ausgerichtet, dass er den Schmerz Deutschlands angesichts des Anschlags teile, meldet die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf Quellen im Präsidialamt in Ankara. Zuvor hatte bereits das türkische Außenministerium den Anschlag scharf verurteilt und Deutschland Solidarität zugesichert

  • Die Polizei in Berlin hat 25 Stunden nach dem Anschlag den bislang gesperrten Kurfürstendamm wieder für den Verkehr freigegeben.

  • Der Breitscheidplatz selbst wird aber auf absehbare Zeit nicht wieder geöffnet.

  • Unter den Opfern des Terroranschlags sind wahrscheinlich auch mehrere Ausländer. Nach Informationen der italienischen Nachrichtenagentur Ansa wird eine 31-jährige Frau aus Sulmona in den Abruzzen vermisst, die seit mehreren Jahren in Berlin lebt. Ihr Handy sei am Ort des Anschlags am Breitscheidplatz gefunden worden.

    Vermisst wird auch eine Frau aus Israel, die am Montagabend mit ihrem Mann auf dem Weihnachtsmarkt war. Der Mann, ebenfalls israelischer Staatsbürger, wurde bei der Attacke schwer verletzt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, man fürchte um das Leben der Frau.  

  • Der polnische Lkw-Fahrer, der beim Anschlag auf dem Beifahrersitz saß, hat nach Informationen der «Bild»-Zeitung bis zum Attentat noch gelebt. Das habe die Obduktion ergeben, berichtet die Zeitung auf ihrer Internetseite. Ein Ermittler habe von einem Kampf gesprochen. Die Rede ist auch von Messerstichen. Nach dem Attentat wurde der Pole tot im Lkw gefunden. Nach dpa-Informationen wurde er mit einer kleinkalibrigen Waffe erschossen. Von ihr fehlt bislang jede Spur.

  • Von dem Attentäter fehlt weiterhin jede Spur. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter sieht aber gute Chancen auf einen schnellen Fahndungserfolg. «Ich bin relativ zuversichtlich, dass wir vielleicht schon morgen oder in naher Zukunft einen neuen Tatverdächtigen präsentieren können», erklärt der Gewerkschafts-Vorsitzende André Schulz gestern Abend in der ZDF-Sendung «Maybrit Illner Spezial». Vieles könne derzeit nicht verraten werden, aber es gebe «gute Hinweise» und «sehr viele Ansatzpunkte».

    Die Berliner Polizei hat nach eigenen Angaben mehr als 500 Hinweise erhalten. Neben Zeugenaussagen werten die Ermittler Schulz zufolge DNA-Spuren und Fingerabdrücke aus. Mit GPS-Daten vom Tatabend werde nach dem Handy des Täters gesucht. Auf dieser Basis könne ein Bewegungsbild erstellt werden. «Wir haben viele Möglichkeiten, um die Person auch zu finden», so Schulz.

  • Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff warnt davor, sich Ängsten hinzugeben. «Ich hoffe, wir behalten in Deutschland die Nerven», so der CDU-Politiker im Gespräch mit der «Mitteldeutschen Zeitung». «Das Thema wird aber sehr stark instrumentalisierbar sein, gerade angesichts der Wahlkämpfe im kommenden Jahr, wie wir in den sozialen Medien erleben können.» Die Strategie der Terroristen sei es, solche Ängste zu schüren und die Gesellschaft zu destabilisieren. «Das dürfen wir nicht zulassen. Wir befinden uns nicht im Krieg, das ist etwas vollkommen anderes, und wir lassen uns den Krieg auch nicht von Salafisten in unser Land tragen


    Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff. Foto: Peter Gercke, dpa
  • Der Breitscheidplatz samt Gedächtniskirche - vor dem Anschlag. Eine undatierte Luftaufnahme aus einem Polizeihubschrauber zeigt die Szenerie samt Weihnachtsmarkt bei Dunkelheit. 


    Foto: Polizei Berlin/dpa
  • Die Ereignisse vom Montagabend beschäftigen auch heute wieder die Politik in der Hauptstadt. Gegen Mittag will der Innenausschuss des Bundestags in einer Sondersitzung über den Anschlag beraten.

  • Wie gehen eigentlich andere europäische Metropolen mit Terror um?  


    Brüssel, Paris, Istanbul: Viele europäische Millionenstädte waren in den vergangenen Monaten das Ziel von Anschlägen. Wie gehen die Menschen dort damit um? Und wie wappnen sich die Behörden?

    BRÜSSEL, BELGIEN
    Mit Westen und Maschinenpistolen bepackte Soldaten auf den Straßen und in der U-Bahn, gepanzerte Fahrzeuge auf öffentlichen Plätzen - es sind die Schutzmaßnahmen, die allen zeigen: Es ist noch immer nicht sicher in Brüssel. 32 Menschen rissen die Selbstmordanschläge auf den Flughafen und die Metro am 22. März in den Tod. «Die größte Veränderung gab es für die Bürger», sagt Benoit Ramacker, Sprecher des Krisenzentrums beim Innenministerium. «Sie müssen mit der Terrorbedrohung leben.» Und zwar wohl auf Dauer.

    Die Polizeipräsenz auf den Straßen ist laut Ramacker erhöht, die Rechte der Polizisten sind ausgeweitet worden. Die Armee schützt strategische Einrichtungen wie den Flughafen und öffentliche Gebäude. Einiges gilt schon seit den Terroranschlägen von Paris im Januar und November 2015, und fast alles wird nach Einschätzung der Behörden vorerst so bleiben. Zur Überprüfung von Reisenden des Schnellzugs TGV sollen ab Anfang 2017 dauerhaft Sicherheitsschleusen an den Bahnhöfen Brüssel-Süd, Antwerpen und Lüttich aufgestellt werden. «Es ist zu früh, die Gefahrenstufe zu senken», sagt Ramacker. Sie liegt seit kurz nach den Anschlägen bei der zweithöchsten Stufe drei. 

    Dennoch lernt Belgien, mit der Gefahr zu leben. Die Zelte zur Vorüberprüfung der Fluggäste am Airport Zaventem sind wieder abgebaut, die Zahl der Passagiere ist - nach einem drastischen Rückgang im Frühjahr - im November erstmals wieder gestiegen und lag sogar 2,9 Prozent über Vorjahresniveau.


    Polizeikontrolle in Brüssel. Foto: Laurent Dubrule, epa/dpa
  • ISTANBUL, TÜRKEI

    Einst gehörte Istanbul zu den beliebtesten Zielen für Städtereisen. Die weltweit einzige Metropole auf zwei Kontinenten war im Jahr 2010 Kulturhauptstadt Europas. Doch die Millionenstadt ist in diesem Jahr zum Ziel einer ganzen Reihe von Anschlägen geworden, bei denen Dutzende Menschen starben - darunter auch Deutsche. Für einige der Bluttaten machte die Regierung die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich, zu anderen bekannte sich die TAK, eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. 

    Die Besucherzahlen sanken dramatisch. Vor Sehenswürdigkeiten wie der weltberühmten Hagia Sophia bilden sich heute kaum noch Schlangen. Früher mussten Touristen dort lange anstehen. Die Polizeipräsenz wurde sichtbar erhöht. An einigen Punkten wurden die Kontrollen verschärft, etwa an der Einfahrt zum Atatürk-Flughafen, der im Juni von einem IS-Kommando angegriffen wurde. 

    Der Terror und nicht zuletzt auch der blutige Putschversuch von Mitte Juli hat besonders westliche Ausländer, die mit Familie und Kindern in Istanbul lebten, zum Wegzug bewegt. In teuren Innenstadtvierteln stehen zahlreiche Wohnungen leer. Ausländische Einrichtungen wie Konsulate und Schulen haben ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Aus Angst vor Anschlägen meiden einige Ausländer öffentliche Verkehrsmittel wie die Metro. 


    Polizisten patrouillieren vor der Blauen Moschee. Foto: Deniz Toprak, epa/dpa
  • PARIS UND NIZZA, FRANKREICH

    Beim Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt denken viele Franzosen auch an das verheerende Attentat von Nizza. Am Nationalfeiertag (14. Juli) raste ein 31-Jähriger mit seinem Lastwagen über die Strandpromenade und tötete 86 Menschen. Die Terrormiliz Islamischer Staat bekannte sich später zur der Tat. 

    Seit knapp zwei Jahren wird Frankreich von einer beispiellosen Terrorserie heimgesucht. Sie erschütterte das Land tief, stürzte es aber nicht in eine bedrohliche Krise. Der Staat reagierte - und verhängte den Ausnahmezustand. Das Parlament hat ihn kürzlich bis Sommer kommenden Jahres verlängert. Der Ausnahmezustand gibt den Behörden Sonderrechte, die teils umstritten sind. Durchsuchungen dürfen ohne Richterbeschluss stattfinden. Erst Ende vergangenen Monats nahmen Ermittler mehrere Terrorverdächtige fest.

    In der Politik führten die Anschläge zu einem Rechtsruck. Die Regierung wird inzwischen vom früheren Innenminister und «Chefpolizisten» Bernard Cazeneuve geführt, der im Anti-Terrorkampf in der vordersten Linie stand. Allen Bedrohungen zum Trotz: «Wir versuchen, damit zu leben», sagte vor Kurzem ein Besucher des Musikclubs Bataclan. Genau ein Jahr nach den verheerenden islamistischen Anschlägen von Paris mit 130 Toten wurde die Konzerthalle im vergangenen November wiedereröffnet.


    Beamte vor dem Eiffel-Turm. Foto: Guillaume Horcajuelo, epa/dpa
  • Weltweit hat der Anschlag in Berlin nicht nur große Bestürzung ausgelöst, auch in der Berichterstattung findet die Tat nach wie vor ein großes Echo.









  • Die populistische Rechte hat keine Zeit darauf verschwendet, Fakten über die Identität des Attentäters von Berlin oder ein Motiv abzuwarten, um Kanzlerin Angela Merkel für ihre menschliche Asylpolitik scharf zu kritisieren und die eigene fremdenfeindliche Agenda zu pushen. Diese gefährliche - wenn auch vorhersehbare - Reaktion spielt direkt in die Hände des Islamischen Staats, der nichts mehr will, als einen Krieg zwischen Christen und Muslimen in Europa zu beginnen. (...) Mit jedem neuen Anschlag, ob auf einen Weihnachtsmarkt oder eine Moschee, wird die Herausforderung für Europa schwieriger, Toleranz, Inklusion, Gleichheit und Vernunft zu verteidigen.

     Die «New York Times» zum Anschlag in Berlin
  • Es wird tausend Schuldzuweisungen geben und tausend Forderungen, was jetzt sofort zu tun sei. Vielleicht sind manche gar nicht schlecht – auch wenn sie von der Opposition kommen. Aber das wird die Herausforderung der kommenden Zeit für Merkel sein: abzuwägen – und dann zu entscheiden. Und sich nicht von den Scharfmachern provozieren zu lassen. (...) Die AfD ist für Merkel dabei nur eine Herausforderung. (...) Viel schwieriger wird für Merkel die Frage sein, ob sie ihre eigenen Truppen angesichts des schrecklichen Ereignisses bei der Stange halten kann. Seit langem schon gärt es auch in der Union, die Konservativen ballen die Faust in der Hosentasche. So mancher wird jetzt eine Gelegenheit sehen, sich nicht so sehr gegen die AfD zu stellen, sondern lieber ein paar ihrer Forderungen zu übernehmen.

    Ein Kommentar der Wiener Zeitung «Der Standard»
  • Sofort, und mit verachtungswürdigem Opportunismus, hat die extreme fremdenfeindliche Rechte (...) die Asylpolitik von Angela Merkel für die Angriffe verantwortlich gemacht und sie beschuldigt, Blut an ihren Händen zu haben. (...) Es muss aber ganz deutlich gesagt werden, dass jene mit den blutbefleckten Händen nicht Angela Merkel oder Matteo Renzi sind, um nur einige der Politiker zu nennen, die mit ihrer Politik die Würde der europäischen Werte in der Mitte einer gigantischen Asylkrise aufrecht erhalten haben. Sondern jene, die durch den Tod unschuldiger Landsleute an der Wahlurne profitieren wollen.(...)Wir sind überzeugt, dass Deutschland, eine demokratisch reife Gesellschaft und sich seiner Werte und Verantwortung bewusst ist, sich weder den Terroristen beugt, egal, welchen Preis sie fordern, noch jenen, die den Terror nutzen, um an die Macht zu kommen.

    Kommentar der spanischen «El País» 
  • Angesichts scharfer Reaktionen von AfD-Politikern auf den tödlichen Anschlag mit zwölf Toten in Berlin warnt der Konfliktforscher Andreas Zick davor, die Ereignisse aus parteipolitischem Kalkül heraus auszuschlachten. «Anschläge sollen Chaos erzeugen und totale Unordnung. Halten wir das Bild von Unordnung aufrecht, dann ist das Wasser auf die Mühlen von Extremisten», warnt Zick, Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld, in einem Gespräch mit der «Neuen Osnabrücker Zeitung».

    Um den Stress und die Belastung nach derartigen Ereignissen zu bewältigen, bräuchten die Menschen vielmehr «eine Kultur der gegenseitigen Hilfe zur Bewältigung von Krisen», sagt der Bielefelder Forscher. Einlassungen wie «Es sind Merkels Tote» des AfD-Politikers Marcus Pretzell kritisiert Zick: «Das verletzt die Angehörigen der Opfer ein zweites Mal.»


    Konfliktforscher Andreas Zick kritisiert Äußerungen aus parteipolitischem Kalkül. Foto: Hannibal Hanschke, dpa/Archiv
  • CDU-Vize Armin Laschet hat den CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer für seine politischen Schlussfolgerungen nach dem Anschlag von Berlin. Es sei nicht die «normale Herangehensweise an Politik», schon vor Ermittlung der Fakten durch die Polizei Schlüsse zu ziehen, sagte er am Abend in der ZDF-Sendung «Maybrit Illner spezial».

    Der bayerische Ministerpräsident Seehofer hatte nur 14 Stunden nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt gesagt: «Wir sind es den Opfern, den Betroffenen und der gesamten Bevölkerung schuldig, dass wir unsere gesamte Zuwanderungs- und Sicherheitspolitik überdenken und neu justieren.» Laschet argumentierte, Seehofers Forderung ergebe keinen Sinn, solange man nicht eindeutig wisse, wer der Täter sei. «Was ist denn, wenn der Täter aus dem Inland oder aus einem Nachbarland kommt, wie bei den Anschlägen von Nizza oder Brüssel?», fragte Laschet. Nach Konsequenzen rufen könne man «erst, wenn die Fakten auf dem Tisch liegen».

  • Trotz des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt soll es keine Ausweitung der Videoüberwachung in der Hauptstadt geben. Das sagt Wirtschaftssenatorin Ramona Pop im Inforadio des RBB und unterstützte damit Innensenator Andreas Geisel. Der Senat habe aber am Dienstag beschlossen, mehr Polizeipräsenz auf den Straßen und den Weihnachtsmärkten zu zeigen. Dabei helfe auch die Bundespolizei den Berliner Beamten. Verbessert werden soll auch die Ausrüstung der Polizei. So plant Rot-Rot-Grün in einem Modellversuch die Ausstattung von Polizisten mit sogenannten Bodycams.


    Foto: Sören Stache, dpa/Archiv
  • +++ Das Wichtigste im Überblick +++

    ▪ Bei einem Lastwagen-Anschlag am Montagabend auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz sind 12 Menschen getötet worden. 49 Menschen wurden verletzt, 14 davon schwer.

    ▪ Ein Verdächtiger wurde kurz nach der Tat festgenommen. Er wurde jedoch wieder freigelassen, weil kein Haftbefehl verhängt wurde.

    ▪ Das Bundeskriminalamt kann nicht ausschließen, dass noch immer ein bewaffneter Täter unterwegs ist. Auch sei nicht sicher, ob es nur einen einzigen Täter gebe.

    ▪ Die IS-Terrormiliz hat den Anschlag für sich reklamiert. Das meldet das IS-Sprachrohr Amak im Internet. Die Echtheit der Nachricht ließ sich zunächst nicht verifizieren.

    ▪ Der Sattelschlepper mit einer Ladung aus Italien stammt aus Polen. Der Fahrer der Spedition wurde vermutlich von dem Attentäter ermordet.

    von Desk bearbeitet von christine.strasser 12/21/2016 8:06:36 AM
  • Bundespräsident Joachim Gauck will Verletzte des Weihnachtsmarkt-Anschlags besuchen. Dazu fährt das Staatsoberhaupt am Vormittag in das Virchow-Klinikum der Charité, wie das Bundespräsidialamt mitteilt. Gauck hatte bereits das große Mitgefühl für die Angehörigen der Opfer und die Verletzten betont. «Wir werden sie nicht allein lassen in ihrem Schmerz», sagte er gestern. 

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