Lkw rast in Berliner Weihnachtsmarkt

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Sonntag, 6. November 2016 7

Lkw rast in Berliner Weihnachtsmarkt

Auf dem Berliner Breitscheidtplatz ist ein Anschlag verübt worden. Es gibt mehrere Verletzte und Tote. Inzwischen ist der mutmaßliche Attentäter Anis Amri erschossen worden.

  • Den tödlichen Schuss auf Amri gab nach Informationen der italienischen Nachrichtenagentur Ansa ein 29-jähriger Polizist ab.


    Foto: Daniele Bennati, dpa
  • Innenminister Marco Minniti betont bei einer Pressekonferenz, sowohl die zuständigen politischen Stellen als auch die Polizei in Deutschland seien umgehend informiert worden. 

  • Szenen vom Tatort bei Mailand sowie der Pressekonferenz des Innenministers.



  • Die Bundesregierung dankt den italienischen Behörden für die Zusammenarbeit im Fall des Terrorverdächtigen Anis Amri. Es habe einen sehr engen und vertrauensvollen Informationstausch am Vormittag gegeben, sagt ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin. So sei der amtierende deutsche Generalkonsul in Mailand sehr früh eingeweiht worden, es habe auch direkten Kontakt mit dem dortigen Polizeipräfekten gegeben.

  • Forensiker untersuchen den Tatort am Bahnhof Sesto San Giovanni.


    Foto: Daniele Bennati, dpa
  • Nach der Erschießung des mutmaßlichen Berliner Lastwagen-Attentäters in Mailand versuchen die Ermittler in Italien mehr über die Waffe herauszufinden, die Anis Amri bei sich trug. Man wolle herausfinden, ob es sich um dieselbe Waffe handle, die bei der Entführung des polnischen Lkws am Montag in Berlin verwendet wurde, berichtet die Tageszeitung «La Repubblica». 



  • Der Tunesier Amri hatte jahrelang in Italien gelebt, zeitweise in Haft. Seine Fingerabdrücke wurden mehrfach an dem Lkw sichergestellt, der am Montagabend in die Budengasse nahe der Gedächtniskirche gerast war. Auf Amris Spur waren die Ermittler gekommen, als sie im Lastwagen seine Duldungspapiere fanden. Das geschah aber erst am Dienstag, weil die Fahrerkabine zunächst versiegelt worden war. 

  • Die Bedrohungslage bleibt dem italienischen Ministerpräsidenten Paolo Gentiloni auch nach dem Tod des mutmaßlichen Attentäters von Berlin hoch. «Die Bedrohung wird nicht unterschätzt», sagt Gentiloni in Rom. Italien sei stolz auf die Sicherheitskräfte, sagt Gentiloni. «Ein besonderer Dank geht an den jungen Polizisten auf Probe Christian Movio, der bei dem Einsatz in Sesto San Giovanni verletzt wurde.» Das Land sei weniger sicher, das sei die Lektion aus den vergangenen Stunden und Tagen, sagt Gentiloni. Der vorbildliche Einsatz der Polizisten habe aber gezeigt, dass der Staat für die Sicherheit der Bürger sorgt.


    Foto: Giuseppe Lami, epa/dpa
  • Nach dem gemeldeten Tod Amris in Italien gehen die Ermittlungen zum Anschlag auf dem Breitscheidplatz laut Berlins Innensenator Andreas Geisel unvermindert weiter. «Das bedeutet nicht, dass wir die Fahndungsmaßnahmen aufheben werden», sagt Geisel in  einer Sitzung des Innenausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus. So müsse zum Beispiel geklärt werden, ob der Attentäter Komplizen hatte. «Der Sachverhalt wird weiter aufgeklärt.» Gegenwärtig sei der Tod Amris von deutscher Seite noch nicht bestätigt, fügt Geisel hinzu.

  • Die Berliner Polizei bedankt sich bei den italienischen Kollegen:



  • Eine aktualisierte Karte mit den Ermittlungsorten sowie den Stationen von Anis Amri:


    Grafik: Grafik: A. Brühl/ D. Dytert 
  • Zwei Pressekonferenzen stehen im Laufe des Tages noch an: Zunächst will sich Generalbundesanwalt Peter Frank in wenigen Minuten vor Medienvertretern äußern. Bundesinnnenminister Thomas de Maiziere will um 14.15 Uhr den Journalisten Rede und Antwort stehen.

  • Der italienische Polizist Cristian Movio im Krankenhausbett, nachdem er bei einem Schusswechsel mit Anis Amri verletzt wurde.


    Foto: Italienische Polizei/dpa
  • Anis Amri ist nach Angaben von Generalbundesanwalt Peter Frank tot. Frank bestätigt eine entsprechende Erklärung des italienischen Innenministers Marco Minniti.

  • UPDATE Weitere Pressekonferenzen angekündigt: Sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch Bundesjustizminister Heiko Maas wollen heute ein Statement vor der Presse abgeben - Merkel um 15.00 und Maas um 14.30 Uhr.

  • Bei der Person auf den bekanntgewordenen Fotos einer Überwachungskamera vor einer Moschee in Berlin handelt es sich nicht um den mutmaßlichen Attentäter Anis Amri. Das teilt der Chef des Landeskriminalamts, Christian Steiof, in einer Sitzung des Berliner Innenausschusses mit. Nach Aussagen der Polizeibeamten, die Amri kennen oder zeitweise observiert haben, «ist die Person auf diesen veröffentlichten Bildern nicht Anis Amri», erklärt er.

    Das RBB-Fernsehen Bilder einer Überwachungskamera gezeigt und berichtet, darauf sei der tatverdächtige Tunesier Anis Amri vor einem Moschee-Verein zu sehen, der als Salafisten-Treffpunkt gilt. Gezeigt wurden Fotos, die vor und nach dem Anschlag gemacht wurden.

  • Erst einen Tag später nach dem Anschlag haben die Ermittler eine Geldbörse entdeckt, die sie auf die Spur Amris brachte. Die Berliner Polizei begründet dies mit einem planmäßigen Vorgehen bei der Spurensicherung. «Es gibt kriminaltechnische Standards, wie lange kriminaltechnische Untersuchungen dauern, die halten wir auch konsequent ein», so Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt.

    Es gehe nicht nur darum, einen Täter festzunehmen, sondern auch darum, die Taten vor Gericht zu beweisen. «Dazu gehört eben auch, dass man nicht Spuren vernichtet, sondern die Standards einhält

  • Anis Amri ist tot - und damit wohl auch jene Person, die mutmaßlich am meisten Licht in das Dunkel rund um die Ereignisse am Breitscheidplatz hätte bringen können. Doch hätte es überhaupt so weit kommen müssen? Die Linken-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht verlangt eine restlose Aufklärung des Vorgehens der Behörden vor dem Anschlag. 

  • Die deutschen Behörden haben Sicherheitsmaßnahmen auf allen Ebenen überprüft und an vielen Stellen verstärkt. Das bekräftigt ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. «Gehen Sie ganz generell davon aus, dass alle Behörden in Bund und Ländern nach solchen Anschlägen alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen noch einmal durchgehen, sozusagen jeden Stein umdrehen», erklärt der Sprecher. «Natürlich ist es so, dass Sicherheitsmaßnahmen verstärkt worden sind.» Welche Schritte nach dem Anschlag im Detail ergriffen worden seien, wolle er nicht sagen, so dass Menschen, die möglicherweise Taten planen, davon nichts erführen.

  • Nach italienischen Angaben war Anis Amri alleine unterwegs gewesen, als er auf die Polizisten in Mailand traf. Auf ihn seien zwei Schüsse abgegeben worden, einer habe den Brustkorb getroffen und sei tödlich gewesen, so der Mailänder Polizeipräsident Antonio de Iesu. Der 24-Jährige sei «höchst gefährlich» gewesen und hätte vermutlich erneut zugeschlagen

    Der Polizeipräsident weist Berichte zurück, wonach Amri «Allahu Akbar» (Gott ist groß) gerufen haben soll.
    Davon wisse er nichts, sagt de Iesu. Aber Amri habe die Polizisten als «Bastarde» beschimpft.

  • Journalisten am Ort des Schusswechsels zwischen den beiden italienischen Polizisten und Anis Amri.


    Foto: Matteo Bazzi, epa/dpa
  • Nach dem Tod von Anis Amri konzentrieren sich die Ermittlungen nun auf mögliche Helfer des Tunesiers. «Für uns ist es jetzt von großer Bedeutung festzustellen, ob es bei der Tatvorbereitung, bei der Tatausführung und auch bei der Flucht des Gesuchten ein Unterstützernetzwerk, ein Helfernetzwerk, ob es Mitwisser oder Gehilfen gab», so Generalbundesanwalt Peter Frank. Zur Frage, wie Amri ungehindert von Berlin nach Mailand gelangen konnte, sagte er: «Das ist für uns einer der zentralen Gegenstände unserer weiteren Ermittlungen.» Amri reiste nach italienischen Angaben allein mit dem Zug von Frankreich nach Italien.

  • Hat Marokko bereits vor Monaten konkret vor einem  Terroranschlag von Anis Amri gewarnt? Wie die Tageszeitung «Die Welt» berichtet, sollen die marokkanischen Sicherheitsbehörden Deutschland zwei Mal vor Anschlagsplänen des 24-Jährigen hingewiesen haben. Die Warnungen sollen schon am 19. September und 11. Oktober diesen Jahres an den Bundesnachrichtendienst weitergeleitet worden sein.

  • Bundesjustizminister Heiko Maas kündigt rasche Beratungen über rechts- und sicherheitspolitische Konsequenzen an. Bei den Gespr��chen «sehr zügig im Januar» mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière «wird es insbesondere um die Fragen gehen, wie Ausreisepflichtige so schnell wie möglich abgeschoben werden und wie Gefährder noch besser überwacht werden können», so der SPD-Politiker. 

    Maas betont: «Auch wenn der Tatverdächtigte tot ist, die rechtsstaatliche Aufarbeitung endet nicht. Die Ermittlungen laufen weiter. Denn: Wir müssen alles tun, um auch die Hintergründe des brutalen Anschlags aufzuklären.»

  • Mittlerweile sind nach Angaben des Landeskriminalamtes neun der zwölf Toten identifiziert. Darunter sei auch ein tschechischer Staatsbürger, erklärt LKA-Chef Christian Steiof im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

    Bereits bekannt war, dass unter den Toten auch eine Israelin und eine Italienerin sind. Bei allen bisher identifizierten Opfern handele es sich um Erwachsene, so  Steiof hinzu. Weitere Details wurden nicht bekannt.

  • Bundesinnenminister Thomas de Maizière äußert sich zur Stunde in Berlin auf einer Pressekonferenz. Zum Fahndungserfolg sagt er: «Ich bin sehr erleichtert, dass von diesem Attentäter keine Gefahr mehr ausgeht». Er beglückwünscht die italienischen Behörden für ihren Fahndungserfolg und bedankt sich bei den beiden Polizisten, die den 24-Jährigen stellten.

  • Nach Angaben von Bundesinnenminister Thomas de Maizière reist noch heute reist ein spezielles Team des Bundeskriminalamts nach Italien. Der Fall Amri zeige erneut, von welch immenser Bedeutung die intensive europäische, aber auch internationale Zusammenarbeit sei. «Dieser Fahndungserfolg beendet selbstverständlich die Ermittlungen nicht», so der Minister.

    Der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, kündigte an, dass auch über die Weihnachtstage eine «dreistellige Zahl von Ermittlern» an dem Fall arbeiten werde.


    Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Foto: Bernd Thissen, dpa
  • Auch das IS-Sprachrohr Amak bestätigt den Tod Anis Amris. Dies meldet unter anderem Rita Katz, Direktorin der US-Terrorbeobachtungsstelle Siteund verweist auf ein veröffentlichtes Internetvideo, auf dem der mutmaßliche Berlin-Attentäter zu sehen sein soll. Auf der knapp dreiminütigen Aufnahme schwört der 24-Jährige dem Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat, Abu Bakr al-Bagdadi, die Treue.

  • Der auf dem Video zu sehende junge Mann richtet sich dabei an die «Kreuzzügler»: «Wir kommen zu Euch, um Euch zu schlachten, Ihr Schweine.» Es werde Rache für das Blut von Muslimen geben, das vergossen wurde. Dabei steht Anis Amri offensichtlich auf einer Brücke. Hinter ihm ist ein Gewässer zu sehen. Die Aufnahme könnte in Deutschland aufgenommen worden sein.



  • Die Pressekonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mittlerweile begonnen. Sie gibt im Kanzleramt vor den Medienvertretern ihr Statement ab.


    Foto: Michael Kappeler, dpa
  • Großer Dank an die italienische Polizei. Ich wünsche dem verletzten Polizisten rasche Genesung.

    Kanzlerin Angela Merkel.
  • Die Kanzlerin zum Tod von Anis Amri: «Wir können (...) erleichtert sein, dass eine Gefahr beseitigt ist.»

  • Die Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigt eine schnelle Überprüfung sämtlicher Aspekte des Terroranschlags von Berlin an. Der Fall werfe eine Reihe von Fragen auf, so Merkel. «Wir werden jetzt mit Nachdruck prüfen, inwieweit staatliche Maßnahmen verändert werden müssen.» 

  • Merkel habe Innenminister Thomas de Maizière gebeten, mit Justizminister Heiko Maas und den Sicherheitsbehörden jeden Aspekt des Falles zu analysieren und die Ergebnisse «baldmöglichst» vorzulegen. Daraus könnten politische und gesetzliche Konsequenzen gezogen werden. 

  • Unsere Demokratie, unser Rechtsstaat, unsere Werte und unsere Mitmenschlichkeit - sie sind der Gegenentwurf zur hasserfüllten Welt des Terrorismus und werden stärker sein.

    Kanzlerin Angela Merkel.
  • «Die Gefahr des Terrorismus insgesamt besteht wie seit vielen Jahren weiter», sagt Merkel. Für sie wie für die gesamte Bundesregierung sei es oberste Pflicht des Staates, die Bürger zu schützen.


    Foto: Michael Kappeler, dpa
  • In Folge des Terroranschlags dringt die Bundeskanzlerin auf schnellere Abschiebungen nach Tunesien. Sie habe dem tunesischen Präsidenten Beji Caid Essebsi telefoniert, sagt Merkel. «Ich habe dem Präsidenten gesagt, dass wir den Rückführungsprozess noch deutlich beschleunigen und die Zahl der Zurückgeführten weiter erhöhen müssen.» Bei der Frage der Rückführungen habe es im laufenden Jahr bereits Fortschritte gegeben. Nach dem Anschlag war bekannt geworden, dass eine Abschiebung des mutmaßlichen Täters, des Tunesiers Anis Amri, gescheitert war.

  • Um unser aller Schutz zu gewährleisten, müssen wir weiter und intensiv arbeiten. Darauf können Sie sich verlassen.

    Kanzlerin Angela Merkel über die Aufgabe des Staates, für Sicherheit der Bürger zu sorgen.
  • Wie die Kanzlerin, dankt auch der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella den beiden Polizisten. Innenminister Marco Minniti möge seine herzlichsten Glückwünsche übermitteln, zitiert die italienische Nachrichtenagentur Ansa Mattarella. Die beiden Polizisten hätten in Sesto San Giovanni bei Mailand professionell und mutig gehandelt.

  • Kurzer Blick nach Oberhausen: Wegen der möglichen Vorbereitung eines Anschlags auf das riesige Einkaufszentrum Centro bleiben die beiden festgenommenen Männer vorerst in Polizeigewahrsam. Der Beschluss des zuständigen Richters sehe vor, dass die beiden Männer zunächst bis zum morgigen Samstag im Polizeigewahrsam bleiben, teilt die Polizei Essen mit. Staatsschutz und weitere Kriminalbeamte ermittelten, ob sich der Anfangsverdacht weiter konkretisieren lasse.

    Wie bereits berichtet, nach einem Hinweis aus Sicherheitskreisen gebe es einen Verdacht, dass sie möglicherweise einen Anschlag auf das Centro geplant haben könnten. Die 28 und 31 Jahre alten und im Kosovo geborenen Brüder waren in der Nacht in Duisburg-Marxloh festgenommen worden. 


    Bewaffnete Polizisten sichern in Oberhausen den Weihnachtsmarkt vor dem Einkaufszentrum Centro. Foto: Bernd Thissen, dpa
  • Auch Bundesjustizminister Heiko Maas hat inzwischen seine Pressekonferenz abgehalten. Hier das Wichtigste aus seinem Statement:



  • Nach dem Tod von Anis Amri bleiben viele Fragen offen - hier ein Überblick: 

    · War Amri wirklich beim Anschlag im Lkw? Das scheint zumindest deutlich, aber nicht vollkommen geklärt. Vielleicht wurden seine Papiere auch als Bekenntnis oder als falsche Fährte absichtlich im Lkw abgelegt. Es könnte auch sein, dass sie im Kampf mit dem Speditionsfahrer verloren gingen, dessen Leiche auf dem Beifahrersitz gefunden wurde.

    · Wie gelangte der Täter an den Lastwagen? Polnische Medien berichten unter Berufung auf die Spedition von GPS-Daten, die zeigten, dass der Wagen in Berlin am Tag der Tat mehrmals gestartet worden sei. Der Kontakt zwischen Spedition und Fahrer riss ab. Was dann bis zum Anschlag passierte ist nicht klar. 

    · Wo ist Amri nach dem Ende der Observation in Berlin abgeblieben? Bis September wurde er überwacht, dann verliert sich seine Spur. Die «Süddeutsche Zeitung», NDR und WDR berichten, er sei im Dezember untergetaucht.

    · Was ist mit den Papieren aus Tunesien? Nach Angaben des NRW-Innenministeriums trafen die für eine Abschiebung notwendigen Ausweispapiere aus Tunesien erst zwei Tage nach der Bluttat in Deutschland ein. Das könnte Zufall sein. 

    · War Amri ein Einzeltäter? Er könnte auch Komplizen gehabt haben. Es muss geklärt werden, ob er von außen gesteuert wurde oder aus eigener Initiative gehandelt hat. Nach seinem Tod konzentrieren sich die Ermittlungen zum Anschlag deshalb auch auf mögliche Helfer des Tunesiers.

  • Medienberichte stimmen: Marokkanische Sicherheitsbehörden haben deutsche Kollegen im September und Oktober vor Anschlagsplänen des mutmaßlichen Terroristen Anis Amri gewarnt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen gingen die Meldungen damals zeitgleich an den Bundesnachrichtendienst und das Bundeskriminalamt. Die Informationen aus Marokko dürften auch im gemeinsamen Terrorabwehrzentrum von Bund und Ländern in Berlin eine Rolle gespielt haben. Marokkanische Sicherheitskreise bestätigen, dass es von ihrer Seite zwei entsprechende Warnungen gegeben habe.

    Zunächst hatte die Tageszeitung «Die Welt» berichtet, der marokkanische Geheimdienst soll die Warnungen am 19. September und am 11. Oktober weitergeleitet haben. Das Blatt beruft sich auf Informationen aus der marokkanischen Regierung. Konkret sei es um die Gesinnung Amris gegangen und seine Bereitschaft, einen Terroranschlag durchzuführen. Innenminister Thomas de Maizière sagte auf eine Frage zu der Warnung aus Marokko auf der Pressekonferenz: «Ich kann darüber keine Aussage machen.» Er fügte hinzu, es gebe «sehr viele Gerüchte in diesem Fall».

  • Neue Details: Die Mailänder Polizeiführung schildert detailliert das nächtliche Zusammentreffen mit Anis Amri. Der 24-Jährige sei sehr ruhig gewesen, habe Italienisch gesprochen, wenn auch mit ausländischem Akzent. Den Polizisten sagte er demnach, er sei aus der südlichen Region Reggio Calabria, doch der Akzent habe den Beamten Christian Movio aufhorchen lassen. Movio forderte Amri auf, seinen Rucksack zu leeren. Daraufhin habe dieser eine geladene entsicherte Pistole des Kalibers 22 aus der Jacke hervorgeholt - und geschossen. Movio sei an der Schulter getroffen worden.

    Der jüngere 29-jährige Polizist Luca Scatà, der sich hinter dem Streifenwagen versteckte, erwiderte das Feuer. Amri rief: «Polizisten-Bastarde». Scatà habe zwei Mal geschossen, dabei habe er Amris Brustkorb getroffen. Alle Reanimationsversuche der Polizisten waren vergeblich, nach zehn Minuten starb Amri, wie es heißt.



  • Die FDP fordert eine unabhängige Expertenkommission, die den Anschlag aufklärt. «Die Untersuchung sollte nicht regierungsintern ablaufen», erklärt FDP-Chef Christian Lindner im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Eine unabhängige Einschätzung sollte auch im Interesse der Regierung sein.»

    Kanzlerin Angela Merkel hatte, wie bereits berichtet, zuvor Innenminister Thomas de Maizière mit der Aufklärung und Untersuchung des Falls beauftragt. «Wir müssen wissen, wie es zu dem schrecklichen Anschlag kommen konnte», so Lindner.


    FDP-Chef Christian Lindner. Foto: Gregor Fischer, dpa/Archiv
  • Bei einem nach dem Terroranschlag durchgeführten Insa-Meinungstrend kann die Alternative für Deutschland (AfD) in einer neuen Umfrage in der Wählergunst deutlich zulegen. Die Rechtspopulisten kommen auf 15,5 Prozent, wie die «Bild»-Zeitung berichtet. Das sind 2,5 Prozentpunkte mehr als in der Vorwoche. Dieses Jahreshoch von 15,5 Prozent hatte die Partei bei Insa zuvor bereits Ende September erreicht. Die CDU verliert demnach 1,5 Prozentpunkte und liegt bei 31,5 Prozent, ebenso büßt die SPD einen Prozentpunkt ein. Die FDP liegen bei sechs Prozent, Linke und Grüne bleiben unverändert.

  • Aus Rücksicht auf Berliner Opfer gibt es heute Abend kein «Tatort»-Krimi: Die ARD verschiebt den Neujahrs-«Tatort» aus Dortmund. Grund: Der Film «Sturm» des WDR endet mit dem Selbstmordattentat eines Islamisten. Der Film wecke mit seinen Bildern und Eindrücken «Assoziationen zum Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin», so Programmdirektor Volker Herres in einer Mitteilung. Der Film werde nun auf den 29. Januar verschoben. Stattdessen ist am Neujahrstag nun der «Tatort: Söhne und Väter» vom Hessischen Rundfunk vorgesehen, der ursprünglich am 29. Januar laufen sollte.

  • Mit dem Lied «We Are The World» haben Musiker am Brandenburger Tor ein Solidaritätskonzert im Gedenken an den Terroranschlag eröffnet. Unter dem Motto «Together Berlin» soll die Aktion ein Zeichen setzen. «Wir wollen uns Freundschaft, Verbundenheit und Liebe im Leben nicht nehmen lassen», erklärt der Veranstalter Rainer Wohltat. Auf der Liste der Musiker stehen Max Giesinger, Elen, Triple L und Valerio Lombardo.


    Foto: Paul Zinken, dpa
  • Der Vollständigkeit halber - das Statement von Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Fall Anis Amri in voller Länge im Video:



  • Die Berliner Behörden prüfen ein mögliches Verbot des Moschee-Vereins «Fussilet 33», in dem auch Anis Amri verkehrt haben soll. Derzeit werde geprüft, «ob man hier kurzfristig tätig werden kann», erklärt Innenstaatssekretär Torsten Akmann. Es gehe um die Frage, ob «Verbotstatbestände» vorliegen, die einen solchen Schritt rechtfertigten. Über ein Verbot war bereits 2015 diskutiert worden.

    Der Moschee-Verein im Stadtteil Moabit, dessen Räume bei der Suche nach dem mutmaßlichen Attentäter in dieser Woche zweimal Ziel der Fahnder waren, wird im jüngsten Bericht des Berliner Verfassungsschutzes als Treffpunkt von Islamisten geführt. Beim Islamunterricht sollen dort Muslime für den bewaffneten Kampf der IS-Terrormiliz in Syrien radikalisiert worden sein. Auch sei Geld für Terroranschläge in Syrien gesammelt worden.


    Der Hauseingang zu den Räumen des Moschee-Vereins «Fussilet 33» in Berlin-Moabit. Foto: Maurizio Gambarini, dpa
  • Der kurz nach dem Anschlag festgenommene Pakistaner ist der Polizei aufgefallen, weil er schnell über eine Straße gerannt ist. «Ich war in der Nähe eines Parks und wollte meine U-Bahn erwischen, um nach Hause zu fahren», erklärt Navid B. im Gespräch mit der «Welt am Sonntag». Er habe zurück in seine Unterkunft am Flughafen Tempelhof gewollt, um schlafen zu gehen. «Dabei musste ich eine Straße überqueren und rannte, weil mir Autos entgegenkamen.» Polizisten hätten ihn daraufhin angehalten.

    «Sie fragten mich, warum ich renne, und ich sagte ihnen, es war wegen der Autos. Dann kam meine U-Bahn, aber sie haben mich weiter festgehalten.» Er habe abgestritten, etwas mit dem Anschlag zu tun zu haben. Er sei aber weiterhin in Gewahrsam gehalten worden. «Danach schickten sie mich in ein Hotel. Anschließend wurde ich in eine andere Flüchtlingsunterkunft gebracht, aber ich weiß nicht, wo sie sich befindet», so der Asylbewerber, der nach eigener Aussage vor einem Jahr nach Deutschland gekommen war.

  • Sicherheitsvorkehrungen werden fortgesetzt: An Flughäfen, Bahnhöfen und in einem 30 Kilometer breiten Streifen an den Grenzen Deutschlands wird die Bundespolizei stark präsent sein. Das teilt das Bundespolizeipräsidium in Potsdam mit. 

    An den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld gehen Beamte in voller Montur auf Streife. Zur auffälligen Ausrüstung der Beamten gehört vor allem die «MP5» - eine bei Polizeidienststellen weltweit verbreitete Maschinenpistole. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt sind zur Stunde nicht nur mehr Kräfte im Einsatz, diese sind auch besonders aufmerksam und für mögliche Gefahren sensibilisiert, sagt ein Sprecher in Frankfurt/Main.


    Eine Beamtin der Bundespolizei sichert den Terminalbereich des Flughafens von Frankfurt am Main. Foto: Boris Roessler, dpa/Archiv
  • Nach der Geldbörse hat die Polizei nach Informationen des Magazins «Der Spiegel» offensichtlich nun auch das Handy von Anis Amri gefunden. Das Mobiltelefon sei beim Lastwagen sichergestellt worden, berichtetet das Magazin. Die Auswertung des Mobiltelefons durch Spezialisten der Kriminaltechnik laufe derzeit auf Hochtouren, zitiert «Der Spiegel» aus Sicherheitskreisen.

    Der späte Fund, so heißt es aus Berliner Polizeikreisen, sei der «Akribie der Tatortarbeit» geschuldet. Man habe nach dem Prinzip Gründlichkeit vor Schnelligkeit gearbeitet. «Es gibt kriminaltechnische Standards, wie lange kriminaltechnische Untersuchungen dauern, die halten wir auch konsequent ein», so Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt.

  • Ayman A. Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, bei Twitter:



  • Auch im Hinblick auf die Fahndung nach Anis Amri sind noch viele Fragen offen - die wichtigsten auf einen Blick: 

    · Warum wurde der Lkw erst am Tag nach der Terrorfahrt untersucht? Die Polizei begründet das mit einem planmäßigen Vorgehen bei der Spurensicherung. Der «Todeslaster» kam erst in die Halle einer Kaserne, ehe er genau untersucht wurde. Kritiker meinen, durch den späten Fund der Papiere sei wertvolle Fahndungszeit verschwendet worden.

    · Wie kam Amri nach dem Attentat nach Italien? Wann und wie er Berlin verlassen hat, ist nicht bekannt. Er soll laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa über Frankreich und Turin mit der Bahn nach Mailand gefahren sein.

    · Wo war er in der Zwischenzeit seit dem Anschlag? Das ist nicht bekannt. Es schien Hinweise zu geben, dass er noch in Berlin aufhalten könnte. So erhielt der Moschee-Verein «Fussilet 33» nochmals Polizei-Besuch. Wie sich kurz darauf herausstellte, war er zu dem Zeitpunkt schon tot.

    · Wo war er vor dem Anschlag? Er kam im Juli 2015 nach Deutschland. Erstmals tauchte in Freiburg auf, dann in NRW und schließlich in Berlin. Er war auch an anderen Orten wie Karlsruhe, Hildesheim und Oberhausen. In Berlin wurde vom 5. April bis 21. September seine Kommunikation per Handy oder Internet überwacht. Das Ergebnis der verdeckten Überwachung: Er könnte als Kleindealer für Drogen tätig sein. Daher sei sie schließlich eingestellt worden.

  • In Italien kommt Kritik an der Namensnennung der beiden Polizisten auf. Einer der beiden Beamten hatte Anis Amri erschossen. Italiens Regierungschef Paolo Gentiloni und Innenminister Marco Minniti hatten darauf Christian Movio und Luca Scatà öffentlich gedankt und auch ihre Namen genannt

    Italienische Medien zitieren aus einem Schreiben des Polizeichefs Franco Gabrielli, in dem der vor möglicher Vergeltung gegen Polizisten warnt. Auf Twitter kritisieren Schreiber die Namensnennung, da dies die Polizisten gefährden könne. «Und ihre Adresse teilt ihr nicht mit? Neben den Fotos und den anderen Angaben würde nur noch das fehlen», kommentiert ein Nutzer zum Beispiel den Tweet des Innenministers. 



  • Hilfe von der europäischen Polizeibehörde Europol für das Bundeskriminalamt bei den Ermittlungen:



  • Einem Bericht des Magazins «Spiegel» zufolge sind alle zwölf Todesopfer des Attentats identifiziert. Bei dem Anschlag sollen sechs Männer und sechs Frauen getötet worden sein - eine Frau aus Tschechien, Italien und Israel sowie ein Pole (der getötete Lkw-Fahrer). Bei den übrigen acht Todesopfern handele es sich um Deutsche. Bundessozialministerin Andrea Nahles stellt laut RedaktionsNetzwerk Deutschland den Opfern des Anschlags eine Entschädigung in Aussicht. 

  • Die traditionellen Gottesdienste am Heiligen Abend in diesem Jahr stehen besonders im Zeichen der Auseinandersetzung mit dem Terrorismus. Evangelische und katholische Kirche warnen davor, durch Angst oder Wut menschliches Miteinander zerstören zu lassen.

    Erstmals werden besonders symbolträchtige Kirchen aber auch geschützt werden. So hat die Kölner Polizei angekündigt, an den Zugängen zum Dom Beamte zu postieren. Vor dem Berliner Dom ist die Zufahrtsstraße gesperrt. Allerdings sollen die Gotteshäuser in Deutschland nach dem Willen der Kirchen offene Orte bleiben.

  • Nach dem Anschlag in Berlin meidet jeder vierte Deutsche größere Menschenansammlungen. 27 Prozent halten sich demnach fern, 48 Prozent der Teilnehmer einer aktuellen YouGov-Umfrage geben dagegen an, «ich verhalte mich diesbezüglich wie bisher». Zugleich halten 45 Prozent der Befragten «allgemein die Sicherheitsvorkehrungen bei Großveranstaltungen und öffentlichen Festen» für nicht ausreichend. Nach YouGov-Angaben halten 41 Prozent der Deutschen, dass die Sicherheitsmaßnahmen für ausreichend, 4 Prozent halten sie für übertrieben.

    Am bevorstehenden Silvesterabend wollen acht Prozent «aus Sicherheitsgründen voraussichtlich keine öffentliche Feier besuchen», vier Prozent ziehen eine Absage in Betracht. Die meisten halten allerdings an ihren Plänen fest: 56 Prozent feiern nach eigener Aussage «ohnehin im kleineren Kreis», 13 Prozent wollen wie geplant an größeren öffentlichen Feiern teilnehmen


    Grafik: R. Mühlenbruch/A. Brühl
  • Liebe Leserinnen und Leser, der Liveticker vom Anschlag auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin endet an dieser Stelle. Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien ein ruhiges und friedliches Weihnachtsfest.

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