Bekanntgabe des Friedensnobelpreises 2016

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Sonntag, 6. November 2016 7

Bekanntgabe des Friedensnobelpreises 2016

Am 7. Oktober wird in Oslo der wichtigste internationale Friedenspreis vergeben. Im vergangenen Jahr ging der Preis an das "Quartet du dialogue national", das sich für die Demokratisierung Tunesiens eingesetzt hat. Wer wird es diesmal?

  • «God dag», guten Morgen und herzlich willkommen zum Liveticker zur Bekanntgabe des Friedensnobelpreises 2016!

  • Wir blicken mit großer Spannung nach Oslo. Wer wird diesmal für besondere Verdienste in der Friedensarbeit ausgezeichnet?

  • Bemerkenswert: Noch nie war die Zahl der Nominierten so hoch wie in diesem Jahr! Bei der Rekordzahl von 376 Nominierten könnten die Juroren deshalb auch von vornherein auf einen sichereren Kandidaten gesetzt haben. 228 Personen und 148 Organisationen sind in diesem Jahr vorgeschlagen.

  • Der Friedensnobelpreis für Bundeskanzlerin Angela Merkel? Vorgeschlagen ist die CDU-Chefin auch in diesem Jahr. Bereits 2015 hatte sie wegen ihrer Haltung in der Flüchtlingskrise als aussichtsreiche Kandidatin gegolten. Doch diesmal setzt kaum jemand auf Merkel, nachdem Deutschland seine Politik verschärft hat.


    Foto: Michael Kappeler, dpa/Archiv
  • Wochenlang galt Kolumbien als der große Favorit auf den Friedensnobelpreis. «Für mich ist die Wahl in diesem Jahr so klar wie schon lange nicht mehr», sagte der Stockholmer Friedensforscher Dan Smith. «Nur ein Wort: Kolumbien!» Viele Experten hatten das südamerikanische Land für die größte Auszeichnung der Welt ins Spiel gebracht, nachdem es Ende September Geschichte geschrieben hatte: Nach mehr als 220.000 Toten und Millionen Vertriebenen unterzeichneten Kolumbiens Präsident und der Chef der linken Farc-Guerilla einen Friedensvertrag, der den Beginn einer neuen Ära markieren sollte. Doch bei einem Referendum sagten die Kolumbianer «No» zu dem Abkommen. Ist damit auch die Chance auf einen Nobelpreis geplatzt?


    Historischer Handschlag: Der Präsident Kolumbiens, Juan Manuel Santos (r.), und Farc-Chef Rodrigo Londono Echeverri. Foto: Mauricio Duenas Castaneda, epa/dpa
  • «Obwohl eine knappe Mehrheit das Abkommen in einem Referendum am 2. Oktober abgelehnt hat, wird das Nobelkomitee die beiden Anführer wahrscheinlich ehren, um neue Verhandlungen zu unterstützen», meint der norwegische Historiker Asle Sveen. Die kolumbianische Regierung und Rebellen haben die Hoffnung nicht aufgegeben, den Friedensvertrag noch zu retten. Ein Nobelpreis könnte dem Vorhaben Rückenwind verleihen.

  • Als potenzielle Preisträger gelten auch die syrischen Weißhelme. Sogar Hollywoodstars wie George Clooney und Ben Affleck haben in einer Kampagne kräftig die Werbetrommel für die aus Bürgern, die Verletzte nach Bombenangriffen in den von Rebellen kontrollierten Gebieten des Landes aus den Trümmern zieht, gerührt. Die syrischen Weißhelme sind für ihren Mut bereits mit dem Alternativen Nobelpreis belohnt worden.

  • Geht es nach dem Friedensforscher Kristian Harpviken, so ist die Russin Swetlana Gannuschkina, die sich für Migranten und Binnenvertriebene in ihrer Heimat einsetzt, eine ganz heiße Kandidatin für die diesjährige Auszeichnung. Für ihren Einsatz für Bootsflüchtlinge sind unter anderem die Bewohner der griechischen Inseln und der Priester Mussie Zerai aus Eritrea nominiert.

  • Auch US-Whistleblower Edward Snowden ist unter den Nominierten. «Es wäre ein Skandal - aber das Nobelkomitee scheut sich nicht vor politischen Skandalen», sagt der Osloer Friedensforscher Kristian Harpviken. 


    Edward Snowden während einer Pressekonferenz vor wenigen Wochen in New York, zugeschaltet via Satellit aus Moskau. Foto: Justin Lane, epa/dpa/Archiv
  • Übrigens, selbst der US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump, der im Falle eines Wahlsiegs die Grenzen für Muslime schließen und die Militärausgaben erhöhen will, wurde vorgeschlagen.


    Foto: Joe Raedle, epa/dpa/Archiv
  • Wie läuft das zeitlich eigentlich genau ab im Nobel-Komitee? Schon im Februar werden keine Nominierungen mehr angenommen. Hier eine Zeitleiste:


    Quelle: nobelprize.org
  • Immer wieder geht der Nobelpreis an international weniger bekannte Friedenskämpfer. Seit 1901 hat die Jury aber auch schon einige weltberühmte Preisträger gekürt:

    ▪ BARACK OBAMA: Der Preis an den amtierenden US-Präsidenten ist einer der umstrittensten in der Geschichte des Nobelpreises. 

    MARTIN LUTHER KING JR.: Vier Jahre, bevor er ermordet wurde, erhielt der US-amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King 1964 den Friedensnobelpreis.

    MUTTER TERESA: Die Helferin der Armen und Kranken, die im September heiliggesprochen wurde, bekam den Nobelpreis 1979.

    NELSON MANDELA: Für seinen Kampf gegen die Apartheid in Südafrika verlieh die Nobeljury Mandela (noch vor seiner Zeit als erster dunkelhäutiger Präsident des Landes) 1993 die Auszeichnung.

    WILLY BRANDT: Bekanntester deutscher Nobelpreisträger ist wohl der damalige Kanzler Willy Brandt. Der SPD-Politiker wurde 1971 für seine Ostpolitik geehrt, die zur Entspannung im Kalten Krieg beitrug.

    ARAFAT, PERES UND RABIN: Als Außenminister bekam 1994 der damalige Außenminister Israels, Shimo Peres, gemeinsam mit dem Ex-Ministerpräsidenten Izchak Rabin und dem PLO-Chef Jassir Arafat den Preis für ihre Bemühungen um ein Ende des Nahost-Konfliktes.

    DIE EU: Mit dem Nobelpreis für die Europäische Union würdigte das norwegische Komitee 2012 deren Beitrag zu Frieden in Europa.

    KOFI ANNAN UND DIE UN: 2001 bekamen die Vereinten Nationen und ihr Generalsekretär Kofi Annan den Nobelpreis.

  • Blick auf die Buchmacher: In den vergangenen Jahren lagen die Buchmacher mit ihren Tipps nicht immer ganz falsch: William Hill, der größte englische Wettanbieter, sieht die Bewohner der griechischen Inseln (für ihren Einsatz für Bootsflüchtlinge) ganz vorne. Gefolgt von Kolumbiens Präsidenten Juan Manuel Santos und dem Farc-Chef Timoleon Jiminez. Auf Platz drei Bundeskanzlerin Angela Merkel und Papst Franziskus.

  • Noch zehn Minuten...

  • Friedensnobelpreisträger der Jahre 2006 bis 2015 auf einen Blick: 


    Grafik: G. Mühlenbruch
  • Schon häufiger gab es in der Vergangenheit große Favoriten, die den prestigeträchtigen Preis dann auch mit nach Hause nahmen. Vor zwei Jahren stand beispielsweise die junge Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai in der Gunst der Buchmacher ganz oben - und machte tatsächlich das Rennen.

  • Ob syrische Lebensretter, kolumbianische Friedenskämpfer oder Exoten wie Snowden - die Jury könnte am Ende doch wieder völlig überraschen, meint Nobel-Experte Asle Sveen. «Sie genießen es sehr, wenn sie mit einem Namen aufwarten, der gar nicht im Gespräch war.»

  • Der Preis geht an den kolumbianischen Präsidenten Santos.

  • Er habe immer sich immer wieder beharrlich um den Friedensprozess mit der Guerilla-Organisation Farc bemüht, so das Nobelpreiskomitee in seiner Begründung.

  • Der Preis solle alle ermutigen, die Frieden und Gerechtigkeit anstreben, heißt es weiter.


    Die Sprecherin des Nobelpreiskomitees, Kaci Kullmann. Foto: Heiko Junge, epa/dpa
  • Trotz des ablehnenden Referendums hoffe das Komitee, dass Santos den Aussöhnungsprozess in dem südamerikanischen Land weiter vorantreiben könne. Er erhalte die Auszeichnung «für seine entschlossenen Anstrengungen, den mehr als 50 Jahre andauernden Bürgerkrieg in dem Land zu beenden». 

  • Zum Hintergrund: am Sonntag hatten die Kolumbianer den Friedensvertrag mit den Farc in einem Plebiszit überraschend abgelehnt. Die Gegner kritisierten vor allem die Strafnachlässe für die Guerilleros und die geplante politische Beteiligung der Farc. 

  • Santos wusste nach Aussage des Nobelpreiskomitees vorab nichts über seine Auszeichnung.


    Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos. Foto: Etienne Laurent, epa/dpa
  • Wir geben niemals Kommentare ab über Kandidaten, die den Preis nicht erhalten.

    Die Sprecherin des Nobelpreiskomitees auf Nachfragen von Journalisten, ob auch der Anführer der Farc-Guerilla in Betracht gekommen sei für den Preis.
  • Wer ist eigentlich Juan Manuel Santos?

    Der Friedensvertrag mit der marxistischen Guerillaorganisation Farc sollte die Präsidentschaft von Juan Manuel Santos krönen. Der 65-Jährige hatte zuletzt alles dem Ziel unterstellt, den seit über 50 Jahren andauernden Konflikt in Kolumbien beizulegen. Er gehöre einer Generation an, die nie im Frieden gelebt habe, sagt der Staatschef. Aber sein Fehler war es, die Gegner eines zu sehr der Guerilla entgegenkommenden Vertrages einzubinden. Nach der Ablehnung des Friedensvertrages durch die Kolumbianer  steht er am Scheideweg seiner Präsidentschaft.  

    Santos gehörte als Handels- und Finanzminister verschiedenen Regierungen an. Unter Präsident Álvaro Uribe war er als Verteidigungsminister für eine Militäroffensive gegen die Farc verantwortlich. Bei den Präsidentenwahl 2010 präsentierte er sich als Erbe seines politischen Ziehvaters Uribe.


    Foto: Mauricio Duenas Castaneds, epa/dpa
  • Als Santos  2012 die Friedensgespräche mit den Farc einleitete, überwarf er sich allerdings mit dem konservativen Hardliner, der zum erbitterten Gegner des Abkommens mit der Farc wurde. 

    Santos studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität von Kansas in den USA und öffentliche Verwaltung in Harvard. Später stieg er in das Verlagsgeschäft seiner Familie ein, die lange die größte kolumbianische Tageszeitung «El Tiempo» kontrollierte. Er stammt aus einer der einflussreichsten Familien des Landes. Sein Großonkel Eduardo Santos war von 1938 bis 1942 Präsident Kolumbiens, sein Cousin Francisco Santos war Vizepräsident unter Álvaro Uribe, auch er ist ein Gegner des Vertrages mit der Farc. 


    Foto: Luis Eduardo Noriega, epa/dpa
  • Der Friedensnobelpreis stärkt Santos nun den Rücken, doch noch ein Abkommen mit den «Revolutionären Streitkräften Kolumbiens» («Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia» - Farc) zu erzielen. Die marxistisch orientierten Farc wollen ihre Ziele künftig auf legalem politischen Wege erreichen.


    Santos und der Chef der linken Farc-Guerilla, «Timochenko» Londoño am 26. September in Cartagena. Foto: Mauricio Duenas Castaneda, epa/dpa 
  • Für alle, die die Bekanntgabe in Oslo nicht mitverfolgen konnten:



  • Zu den ersten Gratulanten gehört die ebenfalls nominierte syrische Rettungsorganisation Weißhelme.



  • Kolumbiens blutiger Konflikt

    ▪ Im kolumbianischen Konflikt kämpfen seit 1964 linke Guerillagruppen gegen das Militär, jahrzehntelang beteiligten sich auch rechte Paramilitärs an den Kampfhandlungen. Mehr als 220.000 Menschen wurden getötet. Zudem wurden mehr als fünf Millionen Kolumbianer aus ihren Heimatorten vertrieben.

    ▪ Nach Afghanistan ist Kolumbien das Land mit den meisten Landminen-Opfern.

    ▪ Mit der größten und ältesten Guerillaorganisation Lateinamerikas, der Farc, wurde 2012 ein Friedensprozess begonnen - der Frieden mit der Gruppe (zuletzt noch 5800 Kämpfer) gilt als Schlüssel für ein Ende des Konflikts. Auch die kleinere ELN-Guerilla (noch rund 2000 Kämpfer) denkt über Friedensverhandlungen nach. 

    ▪ In den vergangenen Jahren erlitten die Rebellen empfindliche militärische Rückschläge. 2010 übernahm Juan Manuel Santos das Präsidentenamt mit dem Ziel, den Konflikt beizulegen und die Gegner erneut an den Verhandlungstisch zu bringen. 

    ▪ Die Farc finanzierten sich zuletzt durch Drogenhandel, illegalen Bergbau, Schutzgelder und Entführungen. Eines der prominentesten Opfer war die Ex-Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, die bis 2008 mehr als sechs Jahre in der Gewalt der Guerilla war.

  • Santos selbst scheint noch nichts von seinem Glück zu wissen. So berichtet der «Guardian», dass der norwegische Sender NRK TV versucht habe, den kolumbianischen Präsidenten zu erreichen. Dessen Mitarbeiter hätten es aber abgelehnt, das Staatsoberhaupt zu wecken. Verständlich, immerhin ist es kurz vor fünf Uhr in der Frühe in Kolumbien.



  • Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel gratuliert Kolumbiens Präsident Santos zum Friedensnobelpreis. Er habe der ganzen Region dringend benötigte neue Hoffnung auf ein Ende des Blutvergießens verliehen, sagt Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Der Nobelpreis sei «eine Ermutigung, diesen Weg weiter zu beschreiten». Merkel kenne Santos als einen Mann, der für sein Land die Vision des Friedens und der Versöhnung nach Jahrzehnten eines grausamen Konflikts habe. Dieser Konflikt habe Kolumbien viel zu lange in seiner Entwicklung gelähmt. 

  • Mittlerweile scheint der diesjährige Preisträger von seiner Auszeichnung zu wissen. Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos ist nach Angaben der norwegischen Jury «überwältigt» von der Zuerkennung des Friedensnobelpreises. «Es ist früh am Morgen, deshalb hatte er sich gerade erst den Schlaf aus den Augen gerieben», sagt der Sekretär des Nobelkomitees, Olav Njølstad dem Fernsehsender NRK, nachdem er den Preisträger erreicht hat. «Er war sehr dankbar und sagte sofort, dass das unschätzbar wichtig für den weiteren Friedensprozess in Kolumbien sei.» 


    Foto: Leonardo Munoz, epa/dpa
  • UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi gratuliert Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos «von Herzen» zu seinem Nobelpreis. Die Auszeichnung sei eine Anerkennung für das «politische Engagement bei dem Bestreben nach Frieden», schreibt Grandi auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Der Kurs solle beibehalten werden, so der Kommissar des UN-Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen.

    Er sei selbst vor nicht allzu langer Zeit in Kolumbien gewesen und habe das außerordentliche Engagement aller Beteiligten beobachten können, sagt Grandi in Genf. Mit dem Einsatz von Regierung, der Farc-Guerilla und der Zivilgesellschaft könnten die aktuellen Hürden überwunden werden.



  • Auch Santos' frühere Universität in Cambridge ist stolz, einem ihrer Absolventen zum Friedensnobelpreis gratulieren zu können. 



  • Preisträger Juan Manuel Santos bedankt sich laut dem Nobelpreiskomitee «im Namen aller Kolumbianer, insbesondere der Opfer».

  • Reaktion aus der Bundespolitik -  der Justizminister Heiko Maas: 



  • Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier reiht sich ein in die Riege der Gratulanten:



  • Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Dietmar Bartsch, hofft, dass die Auszeichnung für Santos, die Bemühungen für dauerhaften Frieden in Kolumbien stärkt:

  • Auch der Friedensnobelpreisträger von 2014 - Kailash  Satyarthi - schickt Glückwünsche via Twitter. Der Inder kämpft seit Jahrzehnten gegen Kinderarbeit und teilte sich die Auszeichnung vor zwei Jahren mit der jungen pakistanischen Vorkämpferin für Kinderrechte, Malala Yousafzai.



  • Der Beauftragte der Bundesregierung für den Friedensprozess in Kolumbien, Tom Koenigs, sieht den Friedensnobelpreis als Rückendeckung für Präsident Juan Manuel Santos. «Er verdient diese Auszeichnung, weil er seine ganze Präsidentschaft, seine ganze Kraft und sein Herz für das Zustandekommen eines verhandelten Friedens mit den Guerilla-Organisationen in Kolumbien eingesetzt hat und weiter einsetzten wird», sagt Koenigs in Berlin. Er begleitet im Auftrag von Außenminister Frank-Walter Steinmeier den Friedensprozess. Auch in der schwierigen Lage nach dem verlorenen Referendum, bleibe es dabei: «Das kolumbianische Volk verdient Frieden, Versöhnung und Reformen.» 

  • Die Unterstützer des Friedensvertrags mit den Farc-Rebellen feiern haben die Auszeichnung. «Wir haben das mit Freude aufgenommen, weil wir immer darum gebeten haben, dass die internationale Gemeinschaft Kolumbien nicht im Stich lässt», so ein Student, der mit seinem Kommilitonen seit Tagen auf dem zentralen Bolívar-Platz in Bogotá campiert, um für die Umsetzung des Vertrags zu demonstrieren. Ein anderer Student sagt im Radiosender Caracol: «Das stärkt dem Friedensprozess den Rücken.» 

  • Derweil hat sich auch der Chef der Farc zu Wort gemeldet. Rodrigo Londoño alias «Timochenko» schreibt auf Twitter: «Der einzige Preis, den wir wollen, ist Frieden mit sozialer Gerechtigkeit für Kolumbien, ohne Paramilitarismus, ohne Vergeltung und Lügen».

  • Wann erhält Santos seine Auszeichnung? Wie die anderen Nobelpreise wird der mit acht Millionen schwedischen Kronen (etwa 850.000 Euro) dotierte Friedensnobelpreis am 10. Dezember verliehen. Dies ist der Todestag Alfred Nobels. Santos erhält neben dem Preisgeld auch noch eine Medaille und eine Urkunde. 

  • Santos sieht den Friedensnobelpreis als Aufforderung, weiter für den Frieden in seinem Land zu arbeiten. «Die Botschaft ist, dass wir durchhalten müssen, um ein Ende dieses Krieges zu erreichen», so Santos im Interview mit einem Mitarbeiter der Nobelpreis-Website.

    «Wie sind sehr nah dran. Wir müssen nur ein bisschen weitermachen, und das hier ist ein großartiger Ansporn, um das Ende zu erreichen und mit dem Aufbau von Frieden in Kolumbien zu beginnen.» Er nehme den Preis im Namen aller seiner Landsleute entgegen und hoffe auf eine Einigung mit den Gegnern des Friedensvertrags mit den Farc-Rebellen, erklärt Santos. 

  • Hier noch einmal das Wichtigste in aller Kürze: 

    ▪ Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos bekommt den Friedensnobelpreis 2016. Er erhält die Auszeichnung «für seine entschlossenen Anstrengungen, den mehr als 50 Jahre andauernden Bürgerkrieg in dem Land zu beenden.»

    ▪ Im September hatten Santos und der Chef der linken Farc-Guerilla, Rodrigo Londoño, Geschichte geschrieben, als sie nach Jahrzehnten des Konflikts mit mehr als 220.000 Toten und Millionen Vertriebenen einen Friedensvertrag unterzeichneten

    ▪ Den Nobelpreis erhält Santos als Initiator des Friedensprozesses nun, obwohl die Kolumbianer das Abkommen zwischen Regierung und Rebellen am vergangenen Sonntag in einer Volksabstimmung mit knapper Mehrheit abgelehnt hatten

    ▪ Santos ist laut Angaben der norwegischen Jury «überwältigt» von der Zuerkennung des Preises. «Er war sehr dankbar und sagte sofort, dass das unschätzbar wichtig für den weiteren Friedensprozess in Kolumbien sei.» 

    ▪ Dass die Jury Farc-Chef Londoño nicht ebenfalls mit der Auszeichnung bedacht hat, wollte das Komitee nicht kommentieren. Der Preis solle aber auch als Anerkennung für alle am Friedensprozess beteiligten Parteien gesehen werden.

    ▪ Die reagiert verhalten auf den Preis für Santos. «Den einzigen Preis, den wir anstreben, ist der Frieden mit sozialer Gerechtigkeit ohne Paramilitarismus, ohne Vergeltung und Lügen», so der Farc-Kommandeur Londoño.


    Der Friedensnobelpreisträger 2016: Juan Manuel Santos. Foto: Mauricio Duenas, epa/dpa/Archiv
  • Liebe Leserinnen und Leser, der Liveticker von der Bekanntgabe des Friedensnobelpreises endet an dieser Stelle. Vielen Dank fürs Dabeisein. Kommen Sie gut durch den Tag.

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