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Der Fall Mollath


  • Tag 3, Zeuge 3, der Allgemeinarzt aus Nürnberg: Petra M. sei zu ihm durch seine Sprechstundenhilfe gekommen. Im Sprechzimmer schilderte sie, ihr Mann hätte sie geschlagen. Sie hätte Angst vor ihm, ihre Schwägerin hätte sie überredet, sich untersuchen zu lassen. An Blutergüsse an den Oberarmen und seitlich am Hals neben der Kehle und eine Bissspur am Arm ("ein kreisförmiges Hämatom") könne er sich auch nach all den Jahren noch konkret erinnern. Als er aus der Akte vorliest, wird die Liste länger: Schürfwunden, großflächige Hämatome an den Unterschenkeln... Frau M. sei mehrfach mit der flachen Hand geschlagen und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt worden, sie leide zudem unter einer Erschöpfungsdepression. Bildlich sind die Verletzungen aber nicht dokumentiert worden; der Mediziner rate den Frauen auch immer dazu, das selbst zu machen.

    Das Krankenblatt von Petra M., nach dem die Staatsanwaltschaft lange gesucht hatte, sei unter den Akten seiner Mutter, für die er damals die Stellvertretung übernommen hatte, abgelegt worden. Petra M. habe damals ein Attest ausstellen lassen, damit sie auch was "in der Hand habe", sagt der Arzt. Medikamente habe er ihr nicht verschrieben. Er räumt ein, dass er das Attest mit i.V. ("in Vertretung") unterschrieben habe. Das sei ein ganz normaler Vorgang gewesen, seine Mutter sei bei den Kassen schließlich gemeldet.

    Auf Nachfrage des Sachverständigen gibt der Mann zu, dass er keine großen Erfahrungen damals mit solchen Attesten hatte. Und: Dass er nicht hätte hineinschreiben müssen, dass er die Schilderungen von Petra für "durchweg glaubhaft" hält. Das sei seine rein subjektive Meinung gewesen. Gutachter Prof. Wolfgang Eisenmenger deckt mit präzisen Nachfragen mehr Schwächen im Attest auf: So hat der Arzt beispielsweise häufig falsche Begriffe verwendet und falsche Interpretationen angestellt.

    "Das Attest ist zwei Mal ausgestellt worden. Warum?", fragt Richterin Escher. Der Zeuge: "Ich nehme an, Frau M. hat das ein zweites Mal angefordert." Später sagt der Mann, seine Sprechstundenhilfe habe ihn im Namen von M. um eine zweite Ausstellung gebeten. Er kam dem nach. Das Computerprogramm ändere das Datum des Attests dann automatisch. Er sei von seiner Sprechstundenhilfe in keiner Weise beeinflusst worden.

    Strate bohrt Minuten später nach: "Sagen Sie es doch ganz offen, wir haben hier drei Dokumente, von einem Tag." Strate hält das Schriftstück hoch und bittet darum, dass der Arzt noch mal die zwei anderen Word-Dokumente dem Gericht vorlegt. Er fragt den Arzt, ob das zweite Attest einen anderen Inhalt hat, "damit jemand zur Kur fahren kann". Der Arzt streitet das nicht ab, er hält es für "möglich".
    by Pascal.Durain edited by Kathrin Robinson 7/9/2014 1:23:16 PM

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