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Der Fall Mollath

  • Zeuge 5: Der nächste Staatsanwalt darf aussagen. Dieser Mann war Sitzungsstaatsanwalt am 25. September 2003: Sein Beitrag bestand damals aber nur darin, den Strafbefehl zu verlesen. Keine weiteren Fragen.

    Zeuge 6: Der ehemalige Pflichtverteidiger: Es folgt wieder ein Jurist, dieses mal Mollaths Pflichtverteidiger im Ausgangsverfahren. Er schickt gleich voraus: "Ich habe keine Unterlagen mehr." Er beschreibt das erste Treffen mit Mollath so: "Wir haben uns im Gerichtssaal kennengelernt." Zwei Bitten, ihn in der Kanzlei zu besuchen, habe Mollath ausgeschlagen. Er liest einen Brief von Mollath vor - in dem er seinen Pflichtverteidiger als "stromlinienförmig" beschreibt, der bekannt sei, eher auf Seiten der Richter zu stehen als auf der seiner Mandanten. Mollath habe ihn außerdem als "wildgewordenen Nazi-Staatsanwanwalt" beschimpft.

    Dann lehnt sich der Zeuge zurück, hält sich einen Aktenstapel vors Gesicht um vorzumachen, wie Mollath damals demonstrativ die Verlesung der Anklageschrift ignoriert habe. Das sei außergewöhnlich gewesen, darum habe er sich das gemerkt. "Ich habe nach wie vor Angst. Ich bin letztens von seinen Unterstützern massiv bedroht worden." Der Angeklagte habe auch seine private Adresse. Ein Reifen seines Wagens sei vor ein paar Wochen angestochen worden. Er glaubt aber, dass es sicher nicht Mollath war. Trotzdem würde er gegen oder für ihn aussagen.

    Der Mann berichtet, Mollath habe ihn immer abgelehnt. Warum, weiß er nicht. Ihm sei es irgendwann zu blöd geworden, also habe er das Mandat niederlegen wollen. "Es hat mit uns zwei nicht geklappt." Konkrete Erinnerungen an das Geschehen vor Gericht habe er dagegen nicht. Er sei aber überzeugt davon gewesen, dass Mollath nicht "krank" sei. Die Regie vor Gericht habe aber Mollath übernommen. Als er ihn vor einigen Wochen in Nürnberg vor seiner Kanzlei getroffen habe, habe ihn der Angeklagte nicht gegrüßt. Mollath schüttelt den Kopf, diese Begegnung habe es nicht gegeben.

    Dann schildert der Zeuge, warum er so viel Angst vor seinem früheren Mandanten hat: Zwischen 20 und 20.30 Uhr an einem Freitagabend im Jahr 2005 habe er noch in seiner Kanzlei gearbeitet, auf einmal klingelt es stürmisch. Dann habe Mollath laut und massiv an die Tür geklopft. Mollath soll gesagt haben: "Ich weiß, das du da bist, lass mich rein." Er sei sonst kein ängstlicher Mensch und habe schon viel erlebt, aber in diesem Moment... Später, als er im Keller war, habe er gezittert, weil er Mollath noch im Haus vermutete. "Das war echt krass." Dann habe er mehrfach Anträge gestellt, von seinem Mandat entbunden zu werden. Später habe ihn Mollath mehrfach bedroht: "Na, geht's gut? Aber nicht mehr lange", soll ihm der Angeklagte gesagt haben.

    "Was mich stört, ist diese Hetze der ganzen Freunde und Unterstützer des Herrn Mollath. Auch wenn es Ihnen gut tut, Herr Mollath." Strate sagt: Er soll das nicht auf Herrn Mollath beziehen, das sei seine Einschätzung. Im Zuge dieses Falles gebe es viele Trittbrettfahrer, "die Idiotendichte in diesem Land ist sehr hoch." Der Zeuge entschuldigt sich für seine Einschätzung.

    Gustl Mollath bricht dann sein Schweigen, und meldet sich dann auf einmal doch zu Wort: "Ich versichere Ihnen, Sie brauchen keine Angst vor mir zu haben. Ich habe Sie genau beobachtet während Ihrer Aussage. Ich habe das Gefühl, Sie brauchen Hilfe. Ich weiß bis heute nicht, wo sie wohnen. (...) Ich weiß nicht wie, aber bauen Sie Ihre Ängste ab." Das Verhalten irgendwelcher Unterstützer verabscheue er. Er stehe immer für Deeskalation. Er könne sich auch nicht aussuchen, wer sich als "Unterstützer" bezeichnet.

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