Flüchtlingskrise in Europa

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Sonntag, 6. November 2016 7

Flüchtlingskrise in Europa

Sie fliehen vor Konflikten und Kriegen, aus Angst vor politischer Verfolgung, Hunger und Armut. Flüchtlinge erhoffen sich in der EU eine bessere Zukunft. Nach Deutschland flüchten derzeit so viele Menschen wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Verfolgen Sie die Entwicklungen in der Flüchtlingskrise im NewsBlog!

  • Der frühere Präsident des Europaparlaments, Hans-Gert Pöttering (CDU), ruft Polen und die anderen EU-Länder zur Solidarität in der Flüchtlingskrise auf. «Polen hat so viel Unterstützung von der Europäischen Union und auch von Deutschland bekommen», sagte Pöttering der dpa. «Ich erwarte jetzt von unseren polnischen Freunden die gleiche Solidarität, wenn es um die Flüchtlinge geht.»

    Große Probleme wie der Flüchtlingszuzug gingen alle Partner in der EU an - «und damit auch die Polen und die Balten»: «Wenn wir das Prinzip der Solidarität aufgeben, dann steht jedes Land am Ende für sich allein.»
  • EU-Kommissar Günther Oettinger fordert angesichts der Flüchtlingskrise eine Neuordnung der Leistungen für Asylbewerber 
    EU-Kommissar Günther Oettinger. Foto: Andreas Gebert, dpa 
    in Deutschland. Sie müssten so angepasst werden, dass es eine gewisse Annäherung an die Leistungen in anderen EU-Staaten gebe, sagte er der «Welt am Sonntag». 

    Natürlich könnten die Geld- und Sachleistungen nicht bis auf den letzten Cent in der EU identisch sein. Sie sollten an die Lebenshaltungskosten im jeweiligen Aufnahmeland angepasst sein.

    Nötig sei aber eine gewisse Harmonisierung der materiellen Leistungen für Asylbewerber, «denn ein zu starkes Gefälle innerhalb der EU könnte die falschen Anreize setzen und die Aufteilung nach einer festen Quote auf alle EU-Länder ad absurdum führen».

  • Vorbereitung ist alles: "Arabisch - Englisch - Deutsch" steht in einer Notunterkunft für Flüchtlinge in Niedersachsen auf der Weste eines Dolmetschers. Die Ankunft so vieler Menschen schafft nicht wenige Schwierigkeiten - Sprachprobleme gehören dazu. Foto: Philipp Schulze, dpa 
  • Innenminister de Maizière hat vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise ein entschiedeneres Vorgehen der Europäer im Syrienkonflikt gefordert. Europa habe in der Außen- und Sicherheitspolitik zu wenig entschlossen gehandelt. Benötigt werde eine sicherheitspolitische Strategie, die sich nicht «von vornherein auf Diplomatie beschränkt», sagte er dem «Tagesspiegel». Man könne die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nicht aus der Luft besiegen und sich nicht allein auf den Kampf der kurdischen Peschmerga am Boden verlassen:

    Wir dürfen dem Morden nicht weiter zusehen
  • Keine Entspannung in München: Am Sonntagmorgen sind weitere Züge mit Asylbewerbern in der bayerischen Landeshauptstadt eingetroffen. Foto: Sven Hoppe, dpa  
  • Am frühen Morgen haben weitere 750 Flüchtlinge den Hauptbahnhof München erreicht. Prognosen zur erwarteten Zahl neu ankommender Menschen wollte die Bundespolizei nicht nennen. Ein rückläufiger Trend sei jedoch nicht zu erwartenteilte ein Sprecher mit. 
  • Gesundheitsexperten vom Robert Koch-Institut (RKI) nehmen den Flüchtlingsandrang relativ gelassen. «Wir sehen im Moment keine Gefahr für die Allgemeinbevölkerung», sagte Infektionsspezialist Andreas Gilsdorf. Die harten Bedingungen einer Flucht machen zwar anfälliger für Krankheiten, größere Ausbrüche seien aber sehr unwahrscheinlich. Das RKI hatte kürzlich für Mediziner Hinweise zu bestimmten Krankheiten veröffentlicht, die möglicherweise bei Flüchtlingen auftreten könnten. Zuletzt hatten Ärzte-Verbände etwa vor Grippewellen in Flüchtlingsunterkünften gewarnt. Auch ein Auftreten in Europa fast ausgerotteter Krankheiten wie Polio wurde befürchtet. 

    Ein Mitarbeiter der Berliner Feuerwehr misst bei einem kleinen Flüchtlingsmädchen Fieber. Foto: Patrick Pleul, dpa  
  • Grünen-Chef Cem Özdemir warnt davor, frühere Fehler der Einwanderungspolitik zu wiederholen. Herkunft, Ethnie, Religion seien für jeden Menschen wichtig. «Aber wer in die Bundesrepublik eintritt, der muss verstehen, dass diese Identitätsmerkmale dann an die zweite Stelle rücken», sagte er der «Welt am Sonntag». 


    Wir sind das Land des Grundgesetzes. Hier gilt Gleichberechtigung von Mann und Frau, und hier gilt Religionsfreiheit

    Das bedeute «auch die Freiheit, auf Religion in seinem Leben zu verzichten oder sie zeitgemäß auszulegen». Dabei seien auch die muslimischen Gemeinden gefragt. «Auch sie werden sich ändern müssen», so Özdemir: «Wir brauchen in Deutschland einen Islam, der sich auf der Basis unserer Verfassung frei entwickeln kann.»
  • In diesem Jahr hat es nach Informationen der «Bild am Sonntag» deutlich mehr Festnahmen von Schleusern gegeben als 2014. Bis zum 8. September seien 2336 Schleuser festgenommen worden, berichtet die Zeitung unter Berufung auf das Bundesinnenministerium. Das entspreche einer Steigerung zum Vorjahreszeitraum um 40 Prozent. Die meisten der Festgenommenen kommen demnach aus Ungarn (256), Rumänien (207), Syrien (184), Bulgarien (116) und Serbien (113).
  • Ehrenamtliches Engagement: Freiwillige Helfer geben in einer Schlange am Hauptbahnhof in München Hilfsgüter weiter. Foto: Nicolas Armer, dpa 
  • Bis Mitternacht sind nach Schätzungen bis zu 13 000 Menschen am Münchner Hauptbahnhof angelangt. Manche legten sich im Hauptbahnhof mit Decken und Schlafsäcken auf den Boden. Nach Informationen ehrenamtlicher Helfer übernachteten einige Menschen auch am Zentralen Busbahnhof. Auch in der Olympiahalle liefen Vorbereitungen, um dort Flüchtlinge vorübergehend aufzunehmen. Zugleich half die Bundeswehr beim Einrichten von Notlagern. Feldbetten seien kaum noch zu bekommen, hieß es.
  • Bayerns Kabinett trifft sich morgen zu einer Sondersitzung. Am Montag werden dann die Innenminister der EU bei einem Sondertreffen über die aktuelle Flüchtlingskrise beraten. Die anstehenden Treffen sowie die zunehmende Furcht vor einer Überforderung von Bund, Ländern und Kommunen wird voraussichtlich auch den morgigen Tag bestimmen. Unser Blog pausiert an dieser Stelle und steigt am Morgen wieder in die Berichterstattung ein.
  • Sie sehen uns durchaus sehr besorgt vor sich

    Christoph Hillenbrand, Regierungspräsident von Oberbayern, bei einer Pressekonferenz im Hauptbahnhof von München.
  • Erstmals seit Beginn der großen Flüchtlingswanderung vor einer Woche kann die bayerische Landeshauptstadt nicht mehr allen Ankommenden eine Notunterkunft bieten. Es könnten bis zu 13 000 Menschen werden, die allein bis Mitternacht am Münchner Hauptbahnhof ankommen, sagte der Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand. Nicht für alle werde es einen Schlafplatz geben. Mehrere Tausend könnten ohne Nachtquartier bleiben.
  • Ankunft am Münchner Hauptbahnhof. Foto: Andreas Gebert, dpa 
    Wegen der sich dramatisch zuspitzenden Flüchtlingslage in München kommt das bayerische Kabinett am morgigen Sonntag zu einer Sondersitzung zusammen. 

    Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) habe den Ministerrat für 16.00 Uhr einberufen, um weitere Sofortmaßnahmen zur Bewältigung der Krise zu beschließen, teilte die Staatskanzlei am Abend mit.




  • An der österreichisch-ungarischen Grenze in Nickelsdorf sind am Samstag rund 6600 Flüchtlinge angekommen. Etliche weitere Menschen würden in der Nacht erwartet, sagte Polizeisprecher Helmut Marban der österreichischen Agentur APA: «Es können schon 3000 bis 5000 sein». Der Großteil der Menschen wird in Sammelstellen erstversorgt und reist dann über Wien und Salzburg weiter nach Deutschland.
  • Das Ziel vor Augen: Angeblich sind es nur noch zwei Minuten, dann haben diese zu Fuß aus Ungarn kommenden Menschen die Grenze zu Österreich erreicht. Foto: Herbert P. Oczeret 

  • Das französische Außenministerium hat eine Honorarkonsulin in der Türkei suspendiert, weil sie Schlauchboote an Flüchtlinge verkauft hat. Eine Reportage des französischen Fernsehsenders France 2 hatte enthüllt, dass die Französin in Bodrum Schlauchboote und Schwimmwesten an Flüchtlinge verkaufte. Ihr Geschäft betrieb sie demnach nicht weit von dem Strand, an dem das Foto des ertrunkenen Flüchtlingskindes Aylan entstand.

    Reporter des Senders filmten ein Interview mit der Frau mit versteckter Kamera. Sie gab darin offen zu, sich am Geschäft von Schleppern zu beteiligen. «Ja, wir machen uns mitschuldig.» Wenn sie die Boote nicht verkaufen würde, täten es andere, sagte sie den Reportern. Auch der Bürgermeister, der Präfekt und der Hafenmeister würden sich an den Geschäften beteiligen.
  • Zehntausende Menschen haben in London für Solidarität mit Flüchtlingen und gegen die Asylpolitik der britischen Regierung demonstriert. Die Veranstalter schätzen, dass «mehr als 100 000» Demonstranten teilnahmen. Vor dem Parlament sprach auch der gerade gewählte Labour-Vorsitzende Jeremy Corbyn. «Öffnet eure Herzen, und seid aufgeschlossen, und ändert eure Haltung dazu, Menschen zu helfen, die verzweifelt sind, die einen sicheren Ort zum Leben brauchen, die zu unserer Gesellschaft beitragen wollen, und die Menschen wie wir alle sind», appellierte er an die konservative Regierung. Großbritannien will bis 2020 lediglich 20.000 Syrer aufnehmen, die in Flüchtlingslagern um die syrische Grenze leben.

    Jeremy Corbyn ist neuer Chef der britischen Labour-Partei. Foto: Andy Rain, EPA/dpa 

    von Jan Bülck, dpa bearbeitet von Christoph Dernbach 9/12/2015 5:07:38 PM
  • Unsere christliche Identität wäre in Gefahr, wenn wir den Flüchtlingen nicht helfen. Wenn wir Menschen in Not sozusagen an unseren Grenzen sterben lassen, dann pfeife ich auf die christliche Identität. Das kann ja nicht sein. Christliche Identität bedeutet als Erstes, dem Nächsten begegnen, der schwach ist. Sonst habe ich irgendetwas falsch verstanden im Evangelium.

    Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, zu der Frage, was er Menschen entgegne, die fürchten, dass aufgrund der vielen Flüchtlinge in Deutschland die christlichen Werte in Gefahr seien.
  • In Prag, Warschau und Bratislava gehen Gegner und Befürworter der Aufnahme von Flüchtlingen auf die Straße. Auf dem Pardeplatz im Zentrum Warschaus versammelten sich gut 5000 Zuwanderungsgegner und Nationalisten. Sie schwenkten polnische Fahnen und feuerten Knallkörper ab. 

    Demonstration in Warschau. Foto: Leszek Szymanski, EPA/dpa 

    In der tschechischen Hauptstadt Prag standen sich Hunderte Vertreter des «Blocks gegen den Islam» und einer Initiative gegen Hass nur durch eine Straße getrennt gegenüber. Die Polizei hielt beide Lager auf Abstand. In Bratislava versammelten sich nach Angaben der Polizei gut tausend Islamgegner und rund 400 Gegendemonstranten.
  • Innenminister Thomas de Maizière hat die Entscheidung von Kanzlerin Merkel verteidigt, Zehntausende Flüchtlinge unregistriert nach Deutschland einreisen zu lassen. «Es war die richtige Entscheidung, um in einer humanitären Ausnahmelage vielen Flüchtlingen zu helfen und um die weitere Zuspitzung in einer Notlage zu verhindern», sagte der CDU-Politiker dem Berliner «Tagesspiegel».

    Zugleich machte de Maizière allerdings deutlich, dass die Aufnahme unregistrierter Flüchtlinge eine Ausnahme bleiben müsse: «Wir müssen jetzt schnell wieder zu den geregelten Verfahren zurückkehren», sagte er:

    «Wichtig ist, dass wir das Tempo verringern, in dem die Flüchtlinge nach Deutschland kommen.
  • Der große Andrang von Flüchtlingen bringt München an die Grenze der Aufnahmemöglichkeiten. Nach Schätzungen der Behörden sollen bis Mitternacht mehr als 10 000 weitere Flüchtlinge eintreffen. Bis zum Nachmittag kamen 7200 Menschen an, so eine Sprecherin der Regierung von Oberbayern. Weitere knapp 2000 Menschen werden erwartet. Die Balkanroute sei voller denn je, hieß es.
  • Neu eingetroffene Flüchtlinge in München. Die bayerische Landeshauptstadt steht mit ihren Notkapazitäten vor dem Kollaps. Foto: Sven Hoppe, dpa 

  • Aus Berlin kommen nur warme Worte oder schlaue Sprüche, die Arbeit wird in Bayern erledigt.

    Der Präsident des Bayerischen Landkreistages, Christian Bernreiter, zur Flüchtlingspolitik der Bundesregierung.
  • Bundeskanzlerin Merkel ruft die Frauen unter den Flüchtlingen auf, in Deutschland selbstbewusst ein neues Leben zu beginnen. «Sprache lernen!» appellierte sie in ihrer wöchentlichen Videobotschaft an Zuwandererinnen. «Und dann einfach Kontakte suchen und sich nicht einigeln, nur in der bekannten Gemeinschaft leben und arbeiten, sondern einfach auch versuchen rauszukommen.»

    «Wer Deutsch kann, kann sich in unserer Gesellschaft sehr viel besser einbringen», sagte Merkel weiter. «Im Zweifelsfalle mit den Kindern mitlernen. Die lernen im Kindergarten, die lernen in der Schule, sind dann auch oft schon besser als die Eltern; davon sollte man sich nicht abschrecken lassen.» 
  • Deutschland lehnt das Ansinnen einiger EU-Staaten ab, wegen der Flüchtlingskrise die vereinbarten europäischen Schuldenregeln zu lockern. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte beim Treffen mit seinen EU-Kollegen in Luxemburg zur Flüchtlingskrise: «Sie ist nicht als Instrument zu nutzen, um andere Dinge zu machen.»  Dabei geht es um die Frage, ob die Staaten sich die Ausgaben für die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen beim Defizit anrechnen lassen können.
  • Nach Ansicht von Bundespräsident Joachim Gauck führt die aktuelle Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge zu einer «ernsthaften Hochstimmung» in Deutschland. 
    Ein gerade in Deutschland eingetroffener Flüchtling formt mit seinen Händen ein Herz. Foto: Andreas Gebert, dpa 

    «Aus der Sorge heraus erleben wir uns als fähige Menschen, die eine große Herausforderung bewältigen», so Gauck beim Bürgerfest im Park von Schloss Bellevue: «Das geht ein in unsere kollektive Erinnerung». 

    Zum Vergleich verwies der Bundespräsident auf die Euphorie während Fußball-Weltmeisterschaft 2006, als sich alle Bürger, auch die ausländischer Herkunft, für die gleiche Sache begeistert hätten.
  • Die ungarische Kamerafrau, die beim Filmen von Flüchtlingen Kinder getreten hatte, hat sich für den Vorfall entschuldigt. «Ich bitte die Betroffenen wegen des Vorgefallenen aufrichtig um Entschuldigung», schrieb sie an die Tageszeitung «Magyar Nemzet». Ihr «ganzes bisheriges Leben» sei «ruiniert». Gegen sie ermittelt derzeit die Polizei wegen Störung der öffentlichen Ordnung.

    Schon am Vortag hatte die Kamerafrau in einem ersten Brief den Vorfall bedauert. Sie sei «keine herzlose, Kinder tretende Rassistin». Die 40-Jährige erklärte ihr Verhalten mit Angst vor der Menge der Flüchtlinge an der ungarisch-serbischen Grenze: «Ich geriet in Panik, ... als ob ich nicht ich selbst gewesen wäre».
  • Was wird die Zukunft ihnen bringen? Kurz nach ihrer Ankunft in München werden Flüchtlinge zu einer Unterkunft begleitet. Foto: Sven Hoppe, dpa 
  • Bundeskanzlerin Merkel hat die scharfe Kritik von CSU-Chef Horst Seehofer an ihrer Entscheidung zur Grenzöffnung für Flüchtlinge aus Ungarn zurückgewiesen. Ohne den bayerischen Ministerpräsidenten zu erwähnen, sagte Merkel: «Wir haben in der vergangenen Woche in einer Notlage eine Entscheidung getroffen. Ich bin davon überzeugt: Das war richtig.» Deutschland werde seiner Verantwortung gerecht, wenn es um die Hilfe von Schutzbedürftigen gehe.
  • Ungarns Außenminister Peter Szijjarto hat scharf auf Kritik des österreichischen Bundeskanzlers Werner Faymann reagiert, der die Budapester Flüchtlingspolitik mit der NS-Rassenpolitik verglichen hatte. «Dies weisen wir entschieden zurück und verbitten es uns», übermittelte Szijjarto der staatlichen ungarischen Nachrichtenagentur MTI.

    Faymanns Worte seien «eines führenden Politikers im 21. Jahrhundert unwürdig». Österreichs Regierungschef betreibe seit Wochen eine «Lügenkampagne» gegen Ungarn, obwohl das Land alle EU-Regeln beachte und eine effiziente gemeinsame europäische Lösung für die Flüchtlingskrise suche. Erschwert werde dies dadurch, dass Politiker wie Faymann mit verantwortungslosen Äußerungen bei «Wirtschaftsflüchtlingen» Illusionen und «Träume ohne Grundlage» weckten. Faymanns «Amoklauf» sei unerträglich und offenbare seine Unfähigkeit.
  • Achtköpfige Familien erhalten in Deutschland an die 900 Euro Taschengeld, das entspricht fast dem Dreifachen des serbischen Durchschnittsgehaltes.

    Ungarns Regierungschef Orban über die seiner Ansicht arbeitsscheuen Migranten
  • Über Serbien kommen weiterhin zu Tausenden Flüchtlinge nach Ungarn. Am Freitag seien es 2827 gewesen, bis heute Morgen weitere 1561, teilte die Polizei mit. Insgesamt habe man in diesem Jahr 181 014 illegale Grenzübertritte registriert. Von diesen Menschen hätten 166 465 in Ungarn einen Asylantrag gestellt - davon allein 2093 am Freitag, berichtete die ungarische Einwanderungsbehörde. Offensichtlich haben die meisten von ihnen Ungarn wieder verlassen. In ungarischen Flüchtlingslagern befanden sich heute Morgen nach offiziellen Angaben 2215 Menschen.

    Viele Flüchtlinge hoffen, noch nach Ungarn zu kommen, bevor der Zaun dicht ist. Foto: Sandor Ujvari/Archiv
  • Ungarn hat damit begonnen, den letzten Durchlass an der Grenze zu Serbien zu schließen. Er befindet sich an einem Bahngleis, das vom serbischen Horgos ins ungarische Röszke führt. Diese 40 Meter breite Stelle an der Grenze war zuletzt als einzige noch nicht mit einem Zaun abgeriegelt. Deshalb wurde sie in den vergangenen Wochen von den meisten Flüchtlingen als Tor nach Ungarn genutzt.

    Mit Stacheldraht gegen Flüchtlinge: Ungarische Soldaten montieren den vier Meter hohen Zaun an der Grenze zu Serbien. Foto: Zoltan Gergely Keleman 
  • In München werden nach Schätzungen der Behörden heute insgesamt 10 000 weitere Flüchtlinge erwartet. Bis 10.30 Uhr kamen etwa 3600 Menschen am Münchner Hauptbahnhof an. Das sei die größte Zahl, die es an einem Morgen bislang gegeben habe, sagte der Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand.  Mit 3200 Neuankömmlingen wurde für den Nachmittag gerechnet. 

    Derzeit stehen laut der Behörde in München 5200 Plätze in Notunterkünften bereit. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sagte, die Stadt sei an der Kapazitätsgrenze angelangt. Für mindestens 3000 Menschen, die für diesen Samstag erwartet werden, sei derzeit unklar, wo sie untergebracht werden können. Man erwäge nun, Großzelte aufzustellen.

    Neuankömmlinge in München: Die Stadt rechnet für heute mit bis zu 10 000 Flüchtlingen. Bei allen Anstrengungen ist zur Stunde die Unterbringung von 3000 Menschen noch nicht gesichert. Foto: Andreas Gebert 

    von Christina Bicking, dpa bearbeitet von Clemens Kubenka, dpa 9/12/2015 12:02:51 PM
  • Saudi-Arabien wehrt sich gegen den Vorwurf der Untätigkeit in der syrischen Flüchtlingskrise. Das Land habe seit Beginn des Syrien-Konflikts rund 2,5 Millionen Syrer «empfangen», berichtet die staatliche Nachrichtenagentur SPA unter Berufung auf das saudische Außenministerium. «Um ihre Würde und Sicherheit zu wahren, verfolgt das Königreich die Strategie, sie weder als Flüchtlinge zu behandeln noch sie in Flüchtlingscamps unterzubringen

    Laut Nachrichtenagentur hätten die Syrer Reisefreiheit und die Möglichkeit, in Saudi-Arabien zu bleiben. Einige Hunderttausend hätten eine Aufenthaltserlaubnis bekommen mit dem Recht auf kostenlose medizinische Behandlung, auf Arbeit sowie auf einen Schul- oder Universitätsbesuch. Zugleich habe Saudi-Arabien Hunderte Millionen Euro für humanitäre Syrien-Hilfen aufgewendet. 

    Wegen der Flüchtlingskrise in Europa hatten sich viele Araber in den sozialen Medien über die Haltung Saudi-Arabiens empört. Das ölreiche Land hat bis heute die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 nicht unterzeichnet. 
  • Unbekannte haben einen Waggon eines abgestellten Zuges im nordrhein-westfälischen Wiehl in Brand gesetzt und mit fremdenfeindlichen Parolen beschmiert. Es sei nicht auszuschließen, dass sich der Brandanschlag gegen die dort angedachte Unterbringung von Flüchtlingen richte, sagte ein Sprecher der Polizei. Die Gemeinde Wiehl überlege derzeit, in Waggons des Bereibers Rhein-Sieg-Bahn eine Notunterkunft einzurichten. Der Staatsschutz wurde eingeschaltet.
  • Österreich stellt sich auf neue Flüchtlingsrouten für den Fall ein, dass Ungarn seinen Kurs gegen Migranten weiter verschärft. «Es besteht natürlich die Möglichkeit, dass Ungarn umgangen wird», sagte der Sprecher des Wiener Innenministeriums, Karl-Heinz Grundböck. Die Menschen wollen und werden weiter in Richtung Zentraleuropa kommen», sagte Grundböck. 

    Das Innenministerium habe gemeinsam mit Hilfsorganisationen Szenarien erstellt, wie vorzugehen sei, wenn sich die Hauptrouten auf den Süden Österreichs, auf die Steiermark und Kärnten, verlagerten. Bei der Weiterleitung der Flüchtlinge sollen dann auch Fahrzeuge des Bundesheeres zum Einsatz kommen.
  • Das hässliche Gesicht der Flüchtlingskrise: Polnische Flüchtlingsgegner und Nationalisten machen in Danzig ihrem Zorn auf die Regierung in Warschau Luft, die zugestimmt hat, Menschen aus Syrien und Nordafrika aufzunehmen. Foto: Adam Warzawa

  • München bereitet sich auf die Ankunft weiterer Zehntausender Flüchtlinge vor und hat neue Plätze in Notunterkünften geschaffen. Um die Flüchtlinge vorübergehend unterzubringen, wurden auf dem Messe-Gelände, in der Innenstadt und in Aschheim im Landkreis München neue Betten aufgestellt. Dabei halfen auch Bundeswehrsoldaten. «Wir wollen in den nächsten Tagen Kapazitäten im Tausenderbereich schaffen», sagte eine Sprecherin der Regierung von Oberbayern.

    Erster Zufluchtsort nach der wochenlangen Flucht: Migranten in einer Messehalle in München. Foto: Angelika Warmuth
  • Dieses Dementi kam schnell: Die Bundesregierung weist Spekulationen über eine Zwangsvermietung leerstehender Häuser zur Unterbringung von Flüchtlingen zurück. «Der Bund plant keine Zwangsvermietung leerstehender Immobilien. Eine solche Maßnahme findet sich auch nicht im Beschluss des Koalitionsausschuss vom vergangenen Sonntag», erklärte eine Regierungssprecherin.

    Sie reagierte damit auf einen Bericht des ARD-Hauptstadtstudios, wonach eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe die Einführung eines Beschleunigungsgesetzes prüfe, das angesichts des Flüchtlingsandrangs zeitlich befristet auch solche Schritte vorsehe. Die Überlegungen zielten vor allem auf Gewerbeimmobilien ab, aber auch auf Einfamilienhäuser, hieß es in dem Bericht.

    Leerstehender Plattenbau in Frankfurt an der Oder: Die Bundesregierung dementiert einen Bericht über angeblich geplante Zwangsvermietungen leerstehender Häuser für die Flüchtlingsunterbringung. Foto: Patrick Pleul/Archiv
  • Nach dem Kentern von zwei Flüchtlingsbooten werden seit dem Morgen fünf Migranten in der Ägäis vermisst. Ein Boot war nördlich der Insel Samos gekentert. Die Küstenwache konnte 24 Menschen retten. Die Überlebenden berichteten von vier vermissten Minderjährigen. Das zweite Boot kenterte vor der Insel Lesbos, einem Hauptfluchtpunkt. Dort konnte die Küstenwache 32 Menschen aus den Fluten retten. Ein 20 Jahre alter Flüchtling wurde vermisst. 

    Die Luft ist raus: Von der türkischen Küste aus versuchen die Flüchtlinge alles, um nach Griechenland zu kommen - oft mit völlig untauglichen Booten. Foto: Manolis Lagoutaris/EPA
  • Serbiens Regierungschef Aleksandar Vucic hält seine eigenen Landsleute, die unter elenden Bedingungen nach Westen strömen, für Wirtschaftsflüchtlinge und Faulpelze. Deutschland fordert er mit scharfen Worten auf, Asylbewerbern aus seinem Land deutlich weniger Taschengeld zu zahlen. «Achtköpfige Familien erhalten in Deutschland an die 900 Euro Taschengeld, das entspricht fast dem Dreifachen des serbischen Durchschnittsgehaltes», sagte Vucic dem «Spiegel». Dazu gebe es Essen umsonst und keinerlei Ausgaben.

    «Diese Leute wollen weder hier bei uns noch in Deutschland arbeiten, dafür werden sie von euch mit viel Geld belohnt, irgendwann nach Serbien zurückgeschickt - und sechs Monate später probieren sie es wieder», sagte Vucic. Es handle sich um «falsche Asylbewerber».
  • Österreich hat die Sperre der Autobahn an einem Grenzübergang nach Ungarn wieder aufgehoben. Am Freitag war die Strecke im Bereich von Nickelsdorf im Burgenland für Autos wegen des großen Flüchtlingsandrangs aus Ungarn für den Verkehr geschlossen worden. Seit Mitternacht sind etwa 460 Flüchtlinge in Nickelsdorf angekommen. Der Großteil der Menschen fährt nach einer Erstversorgung über Salzburg direkt nach Deutschland weiter.

    Der Bahnverkehr zwischen Österreich und Ungarn soll am Wochenende  ausgesetzt bleiben. Die Österreichischen Bundesbahnen hatten den grenzüberschreitenden Zugverkehr am Donnerstag gestoppt.

    Weiterfahrt per Taxi: Seit dem Morgen ist die Autobahnstrecke im Bereich von Nickelsdorf für Autos wieder geöffnet. Foto: Herbert P. Oczeret
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