Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien

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Montag, 29. August 2016 27° 1

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Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien

  • Der nächste WM-Tagebuch unseres in Brasilien weilenden Sportchefs Heinz Gläser:

    Poldi bei Nacht

    Es ist höchste Zeit, unsere Hochachtung auszudrücken. Sie gilt der Berufsauffassung und dem Arbeitsethos der asiatischen Kollegen hier bei der WM. Während der von seiner Gewerkschaft verzärtelte Mitteleuropäer ständig nach Pausen lechzt, schuftet speziell der Japaner praktisch ohne Unterlass. Er hat sich zu diesem Zweck einige bemerkenswerte Techniken angeeignet. So schaufelt er Fast Food in sich hinein, ohne dabei von der Tastatur zu lassen. Plötzlich und unvermittelt sackt der Japaner dann über seinem Computer zusammen und bettet sein Haupt auf diesen. Nicht lange jedoch, und das Nickerchen ist wieder beendet. Ein Ruck geht durch den schmächtigen Körper, und der Kollege tippt weiter.

    Und nach der Rückkehr ins fernöstliche Heimatland, da sind wir ganz sicher, wird er seinen Chef davon überzeugen, die großzügig gewährten fünf Tage Jahresurlaub heuer wieder mal nicht abzunehmen.

    So eine WM weckt ja im einen oder anderen ansonsten zutiefst bodenständigen Landsmann die Abenteuerlust. So auch bei Lars Fieber (46) sowie dem Ehepaar Hollensteiner, Armin (54) und Uta (eine Dame fragt man nicht nach ihrem Alter). Wir trafen das Trio dieser Tage beim Anstehen vor der Fähre nach Santo Andre, und weil es gerade sonst nichts zu berichten gab, stürzten sich Dutzende Journalisten auf die Ostwestfalen, genauer: Bielefelder, und lichteten diese in allen erdenklichen Posen ab.

    Ihren geländegängigen Landrover Defender, Baujahr 1995, hatten die Schlachtenbummler von Emden ins mexikanische Veracruz verschifft und waren dann über diverse mittel- und südamerikanische Staaten bis ins WM-Land vorgestoßen.

    Als Einwohner von Bielefeld, also einer Stadt, die nach Ansicht vieler gar nicht existiert, haben Uta, Lars und Armin die Liebe zur örtlichen Arminia mit der Muttermilch aufgesogen. Und wer um die durchaus wechselvolle Historie des Zweitliga-Absteigers weiß, der weiß auch, dass seine Fans dem Leiden zugetan sind.

    Jedenfalls pappten die Anhänger des Deutschen Sport-Clubs (DSC) Aufkleber mit dem Vereinswappen auf alle Flächen, derer sie habhaft wurden. So auch auf unsere Fähre, die nun zweifellos dem Untergang geweiht ist. Auch unsere Miet-Pkw bekamen die blau-weißen Arminen-Sticker ab.

    Dieser Akt unmittelbarer Wertminderung ging dem Kollegen Michael aus Osnabrück zu weit, genauso wie die Aussicht, eine ganze WM lang für die Arminia Reklame zu fahren. Also entfernte er den Aufkleber mit spitzen Fingern. Um diese Aktion müsste man eigentlich nicht viel Aufhebens machen, jedoch rühmte sich Michael im Internet seiner Tat. Prompt brach über ihn ein sogenannter Shitstorm herein. Arminia-Fans jedweder Provenienz bedachten den wackeren Osnabrücker mit wüsten Schimpfwörtern und Verwünschungen.

    Kollege Jörg von einem bekannten Hamburger Nachrichtenmagazin berichtete uns derweil vor dem Abflug nach Fortaleza, er habe nachts eine Vision gehabt. Erschienen seien ihm, so raunte uns der gebürtige Rheinländer zu, die Herren Lukas Podolski und Miroslav Klose. Und Jörg schlussfolgerte messerscharf, Jogi Löw werde diese beiden überraschend in seine Startformation gegen Ghana berufen. Dazu ist Zweierlei anzumerken: erstes, dass den Kollegen die Vorahnung trog; zweitens, dass es durchaus alptraumhafte Züge hat, wenn einem nachts Lukas Podolski erscheint.

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