Kampf ums Weiße Haus

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Sonntag, 6. November 2016 7

Kampf ums Weiße Haus

Am 8. November wird in den USA ein neuer Präsident gewählt. MZ-Reporterin Christine Straßer taucht in den Wahlkampfendspurt ein. Sie reist in die Hauptstadt Washington, verfolgt das TV-Duell der Vizepräsidentschaftskandidaten in Farmville und das Aufeinandertreffen von Hillary Clinton und Donald Trump bei der Debatte in St. Louis. Ihre Eindrücke im NewsBlog:

  • Raucher haben es nicht leicht hier.

  • Derek Chollet, Berater für Sicherheits- und Verteidiungspolitik beim German Marshall Fund liefert interessante Einblicke im Gespräch. Ein Zitat in Bezug auf eine möglichen US-Präsidenten Donald Trump, das bei mir besonders hängen geblieben ist: "Man kann Verbündete nicht wie Unternehmer in Atlantic City behandeln." Eine ganz eindeutige Anspielung auf Trumps Misserfolge in der Stadt, die maßgeblich zu der Misere der Casino-Stadt beigetragen haben.  Etliche Unternehmer bleiben nach Trumps Pleite auf ihren Rechnungen sitzen.
     
    Dass Chollet, der unter der Obama-Regierung im Verteidigungsministerium gearbeitet hat, Trump sehr kritisch sieht, überrascht vielleicht nicht. Chollet macht klar, dass er nicht nur Vorbehalte wegen Trumps Aussagen zu Russland und der NATO hat. Es geht ihm auch um Trumps Temperament. "Nehmen wir an, dass Sie eine Tochter haben, die in Uniform dient", wirft Chollet ein. "Welchen Führer würden Sie haben wollen, der darüber entscheidet, wo das Militär eingesetzt wird?" 
     
    Noch eine spannende Bemerkung. Chollet sagt, dass die USA noch immer das Land ist, das zweimal mit Barack Obama einen schwarzen Präsidenten gewählt hat. Er hält es für bemerkenswert, dass Obama immer noch sehr beliebt ist und sich nun zusammen mit seiner Frau Michelle stark in Hillary Clintons Wahlkampagne engagiert. Und die Demokraten haben Chollet zufolge auch viele Erfolge aufzuweisen, auf die sie verweisen könnte. Die Distopie, die Trump zeichnet, wonach alles schlechter geworden ist, spiegle die Wirklichkeit nicht wider. Republikaner und Demokraten haben die Rollen getauscht, sagt Chollet. Während es früher die Republikaner waren, die von einem erfolgreichen Land gesprochen haben, sind es nun die Demokraten, die auf Fortschritte verweisen.
  • Raus aufs Land

    Bis vor wenigen Wochen war Farmville für mich ein Facebook-Spiel. Millionen von Spielern und gefühlt fast jeder meiner Freunde bestellte dort als virtueller Landwirt Felder. Das ist schon ein paar Jahre her. Aber die Saatgut-Geschenke und die Bitten um Hilfe bei der Ernte, rufen noch immer Erinnerungen wachen und führen zu Augenrollen. Fast jeder, dem ich davon erzählt habe, dass ich nach Farmville fahren werde, runzelte denn auch erst einmal die Stirn.

    Die Vizepräsidentschaftskandidaten treffen sich zum TV-Duell in Farmville. Foto: Town of Farmville
     

    Und doch. Farmville gibt es tatsächlich. In der Kleinstadt in Virginia findet die Debatte der Vizepräsidentschaftskandidaten statt. Die dortige Longwood University, gegründet 1839, hat erstmals den Zuschlag bekommen. Deshalb weiß ich jetzt: Farmville hat rund 8200 Einwohner. Besuchern wird empfohlen, auf einem 31 Meilen langen Weg, der entlang einer ehemaligen Bahnstrecke führt, zu wandern oder zu radeln. Besonderer Höhepunkt: die Höhe Brücke über den Appomattox. Appomattox heißt der Fluss, der durch das Städtchen fließt.

    Das nahe Appomattox Court House ist in die Bürgerkriegs-Geschichte eingegangen. Denn am 9. April 1865 ergab sich der Konföderierten-General Robert E. Lee hier der Unionsarmee. Auch für die Bürgerrechtsbewegung trug sich Bedeutendes in Farmville zu. 1951 fand hier die erste gewaltfreie Demonstration von Studenten an der Robert Russa Moton High School statt. Das mündete in den Rechtsstreit Brown gegen Board of Education vor dem Obersten US-Gerichtshof zum Thema der Rassentrennung an öffentlichen Schulen.

    Das kleine Städtchen putzt sich raus. Foto: Town of Farmville
     

    Farmville mag klein sein, aber es fiebert vielleicht umso mehr dem TV-Duell entgegen. Also nichts wie raus aufs Land. Dort gibt es sicher viel zu erleben. Wie viele Menschen heute noch virtuell säen, wässern und ernten, erfährt man von der Softwareschmiede Zynga übrigens nicht. Was man weiß: Die nächste Großveranstaltung im echten Farmville nach der Debatte der Vizepräsidenten ist der Farmville Farmers Market am Samstag.

  • Nick Trainer ist der Direktor des politischen Trainings beim RNC. Er erklärt, dass die Freiwilligen nur dort klingeln, wo Gegenliebe zu erwarten ist. Der Gedanke ist: Leuten, die für die Ideen der Republikaner empfänglich sind, sollen die Freiwilligen über ihre Gefühle für Trump erzählen. Sie sollen nicht argumentieren. Für die Trump-Kampagne gibt es 1100 Festangestellte. Wichtig waren diesmal laut Trainer Fellowship-Programme, in denen 6000 Freiwillige trainiert wurden.

  • Was beim RNC zu sehen ist: junge, überarbeitete Menschen, die auf Computerbildschirme starren. Dort beobachten sie die Informationen, die es über das voraussichtliche Wahlverhalten einzelner Personen gibt. Basis sind Datensätze über das Wahlergebnis in den einzelnen Bezirken. Dann wird nachgearbeitet. Es wird zum Beispiel erfasst, welche Zeitschriften eine Person liest oder welches Auto sie fährt. Daraus wird dann errechnet, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass eine Person für die republikanische Partei stimmt.

  • Zu Besuch beim Republican National Committee (RNC). Was machen die Mitarbeiter dort? Sie koordinieren das Fundraising und die Wahlkampfstrategie, und sie entwickeln die politischen Positionen der republikanischen Partei und stellen diese Positionen landesweit dar. So viel zur Theorie.
  • Auch vor dem Trump-Hotel in Washington fehlt von Wahlplakaten jede Spur.

  • So sehen hier also Traummaschinen aus.

  • Hillarys Aufstieg von Hosenanzug zu Hosenanzug. Könnte ein interessanter Comic sein. Leider hat The Proper Shopper noch nicht geöffnet.

  • Da könnten mitten in Washington fast Heimatgefühle aufkommen oder so...

  • Dort drüben wirbt Gary Johnson, Kandidat der Libertären. Was ich noch immer nicht gesehen habe: ein Trump-Schild.

  • Ein paar Lehren aus der Begegnung mit Eric Langenbacher, Associate Teaching Professor an der Georgetown University hier in Washington:
     
    • Da nur Präsident wird, wer mindestens 270 Wahlmännerstimmen gewinnt, sind die umkämpften Bundestaaten Florida (29 Stimmen), Ohio (18 Stimmen) und North Carolina (15 Stimmen) besonders wichtig.
    • Ein kritischer Punkt wird die Wahlbeteiligung. Werden die Hispanics und die African Americans in großer Zahl zur Wahl gehen? Das erinnert mich an die Bemerkung, die Mark Rozell, Dekan und Professor für Public Policy an der George Mason University, im Interview vergangene Woche fallen ließ. Er verwies damals auf die Rede von Präsident Barack Obama vor dem Congressional Black Caucus (Ausschuss der schwarzen Kongressabgeordneten). Obama sagte, dass er es als "persönliche Beleidigung" empfinde, sollten African Americans nicht für Hillary Clinton stimmen.
    • Aufgrund des Systems der "checks and balances" ist die Macht des US-Präsidenten ziemlich eingeschränkt. Obama hat deshalb stark mit Dekreten gearbeitet. Man könnte aber auch kritisieren, dass er Vorhaben im Alleingang durchgeboxt hat.
    • Die Macht der Judikative ist gestiegen. Niemand kontrolliert die Richter am Supreme Court, die auf Lebenszeit ernannt wurden. Eric Langenbacher spricht von einem "unchecked check".
    • Andererseits haben die USA trotz einer allgemeinen Präsidentialisierung der Politik in vielen Ländern den Fehler vermieden, dass der Präsident zu mächtig wird.
    • Die demokratische Partei steht vor dem Problem, dass Amerikaner, die von Sozialprogrammen der Demokraten profitieren und eigentlich jeden Grund hätten, diese Politik zu unterstützen, trotzdem nicht für die demokratischen Kandidaten stimmen. Warum? Ein Erklärungsansatz von Eric Langenbacher. Die demokratische Partei wird als eine Partei der Minderheiten wahrgenommen.
  • Das Duell der Stellvertreter

    84 Millionen Amerikaner haben das erste TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump gesehen - ein historischer Rekord. So hoch war die Zuschauerquote noch nie seit der allerersten Fernsehdebatte 1960 zwischen John F. Kennedy und Richard Nixon. Wenn morgen die Vizepräsidentschaftskandidaten Tim Kaine (Demokrat)und Mike Pence (Republikaner) aufeinander treffen, wird das voraussichtlich weit weniger hohe Wellen schlagen.

    In den vergangenen Jahren hatte das TV-Duell der Bewerber um das Amt des Vizepräsidenten kaum jemals Einfluss auf das Rennen um das Weiße Haus. Aber der für einige politische Beobachter noch immer beste "Zinger" stammt aus einer Debatte zwischen US-Vizepräsidentschaftskandidaten. Im Wörterbuch wird "Zinger" mit Hammer übersetzt. Bei eine TV-Debatte sind damit jene rhetorischen Hammer gemeint - also bestenfalls originellen, witzigen oder schlagfertigen Sätze -, die über den Fernsehabend hinaus ein Eigenleben entwickeln.

    Die Vizepräsidentschaftskandidaten-Debatte 1988 zwischen Dan Quayle und Lloyd Bentsen fand Eingang ins kulturelle Gedächtnis der US-Nation. Der Kandidat der Demokraten, Bentsen, ein erfahrener Senator aus Texas, entgegnete seinem jungen republikanischen Kontrahenten Quayle auf einen Selbstvergleich mit John F. Kennedy ganz trocken: "Senator, ich habe mit Jack Kennedy zusammengearbeitet. Ich kannte Jack Kennedy. Jack Kennedy war mein Freund. Senator, Sie sind kein Jack Kennedy!"

    Das erste TV-Duell zwischen Vizepräsidentschaftskandidaten fand 1976 statt. Walter Mondale (Demokrat) und Bob Doyle (Republikaner) statt. Fest zum Wahlkampf-Terminkalender gehört es seit 1984. Auf ungewöhnlich großes Publikumsinteresse stieß die Debatte 2008. Neugierig waren die Beobachter darauf, wie sich die junge Republikanerin Sarah Palin gegen den erfahrenen Demokraten Joe Biden schlagen würde. Die erzkonservative Gouverneurin aus Alaska löste ungeahnte Gefühle aus. In der Debatte behauptete sie sich dann unerwartet gut, weil sie es schaffte, Wissenslücken geschickt zu überspielen.

    Auch das Duell vier Jahre später zwischen Biden und dem republikanischen Gegenspieler Paul Ryan fand viel Beachtung. Die New York Times schrieb damals sogar von der "gehaltvollsten politischen Debatte seit vielen Jahren". Doch neben dem Inhalt spielt bei diesen Aufeinandertreffen auch immer das Auftreten der Kandidaten eine große Rolle. Das war 2012 nicht anders. Nach der Debatte wurde weniger über die Aussagen von Biden und Ryan diskutiert, als vielmehr über Bidens blendend weiße Zähne. Von Grinsekatze war die Rede.

    Die Gesichtszüge zu kontrollieren - Das gehört zu den schwierigsten Herausforderungen einer Fernsehdebatte. Außerdem sollte man sich nicht anmerken lassen, was man von dem ganzen Zirkus tatsächlich hält. Eine Warnung sollte Tim Kaine und Mike Pence das Beispiel von dem Ex-Admiral Vizepräsidentschaftskandidat James Stockdale sein, der 1992 an der Seite von parteilosen Präsidentschaftskandidaten Ross Perot antrat. Stockdale eröffnete die Debatte mit der rhetorischen, aber seltsam anmutenden Frage: "Wer bin ich? Warum bin ich hier?" Als es um das Gesundheitswesen ging, erklärt der hoch dekorierte Militär: "Mir ist die Munition ausgegangen." Später bat er Moderator Hal Bruno, eine Frage zu wiederholen: Er habe sein Hörgerät nicht an. Für den Spott musste Stockdale nicht sorgen.

    Dass sich Kaine, der Senator aus Virginia, und Pence, Gouverneur von Indiana, so eine Blöße geben, ist nicht zu erwarten. Aber von den vielen auf sie gerichteten Kameras wird natürlich auch jeder noch so kleine Schweißtropfen auf der Stirn registriert werden. Daran hat sich seit Kennedy und Nixon nichts geändert.

  • Der Zug bzw. hier das Auto ist eigentlich längst abgefahren.

  • Das erste Schild von Hillary Clinton, das ich sehe. Das Haus dahinter ist das Whitemore House in Washington, in dem der Women's National Democratic Club beheimatet ist.

  • Noch jemand, der Präsident werden möchte.

  • Der Kandidat sagt aber noch mehr (und behält hoffentlich nicht recht).

  • Weisheiten des Kandidaten. Da konnte ich nicht widerstehen.

  • Für die Kinder

  • We shall overcomb

  • Im Souvenirshop ist der Präsidentschaftswahlkampf auch angekommen.

  • Die Gedenkstätten-Dichte ist hoch. Dieses hier erinnert an den Koreakrieg.

  • Und hier die Statue von Abraham Lincoln, dem 16. Präsidenten der USA.

  • Den Reflecting Pool kennen die meisten wohl aus Forrest Gump. Reinzuspringen, traue ich mich aber nicht.

  • Auf der anderen Seite der Mall am Lincoln Memorial

  • Das Millenial-Problem

     
    Donald Trump ist der vielleicht unpopulärste Kandidat, den eine große Partei in der jüngeren amerikanischen Geschichte ins Rennen um das Weiße Haus geschickt hat. Nach einer Umfrage für die Washington Post und den Sender ABC haben lediglich rund 35 Prozent der Amerikaner ein gutes Bild vom Kandidaten der Republikaner. Warum also liegt Hillary Clinton nicht schon längst haushoch vorne? Die kurze Antwort: Sie ist nicht sehr viel beliebter. In der gleichen Umfrage gaben 41 Prozent der Befragten an, dass sie ein positives Bild von der Demokratin haben. Clinton entfacht keinen Enthusiasmus - vor allem nicht bei jungen Wählern und somit jener Gruppe, aus der sich auch viele Wahlkampfhelfer rekrutieren.
     
    Im Verlauf des Septembers wurde in amerikanischen Medien vielfach diskutiert und analysiert, dass Clinton es nicht schafft, junge Wähler für sich zu begeistern. In den Vorwahlen war es Bernie Sanders, der Senator aus Vermont, der besonders großen Rückhalt in dieser Wählergruppe hatte. Auf die Frage, wie man eine Wahl gewinnt, hatte Sanders eine einfache Antwort: „Man sammelt die jungen Leute ein, die die Politik schon aufgegeben haben.“ Sanders kam offenbar so gut beim Einsammeln an, dass seine Anhänger, nachdem es mit der Nominierung nicht geklappt hat, so dermaßen enttäuscht sind, dass sie sich von den Demokraten gänzlich abwenden – und lieber einen unabhängigen Kandidaten unterstützen. Auch Sanders Aufforderung, Clinton zu unterstützen, verhallt bislang.
     
    Die jungen Wähler in den USA könnte eine entscheidende Gruppe der Wahlen werden. Es gibt 83,1 Millionen Menschen in den USA, die zwischen 1982 und 2000 geboren wurden. Damit ist die Gruppe der sogenannten Millennials ebenso groß wie die der Baby Boomer, die zwischen 1946 und 1964 geboren wurden. Beide machen jeweils ein Drittel der Wählerschaft aus. Ronald Brownstein titelte in The Atlantic schon im August, dass Hillary Clinton ein Millenial-Problem habe. Zwar liegt sie in dieser Gruppe vorne, aber bei weitem nicht so überwältigtend wie Barack Obama 2012.
     
    Eine einer kürzlich veröffentlichten Umfrage der Quinnipiac University bröckelt die Unterstützung für Clinton. Gefragt wurde nämlich nicht nur, nach Trump und Clinton. Vielmehr wurde das Kandidatenfeld um Gary Johnson (Libertäre) und Jill Stein (Grüne) erweitert. Vom Monat August auf den Monat September verlor Clinton 24 Prozentpunkte bei den Millenials.
     
    Das ist aber nicht das einzige Problem für Clinton, das Philip Bump in der Washington Post ausmacht. Er verweist, auf eine weitere Erkenntnis, die sich aus der Umfrage für CNN-ORC ableiten lässt. Diese Umfrage bezog sich nicht auf registrierte Wähler, sondern auf diejenigen, die angaben, dass sie auch tatsächlich zur Wahl gehen wollen. Dabei ergeben sich für die Republikaner Vorteile. Denn Faktoren wie Alter, Einkommen und Immobilienbesitz treffen mit eine höheren Wahrscheinlichkeit, zur Wahl zu gehen, zusammen. Clinton steht also vor einer größeren Herausforderung, ihre Anhänger auch tatsächlich an die Wahlurne zu bekommen.
    Auf dem Nominierungsparteitag der Demokraten in Philadelphia gab es am ersten Abend Buh-Rufe von den Sanders-Unterstützern für Clinton. Das Ausmaß der Ablehnung ist nicht unbedingt mit rationalen Argumenten zu begründen. Denn Sanders verbindet auch manches mit Clinton: Bildung, Fürsorge für die Mittelschicht, Klimawandel und die Stärke einer vielfältigen Gesellschaft. Aber Clinton wird ganz offensichtlich von vielen jungen Wählern als jemand wahrgenommen, der nicht integer ist.
     
    Die „Bernie or bus“-Bewegung, die niemand außer Sanders unterstützen will, ist noch immer zu hören. Wie groß sie am Ende sein wird, ist aber offen. Denn ob die Millenials tatsächlich bereit sind, einen Präsident Trump in Kauf zu nehmen, ist ungewiss. Vielleicht setzt ja auch, je näher der 8. November rückt, noch eine Welle des Umdenkens ein. In The Daily Beast gab James Kirchick aber jedenfalls schon einmal den Millenials die Schuld, sollte Trump gewinnen.
  • Die National Mall. Das Washington Memorial ist der höchste Obelisk der Welt. Im Hintergrund: das Lincoln Memorial.

  • Gewaltenwechsel: Jetzt sind wir bei der Legislative. Im Kongress werden die Gesetze gemacht. Senat und das Repräsentantenhaus sind hier untergebracht.

  • Protest gibt es auch - wie jeden Tag! Heute geht es gegen den Krieg und so weiter.

  • Hello Mr. President! Ich wäre hier.

  • Sankt John ist laut unserem Führer die älteste Kirche in Washington DC. Ein Platz ist immer für den Präsidenten reserviert.

  • Da wollen Trump und Clinton rein. Mein erster Blick auf das Weiße Haus.

  • Jetzt geht es aber für mich erst einmal auf eine Tour durch DC, um Washingtons größte Sehenswürdigkeiten zu sehen.
  • Der Präsidentschaftswahlkampf beherrscht die Politik-Talkshows an diesem Sonntagmorgen. Die Kritik an Donald Trump wird nach einem Bericht in der New York Times, wonach er 18 Jahre lang keine Einkommenssteuer bezahlt haben soll, schärfer. Aber das ist nicht der einzige Punkt. Bei einer Wahlkampfrede hat Trump zudem unterstellt, Hillary Clinton sei ihrem Mann Bill nicht treu gewesen. Beweise? Keine. Dieser Angriff auf die Ehe der Clintons können selbst eingefleischte Republikaner rechtfertigen.
  • Da ich bisher noch nie in Washington war, ist vieles neu. Erster Eindruck: grün und geordnet. In der Massachusetts Avenue reiht sich eine Botschaft an die andere. Deshalb sagt man hier: Embassy Row. Es ist aber auch alles sehr weitläufig.
  • Erste Begegnung mit dem amerikanischen Nichtwähler: Taxifahrer Naaz, seine Eltern sind aus Pakistan eingewandert, kann Hillary Clinton nicht viel abgewinnen und Donald Trump erst recht nicht. Naaz glaubt, dass sich für ihn ohnehin nichts ändern und schon gar nicht verbessern wird, egal wer Präsident ist. Also lässt er das mit dem Wählen am 8. November wahrscheinlich bleiben, sagt er.
  • Wen wählen die Katholiken?


    „In God We Trust“: Auf jeder Dollarnote ist der Glaube der Amerikaner an Gott nachzulesen. Insofern ist es nur logisch, dass in der Berichterstattung über die Präsidentschaftswahl auch Glaubensfragen eine Rolle spielen. Donald Trumps Werben um die Evangelikalen – also die Bibeltreuen, die mit liberaler Theologie und säkularem Gedankengut wenig bis nichts anfangen können – war von Beginn an ein großes Thema. Mehr als 40 Prozent der amerikanischen Wähler sind Protestanten, wobei davon deutlich mehr als die Hälfte zu den Evangelikalen gezählt wird.


    „Ich liebe die Evangelikalen“, schmeichelte der Milliardär, der selbst nicht als besonders religiös gilt, im Wahlkampf bereits mehrmals. Offensichtlich hatte seine Charme-Offensive  Erfolg. Denn auch wenn führende Kirchenmänner die Person Trump überaus kritisch sehen, steht inzwischen die überwältigende Mehrheit der Evangelikalen hinter dem Kandidaten der Republikaner. Das weisen verschiedene Umfragen so aus. Das Abstimmungsverhalten der Evangelikalen ist demnach gar nicht der spannende Punkt in diesem Wahlkampf.


    Vielmehr sollte ein anderes Ergebnis jüngster Umfragen  das Trump-Team aufschrecken, sagt Mark Rozell, Dekan der Schar School of Policy and Government an der George Mason University. Rozell beschäftigt sich bereits seit Jahren mit dem Verhältnis zwischen Politik und Religion. Er hat dazu schon mehrer Bücher veröffentlicht. Dass Hillary Clinton beispielsweise in einer Erhebung des Public Religion Research Institute (PRRI) unter katholischen Wählern mit 23 Punkten vor ihrem republikanischen Rivalen liegt, bezeichnet er als „verheerend“ für Trumps Kandidatur. Denn das die Evangelikalen mehrheitlich – derzeit liegt die Zustimmung bei rund 80 Prozent – die Republikaner unterstützen, ist typisch für die vergangenen Präsidentschaftswahlen. Es war auch seit den 1970er Jahren typisch für konservative Katholiken. Aber diesmal kommt Bewegung in genau diese Gruppe. In einem Artikel für die Washington Post beschrieb Rozell das Aufbrechen dieser Koalition.


    Die Katholiken machen rund ein Viertel der amerikanischen Wählerschaft aus. Sie können eine Wahl entscheiden. Bei den vergangenen US-Wahlen fielen die Ergebnisse bei den katholischen Wählern sehr knapp aus. Was aber auffällt: Letztlich war es fast immer so, dass genau der Kandidat Präsident wurde, der auch die Mehrheit bei den Katholiken bekam. Deshalb messen Demoskopen dieser Gruppe auch große Bedeutung zu. Außerdem ist der Anteil der Katholiken in den Bundesstaaten Pennsylvania, Ohio und Florida hoch. Gerade dort könnte die Präsidentschaftswahl entschieden werden. Denn alle drei Staaten sind sogenannte „swing states“, also Bundesstaaten, in denen es keine strukturelle Mehrheit für Republikaner oder Demokraten gibt und das Rennen voraussichtlich äußerst eng wird.


    Die „Washington Post“ titelte denn auch bereits: „Donald Trump hat ein massives Katholiken-Problem“. Dieses Problem stellt sich nicht nur, weil viele Latinos katholisch sind und ihnen Trump aufgrund seiner anti-mexikanischen Tiraden verhasst ist. Trump verliert offensichtlich auch bei den weißen Katholiken. Der Wahlbeobachter Rozell hält im Gespräch Trumps Haltung zur Einwanderung für entscheidend für den Stimmungsumschwung. Trumps beleidigende Rhetorik halten die konservativen Katholiken, die den lateinamerikanischen Einwanderern beim Kirchgang auch begegnen, nicht für tragbar. Rozell ist sich sicher, dass das Trump-Team sich dessen bewusst ist. Er ist überzeugt, dass die deutlich moderateren Töne, der republikanische Kandidat zuletzt in Bezug auf Einwanderungsfragen anschlug, darauf zurückzuführen sind.


    Hillary Clinton hat ihrerseits bei der Wahl ihres Vizepräsidentschaftskandidaten Tim Kaine Geschick bewiesen. Kaine ist bekennender Katholik. Das könnte dazu beigetragen haben, diese Wählergruppe mit der Demokratin zu versöhnen.


    Andere Analysten führen Trumps Gegnerschaft mit Papst Franziskus als Erklärung für die Wählerwanderung an. Franziskus hatte im Februar als Reaktion auf Trumps Ankündigung, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen zu wollen, erklärt, „eine Person, die nur darüber nachdenkt, Mauern zu bauen ... statt Brücken, ist nicht christlich“. In den Vorwahlen wirkte sich das nicht unmittelbar negativ für Trump aus. Aber es ist gut möglich, dass die Papstworte erst nach und nach ihre volle Wirkung entfaltet haben. Der US-Korrespondent der MZ, Thomas Spang, jedenfalls war sich schon im Februar sicher, dass sich Trump mit seiner Papst-Schelte auf lange Sicht selbst schadet. Er könnte recht behalten.

  • Weil es mit dem Boarding noch dauert, bleibt die Zeit, die SZ durchzublättern. Es lohnt sich: Dem Profil über Donald Trumps Wahlkampfleiterin Kellyanne Conway entnehme ich, dass sie ein Buch mit dem Titel "What Women Really Want" geschrieben hat. Darin beschreibt sie offensichtlich, wie Amerikas Zukunft von Frauen gestaltet wird. Okay... Das entbehrt nicht der Ironie. Schließlich gehört es zu Conways derzeitigem Job, mit allen Mitteln zu verhindern, dass Hillary Clinton die erste Präsidentin der USA wird.

  • Von einem gespaltenen Land habe ich im Vorfeld der Reise schon viel gelesen. In der International New York Times von diesem Wochenende bin ich auf Seite 2 auf einen Bericht gestoßen, der beschreibt, wie der republikanische Kandidat Donald Trump selbst die konservative US-Medien spaltet.

  • Hello everybody! Bereit für den Wahlkampf-Wahnsinn? Heute geht es los mit meiner Reporting Tour durch die USA. Elf Tage lang sammle ich Eindrücke vom Kampf um das Weiße Haus. Erste Station ist Washington D.C. Dorthin fliege ich heute.

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