Neuwahl in Großbritannien

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Sonntag, 6. November 2016 7

Neuwahl in Großbritannien

Ein knappes Jahr nach dem Brexit-Referendum will sich die britische Premierministerin May mit der vorgezogenen Abstimmung für die EU-Austrittsverhandlungen rüsten. Die konservativen Tories um May erhoffen sich eine komfortable Mehrheit, doch sinken die Umfragewerte: Holt nach dem Anschlag vom Wochenende die Diskussion um den Abbau von Planstellen in der Polizei die frühere Innenministerin ein? - Wir berichten am Wahltag live im NewsBlog.

  • ▪ ▪ ▪ Das Wichtigste in Kürze ▪ ▪ ▪

    ▪ Großbritanniens Premierministerin Theresa May will trotz ihrer Wahlschlappe zügig eine Regierung bilden, hierzu hatte sie sich formell das Einverständnis von Elizabeth II. abgeholt. 

    ▪ Die Regierung werde das Land durch die Verhandlungen über den EU-Austritt führen, die bereits in zehn Tagen beginnen sollen. Das Datum 19. Juni hatte Brüssel vorgeschlagen. 

    ▪ May wird voraussichtlich mit der nordirisch-unionistischen Partei DUP zusammenarbeiten, da die Konservativen ihre Mehrheit im Parlament verloren haben.

  • Doch wer sind eigentlich die wichtigsten Köpfe  bei der Parlamentswahl?  

    THERESA MAY: Einmal Premierministerin sein - darauf hat Theresa May seit Jahren hingearbeitet. Nicht selten wird die Konservative wegen ihres kühlen Auftretens und ihres starken Willens mit ihrer einzigen weiblichen Vorgängerin im Amt, der «Eisernen Lady» Margaret Thatcher, verglichen. Doch der Vergleich hinkt: Wie verletzlich sie sein kann, zeigt die Pfarrerstochter manchmal für Sekunden in den raren privaten Interviews, etwa wenn es um den frühen Tod ihrer Eltern geht.

    Nach Geografie-Studium und Jobs in der Finanzbranche kam May 1997 als Abgeordnete ins Parlament. Sechs Jahre lang war sie Innenministerin unter David Cameron; es war ein Knochenjob mit heiklen Themen wie Terrorismus. Erst 2016 wurde sie Premierministerin. Für ihre Karriere ändert die 60-Jährige durchaus ihre Meinung - so auch bei der Neuwahl, die sie zunächst ausgeschlossen hatte. Sie gilt als sehr nachtragend; Kritik von Parteimitgliedern vergisst sie nie. Beratend an ihrer Seite ist oft ihr Mann Philip. Das Paar ist seit fast 40 Jahren verheiratet. Ihre Hobbys: Wandern, Kochen und auffallende Schuhe.


    Foto: Steve Parsons, PA/dpa
  • JEREMY CORBYN: Der 68-jährige Labour-Chef Jeremy Corbyn ist ein Meister der Polarisierung. Die einen verehren den Altlinken mit dem ausgeprägten Sinn für soziale Gerechtigkeit wie einen Guru. Er bescherte der Arbeiterpartei einen enormen Mitgliederzuwachs. Die anderen sehen in ihm nur einen Sturkopf, der sich nicht stark genug gegen den Brexit gestellt hat und dadurch viele Wähler verprellte. Das britische Magazin "Economist" bezeichnete ihn als Politiker, "der ideologischen Extremismus mit politischer Inkompetenz vereint".

    Umfragen zeigen, dass ihm nur eine kleine Minderheit der Briten das Amt des Premierministers zutraut. Trotz aller Angriffe hält Corbyn aber wie in den vergangenen Jahrzehnten an seinem Kurs fest und bleibt dabei stets sachlich. Angriffe, Schmähungen, widersprüchliche Aussagen? "Das ist nicht mein Stil", sagte der in dritter Ehe verheiratete Politiker, der mit seinem weißen Bart und seinen alten braunen Schuhen ein bisschen wie ein zerstreuter Professor wirkt.


    Foto: David Mirzeoff, PA/dpa
  • TIM FARRON: Die Liberaldemokraten sind immer gegen den Brexit gewesen. Sie haben stets ihren Kurs beibehalten - wie ihr Chef Tim Farron (47). Schon mit 16 Jahren war er in die Partei eingetreten. Seit 2005 sitzt er im Parlament, 2015 wurde er zum Chef der Liberaldemokraten gewählt. Aufsehen erregte Farron, als er mit einigen anderen Abgeordneten gegen ein geplantes Gesetz zur Erhöhung der Studiengebühren und damit gegen die Parteilinie stimmte.

    Farron ist sehr gläubig. Einige in der Partei würden ihm das als Schwäche auslegen, sagte er einmal. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne und zwei Töchter. Als Hobbys nennt er Fußball und Musik.


    Foto: Andrew Mccaren/London News Pictures via ZUMA/dpa
  • NICOLA STURGEON: Die kämpferische Chefin der Regionalregierung in Edinburgh, Nicola Sturgeon, wird augenzwinkernd «Königin von Schottland» genannt. Schon als Jugendliche trat sie in die Schottische Nationalpartei (SNP) ein, deren Ziel die Unabhängigkeit des Landesteils von Großbritannien ist. Sie mischt kräftig im Wahlkampf für das Londoner Parlament mit, obwohl sie selbst nicht zur Wahl steht. Die Mehrheit der Schotten ist gegen den Brexit und will im Europäischen Binnenmarkt bleiben. Sturgeon liegt im Clinch mit Premierministerin May und kündigte ein neues Unabhängigkeitsreferendum an.

    Die energische Art der 46-jährigen Anwältin wird gern von der Schauspielerin Tracey Ullman parodiert. Sie stellt Sturgeon als weiblichen James-Bond-Bösewicht dar, der mit absurden Mitteln versucht, eine schottische Weltherrschaft zu etablieren. Die echte Sturgeon hat auch eine sanfte Seite: Sie sprach öffentlich über ihren unerfüllten Kinderwunsch. Neben der schottischen Unabhängigkeit sind nukleare Abrüstung und Sozialpolitik ihre Herzensangelegenheiten.


    Foto: Andrew Milligan, PA/dpa
  • PAUL NUTTALL: Eigentlich sollte Paul Nuttall die zerstrittene, EU-feindliche UK Independence Party (Ukip) wieder auf Kurs bringen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Dem 40-Jährigen gelang es bei einer Nachwahl nicht, einen Sitz im Parlament zu erobern - und das ausgerechnet in der Brexit-Hochburg Stoke-on-Trent. Dann kollabierte seine Partei nahezu bei den Kommunalwahlen. Der einzige Ukip-Abgeordnete im Parlament gab auch noch sein Mandat auf. Kurzum: Die Rechtspopulisten kämpfen mittlerweile ums Überleben.

    Nuttall inszeniert sich als "very british" mit Tweed-Jackett und Schiebermütze; von dem dandyhaften Charisma des Ex-Ukip-Chefs Nigel Farage ist er aber weit entfernt. Mehrfach musste er sich für falsche Angaben über seine Vergangenheit entschuldigen. Der studierte Historiker aus dem Großraum Liverpool sitzt seit 2009 für Ukip im EU-Parlament. Viele frühere Ukip-Anhänger fühlen sich mit Blick auf den Brexit nun besser bei den Konservativen aufgehoben. Nuttall ist für Volksabstimmungen zur Wiedereinführung der Todesstrafe.


    Foto: Joel Goodman/London News Pictures via ZUMA/dpa
  • Das Vereinigte Königreich im Überblick:


    Grafik: A. Brühl/D. Dytert
  • Darf die Queen eigentlich wählen? In Großbritannien gibt es kein geschriebenes Gesetz, das der Queen das Wahlrecht abspricht. Trotzdem gehen Königin Elizabeth II. und ihre Familie nie wählen und kandidieren auch nicht. Denn Aufgabe der Monarchie ist es, im Vereinigten Königreich Kontinuität zu stiften und die Gesellschaft zu einen - das verträgt sich nicht mit Parteinahme. In ihrer Rolle als Staatsoberhaupt muss die Monarchin außerdem politisch neutral bleiben. Übrigens hat die 91 Jahre alte Queen auch keinen Pass. Da britische Pässe im Namen Ihrer Majestät ausgestellt sind, braucht sie selbst keinen.


    Foto: Andrew Matthews, PA/dpa/Archiv
  • Wenig erfreuliche Nachricht für den britischen Außenminister Boris Johnson. Als dieser eine Wahrsagerin nach ihrer Vorhersage fragt, wer die Wahl gewinnen werde, fällt die Antwort eindeutig aus: Labour. Doch Johnson, der Konservativer ist, zeigt Haltung und lacht. 

  • Für die Europäer ist der Ausgang dieser Abstimmung auch deshalb so spannend, wird er doch mit entscheiden, wie gütlich sich Großbritannien nach mehr als 40 Jahren von der EU trennt.

  • Es lohnt sich aber, ein bisschen genauer hinzuschauen, welche Folgen die Parlamentswahl haben kann. Deshalb im folgenden fünf Gründe, warum die Briten-Wahl für Deutschland wichtig ist:

    BREXIT-VERHANDLUNGEN: «Brexit heißt Brexit»: Mit dem Mantra Mays würde auch Corbyn nicht brechen. Allgemein gesprochen dürfte eine Labour-geführte Regierung in London für die EU aber der angenehmere Verhandlungspartner sein. 

    DEUTSCHE AUF DER INSEL: Mehr als drei Millionen EU-Ausländer leben in Großbritannien, darunter auch viele Deutsche. Labour, die Liberaldemokraten und die schottische Nationalpartei wollen die Rechte von EU-Bürgern im Land erhalten. Die Konservativen sind da nicht so entgegenkommend und machen das von den Verhandlungen über den EU-Austritt abhängig.

    HANDEL: Großbritannien ist für Deutschland dem Auswärtigen Amt zufolge der fünftwichtigste Handelspartner und der drittwichtigste Exportmarkt. Mehr als 2500 deutsche Unternehmen haben Niederlassungen im Vereinigten Königreich, in Deutschland sind rund 3000 britische Unternehmen engagiert. 

    KOOPERATION: Auch in anderen vom EU-Austritt betroffenen Bereichen will Labour engere Verbindungen mit der EU halten. Sie wollen zum Beispiel im europäischen Austauschprogramm Erasmus bleiben, im EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, Horizont 2020, in der Europäischen Arzneimittel-Agentur und in der europäischen Atomgemeinschaft Euratom. Im Wahlprogramm der Tories gibt es solche konkreten Pläne nicht.

    WELTPOLITIK: Die Briten haben einen von fünf ständigen Sitzen im UN-Sicherheitsrat und beteiligen sich mehr als Deutschland an Militäreinsätzen, etwa im Kampf gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS). Beide großen Parteien legen - erst Recht in Brexit-Zeiten - großen Wert auf Allianzen wie die Nato. 

  • Die EU-Kommission wollte sich heute übrigens nicht zur Wahl äußern. Mit Blick auf die Brexit-Verhandlungen sagte ein Sprecher in Brüssel nur: «Wir sind bereit.» EU-Politiker hatten die Hoffnung geäußert, dass ein eindeutiges Wahlergebnis die bis März 2019 terminierten Verhandlungen über ein Austrittsabkommen vereinfachen könnte. Kommt es zu einem Wahlsieg der Labour-Partei, dürfte sich der für die Woche ab dem 19. Juni anvisierte Beginn der Gespräche verzögern.

  • Auch einige Prominente haben bereits ihre Stimme abgegeben - so wie Elmo aus der Sesamstraße, der ein Wahllokal in Sonning besuchte. 


    Foto: Stefan Rousseau
  • Oder der Schauspieler Hugh Bonneville, bekannt aus der Serie "Downton Abbey", der dieses Bild von sich bei Instagram postete.

  • Die große Aufmerksamkeit in den sozialen Netzwerken gilt heute aber den Hunden, die von ihren Besitzern zu den Wahllokalen mitgebracht werden. Bei Twitter haben die Vierbeiner sogar einen eigenen Hashtag: #dogsatpollingstations (Hunde in Wahllokalen) 

  • Doch auch mindestens ein Meerschweinchen wurde gesichtet.

  • Ebenso wie eine Schildkröte, deren Besitzerin das Tier für den Appell nutzte, zur Wahl zu gehen. 

  • Ungewöhnlich sind nicht nur manche Begleiter, sondern auch einige Wahllokale: Nicht nur in Schulen oder Gemeindehallen machen die Briten ihre Kreuzchen, sondern auch in Bücherbussen, Bahnwaggons, Nagelstudios und Pubs. Im «Fox & Hounds» in Oxfordshire war das erfrischende Bier nach dem Erledigen der Wählerpflicht nicht weit. Andere Wähler konnten nebenbei noch eine Maschine Wäsche waschen oder Kalorien abtrainieren - auch eine Münzwäscherei und Fitnesscenter wurden zu Wahllokalen umfunktioniert.


    Foto: Jonathan Brady, PA/dpa
  • In Großbritannien wird traditionell donnerstags gewählt - und das schon seit mehr als 80 Jahren. Auch Regionalwahlen finden an Donnerstagen statt. Seit 2011 ist der Wochentag für landesweite Parlamentswahlen sogar gesetzlich festgelegt. Warum es ausgerechnet ein Donnerstag ist, weiß niemand so genau. Eine Theorie: Am Freitag bekamen die Arbeiter ihren Lohn - und danach gingen viele lieber in einen Pub als ins Wahllokal. Bei Wahlen am Sonntag hätten Geistliche in ihren Predigten Einfluss auf die Wähler nehmen können.

    Grund könnte auch sein, dass donnerstags ohnehin viele Menschen in die Städte zum Markttag kamen. Denkbar ist außerdem, dass die neue Regierung sich in Ruhe über das Wochenende bilden sollte. Keine Regel ohne Ausnahme: In den 70er Jahren wurden Wahlen wegen wichtiger Fußballspiele auch schon mal auf einen Mittwoch verlegt.

  • In der vergangenen Wahl zum Unterhaus am 7. Mai 2015 haben die Briten den konservativen Regierungschef David Cameron mit absoluter Mehrheit bestätigt. Seine Tories erhielten 330 der 650 Sitze im Parlament. Sie verbesserten damit ihr Ergebnis von 2010, als sie noch auf einen Koalitionspartner angewiesen waren, um 24 Sitze. Mit der absoluten Mehrheit hatte zuvor keine Umfrage gerechnet - was auch am britischen Wahlsystem liegt. Ins Parlament zieht nur ein, wer einen der 650 Wahlkreise gewinnt.


    Bei einer Wahlbeteiligung von gut 66 Prozent wurden die Konservativen mit rund 37 Prozent auch nach Stimmanteilen stärkste Kraft. Dahinter folgte die sozialdemokratische Labour-Partei mit gut 30 Prozent. In Schottland feierte die sozialdemokratische Nationalpartei SNP einen Kantersieg: Obwohl sie in ganz Großbritannien nicht einmal fünf Prozent erhielt, holte die Nationalpartei 50 Prozent der Stimmen in ihrem Landesteil. Mit 56 gewonnenen Sitzen wurde sie drittstärkste Kraft im Unterhaus


    Grafik: A. Brühl
  • Welche Wahlkreise konnten die Parteien bei der Unterhauswahl  2015 gewinnen? Ein Überblick: 

  • Kann man aus Wahlumfragen überhaupt Schlüsse ziehen?

    Umfragen sind in Großbritannien mehr Stimmungsbild als Vorhersage, weil es auf umkämpfte Wahlkreise ankommt. 2005 hatte Labour unter Tony Blair nicht mal drei Prozentpunkte Vorsprung, aber eine recht bequeme Parlamentsmehrheit. 2010 gewannen die Tories mit David Cameron mit sieben Punkten Vorsprung, aber es fehlten 20 Sitze zur absoluten Mehrheit. Und 2015 waren fast alle Experten sicher, dass keine Partei eine absolute Mehrheit bekommen würde - die Tories schafften es aber.

  • "Jede Stimme zählt", twittert May wenige Stunden vor der Schließung der Wahllokale. "Zusammen können wir den besten Brexit-Deal sichern und ein stärkeres Großbritannien aufbauen."

  • Zuvor hatte Labour-Chef Jeremy Corbyn geschrieben: "Labour wird ein Großbritannien aufbauen, das #FürDieVielen funktioniert, nicht die wenigen."

  • Bis zuletzt rufen auch Künstler wie Goldie und Amy Macdonald die rund 46,9 Millionen wahlberechtigten Briten zur Stimmabgabe auf. 

  • Brexit-Kritiker Bob Geldof kündigt in einem Statement an, zum ersten Mal die Liberaldemokraten zu wählen. Diese hätten als einzige den Mut, der Regierung Kontra zu bieten, so der irische Musiker.

    YouTube | by Liberal Democrats
  • Die Wahl hat bei einigen Briten große kreative beziehungsweise parodistische Kräfte freigesetzt. Der "Guardian" hat auf seiner Webseite eine kleine Auswahl der Werke zusammengestellt

  • Noch eine Stunde, dann schließen die Wahllokale.

  • Polittheater: Brexit-Gegner halten vor dem Westminsterpalast in London zwei Handpuppen in die Höhe, die Premierministerin May sowie den Vorsitzenden der Labour-Partei, Jeremy Corbyn, zeigen.


    Foto: Markus Schreiber, AP/dpa
  • Wie turbulent der Wahlkampf zuweilen verlief, davon zeugte gestern noch eine Personalrochade bei Labour: Dabei tauschte Parteichef Jeremy Corbyn seine innenpolitische Sprecherin aus. Diane Abbott müsse sich aus gesundheitlichen Gründen aus dem Wahlkampf zurückziehen, sagte Corbyn der BBC. Als Ersatz nannte der Labour-Chef später die derzeitige polizeipolitische Sprecherin Lyn Brown.

    In den britischen Medien kursieren Gerüchte über den möglicherweise ernsten Gesundheitszustand Abbotts. Sie hatte kurzfristig mehrere Wahlkampftermine absagen müssen. Abbott war zuvor heftig in die Kritik geraten, weil sie in verschiedenen Interviews verworrene Aussagen zum Labour-Programm gemacht hatte.

  • Bei den Konservativen sorgte die Spitzenkandidatin persönlich mit Äußerungen zu Terrorabwehr und Menschenrechten für harsche Kritik. Labour-Chef Jeremy Corbyn sagte der BBC: "Wir werden den Terrorismus nicht besiegen, indem wir unsere Grundrechte und unsere Demokratie zerreißen." Vielmehr brauche das Land mehr Polizisten und zusätzliche Investitionen in die Sicherheitskräfte. Corbyn kritisierte Kürzungen der konservativen Regierung im Polizeietat.

    May hatte versprochen, künftig härter gegen Terroristen vorzugehen. Dazu sei sie auch bereit, Menschenrechte einzuschränken, um Terrorverdächtige länger festhalten oder schneller abschieben zu können, sagte May bei einer Wahlkampfveranstaltung in Slough, westlich von London. "Wenn unsere Menschenrechtsgesetze uns daran hindern, dann werden wir diese Gesetze ändern, damit wir es tun können. Wenn ich am Donnerstag zur Premierministerin gewählt werde, beginnt diese Arbeit am Freitag."

  • Mit Gegenwind muss Corbyn nicht nur vonseiten des politischen Gegners rechnen, auch rechte Medien verleumdeten den Labour-Chef einen Tag vor der Parlamentswahl als Gefahr für die Demokratie. Die "Daily Mail" bezeichnete Corbyn am Mittwoch als "Verteidiger des Terrors", der "Massenmörder im Nahen Osten, Irland und anderswo in der Welt" umworben habe. 

    Die "Sun" berichtete, Corbyn habe bei einer Protestveranstaltung 2002, bei der auch Anhänger einer verbotenen Dschihadisten-Organisation zugegen gewesen seien, eine flammende Rede gegen Israel gehalten. Der "Telegraph" berichtete unter Berufung auf einen ungenannten Polizeibeamten, Corbyn sei wegen subversiver Aktivitäten oder Verbindungen zwei Jahrzehnte lang von einer Spezialeinheit beobachtet worden.

  • Als Premierministerin May eine Neuwahl für Großbritannien ankündigte, schien die Sache schon entschieden: Der Vorsprung ihrer Konservativen vor der Labour-Partei wirkte uneinholbar. Seitdem macht die Opposition aber Boden gut. Wird es heute also doch noch knapp? Schwer zu sagen. Denn das britische Wahlrecht macht Vorhersagen zu einer verzwickten Angelegenheit. gen. Tatsächlich haben Umfragen in Großbritannien viel weniger Bedeutung als in Deutschland. 


    Foto: Jonathan Brady, PA/dpa
  • Von 17 bis 46,9 Millionen: Zahlen zum britischen Wahltag

    ▪ 17 Sitze Mehrheit hatte die Regierung vor der Wahl.

    ▪ 97 Sitze muss die Labour-Partei dazugewinnen, um den Konservativen die Mehrheit abzunehmen.

    ▪ 326 Sitze sind rein rechnerisch zur Mehrheit nötig - praktisch aber wohl etwas weniger. Denn die gewählten Vertreter der nordirischen Partei Sinn Fein nehmen ihre Sitze aus Protest traditionell nicht ein. 2015 holte die Partei vier Sitze.

    ▪ 650 Wahlkreise gibt es in Großbritannien - je einen pro Sitz.

    ▪ 974 weibliche Kandidaten treten bei der Parlamentswahl an.

    ▪ 3304 Kandidaten gibt es insgesamt.

    ▪ 46,9 Millionen Wahlberechtigte können ihr Kreuzchen machen.

  • Kampf um die besten Plätze: Nicht nur die Politiker stritten um die beste Ausgangsposition. Am Wahltag selbst wurde auch der Umgang unter einigen Journalisten vor einem Wahllokal ziemlich ruppig.

  • Auszähl-Wettstreit: Die nordostenglische Stadt Sunderland ist seit 1992 bei Wahlauszählungen immer die schnellste. Teilweise lagen schon eineinhalb Stunden nach dem Schließen der Wahllokale die Endergebnisse für die drei dortigen Wahlkreise vor. Konkurrenz macht ihr die Nachbarstadt Newcastle. Um aber möglichst schnell zu sein, sind die Wahlzettel in Sunderland aus dünnerem Papier hergestellt und werden von Bankangestellten gezählt.

  • Nur noch wenige Minuten bis zum Schließen der Wahllokale!

  • Die konservative Partei von Premierministerin Theresa May ist bei der britischen Unterhauswahl einer ersten Prognose zufolge stärkste Partei geworden. Nach der Wählerbefragung kommen die regierenden Tories auf 314 der 650 Sitze.

  • Damit würde May voraussichtlich eine zur Alleinregierung notwendige absolute Mehrheit verfehlen. Die magische Marke liegt bei 326 Sitzen.

  • In der Gemeindehalle von Sunderland werden bereits fleißig Stimmen ausgezählt, während bewaffnete Polizisten den Ort absichern. 


    Foto: Nigel Roddis, PA/dpa
  • Der Kurs des britischen Pfunds gerät nach einer ersten Prognose zur Wahl in Großbritannien kräftig unter Druck. Zuletzt kostete ein US-Dollar noch 1,2741 Pfund. Das waren fast 2 Prozent weniger als vor der Veröffentlichung der Wählerbefragung.

  • Sollte Theresa May nicht wie bisher alleine regieren können, auf Großbritannien könnten in diesem Fall komplizierte Koalitionsverhandlungen zukommen. Labour kommt der Prognose zufolge auf 266 Sitze und gewinnt damit deutlich hinzu. Kommentatoren weisen aber darauf hin, dass diese Zahlen sehr ungenau sein könnten und eine absolute Mehrheit noch möglich sei. Die magische Marke liegt bei 326 Mandaten.

    Als Koalitionspartner stünden sonst nur die Liberaldemokraten zur Verfügung, die als einzige landesweite Partei einen Brexit noch verhindern wollen. Sie kommen der Prognose zufolge auf 14 Sitze und gewinnen damit sechs Sitze hinzu. Schottlands Nationalpartei SNP verliert demnach deutlich.

  • Eine Wahlhelferin zählt in Glasgow Stimmen aus.


    Foto: Andrew Milligan, PA/dpa
  • Auch in Omagh wird konzentriert Stimme um Stimme ausgewertet.


    Foto: Nigel Roddis, PA/dpa
  • Die für Schottlands Unabhängigkeit kämpfende Partei SNP verliert in der britischen Unterhauswahl einer Prognose zufolge viele Sitze. Die Nationalpartei der Schotten mit ihrer Chefin Nicola Sturgeon kommt der Wählerbefragung zufolge nur noch auf 34 Sitze. Bei der vorangegangenen Wahl im Jahr 2015 hatte die SNP noch 56 von 59 möglichen Sitzen geholt. Die Partei stellt sich nur in Schottland zur Wahl. Sturgeon strebt ein zweites Referendum über Schottlands Unabhängigkeit an. Sie begründet dies mit dem EU-Austritt Großbritanniens, den eine Mehrheit der Schotten abgelehnt hat.

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