Sturmtief "Friederike" weht über Deutschland

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Sonntag, 6. November 2016 7

Sturmtief "Friederike" weht über Deutschland

Für große Teile Deutschlands warnt der Deutsche Wetterdienst vor Orkanböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 115 Kilometern pro Stunde. Die Behörden rechnen mit großen Schäden.

    Mittlerweile hat das Sturmtief Thüringen erreicht:



    Eindringlich warnt die Polizei in Thüringen unter anderem davor, das Haus zu verlassen.



    Am Hamburger Hauptbahnhof hat die Bahn einen Hotelzug für gestrandete Fahrgäste bereit gestellt.


    Foto: Daniel Reinhardt, dpa

    Der Orkan hat im Harz seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Auf dem Brocken wurden 203 km/h gemessen, teilte der Deutsche Wetterdienst mit. Von Westen komme nun langsam abnehmender Wind.


    Umgeknickte Fichten im Oberharz. Foto: Swen Pförtner, dpa

    Wegen "Friederike" stellt die Deutsche Bahn den Regionalverkehr in Thüringen vorerst komplett ein. Die Züge würden nur noch bis zum nächsten geeigneten Bahnhof fahren und dort stehenbleiben, teilt die Bahn mit. Die Einschränkungen sollen voraussichtlich bis 19.00 Uhr andauern. Betroffen sind zahlreiche Regionalbahnen und S-Bahnlinien.

    Die Deutsche Bahn stellt den Fernverkehr wegen des Orkans "Friederike" ab sofort bundesweit ein. Züge, die noch unterwegs sind, sollten aber soweit möglich bis zum Ziel fahren, sagt ein Bahnsprecher der Deutschen Presse-Agentur.

    Sturmtief "Friederike" sorgt zunehmend auch für Flugausfälle. "Die Wetterlage im Westen Deutschlands hat sich verschärft", sagt der Sprecher der Berliner Flughäfen, Lars Wagner. Nachdem am Vormittag bereits Verbindungen zwischen Amsterdam und Berlin gestrichen wurden, sind nun auch mehrere innerdeutsche Strecken betroffen

    An mehreren Flughäfen im Westen wie Köln/Bonn und Düsseldorf blieben Maschinen am Boden, so Wagner. Dadurch fehlten die Maschinen am Flughafen Berlin-Tegel für Flüge zurück in die betroffenen Städte. Je zehn Ankünfte und Abflüge seien gestrichen, weitere Ausfälle seien nicht ausgeschlossen. In Berlin erwartete der Deutsche Wetterdienst für den Nachmittag Sturmböen mit 65 bis 85 Kilometern pro Stunde.


    Szene am Düsseldorfer Flughafen. Foto: Caroline Seidel, dpa

    Der Deutsche Wetterdienst berichtet von ersten Unwetteraufhebungen im Westen. Der Osten des Landes wird die volle Wucht des Orkans aber erst noch zu spüren bekommen. Teilweise wurde der Orkan zum Sturm heruntergestuft. "Für Nordrhein-Westfalen, den westlichen Teil Niedersachsens, den Nordwesten Hessens und für Rheinland-Pfalz ist die Orkanwarnung um 16 Uhr aufgehoben worden", sagt DWD-Sprecher Andreas Friedrich. Weitere Aufhebungen würden "Zug um Zug" folgen, während sich das Sturmtief nach Osten verlagere. Allerdings gelte die Orkanwarnung vor allem im Osten Deutschlands wohl noch bis zum späten Abend, sagt Friedrich. 

    Nach und nach werden immer mehr Schäden durch den Orkan sichtbar. In Menden in Nordrhein-Westfalen etwa wurde das Dach eines Supermarktes abgedeckt.

    In Arnsberg in Nordrhein-Westfalen filmte eine Jugendliche wie gleich mehrere Bäume durch den Orkan umstürzten.



    Nachdem in Hamm ein Kaufhaus durch den Orkan beschädigt wurde, machten Berichte über angebliche Plünderungen die Runde. Die Polizei konnte dies nicht bestätigen.





    Derweil verteidigt die Deutsche Bahn ihre Entscheidung, wegen des Orkans "Friederike" vorsorglich den Fernverkehr in ganz Deutschland einzustellen. "Das ist eine notwendige Sicherheitsmaßnahme, weil die Störungen durch den Sturm doch so gravierend sind, dass wir Fernzüge schlichtweg nicht mehr durchbekommen", sagt Bahnsprecher Achim Stauß der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

    "Es wäre fahrlässig, die Züge irgendwo, wo man noch fahren kann, noch fahren zu lassen - und dann bleiben Hunderte Fahrgäste auf irgendeinem Bahnhof oder schlimmstenfalls auf freier Strecke hängen. Diese Situation müssen wir vermeiden, und deshalb diese harte Entscheidung, den Fernverkehr komplett in Deutschland einzustellen", sagt Stauß.

    Das Sturmtief "Friederike" hat auch in Thüringen ein Todesopfer gefordert. In Bad Salzungen wurde ein Feuerwehrmann von einem Baum erschlagen und ein weiterer schwer verletzt, wie ein Polizeisprecher in Suhl mitteilt.

    Der Schwerpunkt des Orkans hat sich weiter in Richtung Osten verlagert.



    Durch eine Sturmböe ist in Lippstadt im Kreis Soest in Nordrhein-Westfalen ein Mann bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Der Fahrer hatte im Orkan die Kontrolle über seinen Transporter verloren und war in den Gegenverkehr geraten. Nach Polizeiangaben stieß der 68-Jährige aus Geseke in seinem Wagen mit einem Lkw zusammen und war sofort tot. Der 73-jährige Fahrer des 40-Tonners kam verletzt ins Krankenhaus.

    Der erste bundesweite Stopp des Bahn-Fernverkehrs seit dem Orkan "Kyrill" vor elf Jahren bringt für Reisende auch am Freitag noch deutliche Einschränkungen. Betroffene Strecken müssten erst mit Hubschraubern abgeflogen werden, um mögliche Schäden zu sichten, erklärt ein Bahnsprecher. Dann müsse eine Lok ohne Fahrgäste die Strecke abfahren, bis klar sei, dass die Gleise nutzbar sind. Die Bahn bittet die Kunden, Reisen - wenn möglich - zu verschieben.


    Gestrandete am Berliner Hauptbahnhof. Foto: Maurizio Gambarini, dpa

    Ein Reisender sucht am Berliner Hauptbahnhof per Handzettel eine Mitfahrgelegenheit nach Hamburg, nachdem die Bahn den Fernverkehr ausgesetzt hat.  


    Foto: Maurizio Gambarini, dpa

    Der Oberharz ist wegen der Auswirkungen von Orkantief "Friederike" seit dem Nachmittag weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Wegen zahlreicher umgekippter Bäume seien alle Zufahrtsstraßen gesperrt worden, sagt ein Sprecher der Kreisverwaltung Goslar. Auch viele andere Straßen im Kreisgebiet seien unpassierbar. Ein Polizeisprecher bezeichnet die Lage als chaotisch. Es stürzten nach wie vor in großer Zahl Bäume auf die Fahrbahnen. Trotz zahlreicher Verkehrsunfälle sei bisher niemand verletzt worden.


    Ein Einsatzfahrzeug am Torfhaus im Oberharz. Foto: Swen Pförtner, dpa

    "Friederike" hat eine höhere Windgeschwindigkeit erreicht als der Sturm "Kyrill" im Jahr 2007. Das teilt der Deutsche Wetterdienst in Offenbach auf Twitter mit. "Friederike schlägt Kyrill, was die maximale Windböe betrifft. Vor exakt 11 Jahren gab es 202 km/h auf dem Wendelstein, heute meldete der Brocken eine Böe von 203 km/h", heißt es.



    Vor dem Kölner Hauptbahnhof hat sich eine lange Schlange am Taxistand gebildet.


    Foto: Oliver Berg, dpa

    Bahnmitarbeiter versorgen die Reisenden im Kölner Hauptbahnhof mit Getränken.  


    Foto: Oliver Berg, dpa

    Wie - und vor allem - wann geht es weiter? Diese Frage dürfte die meisten gestrandeten Fahrgäste auch am Frankfurter Hauptbahnhof umtreiben. 

    Informationsbedürftige Reisende warten im Stuttgarter Hauptbahnhof.


    Foto: Johannes Hofmann, dpa

    Zum Hintergrund:  Ein jähes Ende der Zugfahrt auf offener Strecke, Evakuierungen, Hunderte Fahrgäste auf Notbrücken: Das will die Bahn vermeiden. Deshalb ist sie bei Unwettern dazu übergegangen, den Zugverkehr schneller einzustellen als früher. 

    "Bei schwieriger Witterungslage sollen die Züge nicht auf der Strecke stehen bleiben", sagt ein Bahnsprecher zur Erklärung. Vorsorglich bleiben die Züge deshalb in den Bahnhöfen. "Dort kann man die Fahrgäste besser betreuen. Es erleichtert nach dem Unwetter auch die Wiederaufnahme des Betriebs und die Werkstattfahrten zur Wartung."


    Foto: Oliver Berg, dpa

    Die Zahl der Todesopfer des Orkantiefs "Friederike" ist auf vier gestiegen, davon drei in Nordrhein-Westfalen. "Eines der Todesopfer war ein Feuerwehrmann", berichtet NRW-Innenminister Herbert Reul. Das Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr sei bei einem Sturmeinsatz im sauerländischen Sundern ums Leben gekommen. Auch in Thüringen war ein Feuerwehrmann im Orkan gestorben.

    UPDATE Bei einem Unfall während des stürmischen Wetters im Süden Brandenburgs ist ein Lastwagenfahrer ums Leben gekommen. Der Lastwagen sei demnach von einer Windböe erfasst worden und umgekippt, teilt die Polizei per Kurznachrichtendienst Twitter mit. Der Lastwagenfahrer wurde eingeklemmt und starb noch am Unfallort bei Ortrand unweit der Grenze von Brandenburg zu Sachsen. Er war auf der Autobahn aus Richtung Berlin kommend in Richtung Dresden unterwegs. Zeitweise war noch unklar gewesen, ob der Mann durch den Sturm verunglückt ist. 

    Nach dem Sturmtief läuft der Bahnverkehr im Norden langsam wieder an. Einzelne Züge seien zwischen Bremen und Norddeich Mole gestartet, teilt die Deutsche Bahn über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Auch einige S-Bahnen, etwa von Hannover nach Hildesheim und von Celle nach Hannover, fuhren am Abend wieder. 



    UPDATE Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert den sturmbedingten bundesweiten Stopp des Fernverkehrs der Deutschen Bahn. "Vorsicht ist natürlich immer eine gute Sache, aber man kann auch übervorsichtig sein", sagt der Pro-Bahn-Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Gleich gar nichts zu tun, das erscheint uns doch etwas übertrieben." Dort, wo der Wind schwächer sei und keine Bäume an den Gleisen stünden, müsse der Betrieb nicht eingestellt werden.

    Die Nutzung sogenannter Aufenthaltszüge in den Bahnhöfen seien zwar besser, als unterwegs zu stranden. "Aber wenn ich weiß, dass die Strecke noch frei ist, sollte ich versuchen, die Leute noch nach Hause zu bringen. Das kann man mit reduzierter Geschwindigkeit machen." Der Bahn-Stillstand in ganz Deutschland sei "undifferenziert", sagt Naumann weiter. Die Deutsche Bahn reagiert mit Unverständnis auf die Kritik. "Sicherheit geht vor", sagt eine Bahn-Sprecherin am Abend.


    Ein Aufenthaltszug in Frankfurt. Foto: Fabian Sommer, dpa

    Nach dem Orkan unterstützt die Bundeswehr mit einem Schützenpanzer die Bergungsarbeiten an einem Unfallort im thüringischen Bad Salzungen. Dort war am Nachmittag ein 28 Jahre alter Feuerwehrmann von einem Baum erschlagen worden. Es seien wegen des Orkantiefs "Friederike" so viele Bäume umgestürzt, dass Feuerwehr und Polizei mit ihren Einsatzfahrzeugen nicht mehr vorwärts gekommen seien, sagt ein Sprecher des Landeskommandos der Bundeswehr. Deshalb habe das Panzergrenadierbataillon 391 dem Amtshilfeersuchen der Polizei stattgegeben.



    Die Gefahr ist auch in Brandenburg noch nicht vorüber, warnt die Polizei.



    "Friederike" hat in Pößneck in Thüringen das Dach einer Schule abgerissen, in der sich noch Kinder befanden. Nach Angaben des Landratsamtes Saale-Orla-Kreis blieben bei dem Vorfall alle Schüler unverletzt. Das Dach des Grundschulgebäudes landete auf dem Schulhof. Morgen sollen erste Sicherungsmaßnahmen an der Dachkonstruktion vorgenommen werden. Es sei noch unklar, wann der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden könne, heißt es in der Mitteilung der Behörde.

    Das Sturmtief hat auch in Mecklenburg-Vorpommern einen tödlichen Verkehrsunfall ausgelöst. In der Nähe von Neubrandenburg starb eine 61-jährige Autofahrerin. Wie die Polizei berichtet, verlor sie südlich von Penzlin vermutlich wegen zu hoher Geschwindigkeit bei widrigen Straßenverhältnissen die Kontrolle über ihr Auto und schleuderte gegen einen entgegenkommenden Lastwagen. Damit starben in Deutschland mindestens sechs Menschen durch den Orkan oder seine Folgen.



    Mit welcher Kraft der Orkan übers Land gezogen ist, davon zeugt unter anderem diese Szene im osthessischen Kirtorf. Dort warf "Friederike" einen 150 Meter hohen Kran neben einem Windrad um.


    Foto: Philipp Weitzel, dpa

    Auch in Kassel hat die Bahn zwei der sogenannten Aufenthaltszüge für ihre gestrandeten Kunden bereitgestellt. 


    Foto: Uwe Zucchi, dpa

    Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund ist trotz des Orkans in der Hauptstadt gelandet. Dort steht morgen die Begegnung mit Hertha BSC auf dem Programm.

     
    Pressebericht der Einsatzzentrale Oberpfalz
     
    „Sturmtief Friederike“ - Vorläufige Bilanz für den Bereich des PP Oberpfalz
     
    Regensburg. Im Laufe des Donnerstags zogen Ausläufer des Sturmtiefs Friederike über den Bereich des Polizeipräsidiums Oberpfalz.
     
    Bei der Polizeieinsatzzentrale Oberpfalz in Regensburg wurden im Laufe des Donnerstags, 18.01.2018, bis in die Abendstunden um 20.15 Uhr rund 40 unwetterbedingte Einsätze registriert. Ein Großteil der Anrufe bezog sich auf umgestürzte Bäume.
     
    In Amberg wurde ein Metalldach teilweise abgedeckt und ein geparktes Fahrzeug durch eine herumfliegende Werbetafel beschädigt. Verletzt wurde nach derzeitigen Erkenntnissen mit Ausnahme des nachfolgenden Verkehrsunfalls niemand.
     
    Auf Grund einer starken Windböe kam im Landkreis Neustadt an der Waldnaab ein Linienbus von der Fahrbahn ab und blieb im Graben auf der Seite zu liegen. Zum Unfallzeitpunkt war der Bus nur mit vier Fahrgästen besetzt, welche leicht verletzt worden sind. Am Linienbus entstand Totalschaden, welcher auf 120.000 Euro beziffert werden muss.
     
    Die Schwerpunkte zeigten sich im östlichen Bereich der Oberpfalz in den Landkreisen Tirschenreuth, Neustadt an der Waldnaab, Schwandorf und Cham.

    Auch der VfL Wolfsburg hat heute zumindest in Form seines Stadiondachs Bekanntschaft mit dem Orkan gemacht.  



    Das Orkantief hat zahlreiche Haushalte in Ostdeutschland von der Energieversorgung abgeschnitten. Folge seien zahlreiche Stromausfälle, berichtet die Mitteldeutsche Energie AG (enviaM) in Chemnitz. Nach Angaben des Unternehmens waren am Donnerstag bis zu 140.000 Kunden ohne Strom, nachdem Masten, Leitungen und andere Anlagen durch den Orkan beschädigt worden waren. 

    Bis zum Abend reduzierte sich die Zahl nach Angaben einer Sprecherin auf etwa 65.000 Kunden. Rund 350 Mitarbeiter arbeiteten daran, auf andere Leitungen umzuschalten, um rasch viele Haushalte wieder anzuschließen. 

    Stürmische Geburt: Orkan "Friederike" hat zwar den Wagen seiner Eltern, aber nicht den kleinen Anton aufhalten können: In einem Auto hat eine Frau in Köln ihr Baby zur Welt gebracht. Papa und Mama waren am Nachmittag zur Entbindung auf dem Weg in die Klinik, als eine sturmbedingte Straßensperrung die pünktliche Ankunft zunichte machte, berichtet die Feuerwehr. Der kleine Junge erblickte noch vor Ankunft von Rettungsdienst und Notarzt im Auto das Licht der Welt. 

    Nach der deutschlandweiten Einstellung des Fernverkehrs hat die Deutsche Bahn den Betrieb wieder aufgenommen. "Die ersten Fernzüge sind unterwegs", so ein Bahnsprecher im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Der Sprecher betont aber nochmals, dass es "nach wie vor zu Einschränkungen kommen wird."

    Im Süden Deutschlands sollen die Züge am Morgen weitgehend normal verkehren. Im Norden Deutschlands starten die Züge, sobald weitere Strecken von Schäden befreit und freigegeben wurden, so der Bahnsprecher. Im Laufe des Vormittags sollen alle Metropolen Deutschlands - mit Einschränkungen - wieder mit dem Fernverkehr erreichbar sein.


    Foto: Carolin Seidel, dpa

    Wie die Deutsche Bahn weiter mitteilt, behalten alle geltenden Fernverkehr-Fahrkarten (für gestern und heute) ihre Gültigkeit. "Diese können entweder kostenfrei storniert
    oder bis eine Woche nach Störungsende flexibel genutzt werden", heißt es in einer Mitteilung. Zudem könnten betroffene Reisende, die ihre bereits gebuchte Reise nicht
    antreten möchten, ihre Fahrkarten Gebührenfrei zurückgeben
    .

    Und wie steht es um das Wetter? Es hat sich mittlerweile beruhigt. Um Mitternacht hob der Deutsche Wetterdienst (DWD) die letzten Unwetterwarnungen auf. Heute weht der Wind laut DWD anfangs an der See und in den Bergen noch stürmisch. Probleme drohen weiterhin durch glatte Straßen. Es sind immer wieder Regen-, Schnee- und Graupelschauer möglich. An den Alpen erwartet der DWD kräftige Schneefälle.

    Viele Reisende müssen heute vor allem eins mitbringen - Geduld: 



    In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind noch zahlreiche Haushalte ohne Strom. Wie der Versorger Mitnetz Strom mitteilt, sind noch 16.000 Kunden in allen drei Bundesländern sowie Brandenburg betroffen. Die Mitarbeiter des Unternehmens seien bis in die Nacht im Einsatz gewesen. Mit Tagesanbruch würden die Reparaturarbeiten fortgesetzt.

    Wie bereits erwähnt, die Züge der Deutschen Bahn rollen zwar wieder, jedoch mit Einschränkungen. Vor allem betroffen davon sind Reisende und Pendler in Nordrhein-Westfalen. Zahlreiche Strecken im Münsterland und dem Ruhrgebiet können noch nicht befahren werden, so ein Sprecher der Deutschen Bahn. 


    Wo es die Sicherheit zulasse, werde der Zugverkehr aber wieder aufgenommen. Die Zuglinien zwischen Düsseldorf, Köln, Bonn und Aachen fahren demnach ohne Einschränkungen. Im Verlaufe des Tages sollen weitere Streckenabschnitte geprüft und Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. 

    Im Gegensatz zu anderen Bundesländern hat Berlin das Orkantief weitgehend unbeschadet überstanden. Polizei und Feuerwehr melden keine größeren Schäden. "Ein paar Bäume standen schief und ein Bauzaun ist umgestürzt", so ein Feuerwehrsprecher. Viel mehr sei nicht passiert.

    Am Berliner Hauptbahnhof melden die Anzeigetafeln Ausfälle von Zügen nach München, Frankfurt, Basel und Amsterdam. Insbesondere in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen sind noch wichtige Fernverkehrsstrecken gesperrt. "Deshalb müssen auch einige Züge von Berlin noch entfallen oder vorzeitig enden", erklärt ein Bahnsprecher.

    Zahl der Toten steigt auf acht: In Sachsen-Anhalt sind zwei Männer ums Leben gekommen. Beide erlagen gestern Abend ihren schweren Verletzungen, wie die Polizei mitteilt. Ein 65-Jähriger war vom Dach eines Hauses gestürzt und rund acht Meter in die Tiefe gefallen. Er hatte auf dem Dach Sicherungsarbeiten durchgeführt. Ein 34-Jähriger wurde von einem umstürzenden Baum getroffen.

    Während des Orkantiefs waren deutschlandweit 1150 Ehrenamtliche des Technischen Hilfswerks im Einsatz. "Die Rettungsmaßnahmen in Folge des verheerenden Sturms 'Friederike' haben wieder einmal gezeigt, von welch' enormer Bedeutung das THW für unser Zusammenleben ist", so Innenminister Thomas de Maizière laut Mitteilung. Zugleich äußert er den Angehörigen der Menschen, die bei dem Unwetter ums Leben kamen, sein "tiefes Mitgefühl"


    Foto: Markus Schreiber, AP/dpa/Archiv

    Ein Überblick vom Deutschen Wetterdienst, wo das Orkantief  am heftigsten wütete: 



    Reisende und Pendler müssen sich weiterhin in Geduld üben und noch mit erheblichen Einschränkungen rechnen. Über 200 beschädigte Streckenabschnitte vor allem in Nordrhein-Westfalen und in Mitteldeutschland sind der Deutschen Bahn bisher bekannt. Weitere könnten hinzukommen. "Wir fliegen aktuell Strecken mit Hubschraubern ab", erklärt ein Bahnsprecher. Ist die Strecke frei müsse erst ein Zug ohne Fahrgäste fahren, bevor sie endgültig für Züge mit Passagieren freigegeben werden kann.

    Die Bahn hat sich zum Ziel gesetzt, heute alle Reisenden an ihr Ziel zu bringen. "Ich denke, wir bringen heute noch jeden ans Ziel, aber vielleicht nicht in der geplanten Zeit", so Bahnsprecher Achim Stauß im ZDF-"Morgenmagazin". "Da bitte ich um Verständnis."


    Foto: Paul Zinken, dpa

    Vielerorts laufen inzwischen die Aufräumarbeiten nach dem Unwetter. So wie hier im Tierpark von Gera in Thüringen. Hier sind am gestrigen Tag sehr viele Bäume umgefallen. Dabei wurden auch Tiergehege beschädigt.


    Foto: Bodo Schackow, dpa

    Chaotische Zustände: Teile der Dachkonstruktion der Freiherr-Spiegel-Grundschule in Halberstadt in Sachsen-Anhalt liegen verstreut auf dem Hof. Hier ruht der Schulbetrieb derzeit.


    Foto: Matthias Bein, dpa

    Nicht nur hierzulande hinterließ "Friederike" enorme Schäden. Das Orkantief hat auch in Polen schwere Verwüstungen verursacht. Zwei Menschen wurden verletzt, als heftiger Wind zwei Busse in West- und Zentralpolen von der Straße abbrachte, wie polnische Rettungskräfte mitteilen. Außerdem rissen heftige Böen hunderte Bäume heraus und beschädigten Häuser. Die Feuerwehr habe landesweit zu rund 700 Einsätzen ausrücken müssen, heißt es. Nach Angaben des Sicherheitszentrums der Regierung waren zwischenzeitlich etwa 50.000 Menschen ohne Strom.

    Rund 14.000 Haushalte und Betriebe sind in Ostdeutschland noch ohne Strom. Wie der Netzbetreiber Mitnetz in Chemnitz mitteilt, seien alle verfügbaren Havarietrupps und Vertragsfirmen mit rund 350 Mitarbeitern unterwegs, um die Schäden zu beseitigen. Wie lange die Reparaturarbeiten andauern würden, sei noch nicht absehbar, so eine Sprecherin. "Auf Grund der Vielzahl von Störungen im Niederspannungsbereich, werden die Reparaturen voraussichtlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen", teilt das Unternehmen mit.

    Zahllose Bäume hat der Orkan im Oberharz - so wie hier zwischen Braunlage und Torfhaus - entwurzelt und umgeworfen.


    Foto: Swen Pförtner, dpa

    "Friederike" hat nach Angaben der Deutschen Bahn Millionenschäden am Schienennetz angerichtet. An mehr als 200 Streckenabschnitten seien Reparaturen notwendig, teilt das Verkehrsunternehmen mit. Bahnreisende oder Mitarbeiter seien nicht zu Schaden gekommen. 

    "Die extremen Auswirkungen dieses schweren Orkans sind offensichtlich: In weiten Teilen Deutschlands waren weder Flug-, Auto- noch Bahnverkehr möglich", sagt der Bahn-Vorstand für den Personenverkehr, Berthold Huber. "Die Entscheidung, die Sicherheit unserer Fahrgäste und Mitarbeiter über alles zu stellen, war richtig."


    Foto: Swen Pförtner, dpa

    Liebe Leserinnen und Leser, der Liveblog endet an dieser Stelle. Vielen Dank fürs Dabeisein! Kommen Sie gut durch den Tag. 

    Als "Orkan der Königsklasse" bezeichnete der Deutsche Wetterdienst "Friederike". Hier eine Übersicht der Spitzengeschwindigkeiten:

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