TV-Duell Merkel vs. Schulz

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Sonntag, 6. November 2016 7

TV-Duell Merkel vs. Schulz

Drei Wochen vor der Wahl zum Deutschen Bundestag liefern sich Kanzlerin Angela Merkel und ihr SPD-Herausforderer Martin Schulz im Fernsehen einen Schlagabtausch. Statements, Fakten-Check und alles Wissenswerte rund um das mit großer Spannung erwartete TV-Duell im NewsBlog.

  • Schulz sagt, er strebe die Kanzlerschaft der Bundesrepublik Deutschland an. Dabei zeigt er deutliche Signale für Stress, wie schnelles Blinzeln.

  • Wie wirken die beiden Kandidaten auf die TV-Zuschauer? Gäste einer Kneipe in Köln schauen sich das Duell an.


    Foto: Rainer Jensen, dpa
  • Merkel wirft der Autobranche in Zusammenhang mit zu hohen Abgaswerten "Vertrauensbruch" vor. "Ich bin stocksauer." Die Industrie müsse den Schaden wieder gut machen. Die 800.000 Arbeitsplätze müssten aber sicher bleiben. Der Diesel werde weiter gebraucht, um die Klimaziele zu erfüllen, sagt die Kanzlerin. Schulz sagt, Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge müssten vermieden werden, von denen unter anderem Handwerker getroffen würden.

  • Schulz will nicht ausdrücklich ausschließen, dass die SPD nach der Bundestagswahl erneut als Juniorpartner in eine große Koalition mit der Union gehen könnte. Auch auf Nachfrage sagt er lediglich, er strebe die Kanzlerschaft in der Bundesrepublik an.

  • Als Merkel zum Thema Autobranche sagt, "Ich bin stocksauer", zeigt sie in ihrer Mimik deutliche Hinweise für Ärger, die Augenbrauen zusammengezogen, die unteren Augenlider angespannt. Das war einer ihrer emotionalsten Momente.

  • Der SPD-Vorsitzende will als Kanzler eine vierköpfige Familie mit einem durchschnittlichen Bruttoeinkommen von 3500 Euro im Monat um etwa 200 bis 250 Euro im Monat entlasten. Unter anderem werde dazu der Spitzensteuersatz später greifen. Zudem werde die Parität von Arbeitnehmern und Arbeitgebern bei den Beiträgen zur Krankenversicherung wieder eingeführt. Auch gebe es mit der SPD einen Kinderbonus von 150 Euro für jedes Kind. Im übrigen müsse die Familie im SPD-geführten Rheinland-Pfalz keine Kitagebühren bezahlen, im CDU-geführten Hessen aber schon, sagt Schulz. 

  • Merkel und Schulz verurteilen beide die Bewerbung von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) für den Aufsichtsrat des russischen Energiekonzerns Rosneft, der auf der Sanktionsliste der Europäischen Union steht. "Er untergräbt die Sanktionen, die die Europäische Union erhoben hat. Das ist ein sehr trauriger Zustand", sagte Merkel. Auch Schulz sagt, dass er die Bewerbung "schlecht" finde und Schröder davon abgeraten habe. 

  • Schulz bekräftigt, die auf Drängen der CSU beschlossene Maut nicht einführen zu wollen, da Kosten und Einnahmen in keinem Verhältnis zueinander stünden. "Sie wird nicht kommen mit mir." Merkel unterstreicht dagegen, dass kein deutscher Autofahrer mehr belastet werde. Dass Fahrer aus dem Ausland für das Benutzen deutscher Straßen bezahlen sollten, sei gut.

  • Schulz sagt beim Thema Innere Sicherheit, er wolle als Kanzler alles tun, um die Sicherheitsbehörden so fit zu machen, dass es einen Fall wie den des Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri nicht mehr geben werde. Amri war den Behörden als Gefährder bekannt, konnte aber dennoch vor Weihnachten 2016 mit einem Lkw einen Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt mit zahlreichen Toten verüben. Gefährder müssten in Schach gehalten werden, forderte Schulz: Dazu müssten auch präventive Maßnahmen ergriffen werden.

    Auf die Frage, ob künftig niemand ohne Papier ins Land gelassen werde, sagte Merkel: "Das ist nicht generell möglich." In Deutschland könne jemand, der um Asyl bitte, nicht einfach nicht reingelassen werden. 

  • Die Union wird auf keinen Fall mit der AfD und mit den Linken zusammenarbeiten. 

    Merkel zur Frage, mit welcher Partei sie sich eine Koalition vorstellen könnte.
  • Lauschen des Schlussworts von Schulz im Pressezentrum in Berlin-Adlershof:

  • Schulz wirbt in seinem Schlusswort für Mut zum Aufbruch in Zeiten des Umbruchs. "Mut zum Aufbruch heißt, die Zukunft zu gestalten und nicht die Vergangenheit zu verwalten." Er stehe für ein "europäisches Deutschland in einem starken Europa". 

  • In ihrem Schlusswort wirbt Merkel für beide Stimmen für die Union. Sie glaube, "dass ich mit der Mischung aus Erfahrung der vergangenen Jahre, in denen wir einiges erreicht haben, und der Neugier auf das Neue" Deutschland so gestalten könne, dass das Land auch in zehn Jahren ein starkes und sozial gerechtes Land sei, "ein Land, in dem der Zusammenhalt auch wirklich gilt". Dafür wolle sie für und mit den Bürgern arbeiten, sagt die Kanzlerin. "Und ich glaube, dass wir das gemeinsam schaffen können."

  • Fazit zu Merkel: Sie blieb im Großen und Ganzen souverän. Ein paar Mal gelang es aber Schulz sie unter Druck zu setzen. Insgesamt lässt sich aber sagen, dass Merkel sehr wenig Stresssignale gezeigt hat. Sie transportierte hauptsächlich Sicherheit und Ruhe. Lächelte auch mehrmals echt, wie beispielsweise bei ihrem Schlusswort, "Ich glaube, dass wir das gemeinsam schaffen können." Dieses authentische Lächeln gemeinsam mit ihrer ruhigen Ausstrahlung ist ihre nonverbale Stärke. Diese konnte sie voll einsetzen. Sie hat das nonverbale Duell in Sachen Sympathie- und Kompetenz-Wirkung gewonnen.

    von dpa-live Desk via dpa bearbeitet von Desk 9/3/2017 8:07:23 PM
  • Fazit zu Schulz: Er stand in den ersten 30 Minuten stark unter Anspannung, zeigte auch danach immer wieder viele Stresssignale. Studien haben gezeigt, dies führt zu Abzügen in der Kompetenzwirkung. Nur in einem Punkt hat er gegen Merkel deutlich gewonnen: Schulz war deutlich angriffslustiger als Merkel, machte aber den Fehler sie mehrmals direkt zu attackieren, mit Blickkontakt und Gesten in ihre Richtung.

    Diese direkten Angriffe von Schulz auf Merkel waren daher von Nachteil für seine Wirkung, insbesondere für seine Sympathiewerte. Ihm ist es nicht gelungen, seine nonverbale Ausdruckskraft konstruktiv einzusetzen. Er gewinnt nur in Sachen Angriffslust. Seine immer wieder auftretenden Stresssignale, wie schnelles Blinzeln und sein unruhiger Stand dürften in Kontrast zur ruhigen Körpersprache von Merkel dazu führen, dass die Kanzlerin als kompetenter wahrgenommen wurde.

  • Das Duell hat nach Ansicht des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther Kanzlerin Merkel eindeutig gegen Schulz gewonnen. "Angela Merkel war stark und überzeugend", so der CDU-Politiker im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Ich fand sie deutlich souveräner als ihn." Schulz sei nach seinem Eindruck sehr aggressiv aufgetreten.

    "Ich fand ihn erstaunlich nervös", so der Kieler Regierungschef über den SPD-Kanzlerkandidaten. Die Chance, die ein solches TV-Duell biete, habe er nicht genutzt. In der Sendung seien die Probleme in Deutschland zu kurz gekommen, erklärt Günther. Es sei nicht langweilig gewesen, sondern es hätten sich durchaus Unterschiede offenbart.    

  • Bundeskanzlerin Merkel lag nach Umfragen von ARD und ZDF zur Halbzeit des TV-Duells vor ihrem SPD-Herausforderer Schulz. Nach einer ARD-Umfrage zur Halbzeit sagte 44 Prozent, die CDU-Chefin sei überzeugender gewesen, nur 32 Prozent sagten dies über den SPD-Vorsitzenden. Bei den unentschiedenen Wählern lag Merkel mit 36 zu 31 Prozent vorne. 

    Bei der ZDF-Umfrage kam sie auf 33 Prozent Zustimmung, Schulz auf 24 Prozent. 43 Prozent der Befragten waren zu diesem Zeitpunkt unentschieden. Auch bei der Glaubwürdigkeit lag Merkel laut ZDF mit 31 Prozent vorne. Schulz erhielt 17 Prozent. Beim Sachverstand lag sie mit 41 Prozent mit großem Abstand vorne, Schulz kam auf 14 Prozent. Unentschieden seien hier 44 Prozent gewesen. Bei der Sympathie lag Merkel mit 35 zu 19 Prozent vorne. 45 Prozent seien unentschieden gewesen, hieß es. Eine große Mehrheit hielt Schulz laut ARD-Umfrage für angriffslustiger: 78 zu 6 Prozent.


    Foto: Kay Nietfeld, dpa
  • Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, mit ihrer Einschätzung zum Duell.

  • Eine weitere Einschätzung: Wir haben auch Annegret Kramp-Karrenbauer, M;inisterpräsidentin des Saarlands, zu Wort kommen lassen:

  • Erste Reaktion des SPD-Herausforderers Schulz nach dem Duell. Er gibt sich siegessicher und verweist auf den Wahlkampf-Endspurt:

  • AfD-Chefin Frauke Petry kritisiert das TV-Duell als belanglos. "Ich habe trotz überraschend kritischer Fragen der Journalisten noch nie in 90 Minuten so viele Plattitüden und Phrasen auf einen Haufen gehört, so viel Oberflächliches und Belangloses am Stück", sagt die Bundes- und sächsische Landesvorsitzende.

  • Bundeskanzlerin Merkel hat nach ZDF- und ARD-Umfragen das Duell gewonnen. Nach ARD-Zahlen lag die CDU-Vorsitzende mit 55 zu 35 Prozent vorne. Im ZDF kommt sie auf 32 Prozent Zustimmung, Schulz auf 29 Prozent. 39 Prozent der Befragten waren hier unentschieden.

  • Eine gelöst wirkende Angela Merkel nach der Debatte.


    Foto: Kay Nietfeld, dpa
  • Schulz wünscht sich ein weiteres Aufeinandertreffen mit der Kanzlerin im Fernsehen. "Ein zweites Duell wäre sicher sinnvoll gewesen", erklärt Schulz. "Ich bin auch gerne bereit für ein solches zweites Duell." Er bedauert, dass verschiedene Themen zu kurz gekommen seien. "Wir haben ganz wenig über die Digitalisierung diskutiert und Zukunftsfragen", sagt der SPD-Politiker. "Insgesamt hab ich den Eindruck, dass es ein faires Duell war."

  • "Ich bin sehr zufrieden mit unserem Spitzenkandidaten Martin Schulz, er war sehr klar in allen Fragen", sagt die Ministerpräsidentin Malu Dreyer von Rheinland-Pfalz im Gespräch mit Deutschen Presse-Agentur. "Die Bürger konnten so den Eindruck gewinnen, dass Martin Schulz die Durchsetzungskraft und die Kompetenzen hat, Kanzler zu werden."

  • Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz stellt Parteifreund Martin Schulz, ein gutes Zeugnis aus. Schulz habe kompetent, präzise und überlegt deutlich gemacht, vor welchen Herausforderungen Deutschland stehe, und wie er sie angehen wolle, so der S?SPD-Politiker. 

  • Die haben ja immer beide mit dem Kopf genickt, wenn der andere geredet hat.

    Fernsehmoderator Thomas Gottschalk in der ARD-Sendung "Anne Will".
  • Moderator Claus Strunz hat während des TV-Duells im Netz viel Häme geerntet. Bis zum Ende der Sendung gab es auf Twitter mehrere Tausend Nachrichten zu dem Sat.1-Moderator. Schon am Anfang der Live-Übertragung musste sich Strunz von Schulz korrigieren lassen: Er hatte den SPD-Chef mit einer Flüchtlingsaussage verkürzt zitiert. Später fragte Strunz Kanzlerin Merkel und Schulz, ob sie es gut fänden, dass die Fußball-WM 2022 in Katar stattfindet. "Echt jetzt, Strunz fragt wirklich nach der WM in Katar?", schrieb Linke-Parteichef Bernd Riexinger auf Twitter. 

    Ein anderer Twitter-Nutzer teilte ein kurzes Video des legendären Ausrasters des früheren Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni, der 1997 an die Adresse seines damaligen Spielers Thomas Strunz zeterte: "Was erlauben Strunz?



  • Die Berliner CDU fühlt sich im Bundestagswahlkampf bestätigt. "Die Bundeskanzlerin hat wieder einmal gezeigt, warum die überwiegende Mehrheit der Deutschen ihr vertraut und die Zukunft unseres Landes in bewährten Händen lassen will", so CDU-Fraktionschef Florian Graf im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

    "Ihre Kompetenz, ihre Verlässlichkeit und ihre Souveränität, Eigenschaften, die sie auch in der Diskussion mit ihrem Herausforderer unter Beweis gestellt hat, machen Sie zu der besten Kanzlerin für unser Land", erklärt Graf weiter.

  • Martin Schulz und seine Parteifreundinnen Malu Dreyer und Manuela Schwesig haben nach dem TV-Duell offensichtlich gut lachen - zumindest für die Fotografen.


    Foto: Kay Nietfeld, dpa
  • Wie fand der SPD-Generalsekretär Hubertus Heil das TV-Duell?

  • UPDATE Merkel hat nach Umfragen von ARD und ZDF das TV-Duell gegen Schulz gewonnen. Nach ARD-Zahlen liegt die CDU-Vorsitzende mit 55 zu 35 Prozent vorne. Im ZDF kam sie auf 32 Prozent Zustimmung, Schulz auf 29 Prozent. 39 Prozent der Befragten waren hier unentschieden.

    Bei der ARD heißt es, noch nie habe Merkel in ihrer Amtszeit so weit vor einem Herausforderer gelegen wie dieses Mal
    Die CDU-Chefin kam bei den ARD-Befragten glaubwürdiger rüber als Schulz (49 zu 29). Bessere Sympathiewerte hat sie (49 zu 31) auch. Und die meisten halten sie für kompetenter (64 zu 20). Bei der Angriffslust machte allerdings Schulz deutlich mehr Punkte als Merkel (87 zu 5). 

  • Vertreter kleinerer Parteien zeigen sich enttäuscht: Man habe "ein Trauerspiel gemeinsamer Ideenlosigkeit gesehen", so Linke-Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn im ZDF. Grünen-Geschäftsführer Michael Kellner spricht von "zwei Umweltversagern". Auch "völkischer Hass" in der Gesellschaft, der zum Teil von einer Partei rechtsaußen geprägt werde, sei nicht thematisiert worden, erklärt er mit Blick auf die AfD. 

    FDP-Generalsekretärin Nicola Beer kritisiert, über Digitalisierung und Bildung sei nicht gesprochen worden. AfD-Vorstandsmitglied Georg Pazderski meint, es seien keine Lösungen für Probleme angeboten worden.

  • Das Strahlen ist zumindest beim Zwiegespräch mit SPD-Generalsekretär Hubertus Heil aus dem Gesicht von Martin Schulz gewichen.


    Foto: Michael Kappeler, dpa
  • FAKTENCHECK: Schulz hat beim Thema Innere Sicherheit mit der Kriminalitätsrate in den Ländern konfrontiert. Aussage Schulz: "Kennen Sie das Flächenland, das 2016 die höchste Kriminalitätsrate hatte? (...) Sachsen-Anhalt. Ist CDU-regiert, seit 20 Jahren." Bewertung: Richtig und falsch.

    Die Fakten: Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik wurden 2016 in dem ostdeutschen Bundesland 196.464 Straftaten erfasst. Damit kamen auf 100 Einwohner rund 8,7 Fälle. In keinem deutschen Flächenland war die Quote höher. An zweiter Stelle stand Nordrhein-Westfalen mit 8,2 Straftaten pro 100 Einwohnern. Allerdings verzeichneten die drei deutschen Stadtstaaten wesentlich mehr Verbrechen: Spitzenreiter war mit Abstand Berlin mit rund 16 Fällen pro 100 Einwohnern, gefolgt von Bremen (13,7) und Hamburg (13,4).

  • Ausgesprochen fröhlich zeigt sich Angela Merkels Büroleiterin Beate Baumann nach der Debatte an der Seite ihrer Chefin. 


    Foto: Kay Nietfeld, dpa
  • Der CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg wertet den Auftritt von Schulz als Bewerbung für das Amt des Außenministers. "Wir haben heute, wenn man es etwas flapsig sehen kann, eine Bewerbungsrede eines künftigen Außenministers vor den Augen der Nation gesehen - bei der künftigen Chefin im Zweifelsfall", so Guttenberg in der ARD-Sendung "Anne Will" und füg hinzu: "Wobei ich auch hoffe, dass die nächste Konstellation keine große Koalition ist."

  • Liebe Leserinnen und Leser, der Liveblog endet an dieser Stelle. Vielen Dank fürs Dabeisein. Kommen Sie gut durch die Nacht! 

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