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Sonntag, 6. November 2016 7

Bennis Wühlkiste Live

Lesen bedeutet für mich, die Seele auf Reisen zu schicken. Schon Oscar Wilde wusste: "Es gibt weder moralische noch unmoralische Bücher. Bücher sind gut oder schlecht geschrieben, sonst nichts." Gleiches gilt für Hörbücher oder DVDs. In meinem Blog finden Sie Rezensionen über Neuerscheinungen und ältere Titel.

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  • Codex Alera 1: Die Elementare von Calderon
     
    Alera ist das größte Reich, das die Menschen je errichtet haben. Durch die Macht seiner Elementare und der Ritter, die diese beherrschen, regieren Wohlstand und Stabilität. Doch in der Hauptstadt schmieden die Fürsten ihre Intrigen, und ein Bürgerkrieg steht kurz bevor. Da fallen die brutalen Marat mit ihren riesigen Bestien in Alera ein, und die Aufmerksamkeit aller richtet sich auf das Calderon-Tal – und auf Tavi, der dort nicht nur um sein Leben kämpft, sondern auch um die Sicherheit Aleras!
     
    Abbildung: Blanvalet
     
    Jim Butchers High Fantasy-Reihe „Codex Alera“ bringt frischen Wind in die Fantasy. Mit dem furiosen Reihenauftakt „Die Elementare von Calderon – Codex Alera 1“ erschafft er eine Welt, die zwar in vielen Dingen an andere Romane erinnert, aber dennoch außergewöhnlich ist. Mit der genialen Grundidee, dass wirklich jeder in dem Königreich Alera Magie beherrscht, aber ein Mensch völlig ohne sie auskommen muss, zeigt er, dass ein Held mehr ist als nur seine Magie oder seine körperliche Stärke. Protagonist Tavi ist eine tolle, sympathische Figur - nicht nur mutig und loyal, hat Träume und macht Fehler, er ist auch niemand, der sich hinter seinem Mangel an Magie versteckt. Und das macht ihn zu einem großartigen Helden.
     
    Neben Jim Butchers packendem Schreibstil und der genialen Grundidee der Reihe sind es besonders die Figuren, die für mich den Reiz von „Die Elementare von Calderon – Codex Alera 1“ ausmachen. Nicht nur die Helden Tavi, Amera, Bernard und Isana sind packend und sympathisch gezeichnet, auch die Feinde haben ihre guten Seiten, welche sie für den Leser verständlich machen. Besonders bei Fidelias, dem Verräter und Amaras ehemaligem Lehrer, konnte ich gut verstehen, warum er glaubt, seinen Herrscher und seine Schülerin verraten zu müssen, um sein Land zu retten. Auch der Schwertkämpfer Aldrick und die leicht wahnsinnige Wasserwirkerin Odiana kommen trotz ihrer Verbrechen menschlich rüber und sind zu anständigen, guten Taten fähig.
     
    Jim Butcher hat mich restlos von seiner Fantasy-Reihe überzeugt. Sein Schreibstil ist kraftvoll, seine Sätze sind nie zu lang. Detaillierte Beschreibungen von Orten und Natur machen es dem Leser leicht, sich ins Geschehen hineinzuversetzen. Die Dialoge sind schlagfertig, emotional und niemals  oberflächlich. Ebensowenig sind die Protagonisten und Antagonisten oberflächlich. Charakterliche Tiefe zeichnet sie aus und jeder entwickelt sich auf seine eigene Art und Weise im Laufe der Geschichte weiter. Der Autor hat somit höchst authentische Charaktere geschaffen, auf die der Leser sich schnell und gut einlassen kann.

    Der Handlungsverlauf ist in sich schlüssig und beschreibt - auch mit einer epischen Schlacht -  einen tollen Spannungsbogen, der selbst am Ende nicht auf Null landet und somit neugierig auf den nächsten Teil der Reihe macht. Ich will mehr!
     
    Jim Butcher: Codex Alera 1 - die Elementare von Calderon. Aus dem Amerikanischen von Andreas Helweg; Taschenbuch, Klappenbroschur, 608 Seiten, Verlag: Blanvalet; 10,99 Euro
    ISBN: 978-3-442-26937-2
  • Football Leaks - interessanter Lesestoff über die dreckige Seite des Fußballs

    Dass es in der Welt des Fußballs immer weniger um den Sport und immer mehr um schmutzige Geschäfte geht, ahnen die Fans nicht erst seit den Skandalen um die Fifa und die vermeintlich gekaufte WM 2006 in Deutschland. Die „Football Leaks“ bieten nun erstmals Einblicke in die Schattenwelt der Branche, offenkundig wird die grenzenlose Gier, die hinter den Kulissen des Weltfußballs herrscht. Der Whistleblower „John“ hat dem SPIEGEL 1,9 Terabyte geheimer Daten übergeben: Rund 18,6 Millionen Dokumente über Verhandlungen, Verträge und Abkommen, die deutlich machen, dass für die Akteure im Profifußball Moral und Gesetz oft kaum Gültigkeit zu haben scheinen – weder für Vereine, Spieler, Manager noch für die mächtigen, aber im Hintergrund agierenden Spielerberater. 

    In „Football Leaks“ beschreiben Rafael Buschmann und Michael Wulzinger die wichtigsten Enthüllungen, die sie aus dem riesigen Datenberg in monatelanger Recherche zusammengetragen haben. Zugleich ist ihr Buch die packende Geschichte eines Whistleblowers, der den Fußball von mafiösen Einflüssen befreien will – und der inzwischen selbst zum Gejagten geworden ist.

    Abbildung: DVA
     
    Im September 2015 erschien eine kleine, unscheinbare Website im WWW, auf der wahrlich Explosives zu lesen war. Football Leaks gab Insider-Informationen preis, die anhand von originalen Spielerverträgen, Geschäftsvereinbarungen und ähnlicher Dokumente, die unfassbare, teils höchst kriminelle Machenschaften aufdecken, die sich hinter den Kulissen des Profifußballs abspielen. „John“ – der Macher hinter der Website – ist Portugiese. Fußball-Fan mit Herz und Seele. Mit blutendem Herz und kranker Seele, der den von ihm betitelten „Feinden des Fußballs“ mit seiner Seite den Kampf ansagt. „John“ ist auf der Flucht. Irgendwo in Osteuropa … vermutlich.
    Grenzenlose Geldgier der Branche
    Buschmann und Wulzinger zeichnen das Bild einer Branche, die sich sowohl von juristischen, als auch von moralischen Kontrollinstanzen vollständig entfernt hat. Die Steuertricks, die sie aufzählen und erklären, erinnern in ihrer Ausprägung an die Enthüllungen um die „Panama Papers“, die die Weltpolitik betrafen. Die Geldgier der Branche scheint grenzenlos zu sein. Cristiano Ronaldo, der besonders unter die Lupe genommen wird, erlöst demnach durch Werbeeinnahmen und Steuertourismus rund 150 Millionen Euro. Nach der Lektüre von „Football Leaks“ wird zudem niemand mehr glauben, dass viele Spielertransfers ausschließlich auf die sportlichen Ambitionen des aufnehmenden und des abgebenden Vereins zurückzuführen sind – oder die gezahlten Summen den Vereinen stets zur Verfügung stehen.
    Einblick in stockdunkle Machenschaften
    In dem wirklich toll geschriebenen Buch geben Buschmann und Wulzinger einen Einblick in die stockdunklen Machenschaften, die sich hinter dem Platz abspielen. Was hier zu lesen ist, wirkt – gelinde gesagt – ernüchternd. Dass es im Profifußball um Geld geht, ist kein Geheimnis. Dass die Spieler Prämien und Honorare einstreichen, die selbst besserverdienende Fußballfans in Ehrfurcht erzittern lassen, auch nicht. Es sei ihnen ja schließlich gegönnt, verzaubern sie uns doch immer wieder mit packenden Spielen, sagenhaften Torschüssen und gelebten Emotionen. Man hat schließlich immer geahnt, dass sich hinter diesem Zirkus ein knallhartes Business versteckt, das mit noch härteren Bandagen kämpft. Man hat es geahnt. Nun weiß man es.
     
    Rafael Buschmann, Michael Wulzinger: Fotoball Leaks - Die Schmutzingen Geschäfte im Profifußball. Paperback, Klappenbroschur, 288 Seiten, Verlag: DVA-Sachbuch; 16,99 Euro
    ISBN: 978-3-421-04781-6
     
     
  • Der Hobbit - Luxusausgabe

    Vor 75 Jahren hat Tolkien die Geschichte von Bilbo und dem 
    Drachenschatz für seine Kinder niedergeschrieben. Und seit dieser Zeit ist Bilbos gefährliche Reise ein Klassiker der Kinderliteratur. Sehr zum Verdruß Tolkiens übrigens: Um den Eindruck eines Kinderbuches zu korrigieren, hat er später vielfach Überarbeitungen vorgenommen.

    Es war ein schöner Morgen, als ein alter Mann bei Bilbo anklopfte. »Wir wollen hier keine Abenteuer, vielen Dank«, wimmelte er den ungebetenen Besucher ab. »Überhaupt, wie heißen Sie eigentlich?« - »Ich bin Gandalf«, antwortete dieser. Und damit dämmerte es Bilbo: Das Abenteuer hatte schon begonnen.
     

    Abbildung: Klett-Cotta
     

    Es gibt viele schöne Ausgaben von Der Hobbit. Nun liegt eine Ausgabe vor, für Leute mit nicht allzu kleinem Geldbeutel, die grüne Leder-Prachtausgabe. Immerhin wurde der Preis drastisch gesenkt - von knapp 100 auf 68 Euro. Sie ist das Geld allerdings  wert. Passend zur roten Lederausgabe von Herr der Ringe, wie diese im Schuber, zwar "nur" 400 Seiten stark, aber fast genauso dick, da kein Dünndruckpapier verwendet wurde, macht sie sich im Bücherregal hervorragend neben dieser.

    Besonders bemerkenswert sind die fast farbigen 20 Originalillustrationen von Tolkien, aber auch das Vorwort von Christopher Tolkien. Ausgestattet mit zwei Lesebändchen und einer ausklappbarer Karte, schön gesetzt und gestaltet, ist dieses edel wirkende Buch wirklich ein Schmuckstück. Und im Gegensatz zur roten Herr der Ringe-Ausgabe wird es sicher auch häufiges Lesen und Blättern vertragen.

    Mit den neuen Hobbitausgaben seit Herbst 2012, der Prachtausgabe und der Flexcover-Variante zum Film für 14,95 Euro, hat Klett-Cotta den Text in allen neuen Ausgaben noch einmal überprüft und vereinheitlicht, so dass man sicher sein kann, in allen Ausgaben in Zukunft den identischen Text zu erhalten; da war es in der Vergangenheit manchmal zu leichten Abweichungen gekommen. (Und der  schlimmste Fauxpas von Krege wurde geändert: Aus der Taschenlampe für die Spinne wurde eine kleine Lampe.)

    Diese Luxus-Ausgabe ist natürlich schon wegen des Preises nur etwas für Leute mit einer ganz besonderen Beziehung zu Büchern, für Sammlerinnen und/oder Buchliebhaber oder für Tolkien-Verrückte. Als Geschenk für andere oder sich selbst ist diese Luxusausgabe zu empfehlen, wer eine schön gestaltete und gut zu lesende Fassung des Hobbit sucht, ist mit diesem Buch bestens bedient.

    Ein Fantasy-Klassiker der durch seine fantasievollen Gestalten und eine traumhafte Kulisse immer wieder begeistert - besonders im neuen Gewand!

    Tolkien, John R. R.: Der Hobbit - Lederausgabe mit Originalillustrationen der Erstausgabe von 1937​. Übersetzt von Wolfgang Krege; Übersetzung der Lieder durchgesehen und ergänzt von Joachim Kalka
    Sonderausgabe in grünem Leder, im Schuber, mit 2 Lesebändchen, einem Vorwort von Christopher Tolkien, mit ausklappbarer Karte und Originalillustrationen von Tolkien; Klett-Cotta, Stuttgart 2012, 400 Seiten, limitiert auf 9.999 Exemplare, 68 Euro

  • Fonstad: Historischer Atlas von Mittelerde

    Ein umfassender Atlas, der die Entwicklung Mittelerdes bis zum Beginn des Vierten Zeitalters darstellt.Über hundert Karten zeichnen die Reiserouten von Bilbo, Frodo und den Gefährten nach und geben einen unvergleichlichen Einblick in die Landschaften, die großen Schlachten und die Bauwerke aus dem Ersten, Zweiten und Dritten Zeitalter Mittelerdes.
    Der Atlas enthält neben physikalischen Übersichtskarten zahlreiche geologische Karten, dazu politische Karten, Detailkarten wichtiger Regionen, Behausungen, Geländequerschnitte, Karten zu Klima- und Vegetationszonen, zu Sprachen und Bevölkerungsverschiebungen, Truppenbewegungen etc. Ein Standardwerk, für Kenner Mittelerdes unentbehrlich. 

    Abbildung: Klett-Cotta
     

    Der "Historische Atlas von Mittelerde" zählt zu den schönsten Büchern überhaupt - insbesondere, weil sich dem Leser zwischen zwei Buchdeckeln ein wertvoller (Karten-)Schatz eröffnet. Karen Wynn Fonstad versteht es, Informationen so unterhaltsam darzustellen, dass man während der Lektüre gar nichts mehr von der Welt um sich herum mitbekommt. Man verliert sich vollkommen in den vielen Details und merkt gar nicht, wie die Zeit vergeht. Damit aber nicht genug: Ab der ersten Seite fühlt man sich, als wäre man zu Besuch in Mittelerde und sähe Mordor, das Auenland, Minas Tirith plötzlich mit eigenen Augen - ganz so, als wäre man tatsächlich vor Ort und nicht daheim auf der Couch. Kein Wunder, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte oder kann.

    Sieben Kapitel an der Seite von Helden und Bösewichten

    In sieben Kapiteln wandelt man Seite für Seite auf den Spuren von Bilbo, Frodo und den Gefährten und bekommt während dieser Wanderung einen unvergleichlichen Einblick in die Landschaften, die großen Schlachten und die Bauwerke aus dem Ersten, Zweiten und Dritten Zeitalter Mittelerdes. Den größten Teil nehmen die einzelnen Stationen in "Der Herr der Ringe" ein. Aber zuvor wird man auf eine Reise unter anderem nach Valinor, Númenor, zu den Königreichen der Dúnedain und weiteren Orten in Mittelerde geschickt. Karen Wynn Fonstad gewährt ihren Lesern Einblicke, die einem ohne den Atlas versagt geblieben wären. Beim Lesen von Tolkiens Romanen oder beim Gucken der Filme sollte man den Atlas stets neben sich liegen haben.

    Für Fans ein Must-Have

    Fans von J.R.R. Tolkien und seinen Romanen kommen um den "Historischen Atlas von Mittelerde" nicht herum. Karen Wynn Fonstads Werk gehört unbedingt in jedes Bücherregal - gleich neben "Der Hobbit", "Der Herr der Ringe" und "Das Silmarillion".

    Karen Wynn Fonstad: Historischer Atlas von Mittelerde. Aus dem Englischen von Hans J. Schütz; 18. Druckauflage 2016, 202 Seiten, gebunden ohne Schutzumschlag, über 160 zweifarbige Karten, Halbleinen, Klett-Cotta; 26,95 Euro;
    ISBN: 978-3-608-96043-3

  • Ein Highlight und ein Kinderbuch, das mehr hätte sein können
     
    Julia Donaldson und Axel Scheffler stehen für Qualität - das haben die beiden mehr als einmal eindrucksvoll bewiesen. Die wunderschönen Bilderbücher dieses erfolgreichen Duos gehören zum Besten, was man Kindern schenken kann. Ihre Kinderbücher sind eine Augen- und Ohrenweide. So ist es auch mit "Das Grüffelokind" und mit ein paar Abstrichen auch mit "Riese Rick".
     
    Abbildung: Beltz & Gelberg
     
    Wir erinnern uns durchaus noch an ihn. In Julia Donaldsons und Axel Schefflers Bilderbuch "Der Grüffelo" wurde erzählt, wie der Titelheld auf eine winzige Maus traf, die ihm aber mit List und Tücke einzureden verstand, sie sei das gefährlichste Tier der Welt. Grüffelos sind nun trotz ihres erschreckenden Aussehens nicht gerade die Hellsten, deshalb nahm das uns bekannte Exemplar am Schluß des Buches Reißaus, und keiner der zahlreichen Leser hätte wohl damit gerechnet, es noch einmal wiederzusehen.
     
    Doch da gibt es ja noch den lieben Nachwuchs. Das Kind des Grüffelos, will die schreckliche Maus aus den Erzählungen des Papas unbedingt einmal selbst sehen - und sich überzeugen, ob der Herr Papa auch wirklich die Wahrheit spricht. Natürlich zieht das Grüffelokind eines Tages in den dunklen Wald, wo die Maus lauern soll. Und das Wunderbare  ist, daß die Geschichte nahezu den gleichen Verlauf nimmt wie im ersten Teil - und doch ganz neu scheint.

    Daran hat nicht zuletzt der neue Titelheld seinen Anteil. Das Grüffelokind ist ein Geniestreich, weil hier alles, was den großen Grüffelo zum Prototyp eines Ungeheuers erhebt, nur in Anfängen vorhanden ist. Aus dem verstrubbelten Kopffell drücken sich zwei winzige Hörnchen hervor, die drachenzahnartigen Rückenstacheln sind noch in einem zarten Rosa gefärbt, wo Papa Grüffelo tiefes Violett zur Schau stellt. Und die gewaltigen Hauer fehlen noch ganz, auch wenn die einzeln stehenden Zähne bereits wie beim großen Grüffelo kreuz und quer aus dem Mund herauswachsen. Das Schönste aber ist der Ringelschwanz beim Grüffelokind, der sich nur ein einziges Mal entkringelt, und das geschieht natürlich im Moment der "höchsten Gefahr".

    Ja, auch das Grüffelokind wird es nicht schaffen, den schlechten Ruf der Sippschaft wiederherzustellen. Das Grüffelokind schafft es aber wieder. Kinder zu begeistern - allen voran mein Töchterchen: Mittlerweile hat der Grüffelo als Gute-Nacht-Geschichte ausgedient. Aktuell heißt es meistens "GRÜFFELOKIND!"
     
    Axel Scheffler/Julia Donaldson: Das Grüffelokind. Vierfarbiges Bilderbuch; Übersetzt aus dem Englischen von Monika Osberghaus; 32 Seiten; Verlag: Beltz & Gelberg; Preis: 8,95 bis 15,95 Euro, je nach Ausführung;
     
    Abbildung: Beltz & Gelberg
     
    Eins vorweg: "Riese Rick macht sich schick" ist ein tolles Kinderbuch - nur legen Scheffler und Donaldson selbst die Messlatte so hoch, dass Riese Rick nicht voll punkten kann.
     
    Meine Tochter ist bei Kinderbücher ein wunderbarer Indikator: Ruft sie vermehrt nach einem bestimmten Buch oder nicht, dann hat das durchaus Aussage kraft - und deckt sich zudem mit meinen Empfindungen. Nach Riese Rick wird nicht all zu oft gerufen. Er wird nur vorgelesen, wenn ich ihn ins Spiel bringe - und selbst dann oft abgelehnt.
     
    Ich kann es Töchterchen nicht verdenken: "Riese Rick macht sich schick" ist von der Story her bezaubernd und schön, leider ist die Sprache nicht optimal eingesetzt. Es fällt auch nicht so leicht beim Vorlesen wie andere S&D-Werke, da die Geschichte teilweise in normaler Textform und teilweise als Reim geschrieben ist. So fehlt der übliche schwingende Rhythmus, den man aus den anderen Geschichten kennt und liebt. Die Bilder von Axel Scheffler sind gewohnt super und mit vielen lustigen Details. Fazit: schöne Geschichte, schöne Bilder, durchwachsene Übersetzung, seltsam gereimt.
     
    Axel Scheffler/Julia Donaldson: Riese Rick macht sich schick. Vierfarbiges Bilderbuch; Übersetzt von Susanne Koppe; 32 Seiten, 6,50 Euro
  • So richtig schön böse!
     
    Einst war Prinz Jorg von Ankrath ein glückliches Kind, Erbe und Thronfolger der Krone des Reiches, beschützende Bruder des kleinen William und Sohn einer liebenden Muttter. Doch im Chaos des Hunderkrieges verlieren Bruder und Mutter ihr Leben, ermordet von den Häschern des Grafen Renar. Verzweifelt verwandelt sich Jorg in den Prinzen der Dunkelheit, der trotz seines jungen Alters zum skrupellosen Anführer einer Bande von Gesetzlosen wird. Was Jorg antreibt ist Rache – und das Streben nach dem Thron seines nunmehr verhassten Vaters, König Olidan. Doch auf seinem blutigen Weg zum Erwachsenwerden muss der Prinz der Dunkelheit erkennen, dass er lediglich eine Marionette ist und dass es Mächte gibt, die weitaus düsterer und stärker sind als er…​
     
    Abbildung: Heyne
     
    Wie böse und grausam kann man mit 14 Jahren schon sein? Na mächtig grausam, zumindest wenn man Prinz Honorius Jorg Ankrath. Jorg zieht mit einer Bande Straßenräuber durch die Lande und mordet, brandschatzt, plündert und vergewaltigt - was das Zeug hält. Selbst der schlimmste Abschaum der Königreiche fürchtet Jorg - einen vierzehnjährigen Jungen ohne Gewissen, voll mit Hass und Rache.
     
    Trotzdem ist er kein blinder Schläger. Er ist hochgebildet, sehr belesen und hat einen scharfen Verstand, der ihn befähigt Zusammenhänge zu erkennen, die andere übersehen, und ausgezeichnete Pläne zu schmieden. Menschliche Regungen und Emotionen sieht er als Schwächen an und gibt sein Bestes, sie aus sich herauszuschneiden. Sein unbändiger Zorn treibt ihn zwar voran, gleichzeitig hasst er aber jegliche Form von Druck- auch von sich selbst und steht sich dabei manchmal selbst im Weg.
     
    Der Prinz der Dunkelheit ist ein wirklich genial konstruiertes Buch. Von Beginn an begleitet der Leser im Prinz der Dunkelheit seinen Rachefeldzug gegen die Geister der Vergangenheit. Schnell glaubt man die Handlung zu durchschauen und ist im Grund genauso ahnungslos wie Jorg. Der Leser ist erst irritiert, stellt sich womöglich die Frage, wie aus  dem Jungen ein solches Monster werden konnte? Doch durch geschickt eingesetzte Rückblenden wird sein Leben etwas verständlicher und gegen Ende bekommt sein Handeln gar noch mehr Sinn - und natürlich alles anders, als man gedacht hatte. 
     
    Mark Lawrence schildert die Geschichte in der ich-Perspektive und in der Vergangenheitsform - diese auktoriale Erzählperspektive des "Mehrwissens" wird immer wieder in kleinen Andeutungen überdeutlich. Das Besondere liegt bei Prinz der Dunkelheit aber  vor allem in der geschickten Verknüpfung der gegenwärtigen Handlung mit eingeflochtenen Rückblicken. Autor Mark Lawrence bietet sprachlichen Hochgenuss, fidnet eine richtig gute Mischung aus Brutalität, Zynismus, (nicht nur schwarzem) Humor und beißendem Spott. 
     
    Prinz der Dunkelheit von Mark Lawrence zeigt einen Helden, der sich alles andere als heldenhaft benimmt, dem Leser aber dadurch komischerweise umso näher kommt.  Lawrence zeichnet mit seinen Worten eine grausame Welt (scheinbar eine postapokalyptische Version der Erde - zumindest deuten darauf einige Hinweise hin) voll düsterer Fantasie und höfischem Intrigenspiel, das jegliche Vorstellungskraft übersteigt.
     
    Mark Lawrence: Der Prinz der Dunkelheit; Paperback, 381 Seiten, Verlag: Heyne, 13,00 Euro
  • Robert Harris: München
     
    September 1938 – in München treffen sich Hitler, Chamberlain, Mussolini und Daladier zu einer kurzfristig einberufenen Konferenz. Der Weltfrieden hängt am seidenen Faden. Im Gefolge des britischen Premierministers Chamberlain befindet sich Hugh Legat aus dem Außenministerium, der ihm als Privatsekretär zugeordnet ist. Auf der deutschen Seite gehört Paul von Hartmann aus dem Auswärtigen Amt in Berlin zum Kreis der Anwesenden. Den Zugang zur Delegation hat er sich erschlichen. Insgeheim ist er Mitglied einer Widerstandszelle gegen Hitler. Legat und von Hartmann verbindet eine Freundschaft, seit sie in Oxford gemeinsam studiert haben. Nun kreuzen sich ihre Wege wieder. Wie weit müssen sie gehen, wenn sie den drohenden Krieg verhindern wollen?
     
    Abbildung: Heyne
     
    Herbst 1938: Europa steht wegen der Sudetenkrise am Rand eines Krieges. Robert Harris erzählt in seinem neuen Polit-Thriller die Geschichte eines hoffnungsvollen Scheiterns.

    Der Zweite Weltkrieg wirft 1938 seine Schatten voraus. Adolf Hitler droht mit dem Einmarsch der Wehrmacht in der Tschechoslowakei, sollte das Sudetenland mit seiner mehrheitlich deutschsprachigen Bevölkerung nicht an das Dritte Reich abgetreten werden. In dieses Spannungsfeld aus Diplomatie und Kriegsdrohung setzt Erfolgsautor Robert Harris seinen neuen Roman München.

    Es ist nicht das erste Mal, dass der 60-jährige Brite über Nazi-Deutschland schreibt. In seinem Bestseller-Debüt „Vaterland“ erzählt Harris eine dunkle Alternativ-Geschichte: Wie würde eine Welt zwanzig Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg aussehen, wenn Deutschland gewonnen hätte? In „München“ allerdings beackert er ein Feld, das Historiker präzise erschlossen haben.

    „September 1938, das war der günstigste Augenblick“, soll Hitler Anfang 1945 im Rückblick auf das Jahr vor Kriegsausbruch gesagt haben. Zwar steht damals Europa tatsächlich vor dem Abgrund der Gewalt, doch wird diese durch die Zugeständnisse an Deutschland auf der Konferenz in München vorerst noch abgewendet.

    Wie bereits in seiner Cicero-Trilogie (in der Privat-Sekretär Tiro als Ich-Erzähler fungiert) blickt Harris auch in „München“ durch die Augen kleiner Nebencharaktere auf die große Weltgeschichte: Der Beamte Hugh Legat hat als Sekretär direkten Zugang zum britischen Premierminister Neville Chamberlain. Sein alter Freund aus Studienzeiten, der preußische Aristokrat Paul von Hartmann, arbeitet im Auswärtigen Amt des Deutschen Reiches.

    Beide sind geradewegs involviert in die Geschehnisse, die sich zwischen dem 27. und 30. September 1938 erst in London und Berlin, später in München abspielen. Dort vereinbaren Großbritannien und Frankreich mit Deutschland und Italien, dass das Sudetenland friedlich an das Dritte Reich angegliedert wird. Premier Chamberlain verkündet bei seiner Rückkehr nach London: „Frieden für unsere Zeit“.

    Doch lehrt die Geschichte, dass diese Hoffnung im Keim erstickt wird: Kein Jahr später ist die restliche Tschechoslowakei zerschlagen, im Herbst 1939 beginnt mit dem Einfall der Wehrmacht in Polen der Sturm über Europa. Die Appeasement-Politik Chamberlains scheitert, Zugeständnisse bewahren die Welt nicht vor dem deutschen Vernichtungskrieg.

    Doch was will Harris mit dem Roman sagen? Warum behandelt er gerade jetzt diesen Stoff? Worin liegen die Verweise in die heutige Zeit? Antworten darauf gibt er im Roman keine. Dabei ist der Brite ein sehr politischer Mensch. Immer wieder kommentiert er die Entscheidungen seines Landes. So gilt er als Kritiker von Premierministerin Theresa May und der Brexit-Befürworter.

    In „München“ wird Harris fast schon zu einem Dokumentar, der Roman zum Vergrößerungsglas. Dort aber, wo der Autor in den Nischen der Geschichte Platz für fiktionale Elemente entdeckt, lässt er seinen beiden Protagonisten die nötigen Freiräume. Beide bewahren ein Geheimnis aus der Vergangenheit. Zu dem geht es in einem anderen Nebenstrang um eine Revolte gegen Hitler. Eine kleine Gruppe um Hartmann wünscht sich den Kriegsbefehl gegen die Tschechoslowakei. Dann, so glauben sie, würde die Militärführung putschen.

    Dass es so nicht kommt, wissen alle aus den Geschichtsbüchern. Dennoch macht Harris seinen Roman zu einem kurzweiligen Seitenwender. Anders als bei „Vaterland“ gibt es in „München“ keine Alternative zur Geschichte. Und so bleibt einer von Hartmanns Sätzen in Erinnerung: „Schrecklich, diese Hoffnung. Ohne wären wir alle viel besser dran.“ (nb/dpa)

    Robert Harris: München. Heyne, München, 432 Seiten, Verlag: Heynem22,00 Euro

    ISBN: 978-3-453-27143-2

     
     
     
     
  • Das Silmarillion - ein Buch, das seinesgleichen sucht

    "Das Silmarillion" erzählt von den Ereignissen des Ersten Zeitalters - jener fernen Epoche von Mittelerde, auf welche die Helden des »Herrn der Ringe« immer wieder in Ehrfurcht zurückblicken. (Und manche von ihnen, wie Elrond und Galadriel, aber auch Sauron, haben sie miterlebt.) Es ist die Zeit der Elben, der Langlebigen, deren Liebe zu den Dingen so weit ins einzelne geht, dass sie allem Namen geben. Die Menschen (die Kränklichen, die Nachtfürchtigen, die Unbegreiflichen) kommen eben erst aus den Wildnissen des Ostens hervor.
     
    Die Luxusausgabe Des Silmarillion Abbild: klett-Cotta
     
     
    "Das Silmarillion" halte ich für einzigartig im Bereich der Fantasy. Gerade in einem Genre, in dem es beinahe noch nichts gibt, was nicht geschrieben wurde, sticht es heraus. Während die üblichen Fantasy-Romane synkretistisch Handlungsverläufe, reale historische Hintergründe und fiktionale Elemente aus der Epen- und Sagenwelt miteinander verbinden, beinhaltet das Silmarillion neue Ideen.
     
    Wie bei einer mittelalterlichen Weltchronik, schreibt J.R.R. Tolkien - und sein Sohn fasst es zusammen - die Geschichte seiner Welt von der "Schöpfung" bis zu dem Zeitpunkt, an dem die bekannteren Geschichten - "Der Hobbit" und "Der Herr der Ringe" - stattfinden. Das Silmarillion als ein "normales Buch", als eine Art Vorgeschichte des Hobbits und des Herrn der Ringe zu sehen, wäre aber falsch. Denn es ist mehr eine Chronik, eine Zusammenfassung von einzelnen Geschichten in schnellem Stil erzählt ohne großen Wert auf den Spannungsaufbau zu legen. Wer dieses Buch liest, ist auf der Suche nach Antworten auf offene Fragen, die sich ihm bei der Lektüre von Tolkiens anderen Büchern gestellt haben, und will mehr über Arda, die Welt, die meist zusammenfassend "Mittelerde" genannt wird, wissen.  

    Diese Sammlung, nach Tolkiens Tod herausgegeben und deshalb vom Meister unbeendet, hat gar nicht den Anspruch ein Roman sein. Denn dieses Buch ist nicht weniger als das Geschichtsbuch Mittelerdes. Erst derjenige, der das Silmarillion gelesen hat (zu meiner Schande habe ich das erst jetzt getan), begreift die unglaubliche Tat, die Tolkien mit der Schöpfung Mittelerdes vollbracht hat. Sein ganzes Leben arbeitete er daran und sein ganzes Leben war noch nicht genug, um dieses Werk zu Ende zu bringen. Denn Tolkien hat  eine eigene Welt erschaffen. Mit eigener Geographie, Religion, Geschichte, Völkerkunde, Sprache, Kultur, Biologie und noch vielem mehr. Und das verdeutlicht das Silmarillion. Es zeigt, das Mittelerde mehr ist als all die billigen Kopien, die es heutzutage in den Regalen jeder Buchhandlung gibt. Diese Schöpfung zeugt von der Kraft eines Genies und wird  für immer unerreicht bleiben.

    Doch Vorsicht: die anspruchsvolle Komplexität erfordert viel Aufmerksamkeit! Es als abendliche Schlummerlektüre zu betrachten, ist der falsche Ansatz. Das Silmarillion fordert den Leser, verlangt einen wachen und aufmerksamen geist. Wer das beherzigt, der wird Tolkien danach noch mehr bewundern. (nb)
     
    Spätestens wenn man den hochwertigen, blauen Pappschuber in den Händen hält, umweht den geneigten Tolkien-Fan ein Hauch von Mythologie. Das goldrote Wappen von Lúthien Tinúviel lässt sich durch eine runde Ausstanzung erahnen und kaum hat man das Buch seiner Hülle entledigt, entfaltet sich der Geruch des gebundenen Ledereinbandes. Auf dem Cover des Buches nun in voller Pracht sichtbar: Das Wappen der Elbenmaid von Doriath und goldene Tengwarschriftzüge. Für Titel, Autor und Verlagsangaben beschränkte man sich einzig auf den Buchrücken, was dieses Buch noch edler erscheinen lässt. Zwei Lesebändchen ragen aus den Buchseiten und komplettieren den Gesamteindruck dieses auf 7.777 Exemplare limitierten Schmuckstücks, das sich perfekt mit den bereits erschienenen Luxusausgaben von Der Herr der Ringe und Der Hobbit ergänzt. (Quelle: HDRF)
     
    J. R. R. Tolkien: Das Silmarillion - Luxusausgabe: Herausgegeben von Christopher Tolkien, aus dem Englischen übersetzt von Wolfgang Krege; 1. Druckaufl. 2017, 578 Seiten, gebunden, Lederband mit zweifarbiger Prägung, Karten, zwei Lesebändchen, Schuber
    ISBN: 978-3-608-96195-9
  • GoT: Der Winter ist da!

    In Staffel sieben hinterlässt Game of Thrones nicht nur begeisterte Fans. Die vorletzte Ausgabe des Epos offenbart einige Schwächen. (Die man verzeihen kann?)
     
    Richard Dormer als Beric Dondarrion in einer Szene der sechsten Folge „Beyond the Wall“ der siebten Staffel der Kultserie „Game of Thrones“ Foto: Helen Sloan/HBO/Sky/dpa
     
    er Winter ist endlich da – und die Luft irgendwie raus. „Die siebte Staffel Game of Thrones war eine der schlechtesten der gesamten Serie.“ Naja, so brutal wie in einem Internetforum formuliert, ist es wirklich nicht. Vielmehr ist und bleibt die HBO-Serie ein polarisierendes Phänomen. Nicht nur, weil Woche für Woche Millionen Menschen weltweit jeder neuen Folge, jedem neuen Storyverlauf entgegenfiebern. Oder weil sie doch tatsächlich das Kunststück fertig gebracht hat, die Romanvorlage auf der Zielgeraden zu überholen.

    Fans vor den Kopf gestoßen
     
    Nein, Game of Thrones (GoT) bleibt deshalb ein Phänomen, weil es einerseits nichts von der Faszination eingebüßt – und andererseits viele Fans offenbar vor die Köpfe gestoßen hat. Und so mault eine nicht kleine Gefolgschaft der Serie aktuell über Plot-Löcher so groß wie Eisdrachen oder sinniert über die Fluggeschwindigkeit von Raben.
    Nun mag es der Durchschnitts-Serien-Junkie für lächerlich halten, sich über die Spitzengeschwindigkeit von Raben aus Westeros zu echauffieren. Die Diskussion lässt aber auf einen größeren Kritikpunkt hindeuten, der durchaus legitim ist: Die vorletzte Staffel der Serie nach George R. R. Martin wird brutal schnell erzählt. Teilweise zu schnell. Dass Game of Thrones in Richtung Serienende galoppiert, war in der gesamten Staffel sehr deutlich spürbar. Das Erzähltempo in den sieben Folgen – bisher waren es immer zehn – war so unglaublich hoch, dass man sich durchaus die Frage stellen darf, warum die Staffel unbedingt verkürzt werden musste. Teilweise wurden Handlungsstränge in einer Episode abgehandelt, für die man früher eine ganze Staffel genutzt hätte.

    Logik über Bord geworfen
     
    Auch die Tatsache, dass die Autoren alle Logik in Hinblick auf Reisezeiten über Bord geworfen haben, sorgte wiederholt für Irritationen bei Fans. Aber muss Logik bei GoT unbedingt sein?
    Immerhin: Das Staffelfinale hat vieles wieder richtig gemacht. Königin Cersei war so düster wie die gesamte Staffel nicht, ein lange aufgebauter Plot um Jon Schnee und Daenerys Targaryen schließt sich und mit dem Tribunal von Arya und Sansa Stark gegen Intrigenmeister Kleinfinger hatte die Serie wieder einige ihrer großen Momente, die sie von Beginn an auszeichnete. Natürlich endet die vorletzte Staffel mit einem Knall. Es ist kaum überraschend, dass die Mauer fällt. Es war eigentlich klar, dass Staffel sieben so enden wird. Wie die Mauer aber fällt, das lässt einen vor dem Fernseher dann doch kurz die Luft anhalten.
     
    "Game of Thrones ist und bleibt eine richtig gute Serie.“

    Und auch wenn die Drehbuchautoren nun gefühlt weit mehr „hollywoodesk“ arbeiten als vorher – irgendwie fehlt die ordnende Hand von George Martin – bleibt GoT eine richtig gute Serie, in der es um Drachen, Hexen und Untote geht. Aber viel mehr noch ist und bleibt es eine richtig gute Serie, in der es um Menschen und deren Beziehungen zueinander geht – und wo es letztlich die vermeintlichen Außenseiter nach oben spült.
     
     
    Inhalt: Der lange Winter hat begonnen. In sieben Episoden konzentriert sich die siebte und vorletzte Staffel von Game of Thrones auf den Aufmarsch der Heere und die Konfrontation von Standpunkten, die sich seit Jahren in Westeros zusammengebraut hat.
    Produktinformationen: Die siebte Staffel Game of Thrones ist auf vier DVDs oder Blu-rays aufgeteilt (zusätzliche Specials Disc) – Spieldauer 420 Minuten. Vertrieben wird sie von Warner Home Video und ist ab 16 Jahren freigegeben. Die DVD-Box kostet ca. 28 Euro, die Blu-ray-Box 35 Euro.
     
     
     
     
  • "AchtNacht" von Thriller-Autor Sebastian Fitzek ist der meistverkaufte Roman des Jahres
     
    Das geht aus den am Mittwoch in Baden-Baden veröffentlichten deutschen Belletristik-Jahrescharts 2017 von GfK Entertainment hervor. Das im Knaur-Verlag erschienene Buch handelt von einer Todeslotterie, die völlig außer Kontrolle gerät.
    Obwohl erst im Oktober veröffentlicht, erobert der neue Dan-Brown-Roman "Origin" den zweiten Platz der Belletristik-Jahresauswertung. Als einzige Autorin platziert Jojo Moyes gleich zwei Bücher in den Top 10: "Im Schatten das Licht" (Platz drei) und "Ein ganz neues Leben" (Platz zehn). Die Positionen vier und fünf gehen an Jeff Kinneys "Gregs Tagebuch 12 - Und tschüss!" sowie Maja Lundes "Die Geschichte der Bienen".
    Im Sachbuch-Segment landen die beiden Vorjahressieger wieder an der Spitze - allerdings in umgekehrter Reihenfolge: John Strelecky ("Das Café am Rande der Welt") rangiert nun vor dem "Bürgerlichen Gesetzbuch". Dahinter tauchen drei Frauen auf: Alexandra Reinwarth ("Am Arsch vorbei geht auch ein Weg") auf Rang drei, Stefanie Stahl ("Das Kind in dir muss Heimat finden") auf Platz vier sowie Patrizia Collard ("Das kleine Buch vom achtsamen Leben") auf Rang fünf. Für beide Hitlisten wurden jeweils Hardcover- und Softcover-Titel berücksichtigt.
  • The Walkig Dead - Staffel 7
     
    Kaum eine andere Season hat bisher für so viel Diskussion gesorgt, wie "The Walking Dead"-Staffel 7. Egal, ob zu blutig, oder zu langatmig – die Autoren der Serie konnten es den Fans bisher anscheinend einfach nicht recht machen.
     
    Foto: dpa/20th Century Fox/RTL II
     

    The Walking Dead – Staffel 7 spinnt die Geschichte von Rick Grimes und einer Gruppe Überlebender in den Wehen der Zombie-Apokalypse weiter. Von Menschlichkeit gibt es keine Spur mehr. Jetzt gilt nur noch das nackte Überleben.

    Die ganze Serie ist eine Versuchsanordnung mitten aus der Hölle: Die Welt wurde von Zombies überrannt, die wenigen Verschonten finden keinen sicheren Ort mehr, kein Vertrauen, keine Hoffnung. Die Ressourcen werden knapper, Skepsis gegenüber Fremden wächst. Die mit einigen Preisen bedachte Serie exerziert erbarmungslos vor, wie Menschen unter diesen Bedingungen zu Bestien mutieren. Sie stumpfen emotional ab, hartherzige Entscheidungen für das eigene Überleben stehen auf der Tagesordnung. Die zunehmende Verrohung wird eindrucksvoll dargestellt an Ex-Polizist und Anführer Rick, der vom liebevollen Familienvater und aufrechten Gesetzeshüter zum teils animalischen Killer wird.

    Diese Verwandlung vom rationalen zum instinktiv handelnden, vom unbedingten Überlebenswillen getriebenen Menschen, gepaart mit dem Streit der Überlebenden untereinander, dem Verkommen moralischer Werte – darunter Themen wie Selbstmord, Kannibalismus, Abtreibung, „Präventivtötung“ von Infizierten und potenziell gefährlichen Gefangenen sowie Rassismus – stehen im Fokus der Serie. 

    Abbildung: 20th Century Fox
     

    Doch nun potenziert der lange erwartete Bösewicht Negan das Ganze und katapultiert die Gewaltspirale in nicht für mögliche gehaltene Höhen. Er ist der Superböse, der mega-Bösewicht, der Teufel selbst. Schon zum Auftakt der siebten Staffel war ich nahe dran, dem Treiben ein Ende zu bereiten und die Flimmerkiste abzuschalten. Dann aber reihen sich mehr oder weniger lethargische Folgen aneinander. Es wird viel erklärt - wobei die Brutalität stets mitschwingt. Dafür entschädigt das zwar vorhersehbare, aber furiose Ende der Staffel - zumindest in meinen Augen.

    Hitzige Streitgespräche, die die Foren des Internets aufwirbeln, kennen kein Halten mehr: War es nun die beste oder doch eher die schlechteste Staffel? Das ist nicht zu beantworten. "The Walking Dead" hat aber scheinbar ein eklatantes Problem: Die Serie ist an einem Punkt angekommen, an dem sie keine inszenatorischen und erzählerischen Mittel mehr findet, um das hiesige Endzeitszenario adäquat auszustaffieren. The Walking Dead ist zu einem konfusen Brei geronnen, in dem Charaktere, Biographien und Handlungsorte willkürlich miteinander verquirlt werden, um irgendwann in eine neue Eruption der Gewalt zu gelangen. 

     

    The Walking Dead, Staffel 7; ​ FSK: Freigegeben ab 18 Jahren; Studio: Twentieth Century Fox; Spieldauer: 797 Minuten; Bluray: 28,99 Euro; DVD: 25,99 Euro
     
    MZ-Gewinnspiel: Zu gewinnen gibt es jeweils eine DVD und Bluray der 7. Staffel Walking Dead. Wer mitmachen möchte, muss 18 Jahre alt sein und dies, wenn er als Gewinner gezogen wird, auch nachweisen können. Mail mit Betreff Walking Dead sowie Name und Adresse an benjamin.neumaier@mittelbayerische.de Einsendeschluss ist der 26. November 2017, 12.00 Uhr.
    Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Ein Superheld zum Verlieben
     
    Superwurm ist der liebste Freund von Kröte, Käfer & Co. und dank seiner außergewöhnlichen körperlichen Beschaffenheit hat er ihnen oft genug das Leben gerettet. Ohne Frage, ein Superwurm. »Dieser Wurm mit Superkraft ist ein Held, der alles schafft. Superwurm, der Superheld, ist der tollste Wurm der Welt!« Kein Wunder also, dass seine Freunde einen besonderen Plan aushecken, als die fiese Echse Superwurm entführt, was nichts Gutes bedeuten kann: »Du Wurm bist jetzt in meiner Macht und gräbst nach Schätzen in der Erde, damit ich noch viel reicher werde!« 
     
    Abbildung: Beltz & Gelberg
     
    Das Kreativ-Duo Scheffler/Donaldson hat mit "Superwurm" wieder ein richtig, richtig, richtig, richtig, richtig tolles Kinderbuch auf die beine - wenn man das beim Superwurm sagen darf - gestellt. Über die Illustrationen Worte zu verlieren, ist eigentlich unnötig - sie sind wie immer bombastisch.
     
    Fein gezeichnet und mit unglaublich vielen Details besticht auch der Superwurm. Beispiel Schrottplatz: Der ist mit derselben detailverliebten Sorgfalt behandelt wie die übrigen Schauplätze. Das Ensemble von Dosen, Flaschen und Kartons, aufs feinste ausgemalt, gewinnt eine eigene Würde, es leuchtet ebenso silbrig wie die Rippen des Müllwagens, der im Hintergrund davonfährt. Und weil Scheffler gar nichts zu unbedeutend ist, um es sich aufs glücklichste anzuverwandeln, sind seine Bilder auch bei längerer Betrachtung mit kritischen Kindern ganz frei von Enttäuschungen. Und voller Entdeckungen - so kann der findige Leser auch den Grüffelo unter dem Müll entdecken.
     
    Es gehört zur Natur eines solchen Bilderbuchs, dass die Geschichte angesichts eines solchen Nuancenreichtums nicht unbedingt mithalten kann und das vielleicht auch gar nicht muss. Bei Superwurm tut sie es - zumindest wenn ich nach der Begeisterung meiner Tochter gehe. Na gut, es ist nicht ganz die überschaumende Begeisterung wie beim Grüffelo oder Räuber Ratte, aber dennoch. 
     
    Der Wurm verbringt seine Tage im selbstlosen Einsatz für andere, er rettet Krötenkinder und Käfer, bespielt gelangweilte Bienen, und als er dann selbst in Gefahr gerät, tun sich die dankbaren Kleintiere zusammen und befreien ihn aus den Fängen der bösen Echse, die ihn entführte. Auch ein Superheld braucht mal Hilfe, so mag man sich das übersetzen, oder auch: Gute Taten zahlen sich irgendwann aus. In Salah Naouras Übersetzung klingt der dankbare Chor der Wiesenbewohner dann so: „Dieser Wurm mit Superkraft / ist ein Held, der alles schafft. / Superwurm, der Superheld, / ist der tollste Wurm der Welt.“ Und weil die Tierchen das laut Text singen, muss ich das auch tun - glauben sie mir, das wollen Sie nicht hören. Töchterchen aber eben schon...
     
    Um es in einem Wort zu sagen: Klasse!
     
    Axel Scheffler / Julia Donaldson: Superwurm. Vierfarbiges Bilderbuch; Übersetzt aus dem Englischen von Salah Naoura; 32 Seiten; ab 4 Jahre; 9,95 bis 13,95 Euro; Hörbuch 14,95 Euro; 
    ISBN:978-3-407-79472-7 
  • Assassin's Creed: Origins - In die Wüste geschickt

    Ubisoft verpasst seiner wichtigsten Spiele-Marke endlich den überfälligen Neuanstrich: Mit "Assassin's Creed Origins" wird die Serie um Meuchler, Templer und antike Hi-Tech-Artefakte ins alte Ägypten transportiert. Hier entdeckt der Spieler die Ursprünge des Assassinen-Ordens und wird mit generalüberholten Spielmechanismen verwöhnt: Ein neues Kampfsystem, Rollenspiel-Buchhaltung und ein riesiger Open-World-Kosmos verändern das bekannte Spielgefühl der Traditions-Reihe dramatisch. Dabei präsentiert sich Held Bayek als die letzte Hoffnung für eine während der letzten Jahre zunehmend in Kritik geratene Marke. Kann der ägyptische "Medjai" die Serie retten?

    Abbildung: Ubisoft
     
    Der Job eines Medjai taugt auf den ersten Blick nicht gerade für den Stoff, aus dem Legenden sind - oder Videospiele: Vertreter dieser ägyptischen "Wüsten-Polizei" schlichten Streitigkeiten, beschützen Karawanen vor marodierenden Banditen und retten auch mal ein verirrtes Kind vor einem Rudel hungriger Hyänen. Wird die Berufsbeschreibung des Medjai aber großzügig ausgedehnt - zum Beispiel um eine packende Blutfehde mit hochrangigen Würdenträgern der ptolemäischen Regierung - dann hat man auch schon den Stoff, aus dem Assassinen-Abenteuer gemacht sind. Ganz nebenbei mischt Bayek noch beim Konflikt Ptolemaios gegen Kleopatra mit und errichtet das Fundament für den späteren Assassinen-Orden - alles Ehrensache.
    Das Ägypten zur Zeit des ersten Assassinen ist alles andere als auf der Höhe: Die meisten der großen Tempel, Statuen, Krypten und Pyramiden liegen bereits unter dem Sand von Jahrhunderten begraben, während in ihrem Schatten hastig aus Lehmziegeln und Holz errichtete Elendsviertel wachsen. Selbst die alten Götter geraten zusehends in Vergessenheit. Osiris, Horus, Anubis, Thot & Co. müssen sich ihr Pantheon mit römischen und griechischen Götzen teilen.
    Abbildung: Ubisoft
     
    Nirgendwo ist das kulturelle Potpourri so gut sichtbar wie in Alexandria: Das wird zwar von einem ägyptischen Pharao regiert, aber gleichzeitig marschieren römische Truppen durch die von griechischer Architektur geprägten Straßen. Gelehrte aus aller Herren Länder studieren die Papyri oder Pergamente in der Großen Bibliothek.
    Durch diese gigantische und frei zu bereisende Spielewelt bahnt sich der angehende Assassine mit Schwert, Schild, Speer und Flitzebogen unaufhaltsam seinen Weg. Da werden Jahrtausende alte Katakomben ihrer Schätze beraubt, Pyramiden erklommen, wilde Tiere gejagt, Botengänge für gierige Händler erledigt und mit der Geschmeidigkeit einer Raubkatze die Truppen feindlicher Lager ins Jenseits befördert.
    Für all das hat sich Ubisoft so weit von seiner etablierten "Assassin's Creed"-Formel gelöst wie nie: Noch immer darf der Held Gebäude-Fassaden und Felswände emporkraxeln oder geduckt durch Palastgärten und Kornfelder schleichen. Doch abgesehen von Kletterei und Heimlichtuerei ähnelt "Origins" eher einem in die Wüste verlegten "Witcher 3" als einem klassischen "Assassin's Creed".
    Abbildung: Ubisoft
     
    Attribute, Stufen, Erfahrungspunkte und Fähigkeiten-Baum machen aus dem einstigen Action-Adventure ein waschechtes Echtzeit-Rollenspiel, auch an den bekannten Open-World-Mechanismen wurde tüchtig geschraubt: Wenn Bayek das Land am Nil zu Fuß, per Reittier oder mit einem Boot erforscht, dann kann er sich dabei so frei bewegen wie kein Assassine vor ihm. Er darf nahtlos von der sengend heißen Wüste in einen von Nilpferden und Großkatzen bewohnten Palmenhain reisen. Oder auf ein Schilf-Boot wechseln, um mit seiner Hilfe den Hafen von Alexandria und Memphis anzusteuern, Schätze zu heben oder Kriegs-Galeeren aufzubringen. Verliert er dabei mal die Übersicht, schickt er seinen zahmen Falken Senu vor, der für ihn die Umgebung erkundet und Meuchel-Opfer markiert.
    Das ist auch bitter nötig, denn das rundum erneuerte Kampfsystem macht die Gefechte gegen Banditen, Soldaten und Tiere deutlich anspruchsvoller: Vor allem das Gerangel gegen Hauptmänner und Bosse entpuppt sich schnell als tödlicher Tanz, bei dem Bayek über seinen Schild hinweg nach Schwächen in der feindlichen Deckung Ausschau hält und gezielt in die Manöver-Kiste greift. Erst auf höheren Erfahrungsstufen darf er mit kraftvollen Speerhieben durch den feindlichen Pulk pflügen oder die Waffen seiner Feinde mit Schwertstreichen zertrümmern - je nachdem, welchen Kampfstil der Spieler vorher entwickelt hat.
    Abbildung: Ubisoft
     
    Vorteil des erneuerten Kampfsystems: mehr Schnelligkeit und Präzision. Damit gliedert es sich glanzvoll in eine ganze Reihe von Neuerungen ein, die zwar dafür sorgen, dass sich "Origins" vom bisherigen Serien-Kanon entfernt, die dem Spieler aber gleichzeitig ein angenehmes Maß an Kontrolle einräumen. Doch der eigentliche Star des Abenteuers ist sowieso weder Held Bayek noch der neue Spiel-Mechanismus, sondern die gigantische Spielwelt: Noch nie wurde ein historischer Schauplatz so lebendig, prachtvoll und authentisch für ein Spiel umgesetzt.
    "Assassin's Creed Origins" beamt den Spieler ohne Umweg ins ptolemäische Ägypten und nimmt ihn dort so lange gefangen, bis der letzte Schurke gemeuchelt, alle Goldmünzen gefunden und jeder mögliche Erfahrungspunkt verdient wurde. Erzählerisch liefert Ubisoft einmal mehr keine Glanzleistung ab, außerdem hat der Hersteller abermals auf einen Multiplayer-Modus verzichtet - aber wer schon immer in die Vergangenheit des Nil-Deltas springen und in ägyptischen Gräbern auf Schatzjagd gehen wollte, den schreckt das nicht. (nb/tsch)
     
    Assassin's Creed Origins; Ubisoft; je nach Platfform (PS$, PC, XBoxOne) zwischen 58 und 69 Euro;
     
     
  • Bänder der Trauer
    Superstar Brandon Sanderson kehrt erneut in die Welt der Nebelgeborenen zurück: Die Bänder der Trauer sind ein Mythos. Sie sollen einst dem Lord Ruler selbst gehört haben, aber für die meisten ist dies nur eine Legende. Die metallenen Armreife, die ihrem Träger unvorstellbare Macht verleihen, existieren nicht. Oder doch? Als sich die Anzeichen verdichten, dass südlich von Elantel Hinweise auf den Verbleib der magischen Bänder gefunden wurden, müssen Wax und Wayne ermitteln. Und ihre Mission erweist sich schnell als weitaus größer und gefährlicher als gedacht ...
     
    Abbildung: Piper
     
     
    Wieder einmal entführt Brandon Sanderson den Leser nach Elantel, doch dieses Mal hat es weniger  Westerntouch - durch einen Wechsel des Settings. Der Großteil des Plots spielt im südlichen Teil des Beckens von Elantel, in Neu-Seran. Hier mischt sich noch mehr die Morderne mit Steampunk-Elementen. Magie und Technik werden noch mehr kombiniert und neue Erkenntnisse zu deren Hintergrund werden bekannt. Eigentlich klasse, wären dabei nicht einige ellenlange Erklärungen, die den Leser schon manchmal zu Disziplin nötigen.

    Der Roman ist actionreich mit zahlreichen Wendepunkten. Sehr schön gemacht! Außerdem taucht eine andere Zivilisation auf, die für einige Überraschungen sorgt. Diese passt zwar eher zu einem Science-Fiction-Roman, aber das ist nicht weiter schlimm, weil es der Autor versteht,sie mit dem Rest der Story zu verknüpfen. 

    Auch die Protagonisten können erneut überzeugen.  Wax und Wayne sind besitzen eine wunderbare Tiefe voller Ecken und Kanten und vielen Facetten - ihre Sprüche sind dabei einfach sympathisch. Aber auch sämtliche andere Charaktere sind wunderbar facettenreich und eindrucksvoll dargestellt. Sanderson schreibt wie immer sehr atmosphärisch und teils wirklich humorvoll - der Leser tauch richtiggehend in die Story ein. 

    Ein echter Sanderson, ein gelungenes Abenteuer aus der Welt der Nebelgeborenen. Mehr davon!
     
    Brandon Sanderson: Bänder der Trauer. 592 Seiten, Klappenbroschur, Verlag: Piper; 17,00 Euro.
     
     
  • Obelix im 37. Asterix-Band in der Hauptrolle
    Asterix und Obelix begeben sich in die Höhle des Löwen! Nach den Welterfolgen „Asterix bei den Pikten“ und „Der Papyrus des Cäsar“ ist am 19. Oktober 2017 der dritte Asterix-Band der begnadeten Comicautoren Jean-Yves Ferri und Didier Conrad erschienen.

    Auf die Plätze feritg los! In diesem Band geht es für Asterix und Obelix nach Italien, dem Land der Vorfahren des Asterix Schöpfers Albert Uderzo.

    Der Startschuss für Julius Cäsars Transcaliga-Wagenrennen beginnt und unsere beiden gallischen Helden Asterix und Obelix ringen um den Sieg. Was sie nicht wissen, Cäsar hat den Veranstaltern eine klare Bedingung gestellt: Das römische Gespann MUSS als erstes ins Ziel einlaufen und siegen! Viele Wege, ob richtig oder falsch, ob holprig oder glatt, aber alle führen irgendwann zum Ziel. Wie das spannende Rennen ausgeht und was unsere Helden auf ihren Wegen durch Italien erleben, kann ab sofort nachgelesen werden!

     

    Abbildung: Egmont/Ehapa
     

    Eins gleich mal vorweg: Ich bin kein großer Fan des 37. Asterix-Bandes - mir ist er inhaltlich irgendwie zu leer, er wirkt zu gewollt. Dennoch bin ich glücklich, dass die Reise mit den Helden meiner Jugend weitergeht.

    Wie habe ich mich am 19. Oktober auf die Lektüre von "Asterix in Italien" gefreut. Schon tage vorher ging ich in freudiger Erwartung Richtung Briefkasten, in der Hoffnung, das Rezensionsmuster könnte schon ein paar tage früher dort landen. Als das Paket am 19. endlich in der Hand hielt, gab es kein Halten mehr. Verpackung aufgerissen und sofort in den Comic vertieft - und ich war schnell hin und her gerissen.

    Während andere Rezensenten von "einem Ideenfeuerwerk, dass nur so die Funken sprühen" oder "einem ganz großen Wurf" sprechen, habe ich so meine Probleme mit dem aktuellsten Werk: Die Geschichte ist gut, die Ideen dahinter nicht schlecht, aber irgendwie ist der neue Asterix eine leere Hülse. Dass Obelix die Hauptrolle spielt, ist völlig in Ordnung. Er tut dies, wie einige Rezensenten glauben - übrigens nicht zum ersten mal. Schon früher trug Obelix in einigen wenigen Bänden die Hauptlast des Plots. 

    Warum also leere Hülse: Die Geschichte läuft so dahin, packt einen nicht wie vorangegangene Bände in allen fasern. Auch, weil der typische Witz fehlt. Übersetzer Klaus Jöken gelingen zwar einige Gags, wie die "Cebit", der gallischen Markt für „Celtisches Brauchtum und Innovative Technik“, oft wirkt aber vieles einfach zu platt. Namen wie "Mozarella" für eine römische Senatorengattin? Da ist man von Asterix-Bändchen anderes gewohnt. Schrullige Briten, kahlköpfige Germanen, gemütliche Schweizer, dazu Nebenfiguren, die Bud Spencer, Luciano Pavarotti oder Silvio Berlusconi ähneln: Das ist alles nicht neu. Nur haben Uderzo und  René Goscinny diese Mittel ungleich virtuoser eingesetzt. Bei Ferri und Conrad hingegen fehlen auch im dritten Band die zündenden Pointen. Einen nicht nur bildlich, sondern auch dramaturgisch scharf gezeichneten Intriganten wie etwa "Tullius Destructivus" sucht man in "Asterix in Italien" vergeblich - der (oder die) bleiben hier mehr als blass und eindimensional. Aber vielleicht verlange ich auch zu viel - Uderzo und Goscinny waren schließlich mehr als genial!

    Gut gefallen hat mir wie gesagt die idee hinter dem Band. Das Asterix-Abenteuer ist einegroße Tour, die keinen klassischen Schauplatz auslässt. Das antike Venedig ahnt schon beim Erbautwerden das Absaufen durch den Klimawandel, der Verkehr in Rom ist chaotisch, und der Vesuv in Neapel gibt so lange keine Ruhe, bis ihm Obelix einen Hinkelstein aufpropft. Der hält bekanntlich bis 79 nach Christus. Klasse. Und auch guten Wortwitz gibt es: "Testus Sterone" - ein schöner Name!

    Letztlich ist Band 37 für Fans Pflicht, als Einstieg in den Asterix-Kosmos, würde ich aber dann doch zu älteren Bänden greifen.

    Asterix in Italien, Egmont-Ehapa, 6,90 Euro

     
    GEWINNSPIEL:
    Es gibt ein paar Asterix-Bändchen zu gewinnen. Einfach bis Donnerstag, 26.10.2017, 12.00 Uhr, eine Mail an benjamin.neumaier@mittelbayerische.de senden. Betreff "Asterix" und bitte ind er Mail Name, Vorname sowie Adresse angeben. 
    Die Gewinner werden ausgelost, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Dan Browns "Origin": Robert Langdons Stelldichein mit der Zukunft 

    Als der Milliardär und Zukunftsforscher Edmond Kirsch drei der bedeutendsten Religionsvertreter der Welt um ein Treffen bittet, sind die Kirchenmänner zunächst skeptisch. Was will ihnen der bekennende Atheist mitteilen? Was verbirgt sich hinter seiner „bahnbrechenden Entdeckung“, das Relevanz für Millionen Gläubige auf diesem Planeten haben könnte? Nachdem die Geistlichen Kirschs Präsentation gesehen haben, verwandelt sich ihre Skepsis in blankes Entsetzen. Die Furcht vor Kirschs Entdeckung ist begründet. Und sie ruft Gegner auf den Plan, denen jedes Mittel recht ist, ihre Bekanntmachung zu verhindern. Doch es gibt jemanden, der unter Einsatz des eigenen Lebens bereit ist, das Geheimnis zu lüften und der Welt die Augen zu öffnen: Robert Langdon, Symbolforscher aus Harvard, Lehrer Edmond Kirschs und stets im Zentrum der größten Verschwörungen.
     
    Abbildung: Bastei-Lübbe
     
     
    Robert Langdon bekam es auf seinen Abenteuern bislang hauptsächlich mit den dunklen Geheimnissen der Vergangenheit zu tun. Seien es alte Geheimbruderschaften oder versteckte Codes in Leonardo da Vincis Meisterwerken: Immer kam der Harvard-Professor mit der Micky-Maus-Uhr in atemloser Geschwindigkeit alten Rätseln und Verschwörungen auf die Spur. Nun lässt US-Bestsellerautor Dan Brown (53) den Symbolologen in seinem fünften Langdon-Fall im Zeitalter von Uber, Darknet und Fake News ankommen - und das ausgerechnet, indem er ihn auf die Suche nach den vielleicht ältesten Fragen der Menschheit schickt: Woher kommen wir? Wohin gehen wir?
     
    Fragen nach dem Ursprung

    Auf genau diese Fragen nach dem Ursprung - englisch "Origin" - und der Zukunft der Menschheit will der Milliardär und Visionär Edmond Kirsch eindeutige Antworten gefunden haben. Enthüllen will er sie während einer Präsentation im Guggenheim-Museum in Bilbao sowie vor einem Weltpublikum im Internet. Bei den Weltreligionen schrillen die Alarmglocken. Ein reicher Atheist, der sich mit Supermodels und der fortschrittlichsten Technik des Planeten umgibt, auf gespenstische Weise Dinge wie die Finanzkrise in der EU vorhersagt und Religion für "eine Form von Massenwahn" hält, will offenbar die Grundmauern der Glaubensgemeinschaften erschüttern.
    Damit kehrt Brown in dem 668 Seiten starken und kürzlich in den deutschen Handel gekommenen Thriller im Grunde wieder zu dem großen Thema seiner schreiberischen Tätigkeit zurück: Lassen sich Religion und Wissenschaft vereinen? In "Origin" beschwört er diesen Kampf aufs Neue hinauf - auch wenn Langdon tapfer zu verteidigen versucht: "Wissenschaft und Religion sind keine Konkurrenten, sondern zwei verschiedene Sprachen, die versuchen, ein und dieselbe Geschichte zu erzählen. In unserer Welt ist genug Platz für beide."
     
    Zeitalter der Wissenschaft

    Kirsch, der einer von Langdons ersten Studenten in Harvard war und seitdem mit dem Professor befreundet ist, ist da ganz anderer Meinung. "Das Zeitalter der Religion neigt sich dem Ende zu. Das Zeitalter der Wissenschaft aber hat gerade erst begonnen", sagt der Milliardär, der in "Origin" einen Hauch des realen Visionärs Elon Musk versprüht. Von dem bekommt Kirsch in dem Thriller übrigens tatsächlich einen Elektro-Sportwagen geschenkt.
    Das Guggenheim verstößt mit seiner Bauweise gegen sämtliche Regeln der Architektur und ist damit wie geschaffen für die Präsentation eines Querdenkers wie Edmond Kirsch. Die Enthüllung geht jedoch auf spektakuläre Weise schief - und stürzt Langdon in sein neues, mittlerweile fünftes Abenteuer.
    Unterstützung bekommt Langdon dabei zunächst von einer futuristischen Stimme in seinem Ohr: Winston ist Kirschs selbstentwickelter persönlicher Assistent, eine künstliche Intelligenz. Der manchmal etwas altbackene Harvard-Professor beäugt ihn mit Misstrauen, kommt aber nicht umhin, sich von ihm helfen zu lassen.
     
    Bezaubernde Frau darf nicht fehlen

    Auch eine bezaubernde Frau darf an Langdons Seite natürlich nicht fehlen: Die heißt diesmal nicht Sophie Neveu ("Sakrileg"), Vittoria Vetra ("Illuminati") oder Sienna Brooks ("Inferno"), sondern Ambra Vidal - und die hat es ebenso in sich wie Winston: Direktorin des Guggenheims, Verlobte des spanischen Thronfolgers, schön, schlau, unabhängig. Sie begibt sich mit Langdon auf die Suche nach der von Kirsch gehüteten Erkenntnis - und durchkämmt mit ihm dabei mit Bilbao und Barcelona zwei der derzeit wohl spannendsten Städte Europas.
    Langdon wäre nicht Langdon, wenn er nicht auch diesmal Symbole finden und deuten müsste, die alte Meister für ihn in ihren Werken versteckt haben. Aber Brown wäre auch nicht Brown, wenn er seinen Romanhelden das nicht einmal mehr am Zahn der Zeit und in atemberaubendem Tempo tun ließe. Langdon folgt so einem Pfad, den er in "Inferno" bereits eingeschlagen hat - demjenigen in die Zukunft, die verängstigen, aber auch zuversichtlich stimmen kann.
     
    Ein etwas anderer Dan Brown Roman als gewohnt, aber durchaus so realistisch gehalten, dass man ihn beinahe für dokumentarisch halten könnte. Auf jeden Fall ein Pageturner, ein Thriller eines Autoren mit unverkennbar, erstklassigem Schreibstil.  (nb/dpa)
     
    Dan Brown: Origin. Bastei Lübbe, gebunden, 668 Seiten, 28,00 Euro
    ISBN 978-3-431-03999-3
     
    P.S: Dass die deutsche Ausgabe auf Seite 666 endet, mag Zufall sein, ist aber dennoch ein schönes Detail!
  • Hohlbein: Mörderhotel
     
    Chicago, 1893. Die neunzehnte Weltausstellung öffnet ihre Tore. Millionen Besucher strömen in die Stadt und suchen ein Hotel. Herman Webster Mudgett besitzt ein solches. Es ist eines der erstaunlichsten Häuser am Platz: Es hat Falltüren, verborgene Räume, Geheimgänge, einen Foltertisch, ein Säurebad und eine Gaskammer. Viele Menschen gingen in dieses Hotel. Nur wenige verließen es wieder. Zumindest lebend …
     
    Abbildung: Bastei-Lübbe
     

    Wer sich für das Thema Serienmörder interessiert, für den ist Mörderhotel quasi Pflichtlektüre. Denn der Thriller beruht auf Tatsachen. Er erzählt sehr realistisch von der historisch belegten Person Henry Webster Mudgett.

    Wer ein sensibles Gemüt sein Eigen nennt,  sollte auf die Lektüre von Mörderhotel verzichten. Er hätte keine Freude daran. Alle Morde werden genauestens geschildert, ohne Rücksicht auf zarte Gemüter. Auch die Folterszenen, die für Mudgett unverzichtbar sind, kann man nur ertragen, wenn man emotionalen Abstand wahrt und nicht zu empathisch ist. Durch die bildhafte Schreibweise entsteht im Kopf des Lesers hier großes Kino. Weggesehen kann bei bei einem Buch ja schlecht. Und bei Mörderhotel erst recht nicht! Eines kann ich versprechen - Sie werden sich ekeln - definitiv.

    Zu den Fakten: Hohlbein hat gut recherchiert. Doch nicht alles beruht auf Fakten. Mörderhotel ist ein knallharter Thriller und keine Dokumentation. Auch wenn der Autor eher für seine Fantasie-Werke berühmt ist, ist ihm mit Mörderhotel ein sehr gutes Werk gelungen, welches auch ohne Fantasieelemente faszinierend und spannend geschrieben ist.
     
    Tatsächlich liegt der Fokus mehr auf Mudgetts Geschichte selbst als auf den Morden – zwar beginnt die Story ziemlich brutal mit einer Mordszene im Hotel, dann lenkt die Geschichte aber auf zwei Handlungsstränge um. Zum einen kann man nachvollziehen, wie aus dem Sohn sehr religiöser Eltern schon im Kindesalter die Mordlust wächst, nachdem er sich einbildet, der Tod selbst hätte sein Leben gerettet und er wäre ihm etwas schuldig. Die zweite Handlung beginnt in Chicago kurz vor Mudgetts Ende als Serienmörder mit der Ankunft des Versicherungsdetektivs Geyer, der von der Schwester der ermordeten Verlobten Mudgetts engagiert wurde, um diese zu finden. Man erlebt also zeitgleich Beginn und Ende seiner Karriere gleichzeitig.
     
    Die Faszination am Bösen ist das, was Mörderhotel ausmacht. Wie gesagt, nichts für sensible Geister!
     
    Wolfgang Hohlbein: Mörderhotel. Bastei Lübbe, Thriller, 847 Seiten, ALTERSEMPFEHLUNG: AB 16 JAHREN, 12,00 Euro;
    ISBN: 978-3-404-17526-0
     
  • Pirates of The Carribean: Salazars Rache
     
    Ein vom Pech verfolgter Captain Jack Sparrow findet sich in einem völlig neuen Abenteuer wieder: Tödliche Geister-Piraten, angeführt von seinem alten Erzfeind, dem furchteinflößenden Captain Salazar (Bardem), entkommen aus dem "Teufels-Dreieck" und sollen jeden Piraten auf See töten - einschließlich Jack Sparrow. Seine einzige Überlebenschance besteht darin den legendären "Dreizack des Poseidon" zu finden, ein mächtiges Artefakt, das seinem Besitzer völlige Kontrolle über die Meere verleiht.
     
    Copyright © 2017 Disney
     
     
    Wenn ein Franchise eine Weile erfolgreich läuft, besteht die Gefahr endloser Wiederholung desselben Grundprinzips. James Bond kämpfte schon damit und auch Jack Sparrow hatte es nicht immer leicht. Der fünfte Teil von Pirates of the Carribean lässt jedoch etwas Hoffnung bezüglich der ursprünglichen Qualitäten aufkommen. Nachdem im vierten Film „Fremde Gezeiten“ große Teile des Ensembles ausgetauscht wurden, kehren nun bekannte Gesichter zurück. Auch der Tonfall pendelt ähnlich ausgewogen zwischen ironischer Piratenkomödie und actiongeladenem Abenteuer.
     
    Aber es gibt ein Problem – immer dann, wenn man den Film gerade ernst nimmt und Piratenfeeling aufkommt, haut einem die übertriebene Inszenierung einen vor den Latz. Schwierig, weil zu gewollt komisch. Da wäre weniger mehr gewesen. Johnny Depps Auftritte verlaufen nach bekannten Mustern – und animieren zum Lachen. Der legendärste Seeräuber des neuzeitlichen Piratenkinos wirkt noch unfähiger als bisher. Javier Bardems Figur Salazar erweist sich als lustvoll böser, wenn auch einseitig angelegter Widerpart für Sparrow, während die bekannten Motive des untoten Captains und seiner ruhelosen Mannschaft längst nichts Neues mehr sind.
     
    Bildtechnisch beweist der Film in den virtuos arrangierten Actionszenen großen Ideenreichtum. Dass die Handlung nur wenig wirklich Neues bietet und dieser Teil auf die Nostalgie der Fans der ersten Stunde setzt, fällt besonders gegen Ende auf, als an die Abspannszene des dritten Films angeknüpft wird. Obwohl man die meisten Elemente so ähnlich schon in den übrigen Filmen gesehen hat, macht der fünfte Teil trotz allem Laune. 
     
     
    Pirates of the Carribean 5: Salazars Rache: DVD, ca. 15 Euro; Blu-ray, ca. 19 Euro - Copyright © 2017 Disney
     
     
    GEWINNSPIEL: Wer eine DVD von Pirates of the Carribean: Salazars Rache gewinnen möchte, sollte bis Montag, 16. Oktober, 12.00 Uhr, eine Mail mit Betreff "Salazars Rache" an benjamin.neumaier@mittelbayerische.de senden. Bitte Name und Vorname sowie Adresse angeben. Als weiteren Preis gibt es ein Filmposter zu gewinnen.
    Der Gewinner wird ausgelost, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Die 100: Rebellion
     
    100 jugendliche Straftäter wurden aus dem Weltraum entsandt, um die Erde neu zu besiedeln.  
    Inzwischen haben sie sich auf dem blauen Planeten behauptet, gegen die ihnen zunächst feindlich gesinnten Erdbewohner. Und gegen den Vizekanzler Rhodes, der sie einst als Straftäter brandmarkte und gnadenlos verfolgte. Doch nun droht der Erdkolonie neues Unheil: Eine Sekte hat sich in ihrer Mitte gebildet, die möglichst viele Anhänger gewinnen möchte - und alle anderen gewaltsam bekämpft. Vollkommen überraschend verwüsten sie das Lager und entführen mehrere Jugendliche. Clarke, Bellamy und die anderen müssen sie unbedingt retten, bevor Schreckliches passiert. Und plötzlich stehen die 100 vor der größten Herausforderung ihres Lebens ...
     
    Abbildung: Heyne fliegt
     
     
    Eigentlich schien die Reihe abgeschlossen, doch nun präsentierte Autorin Kass Morgen doch noch einen weiteren teil, machte die Trilogie zur Quadrologie. Im Nachhinein eigentlich schade, denn Band drei ist für mich persönlich der weit schönere, rundere  Abschluss der Reihe. "Rebellion" wirkt irgendwie aufgesetzt, zu bemüht. Eine plumpe Geschichte, platte Charaktere ohne Weiterentwicklung und nahezu keine Spannung.
     
    Eigentlich ist nach den turbulenten der vorangegangenen Romane endlich Ruhe auf der Erde eingekehrt und das große Blutvergießen und die Konflikte sind zu einem versönlichen Ende gekommen. Die neu gegründete Gesellschaft findet allmählich einen geregelten Ablauf und eine fixe Struktur, die eine neue Besiedelung der Erde ermöglichen kann. Doch wie aus heiterem Himmel taucht eine neue Splittergruppe der Erdgeborenen auf, überfällt das Camp und entführt zahlreiche der Campbewohner. Natürlich bleiben die schlagkräftigsten Protagonisten, u.a. Clarke und Bellamy zurück, welche kurzerhand die Entscheidung fällen, sich an die Verfolgung der Entführer zu machen und die entführten Mitmenschen zu befreien. Die Entführer entpuppen sich letztendlich als eine Art Sekte, die die Erde über alles verehren, aber zu sehr brutalen und rücksichtslosen Mitteln greifen...
     
    Der Plot ist kein großer Wurf, der Roman letztlich nur durchschnittlich. Deshalb: Für zwischendurch noch ok, aber kein Lesemuss - weder für Fans der TV- Serie noch der Romanvorlage.
     
     
    Kass Morgan: Die 100 - Rebellion. Paperback, Klappenbroschur, 272 Seiten, Verlag: Heyne fliegt; 12.99 Euro
    ISBN: 978-3-453-27140-1

     
  • Moers: Ensel und Krete
     
    Seitdem die Buntbären den Großen Wald bevölkert haben, gilt die idyllische Gemeinde namens Bauming als eine der anziehendsten Touristenattraktionen Zamoniens. Aber seltsame Dinge gehen vor im dunklen Forst. Des Nachts hört man das Stöhnen der Druidenbirken und der Sternenstauner, man munkelt von der Waldspinnenhexe, die noch immer im unbewohnten Teil des Waldes ihr Unwesen treiben soll. Eines Tages verschlägt es Ensel und Krete, ein junges Geschwisterpaar von Fhernhachenzwergen, in den wilden, von Verbotsschildern umstandenen Teil der Baumwelt, und das, was sie dort erleben, übersteigt all ihre Erwartungen ...
     
    Abbildung: Knaus
     
    Ensel und Krete ist ein intelligent geschriebener Roman! Der Zamonien-Roman von Hildegunst von Mythenmetz, der von Walter Moers „aus dem Zamonischen übertragen“ wurde, spielt mit Formen, Farben, Fabelwesen – und nicht zuletzt mit dem Leser.

    Hauptfiguren sind die beiden niedlichen Fhernhachenkinder Ensel und Krete, die sich im Großen Wald verlaufen haben und Bekanntschaft machen mit den absonderlichsten Gestalten. Um mit Mythenmetz zu sprechen: "Ein gemeingefährlicher Laubwolf. Unsterbliche Sternenstauner. Ehrgeizige Erdgnömchen. Ein unberechenbarer Stollentroll. Die Mythemetzsche Abschweifung. Kokette Elfenwespen. Geheimbären. Eine Waldspinnenhexe. Blutsaugende Fledertratten, Doppelköpfige Wollhühnchen. Dreiäugige Schuhus - um nur das Gröbste zu nennen". 

    Wem das alles sehr spanisch vorkommt, der sollte die Finger davon lassen, wer aber wissen möchte, was um alles in der Welt eine Mythenmetzsche Abschweifung ist oder warum Hildegunst im Clinch mit einem bekannten Literaturkritiker liegt, dem sei dieses Buch uneingeschränkt zu empfehlen. Nicht nur die Irrungen und Wirrungen des Großen Waldes machen die Lektüre zu einem Erlebnis, das Werk gewinnt vor allem durch seine zahllosen Anspielungen und Seitenhiebe auf den Literaturbetrieb und die Selbstherrlichkeit von Autoren.

     
    Walter Moers: Ensel und Krete - Ein Märchen aus Zamonien. Gebundenes Buch, Pappband mit Schutzumschlag,256 Seiten, 50 s/w Abbildungen, Verlag: Knaus, 24.00 Euro;
    ISBN: 978-3-8135-0801-7
     
     
     
     
     
  • Die Rezension und damit auch das Gewinnspiel von "Pirates of the Carribean - Salazars Rache" verschiebt sich leider um eine Woche. Sorry, das hängt mit der Print-Veröffentlichung zusammen. 
  • Scarrow: Invictus

     

    Wir schreiben das Jahr 54 A. D. Das mächtige römische Reich erstreckt sich vom Atlantik bis zu den Ufern des Nils. Mit brutaler Gewalt zwingt Rom der übrigen Welt seinen Willen auf. Präfekt Cato und Centurio Macro kehren nach jahrelangen Eroberungszügen aus Britannien zurück. Doch es bleibt ihnen nicht viel Zeit, ihre Wunden zu pflegen. Zusammen mit der kaiserlichen Garde machen sie sich auf nach Spanien, um weiteren Ruhm zu erlangen – über ein Land, das als unbesiegbar gilt ...

     
     
    Abbildung: Heyne
     
     
    Simon Scarrows 15. Band der "Adler-Serie" rund um Präfekt Cato und Centurio Macro ist gut, hat aber ein paar Stolpersteine. Der neue Schauplatz Spanien wird gut eingeführt und vorbereitet, auch dass ein alter Widersacher - oder vielmehr mehrere - auf den Plan treten, hat was. Die Idee, die beiden mit der Prätorianergarde in Kampfhandlungen ziehen zu lassen, ist auch nicht von schlechten Eltern. Dennoch: Langsam läuft sich die Serie irgendwie die Hacken ab. Der Plot wiederholt sich in vielen Teilen, auch wenn Macro und vor allem Cato sich als Persönlichkeiten weiterentwickeln und ihre Handlungsweise anpassen. Letztlich läuft es wie immer: Die beiden geraten durch Intrigen in eine mehr als missliche Lage, haben den Feind auch in den eigenen Reihen und kämpfen gegen übermachtige Gegner - nicht vor Ort, sondern in Rom - ums Überleben.
     
    Die Geschichte um Catos Ehefrau ist ein interessanter Nebenplot, in dem das letzte Wort noch nicht gesprochen scheint. Auch die Story ist spannend erzählt und vor allem ergeht sich Scarrow nicht mehr in zigfachen, sich wiederholenden Beschreibungen von Kampfszenen. Das gehört sicherlich dazu, uferte aber in ein paar Vorgängerbänden etwas aus. 
     
    Das Ende des Romans lässt hingegen Schlimmes für die beiden Freunde erahnen - man darf gespannt sein, an welchem Ende der Faden weitergesponnen wird. Es gibt mehrere Anknüpfungspunkte. Letztlich ist "Invictus" ein guter, spannender Roman, dem aber diesmal das gewisse Etwas fehlt - zumindest in weiten teilen. Für Fans stellt sich die Frage nach einem Kauf aber ohnehin nicht und Einsteigern in die Rom-Serie ist sowieso Teil 1 oder zumindest ein anderer Band zu empfehlen.
     
    Simon Scarrow: Invictus. Taschenbuch, Broschur, 544 Seiten, 3 s/w Abbildungen, Verlag: Heyne, 9,99 Euro
    ISBN: 978-3-453-43897-2
  • Hennen/Corvus: Silberflamme - recht viel besser geht nicht!
     
    Der Wettkampf der rivalisierenden Kapitäne Phileasson und Beorn führt die beiden dieses Mal auf die Spur eines Helden, dessen Ruhm die Jahrhunderte überdauerte. Doch der Fluch eines alten Unrechts wirft seinen Schatten bis in die Gegenwart. Als der Wettlauf um die Silberflamme – ein geheimnisumwittertes, hochelfisches Artefakt – beginnt, wird beiden Kapitänen klar, dass kalter Stahl und Kriegermut versagen, wenn die Geister der Toten die Vergangenheit hüten...
     
    Abbildung: Heyne
     
     
    Die Reise der beiden Hetmänner und ihrer Ottajaskos geht weiter und führt die Recken nach Tobrien, um dort die titelgebende Silberflamme zu suchen - das legendäre Elfenschwert Sdelflanatil.
     
    Ein Seitenfresser

    Nachdem der dritte Band mit einigen Längen daherkam und für mich der bisher schwächste Band der Saga  war (Was nicht heißt, dass der Band schlecht ist), bin ich diesmal mit etwas mit niedrigeren Erwartungen an den vierten Band herangegangen. [By the way: Eventuell hatte mich auch Band 3 nicht so geflasht, weil Himmelsturm, also Band 2,  überragend war]. Nach zwei Seiten von Siberflamme war ich allerdings schon mitten im geschehen, an die Seiten  gefesselt und konnte nicht mehr aufhören zu lesen. Mir wurde früh klar: Das ist ein Seitenfresser. Hennen und Corvus verstehen es, die Spannung stetig hoch zu halten, bringen eine masse an Ideen in den Plot ein, der diesen beinahe schon überlastet. Die Protagonisten kommen und gehen, ständig tauchen neue Charaktere auf. Dennoch behält man als Leser den Überblick. 
     
    Tiefe Charaktere
     
    Es ist faszinierend, wie tief die Autoren die Charaktere zeichnen. ständig lüften sie kleine Details und auch scheinbar nur am rande vorkommende Personen, erhalten viel Raum, um sich zu entfalten. Klasse, richtig klasse! Dazu sprühen die Autoren vor Ideen, was sich auch in den zahlreichen Widersachern der Ottojaskos oder den sehr unterschiedlichen Wegen von Beorn und Phileasson niederschlägt. Letztlich gelangen beide ans  Ziel, aber das Wie ist entscheidend. Zudem ist die dritte Story, die der Elfen, die wahrscheinlich irgendwann die Wettfahrt der beiden als Hauptplot ablöst, stets im Hinterkopf.
     
    Silberflamme ist ein Buch, bei dem ich keinen einzigen Buchstaben übersprungen habe. Die Versuchung, ein paar Sätze oder seiten zu überspringen, kam gar nicht erst auf. Deshalb warte ich schon sehnsüchtig auf Band 5: Schlangengrab - und gehe wieder mit hohen Erwartungen hinein...
     
    Hennen/Corvus: Phileassonsaga: Silberflamme. Paperback, Klappenbroschur, 688 Seiten, Heyne; 14,99 Euro;
    ISBN: 978-3-453-31824-3
     
  • Neil Gaiman: American Gods
     
    Neil Gaiman ist Kult – kaum ein Autor, der international bei Kritikern wie Kollegen und seinem Publikum so geschätzt wird, wie der Brite. Doch selbst bei einem solchen Schwergewicht der Phantastik ist es bemerkenswert, wenn ein Verlag die Kosten auf sich nimmt, ein bereits – immerhin als Hardcover – erschienenes Werk neu übersetzen zu lassen. Hannes Riffel, einer der versiertesten Kenner der Materie hat sich an die Aufgabe begeben, der Eichborn-Verlag, der zur Lübbe-Gruppe gehört, legte das dicke Paperback neu auf.
     
     
    Als Shadow aus dem Gefängnis entlassen wird, ist nichts mehr wie zuvor. Seine Frau wurde getötet, und ein mysteriöser Fremder bietet ihm einen Job an. Er nennt sich Mr. Wednesday und weiß ungewöhnlich viel über Shadow. Er behauptet, ein Sturm ziehe auf, eine gewaltige Schlacht um die Seele Amerikas. Eine Schlacht, in der Shadow eine wichtige Rolle spielen wird …Eines der meistbeachteten Bücher des letzten Jahrzehnts: eine kaleidoskopische Reise durch die Mythologie und durch ein Amerika, das zugleich unheimlich vertraut und völlig fremd wirkt.
     
    Abbildung: Eichborn / Lübbe
     
     
    Dieses Werk ist aus mehreren Sichten einzigartig, da es einerseits im Fantasygenre die mythologische Welt der Götter beleuchtet und andererseits als realistischer Road-Roman ein wunderbar detailliertes Sittenbild des gegenwärtigen ländlichen Amerikas zeichnet.
     
    Die Hauptprotagonisten, die diesen Roman bevölkern, sind vor allem die alten nordischen Gottheiten – die Asen, die die Briten und Deutschen (Angelsachsen und Germanen) in ihren Köpfen nach Amerika mitgebracht haben. Die Götter leben auch noch heute in dieser Welt, solange irgendein Mensch an sie glaubt, sind sie schwer umzubringen. Aber auch Kobolde, Zwerge, Trickser, indianische Naturgötter, afrikanische, griechische, ägyptische, slawische Götter, Amazonen, Hexen, Vampire usw. werden völlig authentisch und mit ihrem mythologischen Hintergrund perfekt in die Geschichte und die Handlungsstränge eingefügt.

    Demgegenüber stehen die modernen Gottheiten, die heutzutage massiv angebetet werden, wie Media (die Göttin des Fernsehens), der dicke  Junge (Gott des Internets und der Technik) und Mr. World inkl. seiner schwarzgekleideten Handlanger, die immer in Regierungsbehörden gearbeitet haben, die nur aus ein paar Buchstaben bestehen.

    Zwischen allen Fronten steht der Held Shadow, der Schatten (gleichbedeutend die Seele des Menschen) mit seiner bereits verstorbenen Frau, der zwar für Mr. Wednesday (Odin) arbeitet, aber auch von der anderen Seite massiv umgarnt wird. Nach einem Gefängnisaufenthalt kommt er in Kontakt mit den menschlichen Inkarnationen der Götter und reist sowohl in der realen Welt durch Amerika als auch zu den mythologischen Unter- bzw. Zwischenwelten und nimmt an der sich abzeichnenden finalen Schlacht zwischen alten und neuen Göttern teil.

    In unzähligen Geschichten in der Geschichte präsentiert Gaiman dem Leser schlaglichtartig Facetten einer Kultur die fast nur im hier und heute lebt, die ihre Herkunft leugnet, und an ihren eigenen Machtträumen scheitert – der Irakkrieg zeigt dies nur allzu deutlich.
    Teils Road-Roman, teils Agententhriller, Detektivroman dann wieder ein wenig an Pratchetts Scheibenwelt-Romane oder Tom Holts Titel erinnernd, legt Gaiman einen faszinierenden Plot vor, der, mit Ausnahme eines etwas abfallenden Finales, den Leser zu fesseln weiß. Klasse!

     

    Neil Gaiman: American Gods - Directors Cut. Paperback. Eichborn - Fantasy; 672 Seiten; 14,00 Euro; 
    ISBN: 978-3-8479-0587-5

     

  • Christian Ude: Die Alternative oder: Macht endlich Politik
     
    Zum Höhepunkt des Wahlkampfs meldet sich ein starker, unbestechlicher politischer Praktiker zu Wort und spart nicht mit robuster Kritik an den eigenen Parteigenossen und der Politik in Berlin und Brüssel. Christian Ude, seit über 50 Jahren Kommunalpolitiker, erlebt die Welt nach seinem Ausscheiden aus der Tagespolitik völlig neu. Und mit wachsendem Unverständnis. Weil die schönen Verheißungen des Politikbetriebs immer weniger mit der Realität zu tun haben. Weil Politiker die ökonomische und politische Spaltung der Gesellschaft ignorieren. Und weil Christian Ude die Pflege eigener Befindlichkeit als politisches Programm nicht ausreicht.
     
    Abbildung: Knaus
     

    Ganz sicher ist, dass Christian Ude stark und generell leidet unter der Art, wie Deutschland Politik macht oder besser: nicht macht. Es werde nicht mal diskutiert, findet er, die großen Parteien hätten sich im Kampf um die Mitte selbst entkernt.

    Sein Horror-Wort: „Alternativlos“. Deutschland 2017 ist für ihn wie Deutschland 1961, als Martin Walser das Buch schrieb: „Die Alternative oder Brauchen wir eine neue Regierung?“ Udes Zornesbuch heißt ganz ähnlich: „Die Alternative oder: Macht endlich Politik!“. Es ist ein lauter, kein lärmender Appell für Sachpolitik.

    Und der Versuch einer Radikalanalyse durch den Mann, der Politik von unten und mit unten erlebt hat. Er war Zeitungsredakteur, Mieteranwalt und 21 Jahre lang Münchens Oberbürgermeister.

    Niemand wird Ude eine fehlende linke Identität vorwerfen können. Doch jetzt sind die alten Gewissheiten weg, jetzt beginnt die Selbsttherapie. Und damit beginnt sein Schwabinger Aufstand, ein Aufstand aus dem Ruhestand.

    Nun ödet ihn die Mechanik der Macht an, die Spielchen der SPD und der Selbstbetrug der Linken. „Die  SPD im Schulz-Taumel beschwört Zukunftsvisionen des 19. Jahrhunderts“, lautet ein Stoßseufzer-Satz. „Die Linke hat viele soziale Fragen übersehen, auch in der Euro- und der Flüchtlingsfrage“, lautet ein anderer. 

    Ude wählt die Frageform und den Schachtelsatz, um seine Zweifel an die Luft zu lassen. Könnte es nicht sein, heißt es, dass ausgerechnet die Progressiven mit ihren Postulaten von Freiheit und Gleichheit „im Zeichen multikultureller Aufgeschlossenheit erschreckende Rollen rückwärts vollziehen?“ Was er meint: Diskriminierung von Frauen in Schichten mit Migrationshintergrund, türkischer Nationalismus, fehlendes Bekenntnis zur Religionsfreiheit im Islam. Seine Frau berichtete ihm von Türkinnen, die erst nach dem Tod ihrer Männer Deutsch-Sprachkurse belegen.

    Christian Ude: Die Alternative oder: Macht endlich Politik. Paperback, Klappenbroschur, 240 Seiten, Verlag: Knaus; 16,99 Euro
    ISBN: 978-3-8135-0774-4

  • Moers: Die Stadt der träumenden Bücher

    Als der Pate des jungen Dichters Hildegunst von Mythenmetz stirbt, hinterlässt er seinem Schützling nur wenig mehr als ein Manuskript. Dieses aber ist so makellos, dass Mythenmetz sich gezwungen sieht, dem Geheimnis seiner Herkunft nachzugehen. Die Spur führt nach Buchhaim, der Stadt der Träumenden Bücher. Als der Held sie betritt, ist es, als würde er die Tür zu einer gigantischen Buchhandlung aufreißen. Er riecht den Anflug von Säure, der an den Duft von Zitronenbäumen erinnert, das anregende Aroma von altem Leder und das scharfe, intelligente Parfüm von Druckerschwärze. Einmal in den Klauen dieser buchverrückten Stadt, wird Mythenmetz immer tiefer hineingesogen in ihre labyrinthische Welt, in der Lesen noch eine wirkliche Gefahr ist, in der rücksichtslose Bücherjäger nach bibliophilen Schätzen gieren, Buchlinge ihren Schabernack treiben und der mysteriöse Schattenkönig herrscht.

    Abbildung: Knaus
     
    Eins vorweg: Die Stadt der träumenden Bücher würde ich heute schon als Klassiker bezeichnen. Ich habe es vor Jahren gelesen und auch die Zweitlektüre hat mir wieder riesigen Spaß gemacht. 
     
    Walter Moers gibt sich ganz bescheiden als "Übersetzer" der Werke von Hildegunst von Mythenmetz aus, und dieser Hildegunst erzählt seine Geschichte. Überraschend ist dabei, dass Hildegunst ein dichtender Dinosaurier ist - mal ein etwas ausgefallener Protagonist. Es beginnt damit, dass Hildegunst das Erbe seines Dichterpaten antritt und sich auf die Suche nach dem Verfasser eines ganz besonderen Manuskripts macht, die ihn schon bald nach Buchhaim führt.

    Buchhaim ist das Nonplusultra eines jeden Bücherfans; hier dreht sich alles nur um Bücher, die ganze Stadt besteht nur aus Büchern, Dichtern, Antiquaren und Verlegern. Und auch in den finsteren Katakomben unter der Stadt findet man fast ausschliesslich Bücher, neben Bücherjägern, Buchlingen und sonstigen Bücherwesen. Hier forscht Hildegunst mal freiwillig, mal unfreiwillig nach dem begnadenten Dichter seines Manuskripts und gerät unversehens in ein viel größeres Spiel, als er sich hätte träumen lassen. 

    Hildegunsts Abenteuer in Buchhaim und in den Katakomben, das ist ganz großes Kino! Das Buch hat alles, was eine faszinierende Geschichte braucht - und noch ein bisschen mehr. Action, Spannung und Unterhaltung sind im Übermaß vorhanden; aber darüber hinaus brilliert Walter Moers mit einem unerschöpflichen Ideenreichtum, was die Ausgestaltung dieser ganz besonderen Welt betrifft. Skurille Figuren, düstere Schauplätze und ein gut durchdachter Plot fesseln den Leser ans Buch. Am Ende dieser Achterbahnfahrt spendiert Moers sogar noch einen emotionalen Schluss. 

    Dazu enthält der Roman zahlreiche wunderbare Illustrationen, die die Figuren lebendig werden lassen und für sich alleine schon eine Geschichte erzählen. Damit wird "Die Stadt der Träumenden Bücher" zu einem kleinen Gesamtkunstwerk.
     
    Walter Moers: Die Stadt der träumenden Bücher. Gebundenes Buch, Pappband mit Schutzumschlag, 464 Seiten, 
    über 100 Illustrationen, Verlag: Knaus; 28,00 Euro;
    ISBN: 978-3-8135-0798-0
     
     
     
     
     
     
  • Homer:  Odysse
     
    Die 'Odyssee' ist eines der ältesten Meisterwerke der Weltliteratur und ihr Name längst zum geflügelten Wort avanciert. Erzählt wird die zehnjährige Irrfahrt des tapferen und schlauen Königs Odysseus, die im kleinasiatischen Troja beginnt und nach zahllosen gefahrvollen Abenteuern mit seiner Heimkehr nach Ithaka endet. In einem grandiosen Finale befreit er seine mutige und treue Gattin Penelope aus den Fängen ihrer aufdringlichen Freier und feiert das Wiedersehen mit seinem Sohn Telemachos.
     
    Abbildung: Anaconda
     
    Wenn man sich einlässt auf die Sprache (und sich von manchen altmodischen bis albernen Wortfindungen der Übersetzer nicht abschrecken lässt) bekommt man mit der Zeit das Gefühl, sich den Menschen der Odyssee zu nähern. Die Welt war einfacher. Durchaus grausam, wild, verschlagen, verlogen, heuchlerisch, trickreich und mit allen schlechten Eigenschaften unserer Art gesegnet, aber auch gut, offen und freudig, begeistert und leidenschaftlich aus vollem Herzen.
     
    Die Odyssee ist ein Werk, das man gelesen haben sollte. Sicher ist jeder irgendwann schon einmal damit in Berührung gekommen - mehr oder weniger. Doch der Stoff ergreift einen immer wieder, gerade in nicht Prosa. Es ist ein Genuss,  die Geschichte im "alten Stil" zu lesen. Die Erzählart macht alles sehr lebendig und groß. Es ist jedem  ans Herz zu legen, der mal die "ganze" Geschichte lesen mag. 
     
    Dazu noch eine wunderbare Aufmachung im Cabra-Ledereinband. Ein Klassiker mit Klasse!
     

    Homer: Odyssee;  Übers.: Voß, Johann Heinrich; 336 Seiten, Anaconda-Verlag; gebunden Cabra-Leder; 9,99 Euro;
    ISBN 978-3-7306-0291-1

  • Wédora - Schatten und Tod
     
    Wédōra birgt noch so manches Geheimnis für die Freunde Liothan und Tomeija, die es auf magische Weise in die schwer befestigte Wüstenstadt verschlagen hat.
    Während Liothan in alte Gewohnheiten verfällt und sich in Wédōras Unterwelt einen Namen macht, wird Tomeija vom geheimnisumwitterten Herrscher der Stadt zur obersten Gesetzeshüterin berufen. Sie kann nicht ahnen, dass sie bald nicht nur gegen Verbrechen und mörderische Intrigen vorgehen muss, sondern auch gegen ihren Freund aus Kindheitstagen.
    Doch damit nicht genug: Zwei benachbarte Königreiche rüsten sich zum Krieg, und die neutrale Stadt wird gegen ihren Willen in die Feindseligkeiten verwickelt – und Liothan und Tomeija werden plötzlich zu den entscheidenden Figuren in einem mörderischen Konflikt. 
     
    Abbildung: Droemer-Knaur
     
     
    Schatten und Tod steht seinem Vorgänger Staub und Blut in nichts nach - die Geschichte um Wédora und die beiden Freunde Liothan und Tomeija bleibt weiterhin spannend. Hier wird es noch eine Spur düsterer als im Vorgänger. Neue Geheimisse werden gelüftet, Intrigen geschmiedet und Unheimliches geplant - hinzu kommen viele phantastische Elemente, interessante Figuren, unheimliche Kreaturen und etwas Horror. Eine tolle Mischung und somit ein sehr gelungener Dark-Fantasy Roman mit packendem Finale!
     
    Markus Heitz schafft es wieder, zu überraschen. Es ist mir immer wieder ein Rätsel, woher dieser Mann die Fülle an Fantasie und Ideen nimmt. leider schreibt er im Epilog, dass dies der letzte Roman zu Wédora gewesen ist - was ich nicht ganz glauben will. Der Grundstock, den er mit den zwei Bänden geschaffen hat, gibt noch so viel her - viele Geheimnisse scheinen zwar gelüftet, doch es liegt noch sehr vieles im Dunkeln. denkbar wäre auch ein Prequel...Lieber Herr Heitz, bleiben sie bitte dran! Es wäre zu schade, diesen Stoff nicht noch weiter zu drehen.
     
    Markus Heitz: Wédora - Schatten und Tod; Klappenbroschur, Knaur HC; 16,99 Euro;
    ISBN: 978-3-426-65436-1
     
  • Final Fantasy 12: The Zodiac Age
     
    Über zehn Jahre nach seiner Erstveröffentlichung scheiden sich an "Final Fantasy 12" noch immer die Geister. Der Titel markierte einen Umbruch in der Rollenspielreihe: Die Abkehr von rundenbasierten Gefechten war nur ein Element im Mix aus Tradition und Moderne, der bei Fans für Unmut sorgte, aber nötig war. Für die PS4 hat Square Enix seinen PS2-Klassiker nun neu inszeniert - überarbeitete HD-Grafiken, neue gesetzte Lichtquellen und modernes Effektgewitter inklusive. Aber der eigentliche Star der PS4-exklusiven Neuauflage ist nicht die aufpolierte Optik, sondern ein ganzer Schwung von neuen Mechanismen, die bislang japanischen Spielern vorbehalten waren.
     
    Abbildung: Square Enix
     
    Wenn man es genau nimmt, ist "Zodiac Age" kein Remaster des Original-"Final Fantasy 12" (2006), sondern der überarbeiteten japanischen Fassung mit dem Namenszusatz "International Zodiac Job System", die 2007 auf den Markt kam. Das titelgebende Feature verfeinert die Charakter-Entwicklung erheblich und eröffnet jeder Figur zwei individuelle Karriere-Wege, die man durch die Belegung Brettspiel-ähnlicher Felder modifizieren darf.
    Ansonsten ist beim Streifzug durch Ivalice alles beim Alten geblieben: Nach wie vor erkunden Held Vaan und seine Gefährten den im Krieg zwischen zwei Königreichen aufgeriebenen Landstrich - und Serien-typisch werden dabei Fantasy-Elemente wie Schwertkämpfe oder Zauberei mit Science-Fiction-Stilmitteln wie Raumschiffen und Antigravitations-Antrieben durchmischt.
     
    Abbildung: Square Enix
     
    Einmalig in der "Final Fantasy"-Historie sind allerdings die überdeutlichen "Star Wars"-Anleihen: Jede Figur und jeder Schauplatz von Lucas' berühmter Sternensaga findet hier seine Entsprechung - selbst Bösewicht Darth Vader ist in Form des maskierten Schurken Richter Gabranth vertreten.
    Spielerisch ist "Final Fantasy 12" bis heute umstritten, weil es viele japanische Design-Konventionen über Bord warf und sich stattdessen üppig bei westlichen Genre-Vertretern bediente: Die verschiedenen Gebiete, in die Squares Designer ihre virtuelle Welt unterteilt hatten, fühlten sich wie die Instanzen aus einem Online-Rollenspiel an.
     
    Abbildung: Square Enix
     
    Vor allem das Kampfsystem erinnert frappierend an Titel wie "World of Warcraft", denn die meisten Gefechts-Vorgänge lassen sich fast vollständig automatisieren. Das Resultat ist ein Kosmos, der sich zwar ungewohnt entspannt durchqueren lässt, dafür aber dramatisch anders anfühlt wie von der Reihe bis dato gewöhnt. Rückwirkend betrachtet war das damals harsch kritisierte "FF 12" seiner Zeit voraus, heute ist der Einsatz MMO-ähnlicher Spielmechanismen in Singleplayer-Rollenspielen nämlich allgemein akzeptiert.
    Wer der HD-Version von "Final Fantasy 12" trotz Genre-fremder Design-Einflüsse und noch immer leicht klobiger Präsentation eine Chance gibt, entdeckt unter einen der komplexesten und am geschicktesten ausbalancierten Rollenspiel-Trips der letzten 20 Jahre: Das Abenteuer in Ivalice ist der letzte große Spross einer altehrwürdigen Serie und seinen Nachfolgern in beinahe jeder Hinsicht überlegen. 
    Das neuerliche Durchspielen dieses Klassikers, der mich schon 2006 faszinierte uns fesselte, hat mir ein Stück meiner Jugend wiedergegeben - Zodiac Age lohnt sich: Aber nicht nur für Wiederholungstäter wie mich! (nb/tsch)
     
    Final Fantasy XII - The Zodiac Age; Square Enix; USK: 12 Jahre; Playstation 4; 
    Normale Edition: ca. 30 Euro, Steelbook Edition: ca. 55 Euro;
     
     
  • American Gods - herrlich verspultes, bildgewatiges "Etwas"
     
    Das Buch „American Gods“ von Neil Gaiman galt lange als unverfilmbar. Zu komplex war die Story für normale Filmlänge. Jetzt erscheint die Serie auf DVD. Der Roman ist weniger abgedreht – er erzählt zwar eine komplexe, aber leicht zu verstehende Geschichte. Die Hauptfigur ist Shadow, ein Ex-Knacki. Als der aus dem Gefängnis entlassen wird, muss er feststellen, dass seine Frau gerade gestorben ist. Und der Job, der ihm zugesichert wurde, der ist auch weg. Gut, dass Shadow im Flugzeug einen schrulligen Typ trifft – Mr. Wednesday. Der macht ihm ein Job-Angebot. Mr. Wednesday ist seltsam, erzeugt ein ungutes Gefühl in der Magengrube. Aber Shadow lässt sich wegen fehlender Alternativen dann doch auf den Deal ein. Shadow wird sein Bodyguard. Die beiden machen sich auf zu einer Reise durch die USA, um alte Kollegen von Wednesday zu treffen. Einen russischen Schlächter zum Beispiel. Oder einen Zuhälter. Die Bekanntschaften von Wednesday sind schon merkwürdig genug, aber dann begehrt die Technologie um ihn herum auf. Fernseher sprechen mit Shadow und er wird von einer vollverstrahlten Digitalfigur entführt.
     
    • Der britische Schriftsteller Neil Gaiman lieferte die Buchvorlage. Foto: dpa

    Die Geschichte, die Gaiman in seinem Roman erzählt, ist die eines Kampfes zwischen alten und neuen Göttern. Zu den alten zählen Wednesday und seine Kumpels. Sie alle sind irgendwann in die USA eingewandert. Aber die alten Götter werden verdrängt von den neuen: Handys, Fernseher, Globalisierung. Alles, womit sich Menschen beschäftigen, wem ihre Aufmerksamkeit schenken, das kann sich materialisieren und zum Gott werden.

    „American Gods“ hat mehr geile Bilder als zehn andere Serien zusammen. Ob man so ein Kunst-TV mag, ist Typfrage. Die Serie geht an die Grenzen dessen, was erzählbar ist, verwirrt, schafft Kunst. Wer wissen will, wie weit Fernsehen gehen kann, der schaut hier unbedingt rein. (nb)

    Die DVD von American Gods kostet etwa 23 Euro, die Blu-ray etwa 27 Euro.

     

    GEWINNSPIEL:
    Wer eine Bluray der Serie "American Gods" gewinnen möchte, der muss nur Folgendes tun: Eine Mail mit Betreff "American Gods" an benjamin.neumaier@mittelbayerische.de senden. Darin Name, Adresse und Alter angeben (das wird dann überprüft) - Einsendeschluss ist Mittwoch, 10. August 2017, 12.00 Uhr.
    Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
     
  • Dieses Buch ist auch ein Vermächtnis

    Peter Scholl-Latour war über Jahrzehnte eine Institution im Journalismus. Mit Tod im Reisfeld schrieb er eines der bis heute weltweit erfolgreichsten Sachbücher; seine Analysen zu Konflikten und aktuellen Entwicklungen waren bis in sein hohes Alter gefragt. Seine Autobiografie hat er lange hinausgeschoben. In seinen Erinnerungen blickt er zurück auf seine Herkunft, auf frühe Erfahrungen mit Unterdrückung – als Sohn einer jüdischen Mutter –, auf die langen Wochen in einem Gestapo-Gefängnis und auf seine ersten journalistischen Abenteuer. Er berichtet von seinen unzähligen Reisen in Kriegs- und Krisengebiete, die ihn nicht selten in lebensgefährliche Situationen brachten. Politiker, Generäle, Rebellenführer – Scholl-Latour kannte viele, die an den Brennpunkten des 20. Jahrhunderts eine entscheidende Rolle spielten, und stets versuchte er, mit allen zu reden, um eine ausgewogene, realistische Sicht zu vermitteln. Im Rückblick reflektiert er viele Erlebnisse und Begegnungen vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen. Mitten in der Arbeit an diesem Buch wurde er aus dem Leben gerissen. Seine Erinnerungen bleiben unvollendet. Aber sie lassen noch einmal seinen unverwechselbaren Ton, seine packende Art zu erzählen und seine direkte, nie auf political correctness bedachte Urteilskraft lebendig werden.

    Abbildung: C. Bertelsmann
     
    Man hat ihn den „letzten Welterklärer“ genannt und eine „Kassandra des einundzwanzigsten Jahrhunderts“. Lange vor seinem Tod im August 2014 im Alter von neunzig Jahren war Peter Scholl-Latour eine Legende: Die meisten Deutschen kennen ihn und wurden von ihm auch in ihren Meinungen beeinflusst. Vielfach preisgekrönt, gehörte er zur Riege jener Fernsehpioniere, die den Nachkriegs-Deutschen bis in die letzten Jahre hinein die weite, offenbar immer komplizierter werdende Welt mit ihren Berichten in die Wohnzimmer brachten. Die Spanne seines Reporterlebens reichte vom Algerien-Krieg über den Vietnam-Krieg bis zum amerikanischen „war on terrorism“, dem er skeptisch gegenüberstand, sowie den jüngsten blutigen Kriegen und Aufständen im Nahen Osten und in Osteuropa.
     
    Er sei von Krieg zu Krieg gereist und habe versucht, in aller Ehrlichkeit darüber zu berichten. Dabei habe ihn oft die Torheit der Regierenden erbost und ihre Flucht aus der Verantwortung, "ob sie nun in Paris, in Washington, in Moskau, London oder Berlin saßen". Die Überheblichkeit der vermeintlich "entwickelten Länder" sollte sich später in Angst vor allem Fremden umkehren und zu neuer Fremdenfeindlichkeit bis in die heutigen Tage führen. "Wann werdet ihr Weißen endlich begreifen, was in Afrika vorgeht?" sagte ein Kongolese einmal zu Scholl-Latour.
     
    In seiner unvollendet gebliebenen Autobiographie erweist Scholl sich als der, den man kennt, inhaltlich wie stilistisch. Sein Leben war so bewegt wie seine Reportagen, die er, zunächst für Zeitungen, dann für Rundfunk und Fernsehen produzierte und in mehr als dreißig Büchern publizierte. Scholl gilt als erfolgreichster Sachbuchautor in deutscher Sprache, dessen Buch „Der Tod im Reisfeld“ von 1980 ein Klassiker ist und bleiben wird. Sein Lebensbericht liest sich so spannend wie die meisten seiner Reportagen - und hat etwas von einem Vermächtnis.
     
    Peter Scholl-Latour: Mein Leben. Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 448 Seiten, C. Bertelsmann; Taschenbuch, 12.00 Euro;
    ISBN: 978-3-570-00508-8
  • Guter Abschluss - mit offenem Ende
     
    «No risk, no fun», denkt Gabriella und begleitet den gutaussehenden Reid nach Hause. Zu spät sieht sie die Kamera, zu spät bemerkt sie, dass sie nicht allein sind: Augen sehen sie sterben. Viele Augen …
    Einige Jahre später erschüttert eine Serie von bestialischen Frauenmorden Miami. Ein Club einflussreicher Männer soll dahinterstecken. Nur einer kennt ihre Namen: William Bantling, vor zehn Jahren für die Cupido-Morde verurteilt und noch immer im Todestrakt des Florida State Prison. Er ist bereit, mit Staatsanwältin Daria zu reden. Aber ist sie bereit, seinen Preis zu bezahlen?
     
    Abbildung: Rowohlt
     
    Dieses Buch ist  so etwas wie die Fortsetzung von "Cupido" und "Morpheus" in dem auch die Staatsanwältin C.J. Townsend eine Rolle spielt. Geschickt gelingt es Jilliane Hoffman die Fälle miteinander zu verbinden und auch Leser, die keines der ersten beiden Bücher kennen, werden dieses ohne Probleme verstehen. In Rückblenden erklärt Hoffman alles von den alten Fällen was nötig ist, um der Handlung zu folgen. 
     
    Mit Cupido  und Morpheus hat Julianne Hoffman bereits zwei Thriller um den Detective Manny Alvarez veröffentlicht, der dort gemeinsam mit der Staatsanwältin C.J. Townshead ermittelte. In ihrem dritten Krimi „Argus“ hat Alvarez die junge Staatsanwältin DeBianchi an seiner Seite, um einen besonders perfiden Fall zu lösen, bei dessen Aufklärung nur der Serienmörder Bill Bantling helfen kann. Derweil hat sich Christina Towns alias Claire Joanna alias C.J. Townhead in Santa Barbara niedergelassen und arbeite dort wieder als Staatsanwältin. Geschickt verwebt Julianne Hoffman diese beiden Handlungen und strickt daraus eine hochspannende Story, die sich immer wieder anders als erwartet entwickelt. Natürlich lässt die Autorin auch hierbei wieder viele Details aus dem amerikanischen Justizsystem einfließen und flicht eine ebenso kurze wie romantische Liebesgeschichte ein. So hat „Argus“ einmal wieder alles, was man von einem guten US-amerikanischen Thriller erwarten kann.
     
    Das Ende ist unerwartet und offen - vielleicht war Argus doch nicht der letzte Teil der Reihe?
     
    Jilliane Hoffman: Argus; Taschenbuch, 496 Seiten, Verlag: Rowohlt; 9,99 Euro;
    ISBN-10: 3499253895
    ISBN-13: 978-3499253898
     
     
     
     
  • Nun kanns endlich weitergehen - oder?
     
    Game of Thrones 4 und 5 - respektive die Bände 7 bis 10 - sind nun ebenfalls in einem wunderbar anzusehenden Hardcover erschienen. Geht die Sage nun weiter? Im Pay-TV läuft ja seit 17. Juli bereits die 7. Staffel des Epos von George R. R. Martin, da lassen die zusammengefassten Hardcover-Bände Fans hoffen, dass die Fortsetzung balsd am Start ist.
     
    Abbildung: Penhaligon
     
     
    Kurz zum Inhalt:
    Band 4: Margaery Tyrells Hochzeit mit König Jeoffrey kam durch dessen Ermordung nicht zu Stande. Daher wird rasch ihre Vermählung mit seinem jüngerem Bruder Tommen arrangiert. Margaery weiß, dass sie in der Königinmutter, Cersei Lennister, eine erbitterte Konkurrentin um den Einfluss bei Hofe hat. Aber sie ahnt nicht, dass Cersei alles tun wird, um Margaery zu vernichten. Denn einst wurde der Königinmutter prophezeit, dass eine jüngere und schönere Königin ihr Untergang sein werde. Doch Margaery Tyrell und ihre Familie sind selbst Meister der Intrige …
    Band 5: 
    Der Krieg der Fünf Könige neigt sich dem Ende zu, das Schicksal der Sieben Königslande scheint entschieden zu sein. Da tritt eine neue Macht aus den Schatten hervor. Aegon Targaryen, ein totgeglaubter Erbe des alten Königsgeschlechts, greift mit der Goldenen Kompanie Greifenhorst und Sturmkap an. Er hat nur ein Ziel: die Herrschaft der Lennisters und Tyrells über den Eisernen Thron zu brechen und wieder einen rechtmäßigen König einzusetzen – einen Herrscher aus dem Haus Targaryen!
     
    Nun geht die sage also endlich weiter, oder George R. R. Martin? Die Fans verzehren sich danach, warten schon sehnsüchtig - da sind die zusammengefassten Bände - so wurden sie im Original in den USA aufgelegt -  ein Hoffnungsschimmer. Nun muss er doch. Nun könnte er doch. Nun soll er doch. Bitte!
     
    Klar, die HBO-Serie hat die Romane überholt und nun fragt man, sich: Soll ich oder soll ich nicht? Ermessenssache. Das hilft auch niemand weiter, klar. Ich werde die TV-Serie schauen, auch wenn ich zuerst lieber die Bücher lesen würde - aber ich will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Und dann lasse ich mich überraschen, welche Unterschiede im Buch auftauchen. Ja, das mache ich!
     
    George: R. R. Martin: Hoch Hinaus. Gebundenes Buch, Pappband, 864 Seiten, Verlag: Penhaligon, 29,99 Euro;
    ISBN: 978-3-7645-3180-5
     
    George R. R. Martin: Ein grimmiger Feind, ein treuer Freund. Gebundenes Buch, Pappband, 1.200 Seiten,  Verlag: Penhaligo, 29,99 Euro;
    ISBN: 978-3-7645-3181-2
     
  • Unter Königsberg lauert der Tod

     

    Die Welt im Jahr 2033: Ein furchtbarer Atomkrieg hat nur noch verbrannte Erde hinterlassen. Um zu überleben, haben sich die Menschen tief in die U-Bahn-Schächte der Städte zurückgezogen und dort eine neue Zivilisation errichtet. In Kaliningrad glaubt Alexander Zagorski in den unterirdischen Katakomben eine neue Heimat gefunden zu haben. Doch bald muss er feststellen, dass in den schwarzen Tunneln des Metro-Netzes etwas Böses lauert. Etwas, das weit in die Vergangenheit zurückreicht – als Kaliningrad noch Königsberg hieß ...

    Abbildung: Heyne
     
    Zugegeben: Die Ideen, die Suren Zormudjan in "Das Erbe der Ahnen" pakt sind - gelinde gesagt - weit hergeholt. Chilenische deutsch/dpanisch sprechende Nazis aus der Colonia Dignidad die mit Unmengen von Kriegsgerät auf einem Schiff um die halbe Welt fahren um in Kaliningrad nach SS-Atombomben zu suchen oder gen-manipulierte Nazi Super-Soldaten Monster die seit  100 Jahren mit ihren Körperlich unterentwickelten Sklaven in Bunkern unter Kaliningrad leben: Das ist  auf den ersten Blick schon harter Tobak.
     
    Dennoch: Zormudjan präsentiert in erfrischendem Schreibstil mal eine etwas andere Geschichte im Metro2033-Kleidchen. Für die ich mich begeistern konnte. Es ist dabei schon so, dass ich an zwei, drei Passagen wegen der surrealen Ideene twas schmunzeln musste, aber ich fand das Buch gut. denn es ist immer spannend, die Protagonisten gut ausgewählt, der Einstieg interessant. 
     
    Und: Es mag nicht jedermanns Sache sein, gerade weil sich "Das Erbe der Ahnen" nicht in Metro-Tunneln, sondern hauptsächlich an der Oberfläche abspielt, die Tiefen der "geheimen Metro treten erst spät auf, aber ich habe bei Weitem schlechtere Romane aus dem 2033-Universum gelesen. Wer sich auf Zormudjans Ideen einlässt, der wird das Buch in beinahe einem Rutsch durchlesen.
     
    Suren Zormudjan: Das Erbe der Ahnen. Paperback, Klappenbroschur, 464 Seiten, Verlag: Heyne, 14,99 Euro;
    ISBN: 978-3-453-31551-8
  • Der Grüffelo
     
    Die kleine Maus ist unterwegs im Wald und alle scheinen es gut mit ihr zu meinen. Der Fuchs lädt sie zur Götterspeise ein, die Eule bittet zum Tee und die Schlange zum Schlangen-Mäuse-Fest. Aber die Maus hat immer schon eine Verabredung: mit ihrem Freund, dem schrecklichen Grüffelo. Den hat sie sich zwar nur ausgedacht, aber wenn sie ihn ihren Möchte-gern-Gastgebern beschreibt, wollen die doch lieber alleine speisen. Der Grüffelo ist ein praktischer ausgedachter Freund! - Doch dann taucht er auf einmal wirklich auf, und sein Lieblingsschmaus, sagt er, ist Butterbrot mit kleiner Maus. Das ist nicht so praktisch. Aber was eine clevere kleine Maus ist, die lehrt auch einen Grüffelo in echt das Fürchten.
     
    Abbildung: Beltz & Gelberg
     
    "Den Grüffelo, den Grüffelo"
    das hör' ich jeden Abend so,
    wenn ich mein Töchterchen befrage,
    was ich denn heut' zu lesen habe.
     
    Ja vor dem zu Bette gehen,
    möchte sie Mäuschen sehen,
    das sich durch den Wald bewegt 
    und dabei recht viel erlebt.
     
    Die Freude ist dabei recht groß:
    Grade wenn die Maus famos,
    Schlange, Fuchs und Eule narrt,
    ist Töchterchen zu Stein erstarrt.
     
    Kommt dann der Grüffelo ins Spiel,
    wird Töchterchen jedoch mobil,
    spricht jeden Reim nun komplett mit,
     - ja, das Büchlein ist ein Hit!
     
    Der Grüffelo - ein Kinderbuchklassiker, den jedes Kind gehört oder gelesen haben sollte! Ganz klare Kaufempfehlung - wirklich: Rennen Sie heute noch los und kaufen Sie das Ding beim Buchhändler Ihres Vertrauens!
     
    Scheffler/Donaldson: Der Grüffelo. Vierfarbiges Bilderbuch, 30 Seiten, Beltz & Gelberg; zwischen 8,95 Euro und 29,95 Euro (je nach Ausgabe);
    ISBN:978-3-407-79230-3
  • Der Golem
     
    Gustav Meyrinks Kultklassiker und Erfolgsbuch »Der Golem« entstand in unmittelbarem Anschluss an seine Vorbilder E.T.A. Hoffmann und Edgar Allan Poe. Im Zentrum steht die alte Prager Legende vom Rabbi Löw und seiner Erschaffung eines künstlichen Menschen, den er aus Lehm zu Leben erweckt. Im Halbschlaf träumt der Erzähler, er würde im Gassengewirr des jüdischen Viertels dem Golem begegnen. Die Stimmung ist düster-dämonisch: Es herrscht eine gespannte Atmosphäre von Liebe, Leidenschaft, Angst und Verbrechen. Wieder erwacht, verfolgen ihn Spuren des Ich, von dem er geträumt hat. Immer stärker ergreift die phantastische Welt des Traums von seinem Alltag Besitz ...
     
    Abbildung: Anaconda
     
    „Der Golem“ war zu seiner Zeit ein Bestseller, was angesichts der nicht eben wenig verwirrenden, zwischen Realität und Traumwelt schwankenden Handlung überrascht. Der titelgebende Golem, die belebte Lehmfigur des legendären Rabi Löw, spiel nur eine Nebenrolle. Eine unheimlich dichte Atmosphäre wird aufgebaut, bevor Meyrink langsam eine Handlung beginnen lässt. Wie „Das Cabinett des Dr. Caligari“ für den Film, ist Meyrinks „Der Golem“ einer der wichtigsten Vertreter des deutschen, phantastischen Expressionismus und erinnert beim Lesen auch stark an diesen Film. Dieser Vergleich ist vermutlich die treffendste Beschreibung für diesen Roman.
      Für Horrorfans muss man vielleicht noch hinzufügen, dass der Roman sicher näher bei Kafka als bei Stephen King und Co. liegt, keine allzuleichte Kost also.
     
    Die große Stärke des Buches liegt in der  Beschreibung des jüdischen Viertels. Meyrink vermag es, eine so unheimliche und einzigartige Atmosphäre zu schaffen, dass man die abgehärmten und verarmten Menschen in den dreckigen, dunklen Gassen klar vor Augen hat. Die Handlung ist meist sehr spannend, doch manchmal verstrickt sich Meyrink in den verschiedenen Ansichten, die er rüberbringen will und verliert den Faden. Sehr überzeugend beschreibt er aber auch die Charaktere daher, die so gut wie alle nach ihren eigenen Interessen handeln und denen kein Schmerz zu groß ist, um ihn anderen zuzufügen.

    Es geht um die alte Frage nach der Identität des Menschen, um Mystik, okkulte Ansichten und die Gratwanderung zwischen Wahnsinn und klarem Verstand, Traum und Realität. Wem der Golem erscheint, der blickt in seine eigene Seele, er ist sozusagen sein Doppelgänger. Mit diesem Buch betritt man eine Traumwelt mit der Gefahr sich zu verirren und zwar in den eigenen Abgründen.
     
    Meyrink, Gustav: Der Golem; 256 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag; Verlag: Anaconda; 5,95 Euro
    ISBN 978-3-86647-001-9
     
     
     
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