Bennis Wühlkiste

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Sonntag, 6. November 2016 7

Bennis Wühlkiste Live

Lesen bedeutet für mich, die Seele auf Reisen zu schicken. Schon Oscar Wilde wusste: "Es gibt weder moralische noch unmoralische Bücher. Bücher sind gut oder schlecht geschrieben, sonst nichts." Gleiches gilt für Hörbücher oder DVDs. In meinem Blog finden Sie Rezensionen über Neuerscheinungen und ältere Titel.

  • Es war einmal ein Stadion - Stadien mit Charme statt Hochglanz-Arenen

    Einst waren es große Bühnen des deutschen Fußballs: der Rothenbaum in Hamburg, der »Zabo« in Nürnberg, das Stadion der Weltjugend in Ostberlin oder der Bökelberg in Mönchengladbach. Heute sind diese traditionsreichen Stadien verschwunden, und die Fans erinnern sich an sie mit Wehmut.
    Werner Skrentny hat sich quer durch Deutschland auf Spurensuche begeben. Er schildert die große Geschichte dieser Kultstätten und entdeckt auch ehemalige Spielstätten, die weniger bekannt sind. Unter anderem stieß er in der Kleinstadt Kleve auf ein Länderspielstadion, in Kiel auf Deutschlands älteste Fußballtribüne und in Magdeburg auf das einzige Stadion des sozialdemokratischen »Reichsbanners».
    Zahlreiche historische und aktuelle Fotos ergänzen den Text. Sie dokumentieren eindrucksvoll die Vergangenheit und die Wandlungen der deutschen Stadionlandschaft.


    Abbildung: Die Werkstatt 
     
    Ein Stadion ist nicht bloß eine Spielstätte. So eine richtige Fußballarena ist ein Ort der Begegnung, an dem Menschen das Geschehen "auf dem Platz" zum Ereignis gemacht haben, lange bevor das Fernsehen es zum "Event" getrimmt hat. Stadien wecken Erinnerungen an große Siege, große Niederlagen, vor allem aber an große Gefühle. Insofern verwundert es, daß im "Fußball-Land" Deutschland eine Abhandlung über die Schauplätze des kickenden Gewerbes bisher fehlte. Werner Skretny hat sich dessen angenommen.

    Vierhundert informative, teilweise unterhaltsame Seiten im Format DIN A4 machen das umfassende Nachschlagewerk buchstäblich zu einem Schwergewicht der deutschen Fußball-Fachliteratur. Die Enzyklopädie berücksichtigt insgesamt 342 Stadien - alle Erstligastadien der Bundesrepublik Deutschland und der einstigen DDR seit Entstehen der Oberligen nach 1945 sowie die bundesdeutschen Zweitliga-Arenen von 1963 an. Darunter finden sich auch jene, die längst verblichen sind wie die "Plumpe" in Berlin oder das berühmte Stadion "Rothenbaum" in Hamburg. Skrentny und andere Autoren beschreiben nicht nur das Leben solcher Fußballplätze, sondern auch ihr Ableben.

    Das Regensburger Jahnstadion

    So wie auch beim Jahnstadion - oder mittlerweile, dem ehemaligen Jahnstadion. Der SSV Jahn Regensburg kickt ja mittlerweile nicht nur in der 4. Liga, sondern auch in der brandneuen Continental-Arena in Oberilsing vor den Toren Regensburgs. Eine moderne Arena, die die alte Spielstätte zwar an Schick und Ausstattung übertrifft, jedoch nicht den Charme besitzt, den das in die Häuserblocks Prüfenings eingebaute Jahnstadion besaß.
    Diesen Charme erweckt Skrentny in "Es war einmal ein Stadion" zum Leben. Er schreibt über den Bau einer der ältesten deutschen Tribünen 1933, die bis in unsere Tage Teil des Stadions war. Er beschreibt jenen Sonntagnachmitag im September 1950, als trotz einer Kapazität von 25.000 Plätzen 30.000 Fans dem Spiel gegen die SpVgg Fürth beiwohnten. Besondere Spiele werden rekapituliert, der Autor erzählt von der Jahn-Jahrhundert-Elf oder dass das alterwürdige Stadion an der Prüfeningerstraße 1972 Olympia-Spielstätte war. Kurzum: Skrentny beschreibt nicht nur den Bau und Niedergang des Stadions, sondern lässt es für den Leser lebendig werden.

    Abschied mit dem "Meister der Herzen"

    Und egal ob Berliner Olympiastadion, Röntgen-Stadion in Remscheid oder Parkstadion Gelsenkirchen, das zum Abschluss seiner Ära noch die Schalker "Meister der Herzen" erlebte -  Skrentny schreibt und beschreibt immer mit Enthusiasmus, Liebe zum Detail, Liebe zum Fußball und sensationellen Bildern aus allen Epochen.

    Ein lesenswertes Buch, für Fußballfans, solche die es werden wollen und besonders die, die in den tagen von Hochglanz-Arenen und Fußball-Mega-Hype den Charme einer vom Aussterben akut bedrohten Spezies noch zu schätzen wissen.

    Werner Skrentny: Es war einmal ein Stadion - Verschwundene Kultstätten des Fußballs; Verlag Die Werkstatt; 176 Seiten; Hardcover; 1. Auflage 2015.
    ISBN: 978-3-7307-0192-8


  • Armin Eich: Die Söhne des Mars - Eine Geschichte des Krieges von der Steinzeit bis zum Ende der Antike


    Abbildung: C.H.Beck 


    Zivilisation und Krieg bilden zu unserem Leidwesen kein Gegensatzpaar. Umso interessanter ist es, dass sich erst verhältnismäßig spät, in Europa beispielsweise seit dem 6. Jahrtausend v.Chr., sichere Hinweise auf tödliche Gewaltakte gegen ganze Gruppen von Menschen finden. Die erste Waffe, die ausschließlich zu Kriegszwecken entwickelt wurde – das Schwert –, setzte sich sogar erst im zweiten Jahrtausend v.Chr. durch. Was aber hat die Dynamik des Krieges entfacht und sie mehr und mehr verstärkt, so dass er anscheinend unabänderlich den Gang der Menschheitsgeschichte bis auf den heutigen Tag bestimmt?
    Armin Eich hat ein faszinierendes Buch über die Frühzeit des Krieges geschrieben. Er erläutert kundig die einschlägigen Forschungsergebnisse der Prähistoriker, beschreibt die Auswirkungen von verbesserter Waffentechnologie und Strategie in der Bronzezeit und richtet dabei auch den Blick auf untergehende Hochkulturen wie die mykenische und die hethitische. In weiteren Kapiteln untersucht er die beklemmenden Zusammenhänge eines sich entwickelnden Rohstoffhandels, früher Staatlichkeit und der Monetarisierung des Kriegsgeschehens in klassischer Zeit. Den Abschluss der Darstellung bilden die traumatisierenden Verhältnisse eines entgrenzten Kriegszustands, in dem sich durch die Dauerkonfrontation mit Kriegserlebnissen die psychische Struktur der Betroffenen verändert und die organisierte Gewalt als Lebensform zu einem ausweglosen Schicksal in der Antike wird.


    Frühe Massaker

    Der Sündenfall, die ersten Massaker an Menschen - zumindest anhand von Funden nachweisbare, finden sich in Deutschland. Genauer gesagt in Talheim. Ein Dorf wurde beinahe komplett ausgelöscht - nur Kinder und einige Frauen überlebten. 
    Damit zieht der Krieg in die Geschichte des Menschen ein: "Die Geschichte des Altertums, ist eine Geschichte des Krieges", schreibt Eich. Das will er aufzeigen:

    In diesem Buch geht es darum, die Umstände und die Dynamik nachzuvollziehen, die im Laufe einiger Jahrtausende den Krieg zu einem den Alltag der Menschen dominierenden Phänomen machten."

    Eich tut das auf eindrucksvolle Weise: Besonders weil er friedliebende Völker, die seit Jahrhunderten oder - tausenden Gewalt verschmähen, an den Anfang seiner Publikation setzt. Die Ifaluk, Semai oder Mbuti. Indigene Völker, die den Frieden leben. So handeln die Mbuti stets nach demselben Prinzip: "Trotz ihrer schlechten Erfahrung ist ein vollkommen gleich gewichteter Respekt für jeden Menschen unabhängig von Geschlecht, Alter, Volks- und Glaubenszugehörigkeit das zentrale Moment ihres religiösen und moralischen Systems." Eine Einstellung, die auch heute in vielen Situationen helfen könnte.

    Doch in den meisten Teilen der Erde, hielt dennoch der Krieg Einzug. An den Anfang setzt Eich dabei die Ressourcenknappheit, als Auslöser einer Reaktionskette. Um Ressourcen zu ergattern, wurden militärische Systeme gebildet - und das war der große Fehler der Menschheit. Denn wenn Gesellschaften erst einmal militärische Systeme gebildet haben, dann ist dieser Schritt nur sehr schwer rückgängig zu machen und führe unweigerlich zu kriegerischen Auseinandersetzungen.
    Die gipfeln das erste Mal in den Kriegereliten des 13. Jahrhunderts vor Christus. Unter ständiger Forschung und Verbesserung ändern sich Waffen und Kreigsführung - die Phalanx wird geboren. Sie macht auf martialische Weise das Wesen des Krieges deutlich. mindestens acht reihen tief, ist ganz vorne die Todeszone, das Überleben so ungewiss wie ein Sechser im Lotto. Fällt ein Mann, rückt einer anderer an seine Stelle...

    Krieg wird zur alltäglichen Lebensform

    Krieg wird in dieser Epoche zur alltäglichen Lebensform, sagt Eich. In Sparta wird eine ganze Gesellschaft auf Krieg ausgerichtet, aber auch in den anderen griechischen Poleis gibt es Grundwehrdienst.  Artillerie, Kavallerie und leichte Einheiten halten Einzug, die Dynamik des Krieges nimmt zu, immer schneller sterben immer mehr Menschen. Die Taktik bleibt aber die gleiche: Leichte oder schnelle Einheiten räumen den Weg frei für massive Infanterie - dann geht es Mann gegen Mann.
    Die Römer verfeinern dies Kriegsführung, haben zwar selbst keine waffentechnischen Innovationen zu bieten, verfeinern aber Taktik und Organisation. Sie wechseln vom Phalanx- zum Manipelheer, gliedern ihre Armee in Legionen, setzen auf numerische Überlegenheit und wechseln schließlich unter Augustus vom Milizionären zum stehenden Heer. Ihre Kreigsführung ist dennoch stets ein Vabanquespiel, die Verluste sind  - egal ob Sieg oder Niederlage - auf einer der beiden Seiten gigantisch. Hunderttausende ziehen in den Krieg - das wird sich nach der Antike erst wieder Hunderte Jahre später so abspielen. 

    Fazit

    Wie gesagt: Armin Eich hat ein faszinierendes Buch über die Frühzeit des Krieges geschrieben, mahnt jedoch auch - bezugnehmend auf das Ende des Imperium Romanum und einer Welle von Kriegen und Gewalt:
    "Abgesehen von der Effizienzsteigerung militärischer Gewalt ging mit dieser neuen Runde  von  Eskalation und Erschöpfung kein geschichtlicher Lernprozess einher. So ist es bis heute geblieben. Es gibt aber ein menschliches Potenzial für den Frieden. Seine Verwirklichung setzt allerdings den Bruch mit einer Jahrtausende alten historischen Dynamik voraus"

     
    Armin Eich: Söhne des Mars - Eine Geschichte des Krieges von der Steinzeit bis zur Antike2015. 281 S.: mit 25 Abbildungen. Gebunden

    ISBN 978-3-406-68229-2



  • Assassin's Creed Syndicate

    Wir befinden uns im Jahre 1868. Ganz London ist von den Templern besetzt ... Ganz London? Nein! Zum Glück gibt es ja noch die hitzköpfigen Geschwister Jacob und Evie, die in ihrem jugendlichen Leichtsinn die Stadt aus den Fängen der Schattenmacht befreien wollen. Wie bei den vorigen Teilen der "Assassin's Creed"-Reihe haben sich deren Macher auch für "Syndicate" einen bedeutungsschwangeren Zeitpunkt für die Handlung ausgesucht.

    Abbildung: Ubisoft 


    "Die industrielle Revolution veränderte die Menschheit für immer und bis heute", sagt Creative Director Marc Alexis Côté. "London war 1868 das Zentrum des größten Imperiums der damaligen Zeit. Darum ist es auch der eigentliche Hauptcharakter des Spiels", erklärt der kreative Kopf. Ein äußerst vielschichtiger Charakter, denn die Stadt ist voller Gegensätze. Vor allem die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen repräsentativen Prunkbauten und Slums, wird deutlich herausgearbeitet. Immerhin kämpfen die Assassinen für mehr Gerechtigkeit.

    Historische Faktentreue - nicht immer 

    Was die "Assassin's Creed"-Reihe seit jeher auszeichnet, ist das Bestreben nach historischer Faktentreue. Bei keinem anderen Serien-Teil wird das so deutlich wie bei "Syndicate". "Historiker und Videospielmacher haben gemeinsam eine Welt erschaffen und sagen: Willkommen im London des 19. Jahrhunderts", erklärt Judith Flanders. Die renommierte Historikerin und Autorin war nur eine von mehreren Geschichtsexperten, die Ubisoft ins Team holte. Auf diese Weise will man gewährleisten, dass der jüngste Ableger der Assassinen-Marke ein historisch korrektes Abbild der Londoner Gesellschaft und Architektur im Jahr 1868 bietet.


    Abbildung: Ubisoft 

    Die Detailverliebtheit, mit der man hier am Werk war, grenzt an Besessenheit. Nicht nur die Gebäude sollen vorlagengetreu wirken, auch Kleidung, Musik, Akzente und sogar Gebrauchsgegenstände mussten ihren echten Vorbildern so ähnlich sein wie möglich. 

    Neidischer Blick nach Hollywood

    Was Aufwand, Budget und kommerziellen Erfolg angeht, müssen sich Gaming-Blockbuster schon lange nicht mehr hinter Hollywood-Produktionen verstecken - das ist bekannt. Bei einem Aspekt aber sind Spiel-Designer neidisch auf Filmemacher: "Ein Film folgt anderen Gesetzen, denn den Bildausschnitt bestimmt allein der Regisseur", sagt Roy. Anders in einem Open-World-Spiel, bei dem der Gamer frei entscheiden kann, ob er sich dem Westminster Palace von links oder rechts nähert oder gar das Dach erklimmt, um den Ausblick zu genießen. "Wir müssen also darauf achten, die Umgebungsdetails möglichst akkurat abzubilden."

    Insgesamt zweieinhalb Jahre dauerte die Arbeit an der Zeitmaschine namens "Assassin's Creed Syndicate". Federführend war zum ersten Mal in der Geschichte der Reihe das Studio Quebec. Doch Ubisoft-Dependancen wie Toronto, Montpellier, Shanghai, Singapur, Kiew oder Bukarest waren ebenfalls mit von der Partie. Ein Drittel der Beteiligten arbeitete als Programmierer, ein anderes Drittel am Design von Spielwelt und Charakteren. Und das letzte Drittel schließlich durfte die großartige Geschichte schreiben, den Spieler mit brachialen Special Effects verwöhnen sowie den Ambiente-betonten Klangteppich inszenieren. Und schlussendlich dafür sorgen, dass alles rund läuft - das Spiel auf Herz und Nieren testen.


    Abbildung: Ubisoft 

    Das Ergebnis der ambitionierten Zusammenarbeit ist eine Art anschaulicher Geschichtsunterricht, verpackt in ein bildgewaltiges Action-Spektakel. Zum ersten Mal steuert der Spieler diesmal nicht nur einen, sondern zwei Attentäter im Kapuzenmantel: Jacob und Evie Frye müssen als Anführer der Londoner Assassinen nicht nur ihre eigene Gang gründen und London von den Templern befreien, sondern auch nach einem Artefakt mit mysteriösen Kräften suchen.

    Spielfigur nur bei Hauptmissionen vorgeschrieben

    Vorgegeben ist die Spielfigur nur bei den Hauptmissionen. Am Ende jedes einzelnen Kapitels gibt es ein Highlight: Attentate, in dem Jacob oder Evie den Anführern der Templer-Verschwörung das Handwerk legen. Aufmerksamen Assassinen bieten sich dabei viele kreative Vorgehensweisen abseits der üblichen Schleicherei. Sonst bieten die Missionen aber kaum Abwechslung. Das Spiel selbst bietet die übliche Mischung aus Schleichen, Klettern und Kämpfen. Letzteres ist zwar deutlich schneller geworden, dadurch aber auch recht anspruchslos. Zwei große Neuerungen gibt es aber: Evie und Jacob können jetzt mit einem Wurfhaken an Fassaden klettern und sich von Dach zu Dach schwingen, was das Spiel spürbar beschleunigt. Und in London sind zahlreiche Kutschen unterwegs, die man für Verfolgungsjagden und anderen Unfug kapern kann.

    Londoner Unterwelt kontrollieren

    Besonderheit: Als Anführer Jakob kann der User Großbritanniens gefährlichste Bande gründen, die einzige Macht, die es vermag, den Plutokraten die Stirn zu bieten und rivalisierende Banden zu besiegen, um schließlich den unterdrückten Massen die Freiheit zu bringen. Im Kampf um die Herrschaft über Londons Unterwelt können User in  die Festungen der Gegner mit einem Arsenal von Waffen eindringen. Ob Überfälle auf Züge oder das Befreien von Kinderarbeitern  die Helfer der Assassinen sind immer zur Stelle und können vom User eingesetzt werden.

    Einige Grundprobleme der Serie sind auch im neunten Teil nicht verschwunden: Wie andere Assassinen bleiben auch Evie und Jacob noch immer zu leicht an winzigen Ecken hängen und machen gerade in kritischen Momenten nicht das, was der Spieler will. Hinzu kommen unschöne Animationen und Intelligenzmängel der virtuellen Gegner und Mitstreiter, die „Assassin's Creed” seit der ersten Episode plagen. 

    Fazit

    Wer darüber hinwegsehen kann, bekommt mit „Assassin's Creed Syndicate” ein gelungenes Spiel mit sympathischen Charakteren und einem spektakulären Schauplatz, das genug Stoff für viele lange Winterabende bietet. Ob den Spielern die Beschäftigung mit dem Game genau so viel Spaß bereitet wie seinen Machern, kann jeder Gamer seit  dem 23. Oktober testen. Da erschien "Assassin's Creed Syndicate" für PlayStation4 und Xbox One. Die PC-Version ist für Mitte November angedacht. (nb/tsch)

    Assassins Creed Syndicate; PS4/Xbox ca. 60 Euro; Special Edition ca. 65 Euro;  Ubisoft;


    Abbildung: Ubisoft 

  • Kleiner Vorgeschmack: Aktuell läuft gerade die zweite Staffel von "The 100" im deutschen TV, die erste Staffel wird am 29. Oktober auf DVD veröffentlicht. Und die ist nicht nur etwas für die, die die Serie verpasst haben. Mehr dazu in meiner Rezension am Samstag, 29. Oktober. UND: Es gibt auch wieder etwas zu gewinnen!

  • Asterix: Der Papyrus des Cäsar - saukomisch!

    Abbildung: Egmont/Ehapa 

    Der neue "Asterix" packt ein sehr modernes Thema in die römische Toga: Die Macht über die Kommunikation. Entstanden ist ein starker Comic.

    Für alle Fans die wichtigste Nachricht zuerst: Die Comicserie "
    Asterix" wird auch in neuem Gewand  immer besser. Der neue Band, der an diesem Donnerstag erscheint, kommt schon recht nahe an die Geniestreiche heran, die die Reihe zu ihren besten Zeiten vor dem Tod von Texter René Goscinny im Jahr 1977 erreichte. "Der Papyrus des Cäsar" ist gut gezeichnet, saukomisch und aus einem Guss. Aktuell, aber zeitlos. 

    Netzwerken 50 v. Chr.


    Gaststar als Alter Ego ist Julian Assange als hellblonder Enthüller Polemix.Der Comic hat sich in einer großen Metapher das Internet vorgeknöpft und geht so weit, dass klatschende Geräusche nicht nur "Paff" und "Piff" und "Pock" heißen, sondern auch "Wlan". 
    Drahtlose Netzwerke sind es dann auch, die in diesem 36.
    Abenteuer des tapferen Galliers und seines besten Freunds Obelix immer wieder die Handlung vorantreiben: Die Römer haben im Jahr 50 vor Christi die Brieftaube als Kommunikationsmittel entdeckt.

    Mit den Botschaften an den Beinen der flinken Vögel geschieht freilich dasselbe, was mit E-Mails in heutigen Zeiten auch passiert: Sie werden kopiert, entschlüsselt, manipuliert, zurückverfolgt, teilweise abgefangen.
    Dreh und Angelpunkt des Nachrichtenverkehrs ist Polemix. Der Enthüller - sein antiker
    Beruf heißt Kolporteur - ist in Rom auf eine brisante Story gestoßen: "Wenn das bekannt wird, verursacht das einen Skandal, der das gesamte Reich erschüttert.

    Cäsar will den Senat täuschen


    Was ist passiert? Cäsar hat auf den Rat seines Spindoktors und Verlegers Rufus Syndicus seine Memoiren "Vom Gallischen Krieg" zensieren lassen. Alle unangenehmen Schilderungen der Begegnungen mit Asterix und Obelix sollen verschwinden. "So glaubt der Senat, dass Du ganz Gallien erobert hast und bewilligt Dir gerne Geld für weitere Feldzüge", drängt der Berater den Imperator. Cäsar willigt ein und lässt das Werk beschönigen. Doch der Numide Bigdatha, ein tapferer Mann aus der Schreibwerkstatt, schmuggelt die Cäsar-Leaks heraus.

    Die Gallier haben derweil ihre eigenen Sorgen: Ein Zeitungshoroskop hat Obelix ("Wer ist hier dick?") geraten: "Meiden Sie Konflikte.
    Mehr Selbstkritik, weniger Wildschwein." Also keine Römer mehr verprügeln - hätte man ihm Schlimmeres auferlegen können? Methusalix wird unterdessen von seiner Vergangenheit als junger Rüpel eingeholt. 

    Auch die Piraten sind mit dabei

    Wer auch nicht fehlen darf, sind die Piraten vor der Küste, bei denen auch prompt eine der Tauben landet. Dumm nur, dass keiner lesen kann. Immerhin fällt dem alten, altklugen Korsaren dazu ein Spruch von Juvenal ein: "Dat veniam corvis, vexat censura columbas" ("Den Raben verzeiht, die Tauben plagt die Kritik." Soll wohl soviel heißen wie: "Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen." Womit sich der Kreis zu Wikileaks, Assange und seinen Whistleblowern schließt. 


    "Der Papyrus des Cäsar" ist der zweite Band des aktuellen Teams Jean-Yves Ferri (Text) und Didier Conrad (Zeichnungen).
    Zeichnerisch lehnt sich der Band weiter sehr stark an die klassischen Bände der Serie an. Vor zwei Jahren war das erste gemeinsame Werk des neuen Gespanns, "Asterix bei den Pikten", erschienen, zugleich das erste ohne "Asterix"-Vater Albert Uderzo. Nach Erscheinen von "Asterix bei den Pikten" hatten viele Fans beim neuen Gespann zwar die Zeichnungen gelobt, aber eine zerfaserte Story bemängelt. Insgesamt überwog das Lob. "Der Erfolg des ersten Hefts hat alle entspannt", so Conrad.  Und auch 
    Asterix-Miterfinder Uderzo war nach der Lektüre voll des Lobes für seine Nachfolger: "Bravo, Jungs! Ich habe so viel Freude beim Lesen gehabt, als ob ich es selbst gemacht hätte", schwärmte der 88-jährige, teilt die Presseagentur afp mit. 

    Fazit

    Letztlich ist "Der Papyrus des Cäsar", das was ein Asterix zu sein gedenkt: Unterhaltung, nahe an der Realität und durchaus auch zeitkritisch. Viele Fans haben darauf gewartet und schon die Buchläden oder Kioske eingerannt - aber auch für Asterix-Neueinsteiger hat der neue Band durchaus Charme.

    "Der Papyrus des Cäsar" ist am am 22. Oktober auf Deutsch erschienen. Egmont Comic Collection. 48 Seiten, 12,00 Euro
     ISBN-13: 978-3770438907


    GEWINNSPIEL:
    Es gibt drei Hefte von "Asterix - Der Papyrus des Cäsar" zu gewinnen. Wie man gewinnen kann? Ganz einfach: Ihr müsst nur eine Frage beantworten: Wie alt ist Asterix-Mitbegründer Albert Uderzo? Dann eine E-Mail mit "Asterix" im Betreff sowie der Lösung, eurer Adresse und Kontaktnummer bis Mittwoch, 28. Oktober 2015, 12.00 Uhr, an benjamin.neumaier@mittelbayerische.de.
    Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.




  • Jurassic World - tolle Fortsetzung

    Abbildung: Universal Pictures 

    22 Jahre nach den Ereignissen aus "Jurassic Park" hat der Milliardär Simon Masrani (Irrfan Khan) einen neuen Park eröffnet. Die Besucher fahren durch das selbe große Tor, das man noch aus dem Original kennt, dazu die Musik und andere kleine Referenzen - es ist wie eine Rückkehr an einen magischen Ort.

    Mit ganz normalen Dinosauriern begnügt man sich in dem neuen Park nicht mehr. Es braucht etwas Neues. Etwas Größeres, Gemeineres, etwas mit noch mehr Zähnen. Und so entsteht in den Laboren ein Hybrid-Saurier, der die Besucher aufs Neue das Fürchten lehren soll. Die Situation in "Jurassic World" scheint unter Kontrolle, die Gehege sicher. Doch wie hieß es noch im Original, damals, 1993? "Die Natur findet einen Weg."

    Foto: Universal Pictures 

    Die Dinos kommen erschreckend nahe

    Alsbald müssen die jungen Brüder Zach (Nick Robinson) und Gray (Ty Simpkins) um ihr Leben rennen, als die Dinos ihnen näher kommen als erhofft. Zu Hilfe eilt ihnen Ranger Owen (Chris Pratt) - er ist der Held des Films, eine muskulöse Mischung aus Indiana Jones und Dr. Grant. Ihm gegenüber steht schließlich der Agent Vic Hoskins (Vincent D'Onofrio), der mit den Hauptattraktionen des Parks große militärische Pläne hegt.

    Dass der Plot ein wenig überladen ist, lässt sich nicht bestreiten. Doch erfüllen sämtliche Handlungsstränge eine Funktion. Regisseur Trevorrow kreiert einen ähnlich nervenzerreißenden Saurier-Horror, wie man ihn aus "Jurassic Park" kennt, und trifft darüber hinaus auch die Stimmung und den Humor der Vorlage von 1993. Und wieder bewahrheitet sich, wie schon im ersten teil: In der Evolution sollte man nicht herumpfuschen. Ein- zweimal fehlt etwas die Logik - Stichwort T-Rex, der frei herumläuft... - aber das fällt nicht ins Gewicht. Ein toller Film, mit einigen Wendungen, die aber teils etwas unvorhersehbarer sein könnten. 

    Nachfolger soll kommen

    Die Featurettes im Bonusteil sind aufwendig produziert und ebenso informativ wie unterhaltsam - Chris Pratt persönlich führt durch viele der Clips. Der Nachfolger "Jurassic World 2" soll übrigens 2018 starten, Pratt übernimmt erneut die Hauptrolle. Schon das offene Ende hatte einen Nachfolger quais gefordert. (nb/tsch)


    Jurassic World; Universal Pictures Germany GmbH; Freigegeben ab 12 Jahren; 119 Minuten; DVD ca. 15 Euro; Bluray ca. 18 Euro; 3D Bluray ca. 28 Euro; Erscheinungstermin: 22. Oktober

    Foto: Universal Pictures 
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  • Jurassic World kommt am 22. Oktober auf DVD und Bluray - auch in 3D- in die Läden. Deshalb gibts morgen auch eine Rezension von mir.

  • Kass Morgan: Die 100 - Tag 21

    100 jugendliche Straftäter wurden aus dem Weltraum entsandt, um die Erde nach einer Nuklearkatastrophe erneut zu besiedeln. Eine völlig entvölkerte Erde – das dachten sie. Falsch gedacht.
    Komplett überraschend wird das Camp der Jugendlichen von Erdgeborenen überfallen - ein Kampf auf Leben und Tod beginnt. Wells versucht, die Überlebenden in Sicherheit zu bringen, muss aber gegen Anfeindungen aus der eigenen Gruppe kämpfen. Bellamy ist währenddessen auf der verzweifelten Suche nach seiner Schwester Octavia, die spurlos verschwunden ist. Die mutige Clarke, die in ihren Gefühlen zwischen ihm und Wells schwankt, hilft ihm dabei - und stößt auf ein grässliches Geheimnis. Gleichzeitig droht auf den Raumschiffen der Sauerstoff auszugehen. Das Überleben der Menschen hängt am seidenen Faden.



    Abbildung: randomhouse 

    Wie schon im ersten teil der Trilogie läuft das Buch in vielen Dingen konträr zur Fernsehserie. Wells, in der Fernsehserie eines der ersten Opfer, lebt und führt die Gruppe an. Clarke und Bellamy verlieben sich... 
    Das ist aber alles nicht sonderlich verwirrend, der Leser findet sich relativ schnell zurecht.

    Storytechnisch geht es voran

    Nach einem Angriff der Erdgeborenen bekommt der Leser diese erstmals in "Tag 21" auch zu Gesicht. Die 100 machen eine Gefangene - diese wird mit gemischten Gefühlen in der Gruppe "aufgenommen". Die Angriffe der Erdgeborenen reißen unterdies nicht ab, weitere Mitglieder der Kolonisten-Gruppe sterben. Bellamys Schwester Ocatvia bleibt weiterhin verschollen.
    Storytechnisch wird aber einiges offenbart: Geheimnisse kommen ans Tageslicht, Verschwörungstheorien tun sich auf, Krankheiten treten auf, Totgeglaubte werden zumindest scheinbar wieder zum Leben erweckt. Und während sich auf der Erde die Ereignisse überschlagen - auch Mount Weather kommt nun ins Spiel - wird es auch auf der Arche brenzlig. Der Sauerstoff geht aus - analog zur Serie. Es gibt zwar keine Meuterei, aber auch hier sterben Menschen und lange gehütete Geheimnisse treten ans Tageslicht. 

    Rückblenden offenbaren Vorgeschichte

    Im Gegensatz zur Serie, die voll auf Action und Schockermomente ausgelegt ist, merkt man dem Roman hier die Auslegung als Jugendbuch an. Es geht mehr um die Beziehungen zwischen den Charakteren, es geht weniger blutig und brutal vonstatten und die Handlungsstränge sind stärker limitiert, als in der TV-Produktion. Das tut dem Lesevergnügen aber keinen Abbruch. Besonders die Rückblenden, die gibt es ja auch im TV zu bewundern, bringen tiefe Einblicke in die Vorgeschichte, den Tag Null.

    Die drei Schlusskapitel lassen in allen Storylines vieles offen, werfen neue Fragen auf  und machen Lust auf den dritten Teil, der im kommenden Frühjahr erscheinen wird.


    Kass Morgan: Die 100 - Tag 21Ab 14 Jahren; Paperback, Klappenbroschur, 320 Seiten, heyne-fliegt, 12,99 Euro
    ISBN: 978-3-453-26950-7


  • Philip Kerr: Wintertransfer


    Abbildung: Klett-Cotta 


    Für die Polizei ist es nur ein Fall von vielen. Für Scott geht es um Leben und Tod.

    Ein Grab mitten im Stadion, ein toter Trainer, eine erbarmungslose Jagd. Für Scott Manson, Co-Trainer und Ermittler wider Willen, steht alles auf dem Spiel. Vom internationalen Bestsellerautor Philip Kerr kommt ein Thriller aus der Welt des Profifußballs, bei dem aus der schönsten Nebensache der Welt blutiger Ernst wird.

    Scott Manson hasst Weihnachten: volle Spielpläne, die Hektik der Transfergeschäfte im Januar und Fußballspieler, die nur Drogen und Partys im Kopf haben. Sein Job als Co-Trainer ist es, die Mannschaft vom Erstligisten London City durch die Feiertage zu navigieren, und keiner macht ihn besser. Aber dann wird sein Boss, die portugiesische Trainerlegende Zarco, ermordet. Scott muss den Täter stellen, schneller als die Polizei und schneller als die Presse. Auf der blutigen Spur des Geldes gerät er immer tiefer in den Strudel von Hinterzimmerdeals und Bestechungen der Liga. Und schließlich heftet er sich dem Clubeigner mit seinen zwielichtigen Kontakten zur Russenmafia an die Fersen.

    Keine Extraklasse - aber einiges an Charme

    Um eines gleich vorwegzunehmen: Philip Kerrs Wintertransfer ist kein Thriller der Extraklasse - vielmehr geht es dem Roman so wie dem imaginären Club London City, den Protagonist Scott Manson nach dem Tod seines Trainerkollegen Joao Zarco coacht: Er dümpelt im oberen Mittelmaß mit Anschluss an die Spitze herum.  
    Die Antagonisten sind schnell gefunden, falsche Fährten gelegt, jedoch nicht sonderlich imposant. Dass der Mörder für den Leser - Achtung Spoiler - aber beim besten Willen und sorgfältigster Lektüre nicht zu erahnen ist, tut sein Übriges.
    Vielmehr lebt das Buch von seinen Einblicken in die Premier League, taucht tief in die Fußballmaterie ein. Es geht um Transfer-Hickhack, Spieler, die der Trainer nicht will, der Clubboss aber verpflichtet, ehemalige Größen des Sports wie Calamity James (immerhin Nationaltorhüter), aktuelle Stars wie Mario Balotelli ("Das ist kein Kaffekränzchen mit Balotelli...") sowie die Extravaganzen oder Beschränktheit der Stars:

    Aber manche Jungs tauchen heute mit mehr Cremes und Haarprodukten in ihren Louis-Vuitton-Kulturtäschchen auf, als meine erste Frau auf ihrem Schminktisch stehen hatte.

    Kerr hält dem Fußballgeschäft den Spiegel vor, erzählt - er sagt im Vorwort, er hatte einen Insider an der Hand gehabt - von rauchenden und saufenden Spielern, führt eine an Paul Gascoigne erinnernde Figur ein oder schneidet auch das Tabu-Thema schwule Fußballer an. 

    Schwul zu sein ist im Fußball absolut nicht akzeptabel. Unser Sport ist die letzte Bastion für Heuchler und Schwulenhasser. 

    Darüberhinaus schildert er Lügen und Intrigen zwischen Spielern, Trainern und  Spielerberatern bringt  Schwarzgeldkassen ins Spiel, die Polizei, die Informationen an die Boulevard-Zeitungen verkauft oder Kicker, die die Ansprache des Trainers schon dann via Twitter oder Youtube online stellen, wenn der Coach  die Kabine noch gar nicht verlassen hat. 

    Kerr zeichnet ein lebendiges, wenn auch überzeichnetes, aber dennoch wohl nahe an der Realität liegendes Profil der Fußballer-Elite - und das macht seinen Thriller lesenswerter, als der eigentliche Mordfall. Für Fußballfans ist sein Werk deshalb allemal lesenswert. Wer mit dem runden Leder und dem Hype rundherum auch so schon nichts anfangen kann, der wird an Wintertransfer nicht unbedingt Freude haben. 

    Fazit: Mittelfeldplatz

    Um im Jargon zu bleiben: Wintertransfer ist kein Arsenal FC, FC Chelsea, ManU oder ManCity und würde wohl nicht um den Premier League-Titel kämpfen, sondern  eher ein FC Everton oder Tottenham Hotspurs - trotz Potenzial reicht es am Ende nur zu einem Platz im oberen Mittelfeld oder hin und wieder dazu, die Großen zu ärgern - mehr nicht. 


    Philip Kerr: Der Wintertransfer; 2. Aufl. 2015, 425 Seiten, Klappenbroschur; Klett-Cotta;
    ISBN: 978-3-608-50138-4
  • Börsenverein: Kermani Reisender zwischen den Religionen

    Als Reisenden zwischen den Kulturen und Weltreligionen hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels seinen  Friedenspreisträger Navid Kermani gewürdigt. Der deutsch-iranische Schriftsteller sei ein Vorbild, sagte der Vorsteher des Börsenvereins, Heinrich Riethmüller, am Sonntag in Frankfurt. "Ein aufgeklärter Bürger, der Hölderlin und die Poesie liebt, der aus der Literatur und aus seiner Religiosität die Anregungen, Erkenntnisse und Kraft schöpft, die wir, angesichts einer Welt, die aus den Fugen zu geraten scheint, alle brauchen." 

    Navid KermaniFoto: dpa 


    Kermani nimmt in der  Frankfurter Paulskirche den renommierten Friedenspreises des Deutschen Buchhandels entgegen. Die Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert. Der Autor sei eine der wichtigsten Stimmen in der heutigen Gesellschaft, die ein  friedliches Miteinander von Menschen unterschiedlichster nationaler und religiöser Herkunft finden müsse, heißt es in der Begründung für die  Auszeichnung. (dpa)
  • Tom Holland: Rubikon - Triumph und Tragödie der römischen Republik

    Aufstieg und Untergang der Römischen Republik: Mit stilistischer Brillanz und historischem Scharfsinn erzählt Tom Holland die römische Geschichte von ihren etruskischen Anfängen bis zur Ermordung Caesars.

    Abbildung: Klett-Cotta 

    Der Rubikon, ein kleiner Fluss, der südlich von Ravenna in die Adria mündet, ist geschichtsträchtig und zu einer Metapher geworden.  "Die bewaffnete Überquerung des Flusses in Richtung Süden durch Gaius Julius Cäsar und seiner Truppen im Jahr 49 v. Chr.  – und damit in Richtung Rom – war gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung an den Römischen Senat. Caesar war sich bewusst, dass es ab diesem Punkt kein Zurück mehr gab, was er in dem berühmten Zitat alea iacta est (wörtlich: „Der Würfel ist geworfen worden“) zum Ausdruck brachte." (Quelle: Wikipedia)

    "Rubikon"  ist auch deshalb ein aussagekräftiger Titel für das Werk Tom Hollands, der darin die Anfänge der römischen Republik, des römischen Staates, dessen Selbstverständnis, dessen Arroganz und dessen letztlichen Niedergang - zumindest was die Staatsform der Republik und den Übergang in das Prinzipat betrifft - sachlich, aber keineswegs unspannend darlegt.

    Kurzweiliger Querschnitt der römischen Gesellschaft

    Tom Holland bietet einen Abriss der römischen Geschichte: Von ihren etruskischen Anfängen  bis hin zur Kaiserzeit des Augustus. 
    Die Geschichte bis ca. 100 v. Chr. wird im ersten Kapitel zusammengefasst und auf wenige geschichtliche Höhepunkte beschränkt  die Gründung der Republik, die Punischen Kriege mit "Lieblingsgegner" Karthago, der Beginn der Klassenkämpfe unter den Brüdern Gracchus. Die nachfolgenden Kapitel sind den Jahren 90 v. Chr. - 27 v. Chr. gewidmet. Namen, Zahlen und Fakten werden dabei dem Leser dargebracht, es wird gekämpft, gerächt, geredet, geliebt, gebadet und gespeist, kurz: der Leser erhält einen kurzweiligen Querschnitt der antiken römischen Gesellschaft. Bei Holland wird der Alltag der römischen Politiker lebendig.

    Die Beschreibung der politischen (Un-)Kultur in der Römischen Politik nimmt einen großen Teil dessen ein, was nach der Lektüre hängen bleibt:  Rom eurde zwar auf Basis von Gesetzgebung und Wahlen gegründet, doch die Protagonisten waren Meister des politischen Ränkespiels udn auch darin, den  Rahmen der Gesetzgebung  für ihre Interessen auszudehnen oder sogar zu überspannen.  Auch das  Selbstverständnis der Römer - und zwar in allen Schichten - allen Völkern überlegen zu sein und diese das auch spüren zu lassen, tropft quasi aus jeder Seite dieser Monographie. Außerdem:  Die Schere zwischen Arm und Reich, die Dekadenz der Obrigkeit und die oftmals fehlende Klasse - oder besser ausgedrückt: der fehlende Wille - der politischen Oberschicht, auch dann für das Volk zu arbeiten, wenn es einem selbst nicht unmittelbar nützt.

    Fazit

    Holland gelingt es dabei, alle Winkel und Ecken des politischen Lebens in der römischen Republik zu durchleuchten. Letztlich ist Rubikon ein zwar mit Details durchsetztes aber nicht überfrachtetes Werk, das den römischen Alltag, die römische Politik, das römische Selbstverständnis oder auch die römischen Brutalität und Egozentrik in einer Art und Weise  auf den Punkt bringt, wie zumindest ich es bisher noch in keiner anderen Monographie gelesen habe.

    Tom Holland: Rubikon - Triumph und Tragödie der römischen Republik1. Aufl. 2015, 463 Seiten, broschiert, mit Karten, Klett-Cotta, 16,95 Euro
    ISBN: 978-3-608-94924-7








  • Andy Weir: Der Marsianer - ein Seitenfresser par excellence

    Der Astronaut Mark Watney war auf dem besten Weg, eine lebende Legende zu werden: Als einer der ersten Menschen in der Geschichte der Raumfahrt betritt er den Mars. Nun, sechs Tage später, ist Mark auf dem besten Weg, der erste Mensch zu werden, der auf dem Mars sterben wird: Bei einer Expedition auf dem Roten Planeten gerät er in einen Sandsturm, und als er aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht, ist er allein. Auf dem Mars. Ohne Ausrüstung. Ohne Nahrung. Und ohne Crew, denn die ist bereits auf dem Weg zurück zur Erde. Es ist der Beginn eines spektakulären Überlebenskampfes ...

    Abbildung: Heyne 

    "Ich bin sowas von im Arsch.
      Das ist meine wohlüberlegte Meinung.
      Im Arsch."

    So beginnt Mark Watneys Höllentrip auf dem roten Planeten. Ich weiß nicht, ob es dieser Auftakt war, der mich schon an Andy Weirs Roman fesselte, jedenfalls hat mich "Der Marsianer" von Beginn an in seinen Bann gezogen. Es ist selten geworden, dass mich ein Roman, gerade wenn er so hochtechnisch angehaucht ist, so dermaßen in den Bann zieht, dass ich beim lesen "Überstunden mache". Mark Watney bescherte mir seit Langem wieder ein Gefühl, das ich schon beinahe vergessen hatte. Ein Buch, dass mich regelrecht in Besitz nimmt, in seine Seiten hineinzieht, bei dem man keinen Buchstaben verpassen möchte und man traurig ist, wenn es zu Ende ist. 

    Mitfiebern, mitzittern, mitleiden

    Wobei Andy Weir genau die richtige Länge findet - nirgends verharrt Astronaut Watney zu lange oder zu kurz, die Spannungskurven sind genau richtig gesetzt, seine Schauplatzwechsel (im NASA-Headquarter wird alles für Watneys Rettung getan) fördern die Spannung und immer, wenn man Mark Watney gerade gratulieren will, lässt Weir die Hölle über ihn hereinbrechen. Ich habe mitgefiebert, mitgezittert, mitgelitten - das ist mir wirklich lange nicht passiert.

    Klingt komisch, aber der Astronaut bleibt am Boden...

    Auch die Story hat es in sich. Ein Astronaut der um sein Leben kämpft, sich auf einem unfruchtbaren Planeten Essen beschaffen muss, eine Funkverbindung zur Erde herstellen soll, Treibstoff sammelt, um Sauerstoff kämpft, von Gerätschaften alleine gelassen wird, sich beinahe selbst in die Luft sprengt und dabei immer humorvoll und direkt bleibt. Und was Weir noch hervorragend macht: Er lässt Kompliziertes einfach wirken. Abermillionen teure und hochkomplexe NASA-Gerätschaften erklärt er durch Watneys Gedanken in einfachen Worten (alleine für diese massive Recherchearbeit - Weir beschreibt etwa wie der Marsrover von unten aussieht  - gebührt dem Autor Ehre) und lässt den verzweifelten, alleingelassenen Astronauten dabei so menschlich, nah und vertraut wirken. Auch dessen Humor - in teils derber Ausdrucksweise - lässt der Autor nicht zu kurz kommen:

    (12:04) JPL: Alles was sie tippen, wird live auf der Erde verbreitet...
    (12:15) Watney: Seht mal da! Zwei Titten --> (.Y.)

    Dazu ist der Protagonist findig, mutig, störrisch, niemals mutlos - ein typischer amerikanischer Held, wenn man so will (das wäre dann vielleicht auch der einzige Kritikpunkt). Der Mars scheint sich für den Chicagoer aber immer neue Qualen auszudenken, bleibt ein mächtiger Gegner. Selten kommt es, wie Watney es geplant hat, doch trotzdem findet er immer eine Lösung, wobei Weir den Leser stets einbezieht. Man könnte glauben, Weir habe selbst ausprobiert, was er Watney im Roman austüfteln lässt. Manchmal übertreibt er es als Autor zwar mit seiner Detailwut, fasziniert aber weit öfter  seine Leser, die beinahe überzeugt sind, dass sich der alte Mars-Pathfinder von 1996 tatsächlich zu einem interplanetaren Mailserver umrüsten lässt.

    Wie die Jungfrau zum Kind

    Raumfahrt war lesetechnisch für mich seit Apollo 13 eigentlich kein Thema mehr und auch zum Buch kam ich wie die Jungfrau zum Kind: Vom Heyne-Verlag wegen eines Interview-Angebots mit Andy Weir angeschrieben (den ich nicht kannte), googelte ich kurzerhand "Der Marsianer", stieß auf den am 8. Oktober anlaufenden und hochkarätig besetzten Film von Ridley Scott und antwortete: "Scheiß aufs Interview, ich brauch das Buch! (Naja, ich habs wohl irgendwie anders formuliert, aber die Aussage triffts).

    Mein Highlight 2015

    Letztlich die beste Entscheidung, die ich buchtechnisch in diesem Jahr getroffen habe: "Der Marsianer" ist mein persönliches Lese-Highlight 2015, ein Seitenfresser par excellence, ein Must-Read! Ich kann dieses Buch nur guten Gewissens weiterempfehlen und hoffe, es geht anderen auch so. Aber so falsch kann ich nicht liegen - 4,5 von 5 Sternen bei amazon und 276 Mal fünf Sterne, bei 380 Votes. ALSO: Kaufen und unbedingt vor dem Gang ins Kino noch lesen!!!


    Andy Weir: Der Marsianer; Paperback, Klappenbroschur, 512 Seiten, Heyne, zw. 9,99 und 14,99 Euro; 
    ISBN: 978-3-453-31583-9




  • Wie ihr euch aufgrund des Videos denken könnt, habe ich mich für die Lektüre von "Der Marsianer" entschieden. Der Film kommt am 8. Oktober in die Kinos und ich wollte vorher noch unbedingt den Roman lesen - das habe ich nun gemacht und bin begeistert. Die Rezension folgt in Kürze. Der Trailer zum Blockbuster schon mal als kleiner Vorgeschmack...und wenn der Film nur annähernd so gut wie das Buch ist, dann wird er ein Megaerfolg!

  • Schwedischer Erfolgsautor Henning Mankell gestorben - Erfinder von Kommissar
    Kurt Wallander litt an Krebs



    Foto: dpa-Archiv 


     Er gehörte zu den bedeutendsten Vertretern der nordischen Kriminalliteratur, war Afrika-Liebhaber und politisch engagiert - nun ist der schwedische Schriftsteller Henning Mankell gestorben. Der Autor starb mit 67 Jahren in der Nacht zum Montag in Göteborg, wie sein Verlag mitteilte. Mankell litt seit
    einigen Jahren an Krebs.
    International berühmt ist seine Krimi-Reihe über den schwedischen Kommissar Kurt Wallander.
    Mankell starb "friedlich" im Schlaf nach langer Krankheit, teilte der Leopard-Verlag auf seiner Internetseite mit. Der Schriftsteller und Theaterregisseur sei "einer der größten schwedischen
    Autoren unserer Zeit" gewesen, "geliebt von seinen Lesern in Schweden und in der ganzen Welt".
    Mankell hatte den Verlag 2001 mit einem Partner gegründet. 

    Krebs zufällig entdeckt

    Der Autor war im Januar 2014 mit seiner Krebserkrankung an die Öffentlichkeit gegangen. Durch Zufall waren bei ihm bei einer Untersuchung wegen eines Bandscheibenleidens Tumoren in Lunge und Nacken gefunden worden. Ein paar Tage später hatte er die traurige Diagnose. "Meine Angst ist groß, obwohl ich sie im Großen und Ganzen unter Kontrolle habe", erklärte er damals. Später verarbeitete er seine Krankheit in der Literatur.

    Einem großen Leserkreis ist Mankell durch die Krimis rund um den in Ystad in Südschweden ermittelnden Kommissar Wallander bekannt. Mankell stattete seinen Helden mit einem schwierigen Charakter aus und schuf einen grüblerischen Ermittler mit alltäglichen Midlife-Problemen, der an seinen Fällen gleichermaßen verzweifelt wie wächst. Die Wallander-Reihe brachte Mankell einige Preise ein, schaffte es ins Fernsehen und trug zur allgemeinen Vorliebe von Krimi-Fans für
    skandinavische Geschichten bei.

    Mankells Werk von über 40 Romanen und Theaterstücken umfasst auch Bücher über Afrika und das Leben dort, so etwa "Der Chronist der Winde" und "Die rote Antilope". Mehrere Jahre lang lebte Mankell in Mosambik, gründete dort ein Theater und kehrte später regelmäßig in seine Wahlheimat zurück. Er engagierte sich auch in Entwicklungsinitiativen und ließ das Thema Afrika immer wieder in seine Theaterstücke einfließen. Er stehe "mit einem Bein im Schnee und mit dem anderen im Sand", sagte er einmal. 

    Politisches Engagement

    Doch nicht nur für Krimis und für den afrikanischen Kontinent schlug Mankells Herz. Im Mai 2010 war er als Aktivist an Bord eines der Schiffe der Hilfsflotte, die Hilfsgüter in den Gazastreifen bringen wollte und von israelischen Soldaten gewaltsam gestoppt wurde. Neun Menschen starben damals. Sein politisches Engagement beschrieb er einmal so: Er wolle dabei helfen, dass Palästinenser in ihrem eigenen Land "nicht wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden".

    Mankell war in dritter Ehe mit der Theaterregisseurin Eva Bergman verheiratet, der Tochter des Regisseurs Ingmar Bergman. (afp)
  • Die Stalin-Biographie von Oleg Chlewnjuk, Bukowskis "Held ausser Betrieb" und Halms "Die Araber" lagen mir schon länger am Herzen. Gelesen sind sie teilweise schon länger, aber ich kam einfach nicht dazu, zu schreiben. 


    Aktuell liegt grade "Der Marsianer" oben auf dem Bücherstapel - vielleicht wird es aber auch die "De Niro-Biographie" oder "Rubikon"...Wie würde der Kaiser sagen: "Schaun mer mal!"
  • Oleg Chlewnjuk: Stalin

    Am Morgen des 1. März 1953, kurz nachdem er seinen engsten Führungszirkel verabschiedet hat, erleidet Josef Stalin in seiner Datscha bei Moskau einen Schlaganfall. Wenige Tage später ist er tot. Oleg Chlewnjuk, einer der führenden Stalinismus-Experten, nimmt diese letzten Lebenstage zum Ausgangspunkt einer beeindruckenden Biographie – auf Grundlage bisher unbekannter Quellen aus sowjetischen Archiven eröffnet sie einen neuen Blick auf den Diktator und seine Herrschaft.

    So spiegelt sich in Stalins letzten Tagen nicht nur der eigentümliche Charakter seines Regimes, auch seine intimste Umgebung gerät ins Blickfeld. Die Phase des Abschieds erschließt zudem eine neue Perspektive auf die wichtigsten Stationen seines Lebens: Kindheit und Jugend in Georgien, der Weg vom jungen Revolutionär zum politischen Führer und grausamen Despoten, der Kampf gegen Nazi-Deutschland, der Beginn des Kalten Krieges. Chlewnjuk durchleuchtet die elitären Machtzirkel des Kremls, die Stalin umgeben – und zeigt damit, wie untrennbar die Person des Diktators mit der Geschichte des sowjetischen Terrors verknüpft ist.


    Abbildung: Siedler 


    Das Interesse an dem Diktator ist in Russland nach wie vor groß, die Neigung, sich ihm kritisch zu nähern, jedoch gering. Im Mai 2010 erschienen in den Straßen von Moskau, Kirow und Woronjesch kurz vor dem Tag des Sieges am 9. Mai Stalin-Poster. Der russische Stalin-Biograf Oleg Chlewnjuk vermutet, dass wer die Gegenwart ablehnt, oft dazu neigt, die Vergangenheit zu idealisieren.

    20 Jahre an der Publikation gearbeitet

    Obwohl es an Stalin-Biografien keinen Mangel gibt, arbeitete der Moskauer Historiker 20 Jahre lang an einem neuen, wissenschaftlichen Werk, in dem er aufräumen wollte mit dem "archivgestützten Sensationsjournalismus", der nach Öffnung der Archive um sich griff, und dem neuentdeckten "alternativen Stalin", dessen angeblich effiziente Führung gepriesen wird.

    Waren früher nur gefälschte Publikationen von Sitzungen des Politbüros der Kommunistischen Partei oder der Regierung zugänglich, standen Chlewnjuk jetzt die Originale von Protokollen zur Verfügung, die festhielten, was wirklich besprochen und beschlossen worden war. Und Stalins umfangreicher Briefverkehr. Oleg Chlewnjuk verschweigt nicht, dass wesentliches Material aber bis heute fehlt: das Besucherbuch der Kreml-Wohnung, das jeden Gast registrierte und Briefe, die an Stalin gerichtet waren. So bleibt auch diese Biografie nur eine vorläufige Bestandsaufnahme.

    Viele Fragen werden beantwortet

    Wie verhielt sich die wachsende Macht des Diktators Stalin zu dem Anspruch eines kollektiven Führungsorgans, als das sich das Politbüro seit dem Beginn der zwanziger Jahre verstand? Gab es im frühen Stalinismus wie im Jahrzehnt zuvor noch Gruppen und Fraktionen in diesem Parteigremium, und wie wurden Konflikte zwischen den Politbüro-Mitgliedern ausgetragen? Mit solchen Fragen zielt Chlewnjuk zugleich auf das Grundproblem, das ihn interessiert: das Wesen des Stalinismus.

    Chlewnjuk lässt sich nicht einspannen in die neue Stalin-Verklärung, die man auch von Nazi-Deutschland kennt: Wenn der Führer das alles gewusst hätte, es wäre so nicht geschehen. So entstehen Mythen: Nicht Stalin, sondern Regierungsbeamte unterer Ebenen sollen für die Massenrepressionen verantwortlich gewesen sein, die ihr Handeln vor Stalin geheim gehalten haben. Der Autor entzaubert diese Mythen und stellt klar: Der im georgischen Städtchen Gori geborene Iosseb Dschugaschwili war grausam und mitleidlos veranlagt. Von allen Methoden zur Lösung politischer, sozialer und wirtschaftlicher Konflikte bevorzugte er den Terror. Zugeständnisse und Kompromisse sah er als Bedrohung der Unantastbarkeit seiner Macht.

    Terror als Grundprinzip

    Um Stalins Handeln zu verstehen, nennt Chlewnjuk die Grundkonstante seines Denkens: Für den „Woschd“, den seit seinem (offiziell) 50. Geburtstag 1929 dergestalt gehuldigten „Führer“, bildete „der Staat, den die Bolschewiki schufen“ – verstanden als die Gesamtheit aller Apparate und Bürokratien – „ein Absolutum“. Absolut bedeutete, „der Staat hatte das uneingeschränkte Recht, jedes Opfer von seinen Bürgern zu fordern, auch ihr Leben. Der Staat war in seinen Maßnahmen keinerlei Beschränkungen unterworfen, da er die ultimative Wahrheit des historischen Prozesses verkörperte“. Chlewnjuk schreibt diese Sätze fast beiläufig hin, dabei ziehen sie die Quintessenz aus dem, was an Darstellung der drei Jahrzehnte währenden Machtvollkommenheit Stalins folgt. Nur so wird der beständige Terror als Grundprinzip allen Staatshandelns plausibel, mit dem „Großen Terror“ der Jahre 1937/38 als blutigem Höhepunkt. Nicht die Ideologie, so stark sie bei Stalin auch ausgeprägt sein mochte – ein „extremer Antikapitalismus“ –, liefert die letztgültige Erklärung, sondern die unbedingte Erhaltung des in seiner Person verkörperten Staatsapparats.

    Zur Familiengeschichte Stalins, insbesondere den nie ganz aufzuklärenden Umständen, die zum Selbstmord seiner Frau Nadeschda Allilujewa mitten im Kreml im Jahr 1932 führten, vermag Chlewnjuk keine neuen Funde beizutragen. Überhaupt bleibt das Leben „am Hof des roten Zaren“ eher nebensächlich.

    Fazit:

    Der Siedler-Verlag hat gut daran getan, dieses Buch übersetzen zu lassen und einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Es ist die erste und die wichtigste Publikation über den innersten Zirkel der Macht und die Politik des Terrors unter Stalin seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion.


    Oleg Chlewnjuk: Stalin - Eine BiographieGebundenes Buch mit Schutzumschlag, 592 Seiten, Siedler-Verlag, 29,99 Euro;

    ISBN: 978-3-8275-0057-1

  • Charles Bukowski: Held außer Betrieb - Stories und Essays 1946 - 1992

    Abbildung: Fischer 


    Rezensionen und biographischen Episoden beweist der Dirty Old Man einmal mehr, dass er unter der misanthropischen Oberfläche, abseits vom Dreck der Straße und der Obszönitäten, immer ein leidenschaftlicher Liebender war. "Held außer Betrieb" ist nach "Das weingetränkte Notizbuch" und "Noch mehr Aufzeichnungen eines Dirty Old Man" der dritte große Nachlassband des umstrittensten Skandalautors der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts.

    Bukowksi polarisiert - immer. Man liebt ihn oder hasst ihn, bzw. seine Schreibe. Denn die Geschichten und Romane des  "Manns mit der Ledertasche"  sind dreckig, obszön, satirisch und voller Sex & Alkohol. 

    Ich hatte 15 Stunden, um sie in die Koje zu kriegen, es konnte nichts schiefgehen. Wir küssten und und ich bestellte zwei neue Drinks."

    Bukowksis Geschichten sind voll von "Ständern", "Muschis" oder "Ficks". Beim Dirty Old Man dreht sich alles um das Eine - von einigen Ausnahmen abgesehen:

    Die Nacht ging weiter: Gin, Schnee, dann Bier und Gras. Dann kam Todd: "Hey Mann Hank, jedes Mal wen du high bist, gibst Du damit an, wie gut Du Mösen lecken kannst..."

    Jedoch schwingt bei diesem Nachlass-Band eine gewisse Melancholie mit. Genau an diesen Essays erkannt man auch das genie hinter "Hank Chinaski", wie sich Bukowski in seinen autobiographischen Werken nennt:  Der Leser erkennt das Können dieses Schriftstellers. Kurz angelesen könnte man zwar den Eindruck bekommen,  bei ihm drehe sich wirklich alles nur um "Sex, Drugs und Rock 'n Roll", liest man jedoch die Essays (oder noch besser, einen Gedichtband) merkt auch der nicht unbedingt aufmerksame Leser, dass sich hinter der harten, undurchsichtigen Fassade Bukowskis  doch viel mehr versteckt, als man glauben mag. 

    Fazit: Für Fans ein Muss - für Anfänger als Einstieg empfehlenswert, weil der Band Bukowskis sämtliche Facetten zeigt.


    Charles Bukowski: Held ausser Betrieb - Stories und Essays 1946 - 1992; Fischer Klassik; Taschenbuch, 349 Seiten; 10,99 Euro
    ISBN: 978-3-596-95003-4



  • Heinz Halm: Die Araber - von der vorislamischen Zeit bis zur Gegenwart

    Die Geschichte Arabiens ist mit der Geschichte des Islam untrennbar verbunden. Aus Arabien stammt der Prophet Mohammed, in den arabischen Städten Mekka und Medina liegen die wichtigsten religiösen Zentren der Muslime. Allerdings konnten die Araber beim Auftreten des Propheten schon auf anderthalb Jahrtausende ihrer Geschichte zurückblicken. Seit dem 9. Jahrhundert v. Chr. bestimmten sie die Geschichte des Vorderen Orients mit, um im 7. Jahrhundert n. Chr. zur Großmacht aufzusteigen und durch die Expansion des Kalifenreiches die Grenzen der arabischen Welt weit über den Vorderen Orient hinaus nach Nordafrika und Spanien, ja bis nach Frankreich hinein zu erweitern. Die Geschichte der Araber ist seitdem mit der der Europäer eng verknüpft. Die europäische Wissenschaft und Kunst des Mittelalters wäre ohne die glänzende Kultur der arabischen Reiche nicht denkbar. Erst in der Neuzeit wurde das Verhältnis von einer zunehmenden Hegemonie Europas geprägt, die bis heute die Beziehungen zwischen westlicher ud arabischer Welt belastet. Heinz Halm bietet in diesem Band eien kompakten und allgemein verständlichen Überblick über die Geschichte und Kultur der Araber von der Zeit ihrer ersten Erwähnung in den Inschriften der Assyrerkönige bis zu den jüngsten Entwickungen der arabischen Staaten in unserer Gegenwart. [Vorwort zur 4. erweiterten und aktualisierten Auflage]


    Abbildung: C.H.Beck 

    Heinz Halm hat bereits mehrere Standardwerke zum komplexen Thema Islam publiziert, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Das vorliegende Werk gibt einen komprimierten Einblick in Geschichte und Kultur der Araber von der vorislamischen Zeit bis in die Gegenwart. Bereits 2004 ist die erste Ausgabe erschienen. Das Material ist in neun Teile strukturiert. Gut 120 Seiten der vorliegenden Ausgabe sind identisch mit der ersten, das heißt von Kapitel I ‚Das vorislamische Arabien’ bis VII ‚Zu Beginn des 21. Jahrhunderts’. Neu sind die letzten Kapitel ‚Arabischer Frühling?’ und  ‚Bilanz’.

    Zu Beginn erklärt Heinz Halm den Namen, die Herkunft und die Sprache der Araber sowie chronologisch die Spannungsfelder, in denen die Stämme im Laufe der Geschichte gerieten: Die Araber in hellenistischer Zeit, zur Zeit der Römer sowie die Situation zwischen Byzantinern und Persern. Der zweite und umfangreichste Teil behandelt vornehmlich die Entstehung des Islam mit den weitläufigen Eroberungen und anschließender Islamisierung und Arabisierung der unterworfenen Völker. Halm nimmt den Leser mit auf eine Zeitreise durch die Jahrhunderte, erzählt knapp, aber informativ und dennoch historisch genau und ausführlich genug die Geschichte etwa von der Abkehr Bagdads als Herz der arabischen Welt, die Geschichte des Iraks, Syriens, Ägyptens, der Palästinafrage, über die Gründung der Arabischen Liga sowie Israels oder die Irakkriege.

    In der Erweiterung beschreibt Halm den arabischen Frühling, dessen Auswirkungen auf Syrien oder auch die Entstehung des Islamischen Staats - und zieht eine ernüchternde Bilanz: 

    „Wer sich von den Bewegungen in Tunesien und Libyen, Ägypten und Syrien mehr Demokratie und Pluralismus, Fortschritte in der Menschenrechtsfrage oder friedliche Konfliktlösungen in der Region erhofft hatte, wurde enttäuscht [...]. Ob das Kalifat des IS eine stabile Infrastruktur schaffen und sich auch militärisch behaupten kann [...] ist zweifelhaft. Auf jeden Fall aber markiert die Ausrufung des Kalifats einen Einschnitt in der Geschichte der Araber, dessen Folgen noch nicht abzuschätzen sind."

    Heinz Halm, Die Araber - von der vorislamischen Zeit bis zur Gegenwart; C.H.Beck-Wissen; 4., aktualisierte und erweiterte Auflage 2015. 144 S.: mit 2 Karten. Broschiert, 8,95 Euro;
    ISBN 978-3-406-68284-1  


  • FIFA 16 - auch die Frauen sind am Ball

    Abbildung: EA Sports 

    Ja, im neuen "FIFA"-Game gibt es nun Frauenfußball. Und nein: Trikottausch oder zwischengeschlechtliche Duelle sind nicht möglich. Hier zieht EA mit Freistoßspray eine klare Trennlinie. Die Integration von einem Dutzend Damen-Nationalmannschaften, darunter Deutschland, Weltmeister USA und Brasilien, mag die auffälligste Neuerung sein. Sie ist aber nicht die spektakulärste. Dazu zählt wohl eher der Transfer-Coup von EA, Kommentator Wolff-Christoph Fuss vom ewigen Konami-Konkurrenten "PES" abgeworben zu haben ...


    Abbildung: EA Sports 


    Der Sky-Kommentator tritt die Nachfolge von Manni Breuckmann an und versteht sich blendend mit dem alten "FIFA"-Hasen Frank Buschmann. Stilblüten wie die vom "antizipierenden Abiturienten" gibt es zwar immer noch, doch auch jede Menge schmückende Anekdoten zu Clubs, Statistiken oder Kommentare zum Clubwechsel prominenter Kicker wie Bastian Schweinsteiger. Ein Duo, das Zukunft hat.

    Vorbei sind jedoch die Tage des reinen Hochgeschwindigkeitsfußballs, der noch in "FIFA 15" gepflegt wurde. Wer da einen flinken Flügelflitzer à la Robben, Ronaldo oder Walcott im Team hatte, ließ auf der Außenbahn einfach mal die komplette Hintermannschaft stehen und vollendete gnadenlos.


    Abbildung: EA Sports 


    Im Nachfolger braucht es angesichts des reduzierten Spieltempos, der entschärften Steilpässe, der nicht mehr ganz so ballsicheren Profis und der clever agierender Defensivreihen etwas mehr Ruhe im Spielaufbau, um sich echte Chancen zu erspielen. Hinzukommt, dass selbst Pferdelungen wie David Alaba vom FC Bayern München im Dauersprint nun deutlich schneller die Puste ausgeht. Die
    Verschnaufpausen und Tempowechsel machen "FIFA 16" aber nicht langweilig, sondern anspruchsvoller, taktischer und letztlich abwechslungsreicher, weil es kaum noch Spielzüge gibt, die immer klappen. 
    Gleichzeitig wurden die Möglichkeiten bei Standards erweitert.

    Wer Hilfe beim Rasenschach benötigt, kann sich den Rat vom Trainer einholen: Per Druck des rechten Analogsticks schlägt der virtuelle Assistent situationsgebunden eine passende Aktion oder Laufrichtung vor. Das soll nicht nur Genre-Neulingen, sondern auch erfahrenen "FIFA"-Gamern helfen, um neue Wege und Möglichkeiten zu erlernen - dank verschiedener Stufen. Doch aufm
    Platz wirken die gut gemeinten Einblendungen schlicht störend.
    Entsprechend schnell schaltet man das Ganze wieder aus.

    Weitere Neuerungen finden sich bei den Spiel-Modi. Bei der "Karriere" (ein Manager-Spiel) lassen sich nicht nur Trainingssitzungen anberaumen, sondern in der Sommerpause auch Turniere in
    aller Welt absolvieren, was die Vereinskasse deutlich aufbessert und kostspielige Transfers ermöglicht.
    Die populäre "Ultimate Team"-Variante, bei der man Kartendecks sammelt und daraus seine Traumelf bastelt, wurde um den Draft-Mode erweitert. In dieser kurzweiligen Kartenlotterie
    tritt man mit zufällig ausgelosten und selbst ausgesuchten Spielern gegen den Computer oder online gegen andere "FIFA"-Spieler in bis zu vier Partien an.
    Danach geht's von vorne los - entsprechendes Kleingeld vorausgesetzt. Die Startgebühr beträgt 15.000 Münzen oder 300 FUT-Punkte. Zufällig lassen sich diese auch im Ingame-Shop gegen bare Münze erwerben - für etwa 3 Euro.



    Geblieben ist die alte Lizenzstärke: 1. und 2. Bundesliga sowie 28 weitere Top-Ligen in aller Welt sind mit über 650 offiziellen Teams und Profis vorhanden. Nur bei den eigens animierten Frauen-Mannschaften mussten die Namen von 13 studentischen Athleten wieder entfernt werden. Andernfalls hätten sie ihre Berechtigung für den US-Hochschulsport riskiert. Was deutsche Fans vermissen dürften, sind sämtliche Stadien der Bundesliga. Davon gibt es - im Gegensatz zur komplett nachgebauten englischen Premiere League - nur sechs.

    Auffällig: EA hat die Superstars weiter aufgehübscht - allen voran Lionel Messi. Der Weltfußballer vom FC Barcelona präsentiert nun auch im Virtuellen seine Tattoos auf dem Unterarm pixelgetreu. Den Spielern kleinerer Vereine - etwa Werder Bremen - merkt man ihre Editor-Herkunft deutlich an. Selbst wenn dort nun ehemalige Topspieler wie Claudio Pizarro auflaufen ...


    Abbildung: EA Sports 


    Davon abgesehen nähert sich "FIFA 16" wieder ein Stückchen mehr einer realen TV-Übertragung an - der erstklassigen Grafik, authentischen Stadiongesänge und einem professionellen Kommentatoren-Duo sei Dank.


    P.S. Ach ja, die Möglichkeit, einen Verbands-Präsidenten zu wählen, gibt es in Fifa16 nicht...


    Hersteller: Electronic Arts Canada
    Vertrieb: Electronic Arts
    Genre: Sport
    Preis: ca. 70 Euro
    EAN Code: 5030949112873
    Schwierigkeit: Für Einsteiger und Fortgeschrittene
    Alter: Ab 0 Jahren
    Multiplayer: 2-10 (WWW)
    System: 
    PS4, Xbox One, PC, PS3, Xbox 360


  • Mad Max: Fury Road Furios durch die Postapokalypse 



    Jahrzehnte wurde über eine Fortsetzung der „Mad Max“-Reihe spekuliert. Nun, 30 Jahre nach dem dritten Teil, ist die Mutter aller postapokalyptischen Szenarien wieder da. Und: „Mad Max: Fury Road“ (2015) ist eine Neuauflage, die sich wirklich gelohnt hat. Das jüngste Abenteuer des Max Rockatansky, das über 800.000 Kinobesucher lockte und kürzlich vom Verband der internationalen Filmkritiker FIPRESCI zum besten Film 2015 gewählt wurde, trifft den Ton der Vorgänger und bietet dabei atemberaubende Unterhaltung - jetzt auch auf DVD, Blu-ray Disc, Blu-ray 3D.



    Der Outlaw Max - nun nicht mehr von Mel Gibson, sondern von Tom Hardy verkörpert - schlägt sich nach den Erlebnissen der Vergangenheit allein durch eine anarchische Welt, in der allein das Recht des Stärkeren gilt. Als er jedoch auf die Kriegerin Furiosa (Charlize Theron) trifft, gerät er mitten hinein in einen Konflikt, den „Max Max“-Schöpfer George Miller als rasante Verfolgungsjagd inszeniert.

    Ein großes Action-Spektakel

    Furiosa hat dem Tyrannen Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne) fünf Frauen gestohlen, und nun will der Schurke seine „Brüterinnen“ zurückerobern. Es ist ein einziges großes Action-Spektakel. Alles ist laut, alles ist wild, alles ist schnell. Dabei glänzt vor allem die Blu-ray-Fassung, die neben makellosen, kontraststarken Bildern den vielleicht bombastischsten Soundmix bereithält, den das Heimkinojahr 2015 bisher gehört hat. Präzise auf die Action abgestimmte Surroundeffekte, donnernde musikalische Einlagen, monströse Bässe - mehr geht nicht. Wobei dazugesagt werden muss, dass auch die DVD im Rahmen ihrer Möglichkeiten einen technisch hervorragenden Eindruck hinterlässt.
    Was bei einem „Mad Max“-Film natürlich auch nicht fehlen darf, sind die Autos. Während der Raserei auf der „Fury Road“ kommen zahlreiche skurrile Kampf-Vehikel zum Einsatz, die in einem der vielen aufwendig gestalteten Blu-ray-Extras (der Bonusteil der DVD fällt vergleichsweise karg aus) nochmals im Detail vorgestellt werden.

    Gelungenes Comeack

    Schade nur, dass die hohen Schauwerte auch ihren Preis einfordern. Frühere „Mad Max“-Filme hatten stets auch einen gesellschaftspolitischen Hintergrund und taugten gleichsam als interessante Version einer sozialen Unordnung, in der eine gewisse Sehnsucht nach Freiheit zum Tragen kam. Dieser Aspekt scheint inzwischen verlorengegangen. Auf „The Wasteland“, die geplante Fortsetzung von „Fury Road“, werden sich Fans angesichts dieses unter dem Strich mehr als gelungenen Comebacks dennoch freuen.




    Mad Max; Fury Road, Warner Home Entertainment; DVD: 10
    Euro; Bluray: 13 Euro;

  • David Lagercrantz: "Verschwörung" - Stieg Larsson light (?)

    Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist haben Millionen Leser begeistert. Weltweit erstürmte die Millennium-Trilogie die Bestsellerlisten und sprengte mit mehr als 80 Millionen verkauften Exemplaren alle Dimensionen. Ein Welterfolg, der seinesgleichen sucht. Nun geht die Geschichte weiter.

    Abbildung: randomhouse.de 

    Es ist der Sog, der einen richtig guten Krimi ausmacht. Wenn man so sehr wissen will, wie es weitergeht, dass man Verabredungen ablehnt, den Badesee vergisst und noch den dicksten Schmöker aufgeschlagen mit in die Bahn schleppt – dann hat er einen gepackt.

    Ist das bei David Laagercrantz "Verschwörung", der Fortsetzung der Millenium-Trilogie von Stieg Larsson auch so?

    Die Fragen an dieses Buch sind dann auch erst in zweiter Linie inhaltlich: Braucht man das überhaupt, den vierten Teil einer Trilogie? Und dann obendrein auch noch von einem lebendigen Autor, in keinem Keller, keinem versteigerten Koffer sensationsgefunden und auch aus keiner doppelten Schrankrückwand herausgebrochen?

    Millenium vor dem finanziellen Ruin

    Und tatsächlich, schon nach wenigen Seiten ist es passiert, der Autor David Lagercrantz stürzt "Millennium" in die Krise! Das Magazin, an dessen vorderster Front der Starreporter Mikael Blomkvist lange Zeit für sensationelle Enthüllungen sorgte, steht vor dem finanziellen Ruin. In der breiten Öffentlichkeit ist es als altmodisch verrufen, genauso wie Blomkvist selber.Lisbeth Salander ist abgetaucht und lebt ihr Leben als subversive Erforscherin des Internets. Der IT-Spezialist Frans Balder, der unter geheimnisvollen Umständen aus den USA nach Schweden zurückkehrt, um sich um seinen autistischen Sohn zu kümmern, trifft auf seine zugedröhnte Exfrau – und nichts Dramatisches geschieht. Novemberstimmung eben.

    Es dauert ein bisschen, ehe der Roman Fahrt aufnimmt und die Figuren untereinander verknüpft werden. Auch als die NSA, vertreten durch mehrere rivalisierende Figuren, und die russische Mafia mit ins Spiel kommen, steigt die Spannung noch nicht rasant. Selbst Lisbeth Salanders sphinxartige Zwillingsschwester, die auch bei Stieg Larsson schon als Hintergrundfigur angelegt war, fesselt den Leser nicht zwangsläufig. Interessanter wird als Figur zumindest in Ansätzen der kleine Autist, der sich als Savant entpuppt, und um den sich die Krimihandlung entspinnt.

    Eine gute Geschichte, teils etwas langatmig, teils zu technisiert. Das Thema künstliche Intelligenz ist interessant, Lagercrantz hat wohl gut recherchiert, teils ist  das aber schwer zu verstehen.

    Ein Beigeschmack

    Das Fazit überlasse ich Julia Jakob (ndr.de), die ihre ganz eigene Analyse anstellt: "Der dänische Erfolgsautor Jussi Adler Olsen hatte zum Boykott des Buches aufgerufen, weil er es als respektlos empfindet, dass das Werk eines Autors nach dessen Tod weiter kommerziell ausgeschlachtet wird. Und auch die Freundin von Larsson hatte sich gegen eine Fortsetzung der Millennium-Reihe ausgesprochen. Die Motivation der Familie, des Verlages und auch von Lagercrantz bleibt fragwürdig. Ginge es ihnen um eine Würdigung des Toten, dann könnten sie seiner Freundin Tantiemen zukommen lassen - doch das passierte ja bereits bei der erfolgreichen Trilogie zuvor nicht. So riecht das Ganze ein wenig nach Geldmacherei. Aber davon abgesehen: Wäre Lagercrantz eine sensationelle, weil hochspannende Fortschreibung gelungen, dann dürfte man getrost von einer Verneigung sprechen. Doch so beschleicht einen beim Lesen das Gefühl, dass der Name Stieg Larsson benutzt wurde. So überwiegt bei "Verschwörung" das Geschmäckle von kommerzieller Ausschlachtung - und das begleitet den Leser durchs ganze Buch."

    David Lagercrantz: VerschwörungGebundenes Buch mit Schutzumschlag, 608 Seiten, Heyne, 22,99 Euro

    ISBN: 978-3-453-26962-0




  • Mike Smith: Boko Haram - Der Vormarsch des Terror-Kalifats

    Die islamistische Sekte Boko Haram, die 2014 durch die Entführung von über 200 christlichen Schülerinnen Schlagzeilen machte, kontrolliert in Nigeria und Kamerun ein riesiges „Kalifat“, dem bereits Tausende Christen und Muslime zum Opfer gefallen sind. Der amerikanische Journalist Mike Smith hat die geheimnisvolleGruppierung mehr als drei Jahre lang in Nigeria beobachtet und lässtden Leser durch zahlreiche Augenzeugenberichte hautnah erleben,was dort vor sich geht. Er erklärt, was Boko Haram (wörtlich: „Bildungverboten“) für junge Afrikaner so attraktiv macht, wie die Gruppierungentstanden ist, welche Beziehungen zu al-Qaida bestehen und warum die größte Volkswirtschaft Afrikas dem Terror so hilflos gegenübersteht. Sein alarmierender Lagebericht ist eine Mahnung an den Westen, nicht länger die Augen vor dem expandierenden Kalifat zu verschließen.

    Abbildung: C.H.Beck 

    Wer die Ursprünge der nigerianischen Islamistengruppe Boko Haram verstehen will, die den Norden Nigerias mit Anschlägen, Überfällen und Entführungen seit Jahren in Schrecken versetzt, muss zum Juni 2009 zurückgehen. Damals rief die bis dahin weitgehend obskure islamistische Bewegung unter ihrem Anführer Mohammed Yusuf in der Stadt Maiduguri einen Aufstand gegen den nigerianischen Staat aus, den der salafistische Prediger als korrupt und illegitim brandmarkte. Nach einem Zusammenstoß mit der Polizei bei der Beerdigung eines seiner Anhänger, forderte Yusuf zum Gegenangriff auf:

    „In der selben Weise, wie sie unsere Brüder auf dem Weg niedergeschossen haben, werden sie eines Tages zu unserer Versammlung kommen und das Feuer eröffnen, wenn wir dies unerwidert hinnehmen“, warnte Yusuf in seiner Moschee. „So wie sie dies getan haben, werden sie Terrorakte gegen Frauen verüben, wenn sie gelassen werden. Wir wollen lieber sterben, als darauf zu warten, dass sie unsere Frauen angreifen und uns bei unserer Versammlung erniedrigen. (…) Verrückte Soldaten! Solange sie nicht aus der Stadt abgezogen werden, wird es keinen Frieden geben.

    So schildert es 
    Mike Smith. Er hat einige Jahre das Büro der französischen Nachrichtenagentur AFP in Nigeria geleitet. Aus seinen Gesprächen mit Politikern, Polizisten, Menschenrechtsaktivisten und Opfern von Boko Haram ist dieses Buch entstanden. Es ist ungemein detailliert, ein Buch, in dem minutiös die koloniale Geschichte Nigerias erläutert wird, in dem das Elend, das zur Gründung von Boko Haram führte, teils kulturell, teils politisch erklärt wird

    Mike Smith beschreibt den Aufstieg von Boko Haram, die Zusammenarbeit der Terrorgruppe mit al-Kaida im Maghreb, den Treueschwur auf den Islamischen Staat im Irak und in Syrien. Die Organisation, die als Sammelbecken zwangsrekrutierter Hoffnungsloser gelten kann, scheint ihre zersetzende Kraft auch aus der puren Furcht der Menschen ziehen zu können. Und aus der Unfähigkeit der nigerianischen Geheimdienste und des Militärs, diese Gruppe zu bekämpfen. Mike Smith:
    "Viele im Norden Nigerias betrachten die Demokratie inzwischen als ein System, das sie in Armut belässt und unwürdige, korrupte Führer reich macht. In Maiduguri, das nahe an den Grenzen zu den Nachbarstaaten Niger, Tschad und Kamerun liegt, wohnen die Wohlhabenden in hochgesicherten Villenbezirken, während die Armen ihr Wasser von Brunnen holen und Schilder auf den Verkehrsinseln auf Arabisch verkünden: ‚Allah ist der Versorger.‘"

    Das Verdienst von Smiths Buch ist es, aufzuzeigen, wie die Gleichgültigkeit der nigerianischen Politik und der desolate Zustand der einst stolzen Armee dazu geführt haben, das Problem Boko Haram zu verharmlosen oder zu ignorieren. Allerdings: So eindrücklich Smiths Schilderung der Gewalt ist, so unbefriedigend ist oft seine Analyse. Viele Fragen zu den Zielen, den Strukturen und der Finanzierung der Gruppe bleiben offen. Womöglich war Smith als Reporter zu nah am Geschehen, um die nötige Distanz und analytische Klarheit zu haben. Womöglich ist es aber auch einfach zu früh, um eine differenzierte Studie dieses Konflikts und dieser zweifellos schwer fassbaren Gruppe namens Boko Haram vorzulegen.

    Mike Smith: Boko Haram - Der Vormarsch des Terrorkalifats; Klappenbroschur, 288 Seiten, C.H.Beck 2015, 14,95 Euro.

    ISBN 978-3-406-68219-3


  • Udo Sautter: Die 101 wichtigsten Personen der Weltgeschichte

    Abbildung: C. H. Beck 

    Udo Sautters faktenreicher Überblick über wichtige Persönlichkeiten der Weltgeschichte ist bereits seit 2002 auf dem Markt - nun wurde die fünfte überarbeitete und aktualisierte Ausgabe in der Reihe C.H.Beck Wissen veröffentlicht.

    Jede Person auf einer Seite

    Dabei ist jedem "Protagonisten" genau eine Seite im 112-seitigen Büchlein vorbehalten. Sautters Auswahl erstreckt sich vom babylonischen König Hammurabi, dessen Kodex Hammurabi die erste bekannte Gesetzessammlung darstellt, über den karthagischen feldherrn Hannibal, Imperator Augustus, Thomas von Aquin, Michelangelo, den englischen Künstler William Shakespeare, Musikgenie Wolfgang Amadeus Mozart, den amerikansichen Präsidenten Thomas Jefferson, die Despoten Adolf Hitler und  Josef Stalin, Mahatma Gandhi oder Mao Tse Tung bis hin zu Microsoft-Gründer Bill Gates. Sautter porträtiert Politiker, Philosophen, Künstler, Musiker, Entdecker, Bösewichte oder Heilige. Seine Auswahl der Personen begründet der Professor am Historischen Seminar in Tübingen  im Vorwort folgendermaßen: "Natürlich wird nicht jeder der Auswahl voll zustimmen, vielleicht sogar die Person vermissen, die ihm die allerwichtigste zu sein scheint. Aber insgesamt stellt diese Zusammenstellung einen verlässlichen Kanon dar, der zum Nachladen und Schmökern einlädt."

    4000 Jahre im Überblick

    Das kann man so stehen lassen. Denn ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis, das Persönlichkeiten aus knapp 4000 Jahren Menschheitsgeschichte umfasst, offenbart, dass Sautter sämtliche Epochen beachtet und daraus prägenden Persönlichkeiten heraushebt. Allgemeingültigkeit und Lückenlosigkeit sind von einem derartigen Werk ohnehin nicht zu erwarten.  

    Denn darum geht es nicht. Das Büchlein soll nicht Grundlage für Doktorarbeiten oder Habilitationen sein, sondern will "solides geschichtliches Wissen über die engen Grenzen der Profession hinaus in historisch weniger informierte Kreise tragen", sagt Sautter im Vorwort. " Die Absicht dieses Bändchens ist es somit weniger, den Leser zu belehren, als vielmehr, früher Gewusstes in die Erinnerung zurückzurufen, halb Gewusstes zu ergänzen und im Übrigen anzuregen zu weiterer Beschäftigung mit den großen gestalten der Vergangenheit."

    Prägnant und mit einprägsamen Fakten

    Das gelingt Sautter eindrucksvoll. Meist fasst bereits der erste Satz jeden Kapitels die Person kurz und knapp zusammen. Was dann folgt ist ein Abriss der Lebensgeschichte, des Wirkens und der Hinterlassenschaft der jeweiligen Persönlichkeit in prägnanter Form anhand von einprägsamen Fakten. Wer sich eingehender mit den 101 wichtigsten Personen der Weltgeschichte beschäftigen will, dem seien die Literaturhinweise unter den Kapiteln ans Herz gelegt.

    Alles in allem Geschichte in kurzer und knapper Form und  für jeden auch nur annähernd geschichtsinteressierten Leser ein Muss.

    Udo Sautter: Die 101 wichtigsten Personen der Weltgeschichte5., aktualisierte und neu bearbeitete Auflage 2015. 112 S.: mit 51 Farbabbildungen im Text. Broschiert; Das Werk ist Teil der Reihe:
    (C.H.Beck Wissen; 2193)

    ISBN 978-3-406-67947-6


  • Mad Max - Endzeit-Feeling für das Wohnzimmer

    Warner und die Avalanche Studios ("Just Cause") versetzen den Leinwand-Helden aus "Mad Max: Fury Road" - passend zur Veröffentlichung der Blu-ray - in ein Action-geladenes Open-World-Spektakel mit Rollenspiel-Elementen und "Grand Theft Auto"-Schlagseite. "Mad Max" für PS4, Xbox One und PC hält sich dabei locker an die atmosphärische Mixtur der Vorlage, ist aber ein eigenständiges Vollstrecker-Abenteuer, das sich irgendwann in der virtuellen Ödnis verliert.

    Abbildung: Warner 

    Als der australische Filmemacher George Miller 1979 sein Regie-Debüt abgab, schuf er, ohne es zu ahnen, einen Klassiker: Sein Low-Budget-Movie "Mad Max" vermischte Rachefilm mit Road-Movie, paarte diese Mixtur mir einem Schuss Weltuntergangs-Flair und lieferte dazu Gewalt-Exzesse, wie man sie in den 70-ern nur selten zu sehen bekam. Doch erst mit der Fortsetzung 1981 avancierte sein von Mel Gibson verkörperter Endzeit-Krieger endgültig zum Pulp- und Kino-Kult: "Mad Max 2: Der Vollstrecker" spielt ausnahmslos in der Wüste und beschwört postapokalyptische Bilder herauf. Obwohl Miller niemals ausdrücklich auf einen vorausgegangenen Atom-Konflikt verwies, erfand er mit diesem Teil die Blaupause für das Genre des postnuklear-verstrahlten Untergangsfilms. Und inspirierte zugleich zahllose Nachahmer, deren Protagonisten fortan durch trostlose Sand- und Steinwüsten stiefelten - darunter nicht nur Filme, auch Spieleserien wie "Wasteland" oder "Fallout" entstanden nach "Mad Max"-Vorbild.

    Ein auffälliges Detail an Millers Werk: Wie ein James Bond oder Batman ist auch sein Max kein Held, der chronologisch oder logisch aufeinander abgestimmte Abenteuer erlebt - zwischen den einzelnen Filmen bestehen allenfalls lose erzählerische Bezüge. Da macht auch der jüngste Film keine Ausnahme: "Mad Max: Fury Road" mit Tom Hardy in der Hauptrolle ist eher Neu-Interpretation als Fortsetzung.

    Nicht zu nah an der Filmvorlage

    Nur konsequent, dass auch die erste ernstzunehmende Spiele-Umsetzung der Thematik ihren eigenen Weg geht: "Mad Max" vom schwedischen Studio Avalanche ähnelt optisch zwar der letzten Kino-Vorlage, eifert ihr inhaltlich aber kaum nach. Bereits im Intro beklagt der durchgeknallte Highway-Krieger den Tod seiner Familien und verliert früh seinen schicken, fahrbaren Untersatz. Darum braucht der unrasierte Antiheld so schnell wie möglich PS-starken Ersatz.

    Hilfe winkt in Gestalt des entstellten Auto-Mechanikers Chumbucket. Der Auto-Irre glaubt, in Max einen prophezeiten Heiland zu erkennen. Darum hilft er ihm beim Zusammenbau des Superkarrens "Magnum Opus". Tatsächlich versteht die humpelnde, stammelnde Nebenfigur die Konstruktion des Wagens als eine Art künstlerischen, sakralen Akt. Entsprechend pingelig ist der KFZ-Kleriker, wenn es darum geht, die richtigen Bauteile zu finden: Also kurvt Max zusammen mit seinem Mutanten-Mechanikus auf der Suche nach dem besten Schrott quer durch die postapokalyptische Wüste - eine ungemütliche, staubige und von zerklüfteten Felsmassiven durchsetzte Ödnis, die Avalanche als offenes Szenario angelegt hat.

    Magnum Opus wird zur fahrenden Festung

    Während Max den grotesken Bewohnern dieses Wastelands mit Schrotflinte oder Fäusten die Hölle heiß macht, ist der auf der Autoladefläche abgestellte Chumbucket darum bemüht, das eigene Gefährt in Schuss zu halten. Auch der Ausbau passiert unterwegs: Hat der Spieler genug Schrottteile beisammen oder besondere Bau-Elemente lokalisiert, wird die Rostlaube nach und nach zur rollenden Festung mit reichlich Pferdestärken - Rammsporn inklusive. Auch ein garstiger Greifhaken gehört zur Ausstattung: Mit dem werden Wachtürme und Scharfschützen-Plattformen in den Staub geschickt. Alternativ zerrt Chumbucket damit die Piloten feindlicher Boliden aus der Fahrerkanzel. Bei voller Fahrt natürlich.

    Für die Keilereien mit den durchgedrehten Wüstenbewohnern wiederum setzt Entwickler Avalanche auf Altbewährtes aus dem Marken-Fundus von Publisher Warner: Das Wechselspiel aus flotten Hieb-Kombinationen und filmreif choreografierten Abwehr- und Kontermanövern hat man sich von den "Batman: Arkham"-Spielen abgeschaut.

    Etwas mehr Abwechslung hätte nicht geschadet - Jammern auf hohem Niveau

    Die Kombination aus Filmheld Max und einem modernen Open-World-Game ist potent - und die Fahrerei durch die Wüste mit Abstand die stärkste Seite des Spiels: Wann immer Max hinter dem Steuer des Magnum Opus' Platz nimmt, ist die Welt in Ordnung. Abseits der Fahrerei mangelt es "Mad Max" allerdings an der nötigen Abwechslung: Ständig durch dieselbe staubige Pampa zu kurven - das ist nur so lange toll, wie die Innen-Schauplätze für Akzente und Kontraste sorgen. Weil Gebäude und Gangsysteme aber oft hingeschludert wirken und die zahlreichen Haupt- und Nebenaufträge sich schnell wiederholen, geht dem Kampf gegen den Warlord Scabrous Scrotus im späteren Verlauf ein wenig die Luft aus.

    Schade, aber noch lange keine Katastrophe. Schließlich ist es dem Hersteller wieder gelungen, eine weitere prominente Filmmarke kompetent in ein Spiel zu verwandeln - und das mit einem ähnlichen Rezept wie bei "Batman": Avalanche bedient sich Kernelemente der Marke, hält sich aber nicht sklavisch an die filmische Aufbereitung des Stoffes. Kurzum: Man lässt das Spiel ein Spiel sein. Und das funktioniert so gut, dass man trotz mangelnder Abwechslung immer wieder gerne ins Wasteland zurückkehrt. Zumal sich "Mad Max" auch technisch keine gröberen Schnitzer erlaubt und stattdessen gewaltige Sandstürme auffährt, in deren Getöse gar nicht auffällt, dass die Geschichte im Gegensatz zu Millers Filmen keinerlei Meta-Ebene besitzt. (tsch)


    Abbildung: Warner 


    Abbildung: Warner 

    Hersteller: Avalanche
    Vertrieb: Warner Bros. Interactive
    Genre: Action
    Preis: ca. 70 Euro
    EAN Code: 5051890229298
    Schwierigkeit: Für Fortgeschrittene
    Alter: Ab 18 Jahren
  • "Glut und Asche" ist ein meisterhafter Thriller

    Mit "Regengötter" landete James Lee Burke einen Volltreffer auf dem deutschen Buchmarkt - der Roman landete nicht nur auf Platz 1 der "KrimiZeit Bestenliste", sondern ergatterte auch Platz 1 des Deutschen Krimipreises. Mit "Glut und Asche" folgt  am 14. September die Fortsetung des Thrillers - und die hat es in sich.

    Danny Boy Lorca ist das Entsetzen ins Gesicht geschrieben, als er sich ins Büro von Sheriff Hackberry Holland schleppt. In der Wüste nahe der texanisch-mexikanischen Grenze wurde er Zeuge eines brutalen Mordes. Von einem zweiten Gefangenen fehlt jede Spur. Hackberry Holland hat erneut alle Hände voll zu tun, um für Gerechtigkeit zu sorgen. Für den alternden Sheriff wird der Fall zum Albtraum, als auch noch Preacher Jack Collins auf der Bildfläche erscheint, ein Psychopath, um den man besser einen Bogen macht - soweit der Plot.


    Abbildung: Heyne 

    Tief und vielseitig gezeichnete Charaktere, Spannung von der ersten bis zur letzten Seite, keine Längen - das ist schon mehr, als viele Kriminalromane von sich behaupten können. Aber Burke schreibt anders. Er scheint seine Worte zu malen, spricht in Metaphern, findet immer das richtige Bild zur richtigen zeit, seine Vergleiche sitzen.

    Tief gezeichnete Charaktere aber keine gläsernen Protagonisten

    Die Charaktere im Roman um den alternden Sheriff Hackberry Holland, der mitten in seinem County an der texanisch-mexikanischen Grenze in einen Interessenkonflikt von mexikanischen Killern, russischen Zuhältern, amerikanischen Nationalisten, Rüstungsunternehmen, Outlaws, dem FBI, der CIA, al Quaida oder einem psychopathischen Massenmörder gerät,  gleichen ausgefeilten Kompositionen. Burke zeichnet sie mit viel Liebe zum Detail, schenkt jedem seiner Charaktere zwei Seiten, lässt Mörder zu reuigen Sündern oder vermeintliche Opfer plötzlich zu skrupellosen Tätern werden.  Aber vor allem lässt Burke den Leser in die Köpfe der  Protagonisten blicken  - und dort tun sich wahre Abgründe auf. So liegt im durch und durch gesetzestreuen und meist adäquaten Sheriff Holland ein innere Zerissenheit verborgen - die Burke nach und nach offenbart und die sich immer wieder Bahn bricht. 

    Ein Bösewicht, vor dem selbst sein Schöpfer Angst hat

    Die Krone setzt sich Burke aber mit dem Haupt-Antagonisten - denn Antagonisten gibt es viele - Preacher Jack Collins auf. Ein psychopathischer Massenmörder mit Messias-Komplex, dessen Markenzeichen von seiner Thompson-MP durchlöcherte und bis zur Unkenntlichkeit entstellte Leichen sind. Die Grausamkeit Collins wirkt teils so abstrus und abstoßend, dass selbst Burke in seinem Nachwort zu dem Schluss kommt, "dass ich ihn für einer meiner faszinierendsten Bösewichte halte. Denn obwohl er zwischen zwei Buchdeckeln eingesperrt ist, macht er mir eine Heidenangst". Doch trotz aller Details werden die Protagonisten nicht zu gläsernen Figuren - dem Leser bleibt das Gefühl, eines schlummernden Geheimnisses.

    Hackberry jagte Collins schon in "Regengötter" und glaubte ihn tot, doch ein ums andere Mal entwindet sich Collins wie eine Schlange dem Griff des Sheriffs und bestimmt maßgeblich die Geschicke im Verwirrspiel um einen verschwundenen amerikanischen Bundesagenten, der von allen Seiten gejagt wird. In diesem Inferno wird beinahe jeder einmal zum Spielball der unterschiedlichen Seiten - mit überraschendem Ende.


    Wie man mit dem Virus lebte, den er sich durch den Umgang mit Waffen zugezogen hatte, hatten ihm seine Ausbilder nicht verraten. Genau das war es aber, was in ihm tobte: Ein Virus, der einen unstillbaren Blutdurst in seiner Brust auslöste und sich so anfühlte, als würde er in einen warmen, rosafarbenen Nebel eintauchen, von der er nie genug bekam.


    Burke spielt aber nicht nur mit der Vielschichtigkeit seiner Charaktere, sondern setzt an so vielen Erzählsträngen an, dass man anfangs, aber nur anfangs, droht, den Überblick zu verlieren. Doch der
    Autor stellt es so clever an, dass der Leser, obwohl ihm der oft unmittelbar wieder einsetzende Erzählstrang schon aus dem Gedächtnis entschwunden war, sofort wieder mitten im Geschehen ist.
     

    Ein Thriller auf sehr hohem Niveau

    "Glut und Asche" ist ein Thriller auf sehr hohem Niveau.  Denn auch wenn die Verstrickungen rund  um Drogen, Prostitution oder Rüstungstechnik zwischen den zahlreichen legalen oder illegalen Organisationen teils übertrieben wirken, findet Burke immer einen Weg, alles plausibel zu erläutern und logisch ineinander greifen zu lassen - nur um am Ende alles in einem bombastischen Finale auf die Spitze zu treiben. Und das mit mehr oder weniger offenem Ende.


    James Lee Burke, Glut und Asche; Paperback, Klappenbroschur, 704 Seiten, Heyne-Hardcore, 17,99 Euro; Erscheinungsdatum: 14. September 2015

    ISBN: 978-3-453-67680-0



  • Charles Bukowksi: Das weingetränkte Notizbuch

    Charles Bukowsk, wohl der umstrittenste Skandalautor der amerikanischen Literatur des 20.Jahrhunderts, war so produktiv, dass viele seiner wichtigsten Texte, die er für Underground-Zeitungen, Literaturzeitschriften und Pornomagazine schrieb, nie gesammelt veröffentlicht wurden. »Das weingetränkte Notizbuch« enthält eine umfangreiche Auswahl, die zum ersten Mal auf Deutsch erscheint. Erzählungen, Essays und Zeitungskolumnen – dieses Buch zeigt den ganzen Bukowski in seiner Meisterschaft: Fans werden begeistert sein, Bukowski-Neulinge angefixt werden. 


    Abbildung: Fischer Verlage 

    Der hier vorliegende Band bringt Unveröffentlichtes aus den Jahren 1944 bis 1990 - einig Texte erscheinen lautet Klappentext sogar erstmals auf Deutsch. Diese sehr lange Zeitspanne ist auf nur 340 Seiten komprimiert. Aber - und das macht diesen langen Veröffentlichungszeitraum so spannend: Es zeigt, wie sich der Stil des Autoren im Laufe der Jahre gewandelt hat. Der junge Bukowski war noch bemüht, sich gewandt aber dennoch so klar auszudrücken, wie er es auch später unumwundener, derber und boshaftiger tut. Zum anderen wird der andere Bukowki gezeigt, der, der Stellung zum Zeitgeschehen, zur Lage der Literatur bezieht, der Kolumnen schreibt und ernstzunehmende Essays.

    Der Leser ist schnell  drin im typischen Bukowski-Universum, das sich  stilsicher ums Trinken, Frauen, um Kneipenschlägereien, um  Armut und um die Schwierigkeiten des Autors dreht, mit anderen Menschen klarzukommen. Hier zieht einer durch leere Straßen, schließt Pferdewetten ab, findet tote Schweineköpfe mit Äpfeln im Maul viel schöner als die Menschen, erinnert sich an den prügelnden Vater, kratzt am Existenzminimum ... und hat dabei dennoch Stil. Typisch Bukowksi: Keinerlei Schutzschild, keinerlei Fassade, völlige Natürlichkeit.

    Insofern ist dieser gut kompilierte Band eine sinnvolle Ergänzung zu den bisher erschienen Nachlassveröffentlichungen.

    ISBN: 978-3-596-90485-3

  • Peter Siebenmorgen: Strauß - Ein Leben im Übermaß
    Er polarisierte, war laut und hatte rethorisches Talent: Am 6. September 2015 wäre Franz Josef Strauß 100 Jahre alt geworden – und noch heute beherrscht der CSU-Politiker, Bundes-Minister und bayerische Ministerpräsident posthum die Schlagzeilen.  Auslöser dieses Mal: Der geschlossene Boykott der beiden Gedenk-Feierlichkeiten am kommenden Freitag durch die Landtagsfraktionschefs Markus Rinderspacher (SPD), Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und Margarete Bause (Grüne). Alle drei hatten unabhängig voneinander abgesagt. „Seine Bilanz ist mit fragwürdigen Rüstungsgeschäften, Vetternwirtschaft, Schmiergeldzahlungen und mit der Spiegel-Affäre verbunden“, sagte Rinderspacher.

    Dennoch: Strauß prägte die deutsche Politik – auch deshalb erscheint kurz vor seinem seinem 100. Geburtstag  eine neue Biografie von Peter Siebenmorgen,  die auch Kritik an Strauß Politik enthält sowie einen Einblick ins Private gewährt. Oder wie es der Tagesspiegel, für den Finanzminister Wolfgang Schäuble die Biografie rezensiert,  ausdrückt:Die Biografie von Peter Siebenmorgen über Franz Josef Strauß verschweigt nichts.“


    Abbildung: randomhouse.de 

    Er war viermal Minister, fühlte sich zum Kanzler berufen, aber das mächtigste Amt blieb ihm versperrt. Und doch: Ohne Franz Josef Strauß wäre die Geschichte der Bundesrepublik eine andere. Seine Karriere war stürmisch wie sein Wesen – auf einen raketenhaften Aufstieg folgte der jähe Absturz. Er war Star der Großen Koalition, Einpeitscher der Opposition, verlor gegen Helmut Schmidt und endete als trauriger König in Bayern.

    Schäuble nennt Siebenmorgens Werk „eine Biografie, die es in sich hat: sprachlich ein Vergnügen, in einem eleganten, hochunterhaltsamen Stil von großem literarischen Sog, durchweg im historischen Präsens; und intellektuell ein Vergnügen, von großer Bildung und Umsicht, voller über die unmittelbaren Zusammenhänge hinausweisender Einsichten, prägnanter Zitate und stimmiger historischer und literarischer Seitenblicke.“

    Ein vielschichtiges Bild

    Siebenmorgen zeichnet ein vielschichtiges Bild von Franz Josef Strauß: Wie der Metzgerssohn zum besten Abiturienten Bayerns reift, dokumentiert dessen Abneigung gegenüber dem Nationalsozialismus, beschreibt Strauß‘ politischen Werdegang vom Landrat über den schnellen Aufstieg zum Bundestags-Direktkandidaten oder zum jüngsten Minister des Kabinetts von 1953. Aber nicht nur der rasante Aufstieg ist Thema, auch FJS Rolle als Verteidigungsminister und seinem Bestreben, die Bundeswehr nuklear aufzurüsten.

    „Dabei verschweigt Peter Siebenmorgen nichts – nicht Strauß’ drastische Sprache, die schroffen Formulierungen, mit denen er immer wieder polarisiert, zu grob, zu unmäßig, zu direkt; nicht seinen schwierigen Charakter, gnadenlos im Recht-bekommen-Wollen, überempfindlich und stur, ungezügelt und brachial; nicht den übermäßigen Alkoholkonsum, die Ehe-Nöte seiner Frau Marianne, die politischen Affären, Gerüchte und Vorwürfe, die seine Karriere begleiteten. Im Zusammenhang des Strauß’schen Geheimprojekts der Rüstungslieferungen an Israel meint Siebenmorgen, dass hier das Verhalten von Strauß und den engen Mitarbeitern im Verteidigungsministerium rechtlich gravierender und strafbewehrter war als sein Verhalten in der späteren „Spiegel“-Affäre“, schreibt Schäuble in seiner Rezension.

    Nachvollziehen und verstehen

    Bei aller Offenheit bemüht sich Siebenmorgen aber auch darum, das Handeln und die Entscheidungen des Charakterkopfs Strauß nachzuvollziehen und zu verstehen.

    Siebenmorgen zeichnet nach, wie es kam, dass man Strauß seit Ende der fünfziger Jahre mehr und mehr für einen „gefährlichen Politiker“ hielt – wobei er in der Sache oft genug auf der Seite von Strauß ist. Doch benennt er deutlich etwa den „rabiaten Pragmatismus im Umgang mit verbrecherischen Herrschern in allen Teilen der Welt“ oder die „gewisse Selbstverständlichkeit im Umgang mit Geld nach Maßgabe seiner Privatmoral“. Und er sieht „dieses Jahrhunderttalent“ am Ende gescheitert: Strauß war seit seiner Niederlage bei der Bundestagswahl 1980 gebrochen – Siebenmorgen zeigt das eindrücklich –, auch wenn dann noch erfolgreiche Jahre als Modernisierer Bayerns folgten. Im Grunde, so legt Siebenmorgen mehrfach nahe, habe es Strauß an der „sozialen Intelligenz“ gemangelt, ohne die man Kämpfe um Gewinn und Erhalt höchster Macht nicht bestehe“, schreibt Schäuble weiter.

    Siebenmorgens Werk beschäftigt sich auch mit einem Abstecher Erich Honeckers nach München, Strauß Ostpolitik und intensiv mit Strauß‘ Privatleben. So stand Siebenmorgen das Tagesbuch von Strauß' Frau Marianne zur Verfügung. Er zeichnet das Bild einer Ehe mit Höhen, aber auch vielen Tiefen – begonnen beim Kennenlernen, der schnellen Verlobung und Hochzeit, bei der ihm die Politik Strauß keine Pause gönnte.

    Siebenmorgens Biografie spart nichts aus, kritisiert, wo sie kritisieren muss, buhlt um Verständnis, wo
    der Autor das für nötig hält und lobt:


    Strauß, der im öffentlichen Urteil als der große Polarisator erscheint,
    ist in Wirklichkeit – nicht nur was seine Partei angeht, aber vor allem für
    seine Partei – der große Integrator, der alle Strömungen und Flügel in sich
    zusammenfasst und Gegensätze zum Ausgleich zu bringen weiß."



    Ein umfassendes, interessantes Werk, gut recherchiert, eloquent und lebendig verfasst. Egal ob Bewunderer oder Gegner - diese Strauß-Biografie kann jeder lesen. Und Gegner oder Bewunderer gibt es, siehe den aktuellen Streit um Strauß Gedenken, noch heute. Wie drückt es Peter Siebenmorgen aus:

    "Je größer das Grab, desto mehr Heuchelei passt hinein, und das Grab von Strauß ist wirklich
    riesengroß."


    Peter Siebenmorgen: Franz Josef Strauß - Ein Leben im ÜbermaßGebundenes Buch mit Schutzumschlag, 768 Seiten, Siedler, 29,99 Euro

    ISBN: 978-3-8275-0080-9




    Das schreibt der Verlag:

    Für seine Biographie, die auf jahrelangen, umfangreichen Recherchen basiert, hatte Peter Siebenmorgen uneingeschränkten Zugang zum Strauß-Nachlass und zu vielen weiteren exklusiven Quellen. Er zeichnet darin ein ebenso überraschendes wie leidenschaftliches Bild des bayerischen Machtmenschen, jenseits von vielen Klischees. Ob es um Strauß‘ Zeit als Offizier der Wehrmacht geht, seine nuklearen Ambitionen, seine Rolle in der Spiegel-Affäre, seinen Dauerkrieg mit Helmut Kohl, seine politischen Ziele und Methoden, seine Rolle als Vater und Ehemann oder sein persönliches Verhältnis zum Geld: Der Autor enthüllt viele neue, brisante Details aus dem Leben des Ausnahmepolitikers. Anhand vieler bislang unbekannter Dokumente schildert er ein Leben und eine Karriere, die jedes Maß sprengten.

  • Grey. Fifty Shades of Grey von Christian selbst erzählt
    Sehen Sie die Welt von Fifty Shades of Grey auf ganz neue Weise – durch die Augen von Christian Grey. Erzählt in Christians eigenen Worten, erfüllt mit seinen Gedanken, Vorstellungen und Träumen zeigt E L James die Liebesgeschichte, die Millionen von Lesern auf der ganzen Welt in Bann geschlagen hat, aus völlig neuer Perspektive - so steht es auf dem Buchrücken des neuen Romans von E L James. Und es sind wirklich seine Worte, die Worte eines Mannes, der den bekannten Plot noch einmal erzählt.

    Abbildung: randomhouse.de 

    Denn genau das passiert in Grey  - derselbe Plot aus anderer Perspektive und eine gute Spur derber. Die Geschichte ist bekannt: Schüchterne Jungfrau verliebt sich in reichen Exzentriker, der einen Hang zu dominanten bis masochistischen Sexspielen hat. Auch er entwickelt Gefühle, sie zweifelt, sie kommen zusammen, sie trennen sich... 

    Die Steigerung des "Hausfrauenporno"

    So war das auch schon im ersten Band von 50 Shades of Grey. Den habe ich zwar nicht gelesen, aber mir zumindest ein Kapitel zu Gemüte geführt. In diesem Werk blicken die Leser, oder vielmehr wohl die Leserinnen, in den Kopf von Anastasia Steele, sehen ihre Wünschen, ihr Verlangen, ihre Sehnsucht nach Liebe. Und wenn einige Rezensenten den ersten Band bereits als "Hausfrauenporno" betiteln, welchen Begriff wollen sie dann bitte für "Grey" finden? Schon in den ersten drei Kapiteln liest man gefühlte 234 Mal "ficken" oder "Schwanz". Sexpraktiken - und wir reden hier nicht von Blümchensex -  werden en detail und ohne Rücksicht geschildert. James nimmt in ihrem Werk wirklich kein Blatt vor den Mund.

    Selbe Szenerie, selbe E-Mails, andere Gedanken

    Dass ich einmal von mir behaupten werde, ein Buch dieser Machart gelesen zu haben, hätte ich vor Wochenfrist noch nicht gedacht. Aber gut, irgendwann ist immer das erste Mal. Ich habe das Buch ziemlich flott gelesen, aber ich bin  - um im Bild zu bleiben - Grey-Jungfrau. Für Fans könnte das Werk eine Enttäuschung sein. Zumindest sprechen andere Rezensenten von Ernüchterung nach den ersten Seiten:  Denn dem Interview folgt die Baumarktszene, dann das Fotoshooting, das Buchgeschenk, Christian holt Ana aus der Bar in Portland... "Grey" enthält die gleichen Dialoge, den identischen E-Mail-Wechsel zwischen den Protagonisten und auch denselben Sex-Vertrag. Diesmal führt eben Christians Stimme durch den Plot. 

    Für Fans wohl unverzichtbar

    "Grey" liest sich nicht  wie eine Liebesgeschichte, sondern wie ein Thriller, in dem ein Serienstraftäter sein nächstes Opfer umkreist. Mit "Grey" gibt sich James die Chance, ihren umstrittenen Charakter neu zu erklären. Das Buch ist voll von emotional aufgeladenen Rückblendesequenzen: Christian als Kind einer "Crack-Nutte", missbraucht von deren "Pimp", Christian als Heranwachsender, der lernt, was eine liebevolle Familie bedeutet. Das ist es, was das Buch wohl für Fans attraktiv und unverzichtbar macht - der Blick in Christians Kopf und dessen Vergangneheit. Und deshalb werden sie, obwohl sie die Geschichte kennen, zugreifen. Bei diesem Band und auch seinen Nachfolgern. 
    Ob ich das tue, das steht in den Sternen.

    E L James: Grey - Fifty Shades of Grey von Christian selbst erzählt;  Paperback, Klappenbroschur, 640 Seiten, Goldmann; 14,99 Euro;
    ISBN: 978-3-442-48423-2
  • Honig im Kopf - ein Film der anrührt


    Til Schweigers Film „Honig im Kopf“ wandelt zwischen den Welten. Teils Komödie, teils Drama versteht es der Film meisterhaft, den Zuschauer zwischen Lachen und Weinen hin- und herzuwerfen.
    Opa Amandus, den Dieter Hallervorden hervorragend spielt, leidet an Alzheimer. Als die Auswüchse seiner Krankheit so schlimm werden, dass man ihm ein selbstständiges Leben nicht mehr zutraut, holt Sohn Niko (gleichzeitig Autor, Produzent und Regisseur: Til Schweiger) Amandus zu sich. Je weiter der alte Herr jedoch ins Nichts abdriftet, desto mehr drängt sich eine Verlegung ins Heim auf. Gegen diesen Schritt sträubt sich der Oldtimer selbst jedoch ebenso wie Enkelin Tilda (Emma Schweiger). Gerade im Zusammenspiel dieser beiden Figuren lässt Schweiger herzzerreißende Szenen entstehen.
    Überhaupt deckt der Film, der oft albern, aber nie respektlos wirkt, ein beachtliches emotionales Spektrum ab. Tragik und Humor liegen in „Honig im Kopf“ eben ganz eng beieinander – und Dieter Hallervorden weiß das eine wie das andere stets würdevoll zu transportieren. 

    Honig im Kopf, Warner Home Video,  DVD, ca. 10 Euro; Bluray, ca. 13 Euro

    GEWINNSPIEL:
    Es gibt eine Blurays und DVDs von "Honig im Kopf" zu gewinnen. Wie man gewinnen kann? Ganz einfach: Eine E-Mail mit "Honig im Kopf" im Betreff sowie, gewünschtes Format, Adresse und Kontaktnummer bis Donnerstag, 5. September 2015, 12.00 Uhr, an benjamin.neumaier@mittelbayerische.de


  • Asterix im neuen Gewand - aber ohne den alten Charme

    Abbildung: Universum Film 

    Seit dem Erscheinen des ersten (1961) von bislang 35 „Asterix“-Bänden wurde die Reihe in mehr als 100 Sprachen übersetzt, etwa 355 Millionen Alben wurden verkauft.
    Längst haben es der kleine Gallier und sein die ihm eigene Korpulenz beharrlich negierender Kumpel Obelix („Ich bin nicht dick!“) auch zu Leinwandhelden gebracht. Davon zeugen acht Zeichentrick- und vier Realfilme. Mit „Asterix und die Stadt der Götter“ kommt nun das erste, komplett computeranimierte Werk um die rauflustigen Römervermöbler auf DVD und Blu-ray in die Wohnzimmer.

    Kurzweilig humorvoll anrührend

    Hat man sich erstmal an den computeranimierten Plastik-Look der Figuren gewöhnt – das geht relativ schnell – ist der Film ein typischer Asterix: kurzweilig, humorvoll, anrührend.

    Inhaltlich lässt die Adaption von „Die Trabantenstadt“, dem 17. Band der von Zeichner Albert Uderzo und dem bereits 1977 verstorbenen Texter René Goscinny begründeten Comic-Reihe, kaum etwas zu wünschen übrig. Die Regisseure haben sich zwar bei der Story ein paar Freiheiten erlaubt, aber die fallen nicht ins Gewicht, machen den Film sogar besser. So führen sie etwa einen kleinen römischen Jungen ein, der sich mit Obelix anfreundet. Das hat zwar mit dem Comic wenig gemein, aber an den Knirps können insbesondere jüngere Zuschauer emotional gut andocken. Im Wesentlichen hält sich das Regie-Duo allerdings an die 1971 erschienene Vorlage.

    Zum Plot: Um die Widerstandsmoral der Bewohner des Gallierdorfs, die seinen Truppen so hartnäckig die Stirn bieten, zu zersetzen, beauftragt Caesar (deutsche Stimme: Martin Umbach) einen Architekten, nahe der Rebellenhochburg eine Luxuswohnanlage („Land der Götter“) zu errichten. Sein Kalkül: Hätten die Gallier erstmal die Reize römischer Lebensart dicht vor Augen, würde ihnen das Römer-Bashing von ganz allein vergehen. Zunächst gelingt es Asterix (Milan Peschel) und Obelix (Charly Hübner), die Arbeiten zu sabotieren. Doch das Vorhaben, den Bausklaven mittels Zaubertrankkraft zur Flucht zu verhelfen, scheitert, weil deren Anführer stattdessen lieber bessere Arbeitsbedingungen aushandelt.

    Geist der Comic-Vorlage ist spürbar

    Irgendwann steht der erste Wohnpalast, die ersten Mieter ziehen ein – und gehen im Gallierdorf shoppen. Rasch zeigen sich dessen Bewohner empfänglich für die Verlockungen des schnellen Geldes und die Annehmlichkeiten des Luxus vor ihrer Haustür. Schon lacht sich der Imperator ins Fäustchen, mit dem er zum finalen Schlag gegen das Widerstandnest ausholen will. Aber er hat die Rechnung ohne Asterix gemacht.

    „Asterix im Land der Götter“ vereint den Witz und Geist seiner Comic-Vorlage mit den Möglichkeiten computeranimierter Bewegtbilder. Dennoch: Auch wenn der Film gut ist und man sich an den Look gewöhnt, versprüht Asterix im neuen Gewand nicht den typischen Charme.

    „Asterix im Land der Götter“ ist bei Universum Film erschienen und seit 21. August im Handel erhältlich. Die DVD kostet ca. 10 Euro, die Blu-ray kostet etwa 13 Euro. Die 3D-Version auf Blu-ray kostet ca. 20 Euro. Zusätzlich sind ein Hörspiel und ein Roman zum Film erschienen.

    GEWINNSPIEL:

    Es gibt eine Bluray von "Asterix im Land der Götter (3D-Version) sowie einen Roman zum Film zu gewinnen. Wie man gewinnen kann? Ganz einfach, beantworten Sie einfach folgende Frage: Welchem Asterix-Comic ist die Geschichte von "Land der Götter" entnommen? Eine E-Mail mit "Asterix-Gewinnspiel" im Betreff, der richtigen Lösung, sowie Adresse und Kontaktnummer bis Mittwoch, 4. September 2015, 12.00 Uhr an benjamin.neumaier@mittelbayerische.de


    Abbildung: Universum Film 

    Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, Gewinner werden ausgelost.


  • Wahn und Willkür

    Abbildung: randomhouse.de 

    Nach „Macht und Missbrauch“ jetzt „Wahn und Willkür“ – das zweite Buch des ehemaligen Ministerialrats im bayerischen Finanzministerium, Wilhelm Schlötterer, ist ebenso bissig, wie sein Vorgänger.
    Trotz aller Scheinaktualitäten wie einem nichtssagenden Kapitel zum Fall Hoeneß oder zum Fall Mollath: Der 73-Jährige bleibt fest in der Vergangenheit und der Ära Strauß verhaftet. Nur zu dieser Zeit bringt er in „Wahn und Willkür“ annähernd Neues, vor allem dies scheint ihm nach der Drangsalierung durch Strauß und dessen (politische) Erben eine Herzensangelegenheit zu sein. Gut ein Drittel widmet der Autor Franz Josef Strauß und dessen Erben - sowie seinem Rechtsstreit mit Ihnen. 
    "Urvater der Amigos"
    Von den Geschwistern Strauß über Franz Josef Strauß als „Urvater der Amigos“, über „Bargeldsysteme“ zu dunklen Zwecken erstrecken sich die ersten Einlassungen, die ein „Grundmuster“ verdeutlichen. Ein Muster, dass sich in den Amtsführungen Stoibers und Seehofers ohne weiteres wieder finden lasse, im (pseudo-) sozialen Handeln der CSU offenkundig wird und in Dutzenden von Affären, Kaltstellungen, Bestechungen und hartem Vorgehen gegen „Unruhestifter“ (bis hin zum vermuteten Attentat) sich noch lange nicht erschöpft.
    „Affäre Mollath“
    Bis hin zur „Affäre Mollath“ („die abscheulichste Ausgeburt dieser Skrupellosigkeit“, die in Schlöttereres Augen keinen Justizirrtum darstellt, sondern mit Vorsatz betrieben wird), bezieht Schlötter nun Stellung und nimmt kein Blatt vor den Mund,  bietet Hinweise, Beweise und Indizien en Masse für seine Einlassungen, die Bayern eher als feudalistisch geführtes Fürstentum“ denn als demokratisches Bundesland erscheinen lassen.
    Fazit
    Natürlich ist das Buch in Teilen auch in deutlich polemischen Ton geschrieben. Nichtsdestotrotz bietet Schlötter erschreckende und schockierende Einblicke in den Umgang mit der Demokratie in bestimmten Kreisen in Deutschland, denen der Leser mit zunehmendem Ärger durch das Buch folgt.

    Wilhelm Schlötterer, Wahn und Willkür - Strauß und seine Erben oder Wie man ein Land in die Tasche steckt; Heyne, Taschenbuch, Broschur, 464 Seiten, 9,99 Euro.
    ISBN: 978-3-453-60361-5

  • Der Kaufhaus Cop 2

    Abbildung: Sony 


    Dank seiner Slapstick-Qualitäten und seinem Knuddelbär-Charisma gelang Kevin James („Hitch – Der Date-Doktor“) mit „Der Kaufhaus Cop“ ein Überraschungshit. Eine Fortsetzung musste her: Doch wie so oft ist die nicht das Gelbe vom Ei. Protagonist Paul Blart verschlägt es diesmal nach Las Vegas zu einer Tagung der US-amerikanischen Kaufhaus-Cops. Paul versucht in der Spielermetropole seine Kollegen mit seinen Segway-Künsten zu beeindrucken und seine Tochter vom Flirten mit dem Hoteljungen Lane abzuhalten. Währenddessen sind Obergauner Vincent und seine Schergen dabei, die in dem Casino-Komplex ausgestellten Kunstwerke zu entwenden. Als der Kaufhaus-Cop von der Sache Wind bekommt, will er die Gangster aufhalten.

    Nicht so spannend? Ist es auch nicht. So erreicht nur James selbst Normalform: Wenn er als schwergewichtiger John-McClane-Verschnitt mit einem angriffslustigen Kranich ringt oder sich wegen Unterzuckerung in vollem Lauf auf die Fresse legt, dann werden Fans des „King of Queens“ auch in „Der Kaufhaus Cop 2“ über seinen Klamauk mit vollem Körpereinsatz lachen können – sonst eher weniger.

    Der Kaufhaus Cop 2: DVD, ca. 13 Euro; Bluray, ca. 15 Euro, Sony Pictures Home Entertainment


    Gewinnspiel:
    Es gibt DVDs und Blurays von Der Kaufhaus Cup 2 zu gewinnen! E-Mail mit Betreff Kaufhaus Cop 2 an benjamin.neumaier@mittelbayerische.de - bitte in der Mail die Adresse, eine Telefonnummer und das gewünschte Format, also DVD oder Bluray angeben. Einsendeschluss: Freitag, 28. August, 12 Uhr.
    Gewinner werden per Los ermittelt, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. 
  • Passend zur Rezension "Kleinkind - Betriebsanleitung": Christoph & Lollo drücken lustig und mit einem Augenzwinkern das aus, was alle Eltern kennen...

  • Das witzige Geschenk für gestresste Eltern

    Kaum hat man Funktionalität und Fehlerquellen beim Modell Baby halbwegs entschlüsselt, wird es zum neuen Modell Kleinkind und verändert sowohl seine akustischen Signale als auch seinen Schlafmodus und seinen kompletten Wartungsbedarf. Diese Betriebsanleitung bietet vielfach praxisgetestete Anwenderstrategien zur Durchführung der wichtigsten Updates im Alter von ein bis vier Jahren.

    Abbildung: randomhouse.de 

    Dr. Brett Kuhn und Joe Borgenicht widmen sich in "Kleinkind - Betriebsanleitung" auf lustige Weise einem Thema, das viele Eltern in so manchem Moment verzweifeln lässt - die Erziehung ihres geliebten Nachwuchses. Essen landet auf dem Boden statt im Mund, der Ofen ist hundert Mal interessanter als das überall verteilte Spielzeug oder das Einschlafen bei Mama und Papa ist bedeutend komfortabler, als im eigenen Bettchen.


    Wie eine echte Betriebsanleitung

    Diesen und vielen anderen Problemen nähern sich die beiden Autoren wie in einer echten Betriebsanleitung, sprechen oft von "Upgrades", den Vor- und Nachteilen von "Modellen" und nähern sich Problemlösungen auf witzige  Weise. Ihre Tipps sind nicht grundlegend neu, oftmals schon in anderen Erziehungsbüchern zu finden, aber eben in neuem Gewand ansehnlich präsentiert.

    Die einzelnen Kapitel haben vielsagende und lustige Namen wie "Updates für Transport und Zuhause", "Programmierung des Schlafmodus", Instandhaltung und Training" oder "Sicherheitshinweise und Notversorgung". Der Leser findet sich im kleinen Büchlein schnell zurecht und in den kurz gehaltenen, methodisch aufgebauten und  gehaltvollen Kapiteln gut zurecht. Überdies arbeiten die Autoren mit zahlreichen lustigen aber aussagekräftigen Bebilderungen.

    Fazit:

    Kuhn und Borgenicht erfinden mit "Kleinkind - Betriebsanleitung" das Rad nicht neu, geben aber wertvolle Tipps und sorgen für das ein oder andere Schmunzeln bei gestressten Eltern. Ob die Tipps auch helfen, das liegt dann aber auch an den "Anwendern" selbst...


    Brett Kuhn/Joe Borgenicht, Kleinkind - BetriebsanleitungPaperback, Broschur, 224 Seiten, Mosaik-Verlag; 12,99 Euro; ISBN: 978-3-442-39273-5

  • Sergei Antonow - Im Tunnel

    Anatoli Tomski ist ein junger Anarchist, der keinerlei Autorität anerkennt. Als das Machtgefüge in der Metro aufgrund von Hegemonialgelüsten einzelner Stationen ins Wanken gerät, erkennt Tomski die Bedrohung für seine eigene Freiheit und die seiner Kameraden. Gemeinsam mit einer Handvoll Mitstreitern soll er die Drahtzieher eines geheimen Waffenprojekts unschädlich machen, bevor es zu spät ist. Doch der Weg durch die Tunnel ist weit und voller Gefahren – und welchem seiner Begleiter kann Tomski wirklich trauen?

    Abbildung: randomhouse.de 

    Sergej Antonows Beitrag zum Metro2033-Universum ist in gewissem Sinne ein klassischer Metro-Roman. Denn neben einem sehr kurzen Ausflug an die verstrahlte Oberfläche erlebt der Leser die Abenteuer von Soldat Tomski und seinen wechselnden Begleitern in den mehr oder weniger sicheren U-Bahn-Tunnelnd er russischen Hauptstadt Moskau. 
    Nahe an der Vorlage
    Dabei hält sich Tomski in vielerlei Hinsicht präzise an die "Vorgabe" aus Metro2033, dem Hauptwerk der reihe. Bereits bekannte Gesellschaftsformen tauchen wieder auf, Antonow schildert die düstere Hoffnungslosigkeit in der Metro und der Held erlebt eine Odyssee durch den weit verzweigten Moskauer Untergrund.
    Interessante Ideen
    Dennoch ist im Tunnel teilweise anders: Antonow baut zahlreiche Traumsequenzen und Visionen  ein. Sein Held ist kein Held wie er im Buche steht - und kommt im Gegensatz zu manch anderem Metro-Protagonisten mit erstaunlich wenig Munition aus. Antonow setzt neue Reizpunkte und auf den Menschen als noch größeren Übeltäter als die stets gegenwärtige Verstrahlung und Verräter an der eigenen Rasse. Das klingt auch in anderen Metro-Romanen an, aber nirgends so deutlich wie in "Im Tunnel".
    Fazit
    Antonows Roman ist kurzweilig, geizt nicht mit Action und setzt an den richtigen Stellen Wendepunkte. Das Ende wird den vorangegangenen Seiten allerdings nicht in vollem Maße gerecht. Es macht den Eindruck, als wollte Antonow mit aller Macht sämtliche Protagonisten und auch scheinbar unbedeutenden Details seines Romans in die abschließenden 20 Seiten quetschen. Das ist etwas too much. Dennoch ist "Im Tunnel" ein abwechslungsreicher Metro-Roman, mit guten Ideen und interessanten Ansätzen.

    Sergej Antonow: Im TunnelPaperback, Klappenbroschur, 384 SeitenHeyne; 14,99 Euro;
    ISBN: 978-3-453-31407-8; 

  • Mroskos Talente  - wenn einen der Profi-Fußball erdrückt

    Lars Mrosko ist Fußballer mit Haut und Haaren. Als ihn eine Knöchelverletzung zwingt, die eigene Karriere an den Nagel zu hängen, will er um keinen Preis seine Leidenschaft aufgeben. Er wird Jugendtrainer bei TeBe Berlin, dann Talentscout für St. Pauli, Wolfsburg und schließlich sogar den FC Bayern. Er weiß, dass viel Geld im Spiel ist, wenn es um Talente für eine der besten Ligen der Welt geht. Aber das ist ihm egal, er ist glücklich über einen Trainingsanzug in Vereinsfarben, über Anerkennung durch seine Vorgesetzten. Lars Mrosko kommt aus einfachen Verhältnissen, aufgewachsen in Neukölln schlägt er sich mit Ladendiebstählen durch, bis seine Fußballkenntnisse ihn an die richtige Stelle katapultieren - ins Büro von Felix Magath, der Mroskos Leidenschaft erkennt und ihm glaubt, dass Edin Dzeko der richtige Stürmer für Wolfsburg sein könnte ...

    Abbildung: Piper.de 

    Ronald Reng, anerkannter deutscher Sportjounalist und Autor, sucht für seine Reportagen, Spielberichte oder Sachbücher oftmals nicht nur die Nadel im Heuhaufen, sondern bildlich gesprochen den Kopf der Stecknadel im Camp Nou - zwischen knapp 100.000 Zuschauern. Er erzählt Geschichten,  die sonst nicht erzählt würden und beleuchtet so auch dunkle Winkel des Fußballgeschäfts, die ohne ihn im Dunkel bleiben würden. Er leuchtet die Randbezirke des Fußballs aus - und hat das mit seinem neuesten Werk "Mroskos Talente - Das fabelhafte Leben eines Bundesliga-Scouts" wieder auf eindrucksvolle Weise bewiesen. 

    Zumindest habe er es versucht, sagt er selbst: 
    "In den gut erzählten Geschichten von unten geht es, wenn es um das Triumphieren geht, immer auch um das Scheitern, es geht nicht nur um das Träumen vom Aufsteigen, sondern auch um das Weitermachen nach dem Oben-nicht-ankommen; es geht um das volle Spektrum menschlicher Erfahrungen. Solch eine Geschichte hoffe ich in „Mroskos Talente“ eingefangen zu haben: die Geschichte eines jungen Mannes aus Neukölln, der unbekannt, unerkannt jenseits der Fernsehkameras als Talentesucher für die ganz großen Verein der Fußball-Bundesliga arbeitete, Bayern MünchenVfL Wolfsburg, später als selbständiger Spielerberater. Am Ende, hoffe ich, versteht man an seinem Leben vollständiger als in einer Biographie von Schweinsteiger oder Messi, wie im Geschäft Profifußball gearbeitet wird, wie es im Profifußball zugeht."

    Lars Mrosko war ganz oben - arbeitete als Scout  bei St. Pauli, beim VfL Wolfsburg, sogar beim großen beim FC Bayern. Er entdeckte Talente wie Edin Dzeko, flog quer durch Europa, war bei europäischen Jugend-Turnieren, trank Kaffee mit Felix Magath...jahrelang ging alles gut. Er war angekommen im Profifußball. Doch irgendwann änderte sich alles - Lars Mrosko beschrieb es in einer SMS:

    "Ich bin enttäuscht vom Profifußball, wo es immer nur um den nächsten Profit, den nächsten Vertrag, die nächste Schlagzeile geht, aber nicht mehr um das Spiel an sich! ... Das ist nicht mehr meine Welt ... Ich danke allen, die ich in den zurückliegenden 15 Jahren kennen und schätzen gelernt habe, Freunden, Bekannten, Kollegen ... Heute habe ich meine Beratungsagentur aufgelöst. Ich ziehe mich aus dem Fußballgeschäft zurück."

     So endet Lars Mroskos Geschichte, die Reng erzählt. Die Lebensgeschichte eines talentierten jungen Mannes, den der Fußball erdrückt hat. Aber es ist mehr als eine Biographie, es erzählt die Geschichte einer Branche, einer harten Branche, die nach außen faszinierender und erstrebenswerter wirkt, als sie in Wirklichkeit ist.
    Denn es geht um Geld, viel Geld - und sehr viele wollen mitverdienen. Auch Mrosko: Als Scout und später als Spielerberater. Für ein Taschengeld ständig durch Europa jetten und Talente scouten, die andere dann für reichlich Provision an den Mann bzw. Verein brachten? Nein, das wollte er nicht  mehr. Lars Mrosko wollte mehr. Er wollte selbst den Spieler finden, den Spieler der ihm mit einem Profivertrag auf den Schlag 200.000 Euro Provision bringt.

    Mehr am Handy, als am Fußballplatz

    Doch schon vermeintliche Jungstars sträuben sich. Mroskos hing nicht mehr wie als Scout auf Fußballplätzen herum er hing am Telefon. Wollte er Spieler A an Verein B vermitteln kostete ihn das 15 Anrufe beim Sportdirektor - der dann nur sagte, er wolle es isch überlegen, nur um sich dann nie mehr zu melden. 
    Doch Mrosko liebte den Sport, wollte sich nicht lossagen, kämpfte weiter für seinen Erfolg. Doch hinter jedem  Gerücht, hinter jedem Transfer, stecken viele kleine Schritte:
    "Hör mal", sagte Ceylan, "Hast Du vielleicht die Telefonnummer von Kolo Toure?" Kolo Toure war ein afrikanischer Weltklasseverteidiger, der beim FC Arsenal in London spielte. Das war, bislang, nicht gerade Mroskos Fußballliga gewesen. Er sagte: "Ich schau mal, was ich machen kann." Er konnte jede Telefonnummer im Fußball besorgen. Ganz sicher. Er kannte immer jemanden, der jemanden kannte, der jemanden kannte. Unlängst hatte Giacomo Petralito angerufen, der Vertrauensberater von Wolfsburgs Sportdirektor Klaus Allofs. Ob Mrosko ihm nicht die Nummer eines Spielers von Hannover 96 besorgen könne, Konstantin Rausch. Den wolle er gerne Allofs vorschlagen. "Ich zahle dir 2.000 Euro", sagte Petralito. Eine Minute später hatte Mrosko die Nummer. "Ja, Wahnsinn!", sagte Petralito, "ich habe doch gerade erst aufgelegt." Die 2.000 Euro zahlte er tatsächlich. Wobei er sich hätte denken können, dass Petralito dann öfter anrief und nach Telefonnummern verlangte. Und natürlich nichts mehr zahlte. Die 2000 Euro waren nur der Köder gewesen."

    Denn am Ende gibt es auch in dieser schillernden Welt eben nicht genug Geld für alle – und dennoch wollen viele bleiben. Auch Mrosko - bis zu besagter SMS.

    Ein Buch aber müsste er mal schreiben, sagte er zu seinem Partner Diego einmal, da würden die Leute staunen, die dachten, Spielerberater, das seien doch die, die mal von Uli Hoeneß zum Essen eingeladen würden, mal intrigant in Werder Bremens Aufstellung reinredeten und pünktlich zur Transferperiode wieder an den Marionettenschnüren zogen, um ihre Millionen zu verdienen. Zuhause, an einem der Vormittage, an denen es immer so still war, setzte er sich dann an den Computer, um sein Buch zu beginnen. Nach ein paar Seiten gab er auf. Die Kommasetzung nervte ihn. Aber dann fand er Ronald Reng - oder Reng ihn. Und so kam Mroskos Geschichte ans Licht - und mit ihm  Schicksale einer ganzen Branche.


    Ronald Reng, Mroskos Talente. Das erstaunliche Leben eines Bundesliga-Scouts416 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag, erschienen am 10. August 2015; 20,00 Euro

  • Original des Koestler-Romans "Sonnenfinsternis" aufgetaucht 

    Eine verschollene Original-Fassung des Romans "Sonnenfinsternis" des Schriftstellers Arthur Koestler (1905 bis 1983) ist nach Angaben der Universität Kassel wieder aufgetaucht. Wie die Hochschule am Montag mitteilte, fand ein Doktorand das maschinengeschriebene Manuskript in der Zentralbibliothek Zürich. 

    Arthur Koestler Foto: dpa 

    Der Text lasse neue Schlüsse auf die Entstehung des einstigen Bestsellers zu, hieß es in der Mitteilung. Bislang sei nur eine Rückübersetzung aus dem Englischen bekannt gewesen. Man ging demnach davon aus, dass der Originaltext verloren ging, als Koestler 1940 aus Frankreich vor den Nazis nach England floh. 

    Ob nun das Original gefunden wurde, ist nicht abschließend bewiesen, es spricht aber laut Uni alles dafür - unter anderem handschriftliche Korrekturen und Einfügungen Koestlers. Wie das Dokument den Weg in das Archiv fand, blieb zunächst unklar.
    In seinem bekanntesten Werk von 1940 geht der einst glühende Kommunist Koestler hart ins Gericht mit den stalinistischen Säuberungsaktionen und Schauprozessen in der Sowjetunion. In Großbritannien avancierte er zu einem der wichtigsten Autoren in englischer Sprache.
    Peter Seibert, Professor im Ruhestand der Uni Kassel, sagte, "Sonnenfinsternis" sei ein Schlüsseltext des Exils, um dessen Deutung gerungen worden sei. "Umso wichtiger, dass endlich die Ursprungsfassung gefunden wurde. (dpa)
  • Buchladen in Michigan erstattet Geld für Harper-Lee-Buch 
    Viele feiern Harper Lees neues Buch, doch ein Buchhändler in den USA hat offenbar ein schlechtes Gewissen gegenüber seinen Kunden. Der Buchladen "Brillant Books" in Traverse City in Michigan erstattet den Käufern des neuen Romans "Gehe hin, stelle einen Wächter" den Kaufpreis, wenn sie das Buch zurückbringen.
    Auf seiner Website veröffentlichte der Buchladen eine Stellungnahme, wonach der Roman weder eine Vor- oder Nachgeschichte zu Lees Welterfolg "Wer die Nachtigall stört" noch ein ganz neues Buch sei. Man fühle sich den Kunden gegenüber verantwortlich, die vom Marketing in die Irre geführt worden seien. Die Kritik hatte das langerwartete Zweitwerk Harper Lees zwiegespalten und insgesamt eher negativ aufgenommen. (dpa)

  • Die 100 - anders als die TV-Serie, aber richtig gut!
    Seit einem vernichtenden Atomkrieg lebt die Menschheit auf Raumschiffen. 300 Jahre lang hat niemand mehr die Erde betreten. Doch nun sollen 100 jugendliche Straftäter das Unmögliche wagen: zurückkehren und herausfinden, ob ein Leben auf dem blauen Planeten wieder möglich ist. Doch was die idealistische Clarke, der geheimnisvolle Bellamy und die anderen Verurteilten nach ihrer Ankunft vorfinden, raubt ihnen den Atem. Ein tödliches Abenteuer beginnt, auf das sie kein Training der Welt hätte vorbereiten können ...

    Abbildung: Heyne 
    Eines ist verwirrend - zumindest, wenn man die TV-Serie "Die 100" verfolgt hat und dann das Buch gelesen hat. Auf dem Buchcover sind die TV-Charaktere abgebildet - von denen aber einige gar nicht  oder zumindest noch nicht - im Roman vorkommen. 

    Mehrere Handlungsstränge

    Außerdem laufen Buch und Serie ähnlich - die Protagonisten werden breit dargestellt, der Plot läuft in mehreren Handlungssträngen (Erde, Raumschiff, Vergangenheit), sind aber dann doch grundverschieden. Das beginnt bei den Protagonisten: Einen Jesper oder Finn gibt es nicht, Octavia ist weit jünger, Clark und Bellamy stehen in einer anderen Beziehung, Wells überlebt deutlich länger, Clarks Eltern haben ein anderes Schicksal und besonders an Bord der "Arche", die im Buch in Phoenix, Walden und Arcadia aufgeteilt ist, läuft die Handlung völlig anders. Auch die Grounder (Überlebende auf der Erde) - in der Fernsehserie tauchen die bereits in der Pilotfolge auf - kommen im Buch erst ganz am Ende ins Spiel.
    Das liegt wohl daran, dass der TV-Publisher die Serienrechte von Roman-Autorin Kass Morgan bereits erworben hatte, als die ihr Buch noch gar nicht vollendet hatte. 
    Morgan legt in ihrem Roman weit mehr Augenmerk auf die Beziehung der Charaktere untereinander, während die TV-Serie das als Randaspekt neben viel Action und Schockelementen mitlaufen lässt. Auch ergeben sich teils völlig andere Personenkonstellationen.

    Jugendbuch mit spannendem Plot

    ABER: Wer die TV-Serie gut findet, dem wird mit ziemlicher Sicherheit auch das Buch gefallen - und umgekehrt. Der Roman ist spannend, der Plot  stimmig und nimmt gegen Ende richtig Fahrt auf. Mal sehen, wann und  die Handlungstränge zusammenlaufen. Roman zwei der Serie erscheint im Januar 2016 - und auch wenn "Die 100" dann doch eher ein Jugendbuch ist, werde ich wohl nicht daran vorbeikommen.

    Kass Morgan, Die 100; Paperback, Klappenbroschur, 320 Seiten; HEYNEfliegt; 12,99 Euro 


  • "Jim Knopf"-Jubiläumsausgabe: Das Wort "Neger" bleibt drin
    Das heute als rassistisch geltende Wort "Neger" bleibt in der Jubiläumsausgabe von Michael Endes "Jim Knopf" erhalten. Zum einen, weil sich Autor Ende (1929-1995) nicht mehr äußern könne; zum anderen, da das Wort "Neger" nur in einer Szene vorkomme, die vor allem dazu diene, den Fotografen Herrn Ärmel als Besserwisser darzustellen, teilte der Stuttgarter Verlag Thienemann-Esslinger mit. Man habe sich deshalb entschieden, den Begriff in der colorierten Ausgabe von "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" zum 55. Geburtstag stehen zu lassen. 

    Das Wort wird verwendet, als die Bewohner von Lummerland das fehlgeleitete Postpaket mit dem schwarzen Baby Jim finden und Herr Ärmel sagt: "Das dürfte vermutlich ein kleiner Neger sein."
    Autor Otfried Preußler (1923-2013) hatte kurz vor seinem Tod zugestimmt, dass in seinem berühmten Kinderbuch "Die kleine Hexe" das Wort "Negerlein" politisch korrekt ersetzt wurde, was bundesweite Debatten auslöste.

    Thienemann-Verlegerin Bärbel Dorweiler zitierte am Montag Endes Scheinriesen Tur Tur aus "Jim Knopf" zum Thema: "Eine Menge Menschen haben doch irgendwelche besonderen Eigenschaften. Herr Knopf, zum Beispiel, hat eine schwarze Haut. So ist er von Natur aus und dabei ist weiter nichts Seltsames, nicht wahr? Warum soll man nicht schwarz sein? Aber so denken leider die meisten Leute nicht. Wenn sie selber zum Beispiel weiß sind, dann sind sie überzeugt, nur ihre Farbe wäre richtig und haben etwas dagegen, wenn jemand schwarz ist. So unvernünftig sind die Menschen bedauerlicherweise oft." (dpa)
  • Stille Alice - kein Film zum Vergessen

    Foto: Polyband/Lindenfels 

    Dieser Oscar war absolut verdient: Julianne Moore spielt einfühlsam und subtil die 50-jährige Linguistik-Professorin Dr. Alice Howland und durfte dafür  den Academy Award als beste Hauptdarstellerin ihr Eigen nennen. In "Still Alice - Mein Leben ohne Gestern" (2014) gelingt es ihr, dem Zuschauer zu vermitteln, wie sich Alzheimer anfühlt. Immerhin 360.000 Zuschauer sahen das schwierige, aber eben auch tiefschürfende Drama im Kino. Jetzt erscheint der Film auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

    Das Regie-Ehepaar Wash Westmoreland und Richard Glatzer begeistert vor allem durch die einfühlsame Perspektive: Der inzwischen verstorbene Glatzer litt selbst unter ALS, einer Krankheit, die mit einem ähnlich tragischen, wenngleich auch körperlichen Kontrollverlust einhergeht.

    Alzheimer reißt Alice mitten aus ihrem Leben. Bislang hat die Professorin außerordentlich viel Glück gehabt: Ihren 50. Geburtstag verbringt sie gemeinsam mit dem Biologen John (Alec Baldwin), mit dem sie glücklich verheiratet ist, und ihren drei Kindern. Doch wenig später treten bei Alice die ersten Gedächtnislücken auf, bei einem Vortrag hat sie plötzlich einen Aussetzer. Beim Joggen fährt ihr der Schreck durch die Glieder, weil sie sich auf einmal nicht mehr an den Nachhauseweg erinnern kann. Ein Arzt eröffnet ihr kurz darauf die bittere Wahrheit: Alice hat frühmanifesten Alzheimer, der zu allem Übel auch noch vererblich ist.

    Spätestens wenn der Arzt die bittere Diagnose stellt und die Kamera lange auf Moores Gesicht verweilt, geschieht mit dem Zuschauer dank der herausragenden Leistung dieser Ausnahmeschauspielerin etwas, was eigentlich unmöglich scheint: Er wird wahrlich in die Lage versetzt, sich fortan in diese Frau einzufühlen, die allmählich ihr Gedächtnis und die Kontrolle über ihr Leben verliert. Die zu Herzen gehende Wiederannäherung von Tochter Lydia (Kristen Stewart) an die Mutter und deren weiterer Krankheitsverlauf prägen fortan den Fortgang des äußerst subtilen, wenngleich recht konventionell ablaufenden Dramas, das ohne Taschentuch nicht durchzustehen ist.

    Still Alice, Polyband, DVD 13 Euro, Bluray 16 Euro

  • WEHRT EUCH - BR will Literatursendungen abschaffen!

    Die einzigen Literatursendungen des Bayerischen FernsehensLesezeichen und Lido, sollen abgesetzt werden. Der Grund hierfür seien Sparmaßnahmen, heißt es. Dies würde jedoch einen starken Rückgang der Literaturvermittlung durch die öffentlich-rechtlichen Medien bedeuten. 

    „Das ist unvereinbar mit dem Bildungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“, heißt es auf der Petitionswebsite gegen die Abschaffung der Literatursendungen. „Es geht um kulturelle Identität, um das Bewusstsein für Sprache, um das Einüben von Empathie." Eine Milliarde an Steuergeldern kassiert der BR - deswegen entscheidet nicht die Quote! Es geht um Kultur, wer wenn nicht die Öffentlich-Rechtlichen soll diesen Auftrag erfüllen? RTL gewiss nicht...

    Diesen Donnerstag, 30. Juli, soll im Rundfunkrat über die Absetzung entschieden werden. Wer gegen die Abschaffung der Literatursendungen ist, kann die Petition unterschreiben, die bis zum 31. Juli noch online bleibt. 
  • Foxcatcher: Sportlerdrama, Psychogramm, wahre Geschichte

    Bevor "Die 100" an der Reihe sind - das Buch ist leider noch nicht angekommen -, hab ich mir ein fünffach Oscar-nominiertes Sportlerdrama vorgenommen. Der Film Foxcatcher ist aber nicht nur ein Sportlerdrama, sondern auch eine Satire auf das US-Klassensystem und ein Psychogramm männlicher Minderwertigkeitskomplexe. Außerdem beruht er auf einer wahren Geschichte und endet nicht nur im Film tragisch. Zu meiner Rezension geht es hier.



  • Vorankündigung bzw. Vorgeschmack: Wer am Mittwoch den Serienstat von "Die 100" verfolgt hat, ist vielleicht schon etwas angefixt - ich bin's zumindest und kann es kaum erwarten, den ersten Band der Serie von Kass Morgan in den Fingern zu halten. Er sollte bald ankommen...Denn wie heißt es so schön: Das Buch ist immer besser als der film. beziehungsweise die Serie. Beziehungsweise fast immer besser. Oder Meistens.
    Naja, wir werden sehen...

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