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Die Kugelschreiber

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    "Die Universität verhindert Diskussionen um das Bildungswesen"

    Was steckt eigentlich hinter dem Hashtag #meutern? Die Aktion "Lernfabriken meutern" versteht sich als Austauschplattform für alle, die im Bildungswesen angestellt oder davon betroffen sind. Die Aktivisten erheben zum Teil schwere Vorwürfe gegen die Universität Regensburg - sie sei undemokratisch, exklusiv und versuche bewusst, kritische Diskussionen über das Bildungssystem zu verhindern. Die Meuterer Dominik und Patrick erklären den Kugelschreibern, was die Kapitäne der Universitätsleitung ihrer Meinung nach falsch machen.


    Patrick (links), 25, Mathematikstudent, und Dominik, 21, Philosophiestudent, unterstützen die Aktion #meutern.


    Worum geht es bei der Aktion "Lernfabriken meutern"?


    Dominik: D
    ie Aktion hat Ende April in Niedersachsen begonnen. Sie soll ein Forum bieten, in dem sich alle austauschen können, die im Bildungswesen vertreten sind - Schüler, Studierende, Auszubildende. Sie richtet sich aber auch an Dozierende und Lehrer. Es geht uns hauptsächlich darum, einen Raum zu schaffen, in dem über das Bildungssystem diskutiert wird.

    Patrick: Es ist eine transnati
    onale Protestaktion in mehreren Städten, auch in Wien. Sie wird dezentral organisiert. Es gibt keine feste Struktur. Alle Menschen, die sich austauschen wollen, können das Motto #meutern nutzen, um sich darunter zu sammeln.

    Wollt ihr konkrete Punkte verändern oder ist eure Aktion ein generelles Statement der Unzufriedenheit?

    Patrick: Wir haben einen Pool aus Themen, die allgemein gehalten sind - zum Beispiel mehr Mitbestimmung und Demokratisierung des Bildungsbetriebs. Ob und wie die Forderungen umgesetzt werden können, hängt von den Unis ab. Es gibt liberalere Unis, aber auch strikte Unis wie die Universität Regensburg, die überhaupt nicht mit uns reden will. Unser Camp ist nicht genehmigt oder angemeldet, es ist eine spontane Versammlung. Es ist ein Protestcamp. Wir wollen Raum zur Diskussion schaffen, der uns von der Uni nicht gegeben wird und sogar bewusst abgelehnt wurde.

    Dominik: Ein konkrete
    r Punkt, der uns am Herzen liegt, ist der Auslagenersatz an der Uni Regensburg. Das ist eine Gebühr für Sprachkurse, die 25 bis 50 Euro pro Kurs beträgt.  Bisher waren die Sprachkurse kostenlos. Doch jetzt, nach der Abschaffung der Studiengebühren, fehlen der Uni-Leitung angeblich die Gelder, um die Kurse zu finanzieren. Und genau durch diese Gelder werden Leute ausgegrenzt, die sich  den Sprachkurs nicht leisten können. Durch die Kosten entsteht letztendlich ein Rückgang in der Nachfrage nach Sprachkursen. Die sinkende Nachfrage wiederum gibt der Uni einen weiteren Grund, Mittel für Sprachkurse zu reduzieren.

    Patrick: Ein weiterer konkreter Punkt betrifft das Anstellungsverhältnis von wissenschaftlichen Mitarbeitern. Es geht nicht, dass diese immer nur projektbezogen angestellt werden. Wir fordern, dass sie beispielsweise auf fünf Jahre befristet und ohne direkten Projektbezug angestellt werden, damit sie auch mit uns Studierenden arbeiten können.

    Habt ihr im Vorfeld das Gespräch mit der Unileitung gesucht?

    Patrick: Das Gespräch wird ständig gesucht. Im Konvent oder im Senat treten Vertreter der Studierendenschaft regelmäßig für mehr Mitbestimmung im Unialltag ein, zum Beispiel bei der Berufung von Professoren. Doch auch im Alltag versuchen wir, auf die Unileitung zuzugehen, um mitzugestalten. Das wird aber ständig abgelehnt nach dem Motto: "Wir können auch nichts machen. Wir haben kein Geld, keine Zeit, keine Kapazitäten." Doch das sehen wir anders.


    Aber konkret
    gegen euer Camp vorgegangen ist die Unileitung bisher nicht.


    Patrick: Nein, sie ignoriert uns. Wir denken, das ist eine Strategie nach dem Motto: "Was wir nicht sehen, ist nicht da." Wenn sich die Verantwortlichen einer Hochschule nicht dazu bereit erklären, mit Studierenden zu reden, die ein Anliegen haben, ist das ein Zeichen dafür, dass unser Bildungssystem in Schieflage ist. Da fehlt Demokratie. Was sind das für Werte, wenn man den Diskurs ablehnt?

    Habt ihr Kontakte zu den Hochschulparteien oder deren Vertretern?


    Dominik: Wir wollen ganz bewusst einen Diskurs unabhängig von Hochschulgruppen, Parteien oder Gewerkschaften starten. Das gelingt uns auch ganz gut. Natürlich ist es so, dass viele interessierte Aktivisten auch hochschulpolitisch aktiv sind. Doch wir tendieren in keine Richtung, sondern gestalten den Diskurs frei.

    Patrick: Alle Hochschulgruppen sind eingeladen, an unserem Diskurs teilzunehmen. Ob Jusos, Bunte Liste oder auch der RCDS, sofern Interesse besteht - was in dem Fall unwahrscheinlich ist, da der RCDS eher konservativ ausgerichtet ist.


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