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Die Kugelschreiber

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    Der Sturm gegen 25 Euro

    Seit Monaten wettern Studentenvertreter gegen den im Sommersemester eingeführten Auslagenersatz für Sprachkurse. Jetzt bekommen sie Unterstützung von der SPD-Landtagsabgeordneten Margit Wild – doch der Vizepräsident der Uni lässt die Argumente der Auslagenersatz-Gegner nicht gelten.

    25 Euro müssen Studenten der Uni Regensburg seit dem Sommersemester für einen zweistündigen Sprachkurs bezahlen. (Foto: Knobloch) 

    Der Sprecherrat der Uni Regensburg echauffiert sich, wettert seit Januar 2015 gegen die Universitätsleitung. Eine privat initiierte Petition ringt um Unterstützer, über 400 Personen aus ganz Deutschland haben schon unterschrieben. Jetzt hat sich auch die Landtagsabgeordnete Margit Wild (SPD) öffentlich geäußert. Der Anlass: 25 Euro – der im Sommersemester eingeführte Auslagenersatz. Seitdem müssen Studenten, wenn sie einen zweistündigen Sprachkurs belegen wollen, die umstrittene Summe bezahlen.

    „Die Universitätsleitung muss sich überlegen, ob sie in Kauf nehmen will, dass die Anmeldungen für die Kurse weiter sinken“, sagt Margit Wild im Kugelschreiber-Interview. Denn: Im Sommersemester haben sich nur noch gut 3000 Studenten um einen Platz in einem Sprachkurs beworben – im Wintersemester zuvor waren es noch knapp 6000. Das geht aus einer Antwort auf eine Anfrage der Landtagsabgeordneten an das Kultusministerium hervor. Die gesunkene Nachfrage ist für Wild ein Anzeichen dafür, dass der Auslagenersatz eine Hürde für Studenten mit sozial schwächerem Hintergrund sein könnte. „Falls die Nachfrage weiter zurückgeht, wäre es an der Zeit, die Gebühren noch einmal zu überdenken“, sagt sie.

    "Bildung sollte nicht von finanziellen Ressourcen abhängig sein!"

    Damit stellt sich Wild auf die Seite des Sprecherrats der Uni, der schon im Januar in einer Pressemitteilung die Abschaffung des Auslagenersatzes forderte. Yasmin Hopp von der Bunten Liste begründet: „Bildung sollte nicht von finanziellen Ressourcen abhängig sein – das ist ein hohes Gut, zu dem keinem der Zugang verwehrt werden sollte.“ Auch sie sieht den Auslagenersatz als Hürde – als hinterrücks wieder eingeführte Bildungsgebühren. Der Sprecherrat wirbt deshalb für eine derzeit laufende Petition zur Abschaffung des Auslagenersatzes, gerichtet an die Universitätsleitung. 500 Unterstützer braucht die Petition aus Regensburg – von den bundesweit 400 Unterstützern sind das aktuell schon 239.

    Der Vizepräsident der Universität, Nikolaus Korber, lässt das Hürden-Argument indes nicht gelten: „Die Kurse sind immer noch drastisch überbucht – kann man da überhaupt von einem gravierendem Rückgang sprechen?“  Er erklärt sich die gesunkenen Anmeldezahlen anders: „Jetzt wählen die Studierenden einfach gezielter. Der Auslagenersatz ist ein Regulierungsmechanismus, den wir vorher nicht hatten.“ Vor der Einführung des Auslagenersatzes hätten sich Studierende einfach für viele Kurse auf einmal beworben – mit den 25 Euro würden sie sich jede Anmeldung noch einmal überlegen. „Aber einen Protest gegen den Auslagenersatz kann ich dahinter nicht erkennen“, sagt er.

    "Das Sprachkursangebot wird weiter sinken."

    Korber wehrt sich auch strikt dagegen, den Auslagenersatz „Sprachkursgebühr“ zu nennen. „Unser Ziel war es, die Angebote so gut wie möglich zu erhalten.“ Denn: 2013 versiegten die bisherigen Finanzierungsquellen der Sprachkurse allmählich. Die Überschüsse aus den abgeschafften Studiengebühren waren aufgebraucht und die Kompensationsgelder wurden zugunsten der Fakultäten umverteilt. Die Folge: Zahlreiche Sprachkurse wurden gestrichen. Ebenso waren die Gelder aus der Ausbauplanung – ein Finanzierungsprogramm des Landes zum Auffangen des doppelten Abiturjahrgangs – Anfang 2014 zurückgegangen. Also suchte die Universitätsleitung nach anderen Möglichkeiten, die Sprachkurse zu finanzieren: den Auslagenersatz. 

    52.000 Euro sind allein in diesem Semester dadurch eingenommen worden, und bis zum Ende des Semesters sollen noch weitere 12.000 Euro dazukommen. Damit werde die Infrastruktur der Kurse, also Lehrmaterialien, finanziert, so Korber. „Der Auslagenersatz ist ein Beitrag für die Möglichkeit, die Sprachkurse zu erhalten. Es war nicht das Ziel, das Sprachkursangebot zu erhöhen“, sagt Korber. „Im Gegenteil: Das Angebot an Sprachkursen wird sogar weiter sinken.

    Denn: Während im Wintersemester 2014/15 noch 178 Kurse angeboten wurden, waren es im Sommersemester nur noch 142. Für Yasmin Hopp ein klares Argument gegen den Auslagenersatz: „Das führt die Sprachkursgebühr doch ad absurdum“, wettert sie. „Der Geldmangel der Universität sollte nicht an die Studierenden weitergeleitet werden, sondern an den Freistaat.“ Doch selbst die Petition richtet sich nicht an den Freistaat, sondern gegen die Universitätsleitung – ebenfalls die falsche Adresse? Nein, sagt Yasmin Hopp, denn die Universitätsleitung habe wesentlich mehr Mittel, um vom Freistaat mehr Geld einzufordern. 

    „Es geht darum, ein Zeichen zu setzen.“

    Dass der Auslagenersatz bei einem Erfolg der Petition abgeschafft würde, könne sich weder Yasmin Hopp noch Margit Wild vorstellen. „Wichtig ist, den Auslagenersatz in der Universitätsleitung zu thematisieren“, sagt die Landtagsabgeordnete. Für Yasmin Hopp geht es auch mehr darum, ein Zeichen zu setzen. „Es besteht ja auch die Gefahr, dass dieser Auslagenersatz ein Türöffner für weitere Kursgebühren ist“, warnt sie. 

    Korber kann das jedoch nicht bestätigen: Ihm sei nicht bekannt, dass in Zukunft Gebühren für Zusatzkurse geplant seien. Er versteht den Trubel um den Auslagenersatz nicht: „Andere Unis würden sich totlachen, wenn sie von dem geringen Beitrag hören würden“, sagt er. Allerdings sieht er nur eine Alternative, sollte der Auslagenersatz abgeschafft werden: eine massive Begrenzung des Sprachkursangebots. Immerhin werden im Wintersemester wieder mehr Sprachkurse angeboten: 147 statt 142.

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