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Die Kugelschreiber

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    „Es ist ein Unding, dass so viele junge Menschen arbeiten wollen, es aber nicht dürfen.“

    Eva König engagiert sich ehrenamtlich bei „CampusAsyl“. Sie koordiniert die Sprachkurse in der Erstaufnahmeeinrichtung. Mit uns hat sie über ihre Erfahrungen in den Deutschkursen und mit den Flüchtlingen gesprochen.

    Eva König vor dem Aktenschrank in der Erstaufnahmeeinrichtung. Dort bewahrt sie die Unterrichtseinheiten für den Deutschkurs auf. (Foto: Basl) 

    Kugelschreiber: Jeden Dienstag bietet „CampusAsyl“ einen Deutsch-Crashkurs für Flüchtlinge an. Wo liegen denn die Herausforderungen für die Lehrenden?

    Eva König: Die Herausforderung ist, dass man das überhaupt nicht Klasse nennen kann: Es sind mal 20 Leute da, mal sind 50 Leute da. Mal sind’s viele Kinder, mal sind’s viele Erwachsene. Manchmal sind viele Kosovaren da, die zum Teil schon mal in ihrer Kindheit hier waren und einigermaßen gut Deutsch können. Andere sind gerade mal zwei, drei Tage in Deutschland und haben noch nie eine Fremdsprache gelernt.

    Das unter einen Hut zu bringen, geht eigentlich nur, wenn man improvisiert. Wirklich vorbereiten darauf kann man sich nicht. Wir versuchen, jedem der da ist, wirklich von Null an die allerersten Worte beizubringen: „Hallo ich heiße Eva, wie heißt du?“, „Ich komme aus Deutschland, woher kommst du?“ Das ist immer der Anfang und danach beginnen wir mit ein paar ganz einfachen alltagsrelevanten Themen.

    Letztes Mal wurden auch einfach einige mitten im Unterricht rausgeholt, dann hieß es: Die werden jetzt nach Chemnitz gebracht, weil die umverteilt werden. So was kann man nicht planen.

    Wie erlebst du die Menschen in der Erstaufnahmeeinrichtung?

    Das sind so unglaublich liebe Menschen! Es ist ein Wahnsinn, wenn ich in die Erstaufnahme reinkomme und mit einer Gastfreundlichkeit empfangen werde, mir was zu trinken angeboten wird. Und eigentlich würde ich mir wünschen, dass viel mehr Deutsche die  Menschen, die nach Deutschland geflohen sind, kennen lernen. Ich nehme gerne jeden mit. Dann würden solche Anschläge, wie es gerade überall in Deutschland gibt, nicht mehr möglich sein.

    Ich erlebe hier so viele hoffnungsvolle Menschen, die zufrieden sind, endlich mal durchatmen zu können. Gleichzeitig aber auch Menschen, die gerne weiterwollen und die gerne mehr tun würden. Es gibt ganz viele, die sofort arbeiten wollen das nicht dürfen, sondern erst mal abwarten müssen: Sie müssen ihren Antrag stellen und warten, wohin sie weiterverteilt werden. Hier erleb ich noch viele euphorische Menschen, während in den Gemeinschaftsunterkünften viele Menschen wirklich deprimiert und resigniert sind.

    Woran liegt das?

    Das liegt natürlich einerseits an den Verwaltungsverfahren, die sich so unglaublich lange hinziehen, aber auch an der Asylgesetzgebung selbst. Es ist ein Unding, dass hier so viele junge Menschen arbeiten wollen, es aber nicht dürfen. Gleichzeitig herrscht aber Fachkräftemangel in Deutschland. Das liegt an unseren Gesetzen und die könnte man leicht ändern.

    Wie wirkt sich das auf den Deutschunterricht aus?

    In den Gemeinschaftsunterkünften läuft das sehr unterschiedlich. Manchmal ist es da schwerer, die Leute zu erreichen. Gerade Menschen, die vielleicht schon seit mehreren Jahren hier sind und darauf warten, dass ihre Anträge bearbeitet werden. Es ist schwer, die zu erreichen, wenn einfach ganz viele auch klinisch diagnostizierte Depressionen haben.

    Wenn dort aber so wenige zum Kurs kommen – kann man da dann von einem Erfolg sprechen?

    Ich glaube, es ist immer ein Erfolg, wenn Menschen miteinander in Kontakt kommen. Auch das ist ein Ziel des Kurses. Und auch, wenn ein Mensch in einem Kurs nur ein paar Brocken gelernt hat, sind das erste Anfänge. 

    Was würdest du dir denn wünschen?

    Ich würde mir wünschen, dass es wirklich offizielle Kurse gibt, so dass die Ehrenamtlichen nicht die Hauptverantwortung tragen, sondern mehr Unterstützer sind. So läuft es momentan nämlich. Es ist ja so, dass man erst, wenn man das gesamte Verfahren durchlaufen hat, was ja zum Teil Jahre dauert, einen offiziellen Integrationskurs und einen offiziellen Sprachkurs belegen kann. Erst dann würde das Sprachenlernen beginnen und das verschleppt natürlich alles. Und das bei so motivierten Menschen.

    Vielen Dank!

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