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Die Kugelschreiber

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    Ein deutsch-syrisches Tandem

    Sprachen lernen ist wie Fahrradfahren: Übung macht den Meister. Und zu zweit fährt es sich besser als allein, denken Pia Schwarz und Yassin Hussein. Deshalb lernen sie regelmäßig zusammen: erst eine Stunde Arabisch, dann eine Stunde Deutsch. Das Sprach-Tandem ist über die Regensburger Studenteninitiative CampusAsyl zustandegekommen.

    Yassin Hussein (l.) mit Leoni Rossberg (M.), Pia Schwarz (2.v.r.) und seinen Töchtern in seinem Wohnzimmer. (Foto: Heckler) 

    Arabische Gastfreundschaft in Regensburg: Familie Hussein empfängt Pia Schwarz  zum Kaffetrinken auf ihrer Terrasse. Yassin Hussein ist mit seiner Familie im März über die Ägäis und den Balkan nach Deutschland gekommen. Die Husseins sind als Asylbewerber bereits anerkannt – sie können bleiben. Das Wichtigste ist jetzt: die Sprache lernen. Dabei hilft Pia, die an der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Regensburg studiert. Sie ist die Sprachpatin von Yassin. Pia hat schon in Jordanien studiert und etwas Arabisch gelernt – seit ein paar Wochen unterrichten Yassin und sie sich gegenseitig in ihren Landessprachen. 

    Pia: "Es macht wirklich Spaß. Und man merkt auch deutliche Fortschritte auf beiden Seiten, weil wir beide eine unglaubiche Wissbegierde mitbringen!"

    Im Sprachpatenprogramm bilden Pia und Yassin ein Tandem. Die erste Stunde lernen sie gemeinsam Deutsch, die zweite Arabisch. Das Programm wird von der Studenteninitiative CampusAsyl organisiert (die Kugelschreiber haben bereits von der Initiative berichtet). Leoni Rossberg leitet das Programm ehrenamtlich und vermittelt Kontakte – so wie bei Pia und Yassin. Die Sprachpatenschaften sollen Sprachkenntnisse verbessern, aber auch kulturellen Austausch ermöglichen. Die Nachfrage hat alle Erwartungen übertroffen, ja Leoni hat inzwischen sogar ein außergewöhnliches Problem:


    Leoni: "Es fehlen jetzt fast schon bisschen die Flüchtlinge, die ich an die Paten verteilen kann – weil es unglaublich viele Anfragen von Regensburgern gibt. Das ist wunderschön, aber ich muss nochmal gezielt Flüchtlinge ansprechen, sie fragen, ob sie Lust auf das Programm haben."

    Familie Hussein hatte Lust. Und zwar nicht nur Vater Yassin: Auch Mutter Khoulut trifft sich regelmäßig mit Pia. Sie macht schnell Fortschritte. Yassin sagt, seine Frau könne mittlerweile besser deutsch als er. Und Hulut kommt auch außerordentlich gut mit Pia zurecht, wie Yassin feststellt:

    Yassin: Es gibt da eine ganz spezielle Verbindung zwischen Pia und meiner Frau. Khoulut erzählt mir immer, wie sehr sie Pia mag. Manchmal werde ich wirklich eifersüchtig! (lacht)

    Anders als Yassin spricht Khoulut kein Englisch, deshalb sind Deutsch-Kenntnisse für sie besonders wichtig. Mittlerweile kann sie schon selbst Einkäufe erledigen und Kontakte knüpfen, ohne Sprachbarriere. Und so wie die Husseins Fortschritte machen, lernt auch Pia täglich neue Arabisch-Vokabeln. Und das auch gleich im passenden arabischen Dialekt . Denn der ist von Land zu Land unterschiedlich. 

    Pia: "Das Hocharabisch wird ja nicht gesprochen, sondern mehr Dialekt und als ich dann wieder herkam – es gibt eigentlich keine Dialektkurse. An den Unis wird meistens nur Hocharabisch unterrichtet. Ich bin sehr froh, dass ich jetzt Yassin als Partner habe, denn der syrische Dialekt ähnelt stark dem jordanischen."

    Noch dazu ist Yassin ein ausgebildeter Arabisch-Lehrer und kann Pia sehr gut die Struktur der Sprache vermitteln.
    So wird das Gespräch am Kaffetisch von Familie Hussein von Nachmittag zu Nachmittag etwas fließender – sowohl auf Arabisch, als auch auf Deutsch.

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